Donnerstag

DEUTSCHER BUCHPREIS 2018 – GROSSER LONGLIST–ABEND in der Freien Akademie der Künste am Donnerstag, 30. August

Freie Akademie der Künste,
Donnerstag, 30.08.2018  18.30 Uhr
Klosterwall 23, Hamburg
Eintritt: 12 / 16 Euro

DEUTSCHER BUCHPREIS 2018 – GROSSER LONGLIST – ABEND: Nominierte stellen sich und ihre Romane vor. Annemarie Stoltenberg und Rainer Moritz moderieren den Abend.

Jeden Herbst beginnen die Diskussionen von Neuem, wenn es um den Titel »Roman des Jahres« geht. Seit 2005 ist der Deutsche Buchpreis ein Teil der literarischen Welt und soll vor allem eines tun: Aufmerksamkeit schaffen – Aufmerksamkeit für deutschsprachige Autoren und Autorinnen, das Lesen und Romane. Zu den Preisträgern der letzten Jahre gehören Arno Geiger, Ursula Krechel, Terézia Mora, Lutz Seiler und 2017 Robert Menasse.
Auch die diesjährige Jury nimmt ihren Job ernst und schaut sich die Titel genau an. Christoph Bartmann, Luzia Braun, Tanja Graf, Paul Jandl, Uwe Kalkowski, Christine Lötscher und Marianne Sax werden bestimmen, wer den Deutschen Buchpreis 2018 bekommt, und das wird keine leichte Entscheidung …

Am 14. August werden zunächst die 20 Nominierten bekanntgegeben. Und da könnte es doch keinen schöneren Auftakt für den Bücherherbst geben als unseren großen Longlist-Abend. Nach der Premiere im letzten Jahr mit insgesamt 14 Autorinnen und Autoren beginnen wir jetzt eine halbe Stunde früher und drücken die Daumen, dass wir wieder rund ein Dutzend Nominierte nach Hamburg locken können. Auf der Bühne werden sie sich im kurzen Gespräch und mit einem Leseausschnitt vorstellen, sodass Sie sich bereits im August für Ihren Favoriten entscheiden können – oder zumindest mitreden können, wenn es um den »Roman des Jahres« geht.

Eine gemeinsame Veranstaltung des Literaturhaus Hamburg in Kooperation mit der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung und der Freien Akademie der Künste und mit freundlicher Unterstützung der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.
(JK 08/18)


Die isländische Autorin Steinunn Sigurðardóttir liest im Literaturhaus am Mittwoch, 29. August

Literaturhaus
Mittwoch, 29.08.2018  19.30 Uhr
Schwanenwik 38, Hamburg
Eintritt: 8 / 12 Euro

Steinunn Sigurðardóttir stellt die Biografie Heiðas Traum – Eine Schäferin auf Island kämpft für die Natur vor, die bei erschienen ist. Katja Danowski liest die deutschen Texte, Nikola Haaks moderiert. Die Schäferin Heiða Guðný Ásgeirsdóttir wird anwesend sein.

Die textliche Spannbreite von Steinunn Sigurðardóttir, die als eine der bekanntesten literarischen Stimmen Islands gilt, ist enorm. Neben Lyrik und Kurzgeschichten schrieb sie Drehbücher, ein Kinderbuch sowie zahlreiche Romane, darunter Herzort und Der Zeitdieb. Mit Heiðas Traum wechselt sie erneut das Sujet. Sie zeichnet die Lebenswelt ihrer 40-jährigen Landsmännin Heiða Guðný Ásgeirsdóttir nach, deren Werteeinstellung und Nähe zur Natur, deren Kraft und authentisches Engagement ihr imponiert.

Heiða, die zunächst als internationales Model arbeitet, schreibt ihrem Körper 23-jährig eine Aufgabe zu, die nicht mehr auf die Zurschaustellung ausgelegt ist, sondern zupackend der Hofarbeit und den Tieren gilt. Sie übernimmt die abseits gelegene Farm des Vaters und bewirtschaftet heute einen Betrieb mit 500 Schafen. Und sie kämpft für die Unversehrtheit der sie umgebenden Welt, wehrt mit lokalpolitischem Eifer den Staudammbau eines Energiekonzerns ab. Sigurðardóttir fängt die Rauheit, die Lust, die Zurückgezogenheit von Heiðas Alltag ein, der die Erfülltheit auf dem ruckeligen Traktor, auf dem sie auch liebend gerne tanzt, die kräftezehrende Heuernte, die Unabhängigkeit von männlich-weiblichen Dichotomien, aber keinesfalls eine Weltfremdheit meint. Heiðas Traum wurde in Island zum Bestseller und weiß auch unsere Sehnsucht zu spiegeln.

Heiðas Traum von Steinunn Sigurðardóttir ist bei Hanser erschienen.
(JK 08/18)

Philosophisches Café mit Emanuele Coccia am Dienstag, 28. August

Literaturhaus
Dienstag, 28.08.2018  19.00 Uhr
Schwanenwik 38, Hamburg
Eintritt: 8 / 12 Euro

Philosophisches Café. Thema: Die Wurzeln der Welt. Zu Gast ist Emanuele Coccia, Gastgeber ist Reinhard Kahl.

