Sonntag

Der „dänische Literaturjungstar“ Jonas Eika liest beim 12. Harbour Front Literaturfestival am Freitag, 11. September auf der Cap San Diego, Luke 5

12. Harbour Front Literaturfestival
Cap San Diego, Luke 5
Freitag, 11.09.2020 20.00 Uhr

Überseebrücke, Hamburg
Eintritt: 18 Euro

Der „dänische Literaturjungstar“ (SZ) erzählt aufwühlende Geschichten: Jonas Eika liest aus seinem Buch Nach der Sonne, das bei Hanser Berlin erschienen ist.

Ein IT-Berater stellt fest, dass die Bank, für die er arbeitet, mitten in Kopenhagen in einem Krater versunken ist. Ein Ehepaar lässt sich in der Wüste Nevadas nieder, wo die Menschen auf das Erscheinen von Außerirdischen warten. Eine Obdachlose findet in den grauen Trümmern Londons ein Zuhause und verliert es wieder. Und unter dem knallblauen Himmel Cancuns tragen scheinbar gefügige Beach Boys den reichen Urlaubern die Sonnenschirme hinterher.

Fünf geheimnisvolle Erzählungen über dunkles Begehren und kapitalistische Ausbeutung, über Liebe, Hoffnung und Solidarität in einer unsicheren, technologisch flirrenden Welt, in der Körper, Himmel und Licht die einzigen Konstanten sind.

Jonas Eika hat eines jener Bücher geschrieben, die die Literatur an einen neuen Ort führen. Für seinen Erzählungsband Nach der Sonne erhielt er den renommierten Literaturpreis des Nordischen Rates. In seiner Dankesrede kritisierte Eika die dänische Regierung scharf und warf ihr „staatlichen Rassismus“ vor.

Jonas Eika, geboren 1991, ist ein dänischer Autor und politischer Aktivist. 2015 machte er seinen Abschluss an der Dänischen Akademie für Kreatives Schreiben (Forfatterskolen).

Nach der Sonne von Jonas Eika ist bei Hanser Berlin erschienen.
(JK 07/20)


Angela Winkler mit Brigitte Landes und Adam Benzwi beim 12. Harbour Front Literaturfestival am Freitag, 11. Septmeber in der Elbphilharmonie Hamburg Kleiner Saal

12. Harbour Front Literaturfestival
Elbphilharmonie Hamburg Kleiner Saal
Freitag, 11.09.2020 19.30 Uhr

Platz der Deutschen Einheit, Hamburg
Eintritt: 25 Euro

Im Gespräch mit Brigitte Landes, Co-Autorin der autobiografischen Skizzen Mein blaues Zimmer, lesend und singend nimmt uns die Schauspielerin Angela Winkler mit in ihr Leben – ins Theater, zum Film und zu ihrer Familie. Am Klavier wird sie begleitet von Adam Benzwi, mit dem sie seit über 20 Jahren zusammen arbeitet.

„Ich versuche, wahr und einfach zu sein. Aber manchmal habe ich keinen Schutzmantel um mich.“ Angela Winkler.

Eigentlich führt die Schauspielerin Angela Winkler mehr als ein Leben: für die Bühne, für den Film – und gleichermaßen für ihre Familie. In Mein blaues Zimmer erzählt sie von diesen Leben, nimmt uns mit hinter die Kulissen ihres geliebten Theaters und berichtet von den Erfahrungen, die sie zu der starken Frau gemacht haben, die sie heute ist.