„Die Pflanzen sind die immer offene Wunde der metaphysischen Arroganz, die unsere Kultur definiert“

„Dieses Buch ist ein Wunder“, begründete die Jury die Vergabe eines französischen Philosophiepreises an Emanuele Coccia, ein Italiener, der Philosophiegeschichte an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris lehrt und übrigens sehr gut deutsch spricht.

Coccia fixiert einen blinden Fleck der Philosophie und unserer Mentalität. Wir haben die Pflanzen vergessen. Er rehabilitiert sie als Quelle des Lebens, denn sie mischen Staub und Licht zu etwas Neuem. Sie verwandeln das Anorganische zu Leben. Das Buch Die Wurzeln der Welt heißt im französischen Original La vie des plantes (Das Leben der Pflanzen) und hat den Untertitel Une métaphysique du mélange. Die Mischung ist es. So entsteht Welt. Die Pflanzen schaffen neue Verbindungen und sie produzieren Atmosphäre. „Die Pflanze ist die radikalste und paradigmatischste Form des In-der-Welt-Seins.“ Wir verdanken ihr alles. Und anders als viele Tiere müssen sie nicht töten, um zu leben. So lobt Coccia die kosmische Mélange, den universellen Sex der Pflanzen. Wenn wir sie bewundern, verehren und verstehen, könnten wir dann vielleicht etwas bessere Tiere werden? Und sogar klügere? „Was die Welt ist, müssen wir von den Pflanzen erfragen.“

Emanuele Coccia, geboren 1976, ist Professor für Philosophiegeschichte an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris. Er promovierte in Florenz und war Assistenzprofessor für Geschichte der Philosophie in Freiburg. Sein Buch La Vie sensible (Payot, 2010) wurde in mehrere Sprachen übersetzt. 2017 wurde er für die Die Wurzeln der Welt mit dem Prix des Rencontres Philosophiques de Monaco ausgezeichnet.

Die Wurzeln der Welt von Emanuele Coccia ist bei Hanser erschienen.
(JK 08/18)

Marc Raabe: Schlüssel 17 (Ullstein)

Der Thriller Schlüssel 17 von Marc Raabe, erschienen bei Ullstein, ist der erste Fall für Tom Babylon.

In der Kuppel des Berliner Doms hängt eine grausam zugerichtete Tote mit schwarzen Flügeln: Es ist die prominente Dompfarrerin Dr. Brigitte Riss. Um den Hals trägt sie einen Schlüssel. In den Griff ist die Zahl 17 geritzt. Tom Babylon vom LKA will diesen Fall um jeden Preis. Denn mit diesem Schlüssel verschwand vor vielen Jahren seine kleine Schwester Viola. Doch Tom bekommt eine unliebsame Partnerin für die Ermittlungen. Die Psychologin Sita Johanns fragt sich schon bald, wer in diesem Fall mehr zu verbergen hat: Tom oder der Mörder, der sie beide erbarmungslos vor sich hertreibt.

Marc Raabe hat einen intelligenten Thriller geschrieben mit einer packenden Story und teilweise überraschenden Wendungen. Raabe bewegt sich mit Schlüssel 17 definitiv auf der Höhe von Sebastian Fitzek, dem erfolgreichsten deutschen Thrillerautor. Es gibt viele verschiedene Charaktere, mit dem ein oder anderen Klischee, die typisch für Thriller sind. Marc Raabe geht mit den Stilmittel sehr kreativ um. Er verwendet verschiedene Zeit- und Ortsebenen, liefert Verstrickungen und am Ende eine nicht unkomplizierte halbe Auflösung. Bis zum Ende bleibt die Spannung dem Leser erhalten.

Marc Raabe wurde 1968 in Köln geboren. Mit 15 Jahren entdeckte er seine Leidenschaft fürs Geschichtenerzählen und begann mit einem Freund Filme zu drehen. Drei Jahre später entstand daraus eine Produktionsfirma für Industriefilme, Musikvideos und Fernsehen. Zusätzlich studierte er Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften sowie Germanistik, beendete jedoch das Studium vorzeitig, um sich ganz seiner Firma zu widmen. Heute ist er Gesellschafter und Geschäftsführer einer Fernsehproduktion und lebt mit seiner Familie in Köln. Sein Thriller-Debüt Schnitt stand 2012 mehrere Wochen auf der Spiegel Online Bestsellerliste, ebenso wie sein zweiter Thriller Der Schock. Seine Bücher erscheinen inzwischen in zehn Sprachen, unter anderem in England, dem Mutterland des Spannungsromans. Schnitt wurde beim Krimi-Blitz, dem Publikumspreis von krimi-couch.de, zum drittbesten deutschen Krimi 2012 gewählt.

Schlüssel 17 von Marc Raabe ist bei Ullstein erschienen.
(JK 05/18)

John Le Carré: Das Vermächtnis der Spione (Ullstein)

Das geniale Finale der Welterfolge Der Spion, der aus der Kälte kam und Dame, König, As, Spion des Kultautors Joh Le Carré ist bei Ullstein mit dem Tiel Vermächtnis der Spione erschienen.

1961: An der Berliner Mauer sterben zwei Menschen, Alec Leamas, britischer Top-Spion, und seine Freundin Liz Gold. 2017: George Smileys ehemaliger Assistent Peter Guillam wird ins Innenministerium einbestellt. Die Kinder der Spione Alec Leamas und Elizabeth Gold drohen, die Regierung zu verklagen. Die Untersuchung wirft neue Fragen auf: Warum mussten die Agenten an der Berliner Mauer sterben? Hat der britische Geheimdienst sie zu leichtfertig geopfert? Halten die Motive von damals heute noch stand? In einem dichten und spannungsgeladenen Verhör rekonstruiert Peter Guillam, was kurz nach dem Mauerbau in Berlin passierte. Bis George Smiley die Szene betritt und das Geschehen in einem neuen Licht erscheint.

Es ist John Le Carrés ultimative Roman über die dunklen Seiten der Geheimdienste. Er ist ein Chronist des kalten Krieges gewesen und wenn sich auch die Ideologien verflüchtigt haben, so bleibt das Geschäft der Geheimdienste zeitlos. Finte und Gegenfinte, ein kluger Verstand und das gleichzeitige sich bewegen auf verschiedenen Ebenen der Wahrheit sind das Parkett, auf dem sich John Le Carré schlafwandlerisch leicht bewegt. Das Buch ist weniger ein Thriller als ein „Abgesang“ auf den kalten Krieg und der Haltung in den Blöcken gegen einander. John Le Carrés Talent liegt darin, seine Figuren und Geschichten so real und klar werden zu lassen, dass man die Lektüre kaum unterbrechen möchte. Sein Stil und Blick auf die Welt, ist im besten Sinne „very british“.

John le Carré, 1931 geboren, studierte in Bern und Oxford. Er war Lehrer in Eton und arbeitete während des Kalten Kriegs kurze Zeit für den britischen Geheimdienst. Seit nunmehr über fünfzig Jahren ist das Schreiben sein Beruf. Er lebt in London und Cornwall.

Das Vermächtnis der Spione von John Le Carré ist bei Ullstein erschienen.
(JK 04/18)

Vaseem Khan: Inspector Chopra und der Juwelenraub (Ullstein)

Inspector Chopra und Elefant Ganesha sind wohl das ungewöhnlichste Ermittlerduo der Welt und mit dem Krimi Inspector Chopra und der Juwelenraub ist bei Ullstein ein neuer Krimi des englisch-indischen Autors Vaseem Khan erschienen.

Zum ersten Mal seit Langem werden die britischen Kronjuwelen wieder in Indien ausgestellt. Ausgerechnet am Tag, als Inspector Chopra das Museum in Mumbai besucht, geschieht jedoch das Undenkbare: Die Krone von Königin Victoria mitsamt dem berühmt-berüchtigten Koh-I-Noor-Diamanten wird gestohlen. Der Juwelenraub sorgt sofort für eine aufgeheizte politische Stimmung. Inspector Chopra weiß, dass der Diamant so schnell wie möglich gefunden werden muss und begibt sich zusammen mit seinem Schützling, Jungelefant Ganesha, auf Spurensuche.

Vaseem Khan hat mit seiner Figur Chopra ein indisches Pendant zu Sherlock Holmes geschaffen, mit seinem Elefanten Ganesha als Dr. Watson. Er hat mit seinem humorvollen und informativen Debütkrimi eine Fangemeinde gewinnen können und die wird auch im zweiten Krimi bedient. Dass hierbei der Elefantengehilfe Ganesha im zweiten Krimi überaus menschelt und sogar seine Gedankenwelt mitgeschildert wird, dürfte jedoch nicht alle zufrieden stimmen. So weiß man sich nicht ganz zu entscheiden, ob man eine Tiergeschichte präsentiert bekommt oder einen Krimi. In Großbritannien sind seit 2015 bereits fünf Bände dieser Krimireihe erschienen, was beweist, dass diese ungewöhnliche Art Krimi Erfolg hat. Seine Romane werfen einen kritischen, wenn auch augenzwinkernd liebevollen Blick auf die heutige, noch immer in Kasten gegliederte Gesellschaft und führen uns in die Paläste der Superreichen ebenso wie in die dreckigsten Slums am Rand der Millionenstadt Mumbai.

Vaseem Khan wurde 1973 in London geboren. Als er 1997 nach Indien zog, sah er zum ersten Mal einen Elefanten auf offener Straße. Es erschien ihm damals höchst seltsam und diente als Inspiration für seinen ersten Kriminalroman. 2006 kehrte er nach England zurück und arbeitet seitdem am University College London für die Abteilung Sicherheits- und Kriminalwissenschaften.

Inspector Chopra und der Juwelenraub von Vaseem Khan ist bei Ullstein erschienen.
(JK 04/18)

Jordan Harper: Die Rache der Polly McClusky (Ullstein)

In Jordan Harpers Roman Die Rache der Polly McClusky, erschienen bei Ullstein, sind Vater und Tochter auf der Flucht.