Winkler erzählt so warmherzig wie offen von all den Dramen, wie sie im Leben so plötzlich eintreten: den verpassten Augenblicken, Möglichkeiten und Unglücken ebenso wie von den Glücksmomenten, Erfolgen und prägenden Begegnungen. Sie erinnert sich an ihre Anfänge als Schauspielerin am legendären Theater in Castrop-Rauxel und beim Neuen Deutschen Film, an die vielen fast verfallenen Häuser in Italien und Frankreich, die sie gemeinsam mit ihrem Mann umgebaut und zum Leben erweckt hat, und lässt uns an ihrer Liebe zur Natur teilhaben. Wir stehen mit ihr auf der Bühne und vor der Kamera, begleiten sie bei ihrer Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Peter Zadek, Klaus-Michael Grüber, Robert Wilson oder Volker Schlöndorff – und bei ihren kleinen und großen Fluchten aus dem Theaterbetrieb. Einfühlsam, auf ihre ganz eigene Art, erzählt sie von ihrer Familie, ihrer Mutter, die über 100 Jahre alt wurde, von der Geburt ihrer vier Kinder und nicht zuletzt vom Alt-Sein als Künstlerin. So lernen wir Angela Winkler als außergewöhnliche Frau kennen, die mit eigenem Kopf durch die Welt geht und den Zwängen des Lebens bis heute so viel Eigenwilligkeit wie möglich entgegensetzt.

Angela Winkler, geboren 1944 in Templin, zählt zu den großen Schauspielerinnen unserer Zeit. Durch Rollen in den Volker-Schlöndorff-Filmen Die verlorene Ehre der Katharina Blum und Die Blechtrommel wurde sie in den 1970er-Jahren zu einem nationalen wie internationalen Star. Doch ihre Liebe galt und gilt dem Theater. Von Kritikern und Publikum gleichermaßen gefeiert, arbeitete sie mit berühmten Regisseuren wie Peter Zadek, Klaus-Michael Grüber, Luc Bondy oder Robert Wilson zusammen. 2011 veröffentlichte sie ihr Debütalbum mit Chansons.

Mein blaues Zimmer von Angela Winkler ist bei Kiepenheuer & Witsch  erschienen.
(JK 07/20)

2. Debütantensalon beim 12. Harbour Front Literaturfestival mit Verena Keßler und Daniel Mellem am Freitag, 11. September im Nochtspeicher

12. Harbour Front Literaturfestival
Nochtspeicher
Freitag, 11.09.2020 19.00 Uhr

Bernhard-Nocht-Str. 69, Hamburg
Eintritt: 15 Euro

In den insgesamt vier Debütantensalons bewerben sich acht Autorinnen und Autoren um den mit 10.000 Euro dotierten Klaus-Michael Kühne-Preis, der am 20. September im „The Fontenay“ vergeben wird. Am 2. Abend stellen Verena Keßler und Daniel Mellem ihre Debütromane vor. Dora Heldt moderiert.

Verena Keßler erzählt in ihrem Debütroman Die Gespenster von Demmin von Larry – die lebt in einer Stadt mit besonderer Vergangenheit: Ende des Zweiten Weltkriegs fand hier der größte Massensuizid der deutschen Geschichte statt. Für Larry ist ihre Heimatstadt aber vor allem eins: langweilig. Sie will so schnell wie möglich raus in die Welt und Kriegsreporterin werden – doch auch sie entkommt den Gespenstern nicht, die ihre Umgebung nachhaltig heimsuchen. Während Larry mit den Unzumutbarkeiten des Erwachsenwerdens kämpft, steht einer alten Frau der Umzug ins Seniorenheim bevor.

Mit Leichtigkeit und Witz erzählt Verena Keßler von Trauer und Einsamkeit, von Freundschaft und der ersten Liebe. Ein Roman über die Sprachlosigkeit zwischen den Generationen und die Möglichkeit, sie zu überwinden.

Verena Keßler, geboren 1988 in Hamburg, lebt in Leipzig, wo sie am Deutschen Literaturinstitut studierte. 2018 nahm sie an der Romanwerkstatt Kölner Schmiede teil, 2019 an der Schreibwerkstatt der Jürgen-Ponto-Stiftung. Sie war Stipendiatin des 23. Klagenfurter Literaturkurses.

Die Gespenster von Demmin von Verena Keßler ist bei Hanser Berlin erschienen.