Polly McClusky ist elf und eigentlich zu alt für den Teddybär, den sie überallhin mitnimmt, als überraschend ihr Vater Nate vor ihr steht. Der ist aus dem Gefängnis ausgebrochen, um Polly das Leben zu retten. Denn auf Polly ist ein Kopfgeld ausgesetzt. Nate hat sich im Knast einen mächtigen Feind gemacht: die Gang Aryan Steel hat ihn und seine Familie zu Freiwild erklärt. Nates Exfrau wurde bereits getötet, Polly ist die Nächste auf der Liste. Auf der Flucht durch Kalifornien werden Vater und Tochter zu einem starken Team. Nates Kampftraining macht aus dem schüchternen Mädchen einen selbstbewussten Fighter. Und durch Pollys Scharfsinn halten sie den Vorsprung vor ihren Verfolgern. Bald ist Nate jedes Mittel recht, damit Polly wieder ein Leben ohne Angst führen kann.

Der spannende, gleichsam brutale und emotionale Roadtrip begeistert, auch wenn die Geschichte etwas abstrus erscheint. Der Autor schreibt überaus eindringlich, es entstehen immer wieder bildgewaltige Szenen im Kopf des Lesers. Einiges erinnert denn auch stark an die Klassiker Thelma und Louise, an Bonny und Clyde oder an Léon - Der Profi, das den Autor, wie er selber bestätigte, geprägt hat. Die Entwicklung der liebenswerten Charaktere überzeugt. Der Roman besticht durch kurze Kapitel, die keine Längen aufkommen lassen.

Jordan Harper wurde 1976 in Missouri geboren. Er war Musikjournalist, Filmkritiker und Fernsehautor. Als Drehbuchautor war er u.a. Lead Writer bei den Fernsehserien The Mentalist und Gotham. Zurzeit lebt er in Los Angeles und arbeitet am Drehbuch von Die Rache der Polly McClusky. Er wird außerdem das Script zur TV-Serie L.A. Confidential schreiben.

Die Rache der Polly McClusky von Jordan Harper ist bei Ullstein erschienen.
(JK 06/18)

Roger Smith: Mann am Boden (Tropen)

„Jeder Schuldige ist sein eigener Henker.“ Dieser Satz schickt der Verlag Tropen dem neuen Thriller Mann am Boden des südafrikanischen Autors Roger Smith vorweg.

Tucson, Arizona. Eine dreiköpfige Familie wird in ihrem eigenen Haus überfallen und als Geisel gehalten. Doch schnell offenbart sich, dass der Vater ein doppeltes Spiel spielt. Wer sind die wahren Täter und wer die Opfer?

Zehn Jahre ist es her, seit John Turner und seine Frau ihre Zelte in Südafrika abbrachen, um gemeinsam mit ihrer Tochter Lucy in den USA ein neues Leben aufzubauen. Als drei Männer in ihr Haus in Arizona eindringen und sie als Geiseln nehmen, zerbricht das familiäre Idyll. Langsam kommen die Schatten aus Turners Vergangenheit ans Licht. Warum verließ die Familie ihre Heimat Johannesburg so überstürzt?

Roger Smith erzählt in rasantem Tempo von Vertrauen, Korruption und den Fehlern der Vergangenheit, die jeden von uns zwangsläufig einholen. Und er beweist: Unschuldige gibt es in dieser Welt nicht. Roger Smith ist in seinen Thrillern kompromisslos und unbarmherzig, was ihn den Ruf einbrachte, der härteste Krimiautor Südafrikas zu sein. Auch hier handelt es sich um einen sogenannten hardboiled Thriller, der hervorragend komponiert und meisterhaft konstruiert ist. Vieles erinnert an einen Tarantino-Film, jede Menge Gewalt, ein Blutbad folgt dem nächsten und immer wieder ist der Sucher der Kamera direkt auf das Massaker gerichtet – Gemetzel in Reinkultur. Der Thriller ist in einer überaus bildhaften Sprache und buchstäblich spannend bis zur letzten Seite, doch auf keinen Fall etwas für schwache Gemüter.

Roger Smith, geboren 1960, renommierter Drehbuchautor, Regisseur und Produzent, lebt und arbeitet in Thailand. Während der südafrikanischen Apartheidjahre hat er das erste hautfarbenübergreifende Filmkollektiv gegründet. Daraus ist eine Reihe von wichtigen, international erfolgreichen Protestfilmen hervorgegangen. Sein Debüt Kap der Finsternis aus dem Jahr 2009 war ein großer internationaler Erfolg und wird in Hollywood verfilmt. 2010 erschien Blutiges Erwachen, beide Bücher standen wochenlang auf Platz 1 der KrimiWelt-Bestenliste.

Mann am Boden von Roger Smith ist bei Tropen erschienen.
(JK 04/18)

Keigo Higashino: Unter der Mitternachtssonne (Tropen)

Ein zwanzig Jahre alter Mord. Eine Verkettung unlösbarer Rätsel. Ein Detektiv, der entschlossen ist, das dunkle Geheimnis zu entschlüsseln. Darum geht es im Thriller Unter der Mitternachtssonne des japanischen Autors Keigo Higashino, der bei Tropen erschienen ist.

Osaka, 1973: Der Pfandleiher Kirihara wird ermordet in einem verlassenen Gebäude aufgefunden. Der unerschütterliche Detektiv Sasagaki nimmt sich des Falls an, der von nun an sein Leben bestimmt. Schnell findet er heraus: Ryo, der wortkarge Sohn des Opfers, und Yukiho, die hübsche Tochter der Hauptverdächtigen, sind in das Rätsel um den Toten verwickelt. Beinahe zwanzig Jahre lang versucht Sasagaki mit zunehmender Verzweiflung, den Mord aufzuklären, in dessen Netz sich Täter, Opfer und Polizei verfangen haben. Bis über alle Grenzen hinaus, bis hin zur Obsession.

Keigo Higashino hat einen komplexen Psychothriller geschrieben und mit größter Raffinesse in Szene gesetzt. Die scheinbare Emotionslosigkeit der ostasiatischen Literatur besitzt große Magie. Es ist stilvoller Nervenkitzel, clever und unblutig inszeniert, ein Krimi, der begeistert. Er stellt einen Gegenpol zur europäischen Krimikultur dar, der Spannungsbogen ist deutlich anders akzentuiert. Es überrascht und öffnet neue Perspektiven. Vielleicht nicht ganz unwichtig ist, dass der Roman in Japan bereits 1999 erschienen ist und so manches Detail heute etwas antiquiert wirkt.

Keigo Higashino, wurde 1958 in Osaka, Japan, geboren. Nach seinem Ingenieurs-Studium begann der Kapitän einer Bogenschützenmannschaft Kriminalromane zu schreiben. Viele seiner Kriminalromane wurden für Kino und Fernsehen adaptiert und mit Preisen ausgezeichnet. Sein größter Erfolg war Verdächtige Geliebte, das sich in seiner Heimat mehr als zwei Millionen Mal verkauft hat. Er lebt zurückgezogen in Tokio.

Unter der Mitternachtssonne von Keigo Higashino ist bei Tropen erschienen.
(JK 06/18)

Alejandro Zambra: Ferngespräch – Stories (Suhrkamp)

Elf Erzählungen vereint das Buch Ferngespräch- Stories des chilenischen Autors Alejandro Zambra, das bei Suhrkamp erschienen ist.

In diesem Buch wird zurückgeschaut: auf die allerletzte Zigarette, den ersten eigenen Computer, auf Rückeroberungsversuche, hirnverbrannte Jobs, die Schule. Von liebenden, lügenden, kriminellen Männern, die die Paraderollen versäumt haben, die niemand Papa nennt, Chef oder Schatz. In einem Chile, für dessen Heldengeschichten sie zu allem Überfluss auch noch zu spät kamen. Ihre elf Stories finden sich in diesem Buch, jede ein Ferngespräch mit der eigenen Vergangenheit und eine Suche nach der Zeit, als Ängste wie Träume maßlos und unbegründet waren.

In elf Erzählungen erzählt Zambra über sich selbst, seine Kindheit und Jugend im Chile unter Pinochet, über das Leben seiner Freunde und das Leben insgesamt. Wie man zum Opfer des Regimes wurde, über seine sinnfreien Jobs nach dem Literaturstudium, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, und über seine Affären mit Frauen. Er erzählt über sein Land und seine Menschen, von ihren Träumen und Ängsten, über das angekratzte Selbstwertgefühl und der Suche nach dem richtigen Platz im Leben. Er schreibt  über die scheinbare Unmöglichkeit glücklich im eigenen Land zu werden und die Unfähigkeit das Glück im Ausland zu finden. Er zeigt die Realität Chiles und der Chilenen, wie sie die Welt und ihr Leben sehen, was sie bewegt, was ihnen wichtig erscheint, und warum sie das tun, was sie tun. Suhrkamp hat eine sehr starke Kurzgeschichtensammlung zusammen getragen und veröffentlicht,  gerade wegen der leisen, doch deutlich artikulierten Zwischentöne.

Alejandro Zambra, geboren 1975 in Santiago de Chile, gilt als einer der wichtigsten lateinamerikanischen Autoren seiner Generation. Der promovierte Hispanist leitet den Studiengang Editionswissenschaft an der Universität Diego Portales in Santiago und arbeitet als Kritiker für namhafte Tageszeitungen, darunter das chilenische El Mercurio und das spanische El País. Seine Romane, Erzählungen und Gedichte erscheinen in über zwanzig Ländern und erhielten zahlreiche nationale und internationale Preise. Sein Romandebüt Bonsai verhalf Zambra zum Durchbruch. Unter der Regie von Christian Jiménez wurde es für die Leinwand adaptiert und 2011 in Cannes uraufgeführt.

Ferngespräch – Stories von Alejandro Zambra ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 12/17)

David Whish-Wilson: Die Ratten von Perth (Suhrkamp)

Von David Whish-Wilson, einem der besten Krimiautoren Australiens, ist bei Suhrkamp der Krimi Die Ratten von Perth erschienen.