Im Mittelpunkt von Daniel Mellems Roman Die Erfindung des Countdowns steht die Geschichte von Hermann Oberth – den hat es tatsächlich gegeben: 1920 zieht es den aufgeweckten jungen Mann von Siebenbürgen nach Göttingen, um Physik zu studieren – die spannendste Wissenschaft der Zeit. Hermann will den Menschheitstraum von der Mondrakete verwirklichen. Als der Durchbruch nah ist, weisen seine Professoren ihn ab. Einer allerdings glaubt an ihn: Wernher von Braun, Mitglied der SS. Doch statt der Mondrakete soll Hermann für die Nazis die V2 mitentwickeln.

Daniel Mellem, geboren 1987, lebt in Hamburg. Sein Studium der Physik schloss er mit einer Promotion ab, bevor er sich am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig der Arbeit an seinem ersten Roman widmete. Für Die Erfindung des Countdowns wurde er bereits mit dem Retzhof-Preis für junge Literatur und dem Hamburger Literaturförderpreis ausgezeichnet.

Die Erfindung des Countdowns von Daniel Mellem ist bei dtv erschienen.
(JK 07/20)


Sascha Reh beim 12. Harbour Front Literaturfestival auf der Cap San Diego, Luke 5 am Donnerstag, 10. September

12. Harbour Front Literaturfestival
Cap San Diego, Luke 5
Donnerstag, 10.09.2020 19.30 Uhr

Überseebrücke, Hamburg
Eintritt: 18 Euro

Sascha Reh liest aus seinem Roman Großes Kino, der bei Schöffling erschienen ist. Jens Büchsenmann moderiert.

Der neue Roman von Sascha Reh ist eine zitatgespickte Gangsterkomödie voller Sprachwitz und absurder Situationskomik, deren Held sich mit Eloquenz und Chuzpe durch die Inselhalbwelt Sylts mauschelt.

Warum muss der Neuköllner Sozialarbeiter Carsten Wuppke, der gerade Schwierigkeiten mit dem Gesetz hat, sich an der Supermarktkasse mit einem Polizisten anlegen? Und dann ausgerechnet einen Roller „ausborgen“, der Ali al-Safa, genannt „der Chinese“, gehört? Prompt verdonnert ihn der Clanchef zu ein paar Gefälligkeiten: Erst muss Wuppke seine Jungs in gewaltfreier Kommunikation coachen und dann ein krummes Immobiliengeschäft auf Sylt für ihn zurechtbiegen, das mit dem Naturschutz und dem Bürgermeisterwahlkampf in Konflikt steht. Aber mit Konflikten kennt Wuppke sich aus – denkt er zumindest, bis er auf die Familie des obersten Naturschützers und Bürgermeisterkandidaten trifft… Rasant, zum Brüllen komisch, „Großes Kino“.

Sascha Reh, geboren 1974 in Duisburg, studierte Geschichte, Philosophie und Germanistik in Bochum und Wien. Für seine Romane wurde er vielfach ausgezeichnet, u.a. 2011 mit dem Niederrheinischen Literaturpreis, 2014 mit dem Lotto Brandenburg Kunstpreis Literatur und 2015 mit dem Literaturpreis Ruhr. 2017 war er Stipendiat der Deutschen Akademie Rom in der Casa Baldi, 2018 wurde er für den Wilhelm Raabe-Literaturpreis nominiert. Sascha Reh lebt mit seiner Familie in Berlin.

Großes Kino von Sascha Reh ist bei Schöffling erschienen.
(JK 07/20)

Herta Müller und Ada Milea präsentieren ihr gemeinsames Programm beim 12. Harbour Front Literaturfestival in der St. Katharinen Kirche am Donnerstag, 10. September

12. Harbour Front Literaturfestival
St. Katharinen Kirche
Donnerstag, 10.09.2020 19.30 Uhr

Katharinenkirchhof 1, Hamburg
Eintritt: 22 Euro

Granița in Ranita – Grenze in der Tasche: Herta Müller und Ada Milea präsentieren ihr gemeinsames Programm.