Perth, Western Australia, 1975. Die Chefin eines Luxusbordells wird ermordet. Es besteht kein Zweifel daran, dass Polizisten die Frau publikumswirksam hingerichtet haben. Alle Ermittlungen aber verlaufen im Sande. Superintendent Frank Swann will das nicht hinnehmen und ermittelt auf eigene Faust gegen seine Kollegen. Deswegen ist sein Ruin beschlossene Sache in den Etagen der Macht. Mit einem aufwändigen Verfahren soll er aus dem Verkehr gezogen werden. Aber Swann ist zäh, ruppig und gefährlich. Er schlägt zurück und setzt damit sein Leben und das seiner Familie aufs Spiel. Dass er früher selbst kriminell war und selbst beste Kontakte im Milieu hat, hilft ihm in dem mörderischen Überlebenskampf. Auch wenn seine Chancen nicht allzu gut sind.

Der Sumpf, in dem sich der Krimi bewegt, wird vom Autor elegant, kühl und souverän ausgebreitet. Literarisch hochwertig. Es ist ein Krimi in bester Noir-Tradition. Die Stadt Perth erscheint damit auf der Landkarte der Kriminalliteratur. David Whish-Wilson erweckt sie mit allen Sinnen zum Leben.

David Whish-Wilson, geboren 1966 in Newcastle, New South Wales, wuchs in Singapur, Victoria und Western Australiaauf, lebte zwischenzeitlich in Europa, Afrika und Asien, jobbte u. a. als Barkeeper, Schauspieler, Straßenverkäufer, Kammerjäger und Testpatient. Er lebt zurzeit in Fremantle, Western Australia, und lehrt in Perth Creative Writing an der Curtin University.

Die Ratten von Perth von David Whish-Wilson ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 01/18)

J. M. Ilves: Bordertown – Der Puppenmeister (Suhrkamp)

Der Auftakt zu einer neuen finnischen Kultkrimiserie bei Suhrkamp bildet der Krimi Bordertown – Der Puppenmeister  von J. M. Ilves.

Kommissar Sorjonen – ein brillanter Ermittler, der jedoch nicht nur mit den Toten, sondern auch mit den Lebenden so seine Schwierigkeiten hat – lässt sich ins beschauliche Lappeenranta an der russischen Grenze versetzen. Mehr Zeit für seine Familie, hofft er, und weniger Morde, die sich von Mal zu Mal tiefer in ihn einbrennen. Doch schon kurz nach seiner Ankunft wird ein russisches Mädchen leblos aufgefunden; wie eine Puppe liegt sie da, nackt und bleich. Und für Sorjonen ist schnell klar: Wo sie herkommt, sind noch weitere in Gefahr.

Gerade erst hat er seine neuen Kollegen kennengelernt, schon starrt Sorjonen am idyllisch gelegenen Saimaa-See auf ein totes Mädchen, das ans Ufer gespült wurde. Die Todesursache: eine Überdosis Betäubungsmittel. Was zunächst nach einem Unfall aussieht, wird zu einem Fall, der weitere Tote bringt und immer größere Kreise zieht. Die Spuren deuten auf einen Verbrecherring, der Handel mit Nacktfotos von betäubten Mädchen, sogenannten „Puppen“, betreibt. Doch auf der Suche nach den Hintermännern versinkt Sorjonen immer tiefer im Kleinstadtsumpf aus Korruption und Klüngelei. Und dann taucht auch noch eine russische FSB-Agentin auf – auf der Suche nach ihrer verschwundenen Tochter…

Präzise und gelungen bringen die Autoren die Szenen in Stellung, wenn Gefahr heraufzieht. Ein wenig nebulös bleibt die Darstellung der Charaktere und die Verflechtungen aller in der überschaubaren Stadt. Doch die vermeintliche Harmlosigkeit ist die Stärke des Krimis und hebt ihn von der Masse ab, bleibt überraschend anders.

J. M. Ilves ist das Pseudonym zweier finnischer Autoren, die sich zusammengetan haben, um eine neue Krimiserie im Stil des Nordic Noir zu schreiben. Zum Vorbild haben sie sich skandinavische Krimierfolge wie The Killing und Die Brücke genommen. Und so wurde auch Bordertown fürs Fernsehen verfilmt. Die TV-Serie begeisterte in Finnland ein Millionenpublikum und wurde in über 40 Länder verkauft.

Bordertown – Der Puppenmeister  von J. M. Ilves ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 01/18)

Daniel Galera: So enden wir (Suhrkamp)

Vom brasilianischen Autor Daniel Galera ist bei Suhrkamp sein Roman So enden wir erschienen.

Sie waren unsterblich – damals, Ende der Neunziger, wütend und voller Aufbruch, drei Jungs und eine Frau, Protagonisten der neuen Gegenkultur aus späten Punks, krassen Künstlern und digitalen Bohemiens. Allen voran Duke, riesiges Schriftstellertalent, genialisch, unnahbar. Jetzt ist Duke tot, zufälliges Opfer eines Raubüberfalls, es ist das Jahr 2014 und Porto Alegre wie paralysiert von der sengenden Hitze und dem Streik. Am Grab ihres alten Mitstreiters kommen Aurora, Antero und Emiliano zusammen, nach einer gefühlten Ewigkeit wie Fremde. Unweigerlicher Blick zurück: Wie war das früher, und was ist aus ihnen geworden, aus den Idealen, Lebensplänen, Hoffnungen? Und: Wer war dieser Duke wirklich? War er ihr Freund? Oder hat er sie nicht doch bloß für seine Zwecke benutzt? Die immer skurrilere Suche nach einer Antwort führt die drei zu einer Hinterlassenschaft, die so berührend wie erschütternd ist.

Was gibt dem Leben Halt, wenn das Wünschen nicht mehr hilft? Daniel Galera hat einen virtuos agilen, unerschrockenen Generationen- und Gegenwartsroman geschrieben. Über Auf- und Abbrüche, über Ankünfte und Verlorenheiten und über das ungelöste – vielleicht unlösbare? – Geheimnis menschlicher Nähe. Der Autor hat ein kontrastreiches, widersprüchliches Szenario menschlicher Erfahrungen und Empfindungen vor dem brasilianischen Hintergrund wirtschaftlicher Krisen, spürbarem Klimawandel und politischer Instabilität geschrieben, urteilt die taz. Die Bilder aus Brasilien 2014 sind uns noch in guter Erinnerung: Unruhen auf den Straßen, Korruption, Gewalt, ein unglaubliches politisches Schmierentheater der rechten Parlamentsmehrheit und die bevorstehende Weltmeisterschaft. Das ist das Setting dieses Romans, der berührt und aufrüttelt. Gut und flüssig geschrieben regt Daniel Galeras lesenswerter Roman zum Nachdenken an.

Daniel Galera, geboren 1979 in São Paulo, lebt heute in Porto Alegre. Er hat Erzählungen, eine Graphic Novel und drei Romane geschrieben. Sein Werk ist vielfach ausgezeichnet, verfilmt und für das Theater adaptiert worden. Galera hat u. a. Zadie Smith, Jonathan Safran Foer, David Foster Wallace und Hunter S. Thompson ins Portugiesische übersetzt.

So enden wir  von Daniel Galera ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 07/18)

Friedrich Ani: Ermordung des Glücks (Suhrkamp)

Nach dem mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichneten Auftakt der Reihe um Jakob Franck, Der namenlose Tag, folgt nun bei Suhrkamp der langerwartete zweite Teil, Ermordung des Glücks von Friedrich Ani.

Das Glück wird ermordet, als der 11-jährige Lennard Grabbe im kalten Novembermünchen nicht nach Hause kommt und 34 Tage später als Mordopfer aufgefunden wird. Exkommissar Jakob Franck, den man bereits aus Der namenlose Tag kennt, überbringt den Eltern die schrecklichste aller Nachrichten – das Glück verschwindet. Aber auch das Glück anderer, mit Lennard in Verbindung stehenden Personen, endet abrupt oder wird ermordet. Während die Sonderkommission auf der Stelle tritt und die Familie keinen Weg findet, mit dem Verlust umzugehen, vergräbt Franck sich bis zur Erschöpfung in Zeugenaussagen und Protokollen, verbringt Stunden am Tatort und bedient sich seiner speziellen Technik der Gedankenfühligkeit – immer in der Hoffnung, das „Fossil“, den einen ausschlaggebenden Faktor zur Aufklärung des Falls, ans Licht zu bringen. Angetrieben wird er dabei nicht nur von dem Bedürfnis, der Familie zu Klarheit zu verhelfen und so ihre Trauer zu lindern, sondern auch von den schmerzhaften Erinnerungen an die ungelösten Mordfälle seiner Karriere.

Friedrich Ani vereint erneut grenzenlose Traurigkeit, menschliche Abgründe und atemlose Spannung in einem an Melancholie kaum zu übertreffenden Roman. Psychologisch tief ausgeleuchtet sind Anis Figuren, kunstvoll beschrieben und eingebettet in einer subtilen und vielschichtigen Handlung. Meisterhaft inszeniert hierbei Friedrich Anil Monologe. Entschleunigung ist angesagt, der Leser muss sich auf Düsternis, unendliche Melancholie und Traurigkeit einlassen, die in Anis Büchern herrscht. Friedrich Ani schreibt über die Menschen und ihren Kampf um ein bisschen Glück, und leider auch oft über ihr Scheitern. Friedrich Ani ist ein faszinierender Autor.

Friedrich Ani, geboren 1959, lebt in München. Er schreibt Romane, Gedichte, Jugendbücher, Hörspiele, Theaterstücke und Drehbücher. Sein Werk wurde mehrfach übersetzt und vielfach prämiert, u. a. mit dem Deutschen Krimi Preis, dem Adolf-Grimme-Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis. Seine Romane um den Vermisstenfahnder Tabor Süden machten ihn zu einem der bekanntesten deutschsprachigen Kriminalschriftsteller. Friedrich Ani ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und des Internationalen PEN-Clubs.

Ermordung des Glücks  von Friedrich Ani ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 12/17)

Deon Meyer: Die Amerikanerin (Rütten & Loening)

Der südafrikanische Autor Deon Meyer überrascht in seinem bei Rütten und Loening erschienenen Thriller Die Amerikanerin mit einer raffinierten Kriminalstory, die bis in die Zeit Rembrandts führt.

Bennie Griessel und die geheimnisvolle Frau: Bennie Griessel hegt eigentlich Heiratspläne, doch dann wartet ein neuer Fall auf ihn: Am Sir Lowry’s Pass in der Nähe von Kapstadt wird die Leiche einer nackten weißen Frau entdeckt. Todesursache war ein heftiger Schlag auf den Hinterkopf. Griessel findet heraus, dass die tote Amerikanerin und Kunstexpertin war und auf der Suche nach dem kostbaren Gemälde eines Rembrandt-Schülers, welches offenbar nach Südafrika geschmuggelt worden ist.

Ungewöhnliche kurz für die Verhältnisse von Deon Meyer ist dieser Thriller ausgefallen, wofür Deon Meyer auch gleich die Begründung gibt. Meyer wurde 2015 eingeladen, ein Geschenkbuch für die „Spannende Boekeweek 2017“ in den Niederlanden zu schreiben. Die Vorgabe dafür lautet: eine Novelle von etwa 26.000 Wörtern. Weil er nicht wollte, dass nur niederländische Leser die Weiterentwicklung der Beziehung zwischen Griessel und seiner Freundin verfolgen, hat er sich entschlossen, dieses Buch auch außerhalb der niederländischen Geschenkaktion zu veröffentlichen. Und trotz der Kürze ist der Roman schlüssig und logisch aufgebaut. Die Figur des Benny Griessel ist von Deon Meyer sehr stimmig aufgebaut worden, mit seinen Höhen und Tiefen, und das überzeugt in jedem seiner Krimis in dieser Reihe. Die Handlung ist vom Anfang bis Ende überaus spannend. Der Fall wird überzeugend aufgerollt, die Personen und Handlungsorte umfassend vorgestellt und alles zu einer ebenso spannenden wie unterhaltsamen Geschichte zusammengefügt. Wie auch in seinen übrigen Büchern gelingt Deon Meyer ein treffendes Bild der südafrikanischen Wirklichkeit zu zeichnen.

Deon Meyer wurde im Jahr 1958 in Paarl, Südafrika geboren. Seine Romane wurden bisher in 27 Sprachen übersetzt. Er hat auch zahlreiche Drehbücher für Filme und Fernsehserien geschrieben. Deon Meyer lebt in Stellenbosch, in der Nähe von Kapstadt.

Die Amerikanerin von Deon Meyer ist bei Rütten & Loening  erschienen.
(JK 06/18)

André Kubiczek: Komm in den totgesagten Park und schau (Rowohlt Berlin)

André Kubiczek schildert in seinem bei Rowohlt Berlin erschienenen Roman Komm in den totgesagten Park und schau eine Vater-Sohn-Beziehung im Ausnahmezustand – und übertrumpft die absurde Wirklichkeit nicht durch überdrehte Volten, sondern zeigt fabelhaft, wie wir unserem ganz persönlichen Untergang entgegentaumeln.

Deutschland, in der Gegenwart: Die öffentliche Verwaltung knirscht, Autonome und Illegale besetzen immer mehr Nischen, Gemurmel von einer Revolution geht um. Halbwegs bürgerlich lebt Marek, Inhaber einer Unistelle, mit seiner Frau Adriana und deren Kindern aus erster Ehe. Als die Schulleiterin Marek absurde Vorwürfe macht, fängt dieser einen Kleinkrieg an. Als Mareks Kollege Veit handfest eingreift, nimmt die Eskalation ihren Lauf. Währenddessen kommt Mareks Sohn Felix, neunzehn, zu Besuch, um seinen Vater endlich zu verstehen, denn: «Er hat immer nur einen winzigen Schritt neben den richtigen Weg gesetzt, aber das ziemlich oft, und die Summe dieser vielen, kleinen falschen Schritte hat ihn auf die falsche Spur gebracht.» Nach einer chaotischen Flucht stranden sie in der Böhmischen Schweiz. Hier, in einem abgelegenen Weberhäuschen, lernen Vater und Sohn sich selbst und einander kennen und warten ab, bis sich die Wogen zu Hause und im Land geglättet haben. Beide stellen sich die gleiche Frage: Wie konnte es nur so weit kommen?

André Kubiczek hat ein hochaktuelles, unterhaltsames und nachdenklich stimmendes Buch geschrieben. Er hat einen brandaktuellen Gegenwartsroman geschrieben, in dem er all das abhandelt, was an Themen, Strömungen und Störungen derzeit unseren Alltag bestimmt. Das linksliberale westdeutsche Bildungsbürgertum genauso wie das ostdeutsche Anti-Merkel-Wut-Proletariat, pubertierende Antifa-Revolten und die Springerstiefel tragende Gegenbewegung, Sexismus, Feminismus, Netz-Aktivismus. Er schreibt vom Nichtfunktionieren von Familie, von Ansprüchen und Erwartungshaltung, der Flucht in den Alkohol und der Sehnsucht nach Bindung. Eine Fülle an Themen, die in drei zunächst unabhängigen aber schließlich zusammenlaufenden Erzählsträngen zu einem stimmigen und konsequenten Ganzen zusammengefügt werden.

André Kubiczek, 1969 geboren, lebt in Berlin. 2002 erschien sein hochgelobter Roman Junge Talente. 2007 wurde André Kubiczek mit dem Candide-Preis ausgezeichnet. 2016 erschienen Skizze eines Sommers, das auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand.

Komm in den totgesagten Park und schau von André Kubiczek ist bei Rowohlt Berlin erschienen.
(JK 06/18)