Die Schriftstellerin Herta Müller und die Musikerin Ada Milea – die beiden Frauen verbindet nicht nur ihr Geburtsland Rumänien. Auch sind beide – die  Literaturnobelpreisträgerin und die Sängerin/Songwriterin – Sprachkünstlerinnen. Milea gilt als eine der originellsten und gefragtesten Persönlichkeiten der rumänischen Theater- und Musikwelt. Herta Müller (Mein Vaterland war ein Apfelkern, Atemschaukel) verarbeitet in vielen ihrer Texte das Leben während und die Folgen der Diktatur unter Ceauşescu. Und sie hat viele von Ada Mileas eindrücklichen Liedtexten ins Deutsche übersetzt.  Bei dem gemeinsamen Programm Granița in Ranita – Grenze in der Tasche spricht Herta Müller über die poetische, aber auch die politische Kraft der Texte der Songwriterin Ada Milea. Im Anschluss gibt Ada Milea ein Konzert mit ihrem in Rumänien sehr erfolgreichen Œuvre.

Herta Müller wurde 1953 in Nitzkydorf in Rumänien geboren. 1973-76 studierte sie deutsche und rumänische Philologie in Temeswar. Nach dem Studium arbeitet sie als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik. Sie wurde entlassen, weil sie sich weigerte für den rumänischen Geheimdienst Securitate zu arbeiten. Ihr erstes Buch Niederungen lag danach vier Jahre beim Verlag und wurde 1982 nur zensiert veröffentlicht. 1984 erschien es in der Originalfassung in Deutschland. Herta Müller konnte danach in Rumänien nicht mehr veröffentlichen und war immer wieder Verhören, Hausdurchsuchungen und Bedrohungen durch die Securitate ausgesetzt. 1987 kam Herta Müller nach Deutschland. 1989-2001 hatte sie Gastprofessuren an Universitäten in England, Amerika, Deutschland und der Schweiz, seit 1995 ist sie Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt. Zu ihren bekanntesten Werken gehören Herztier (1994), Im Haarknoten wohnt eine Dame (2000), Der König verneigt sich und tötet (2003), Die blassen Herren mit den Mokkatassen (2005), Atemschaukel (2009). Herta Müller wurde 2009 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.

Ada Milea, geboren 1975, ist eine rumänische Sängerin und Schauspielerin. Sie hat mehrere Filmmusiken geschrieben. Beim diesjährigen Festival begleitet sie Herta Müller an der Gitarre.

Wo man nicht reden darf von Herta Müller ist bei Hanser erschienen.
(JK 07/20)

1. Debütantensalon beim 12. Harbour Front Literaturfestival mit Christian Baron und Benjamin Quaderer am Donnerstag, 10. September im Nochtspeicher

12. Harbour Front Literaturfestival
Nochtspeicher
Donnerstag, 10.09.2020 19.00 Uhr

Bernhard-Nocht-Str. 69, Hamburg
Eintritt: 15 Euro

In den insgesamt vier Debütantensalons bewerben sich acht Autorinnen und Autoren um den mit 10.000 Euro dotierten Klaus-Michael Kühne-Preis, der am 20. September im „The Fontenay“ vergeben wird. Am 1. Abend stellen Christian Baron und Benjamin Quaderer ihre Debütromane vor. Dora Heldt moderiert.

Christian Baron erzählt in Ein Mann seiner Klasse die Geschichte seiner Kindheit, seines prügelnden Vaters und seiner depressiven Mutter. Er beschreibt, was es bedeutet, in diesem reichen Land in Armut aufzuwachsen. Wie es sich anfühlt, als kleiner Junge männliche Gewalt zu erfahren. Was es heißt, als Jugendlicher zum Klassenflüchtling zu werden. Und wie es ihm gelang, seinen eigenen Weg zu finden.

Christian Baron wurde 1985 in Kaiserslautern geboren. Er studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Germanistik in Trier. Nach Stationen bei der Lokalzeitung Die Rheinpfalz und Neues Deutschland sowie Veröffentlichungen bei nachtkritik, NeueZürcherZeitung und Theater der Zeit arbeitet er seit 2018 als Redakteur bei der Wochenzeitung der Freitag.

Ein Mann seiner Klasse von Christian Baron ist bei Claassen erschienen.

Benjamin Quaderer zeichnet in Für immer die Alpen das Porträt eines Hochstaplers, der die Gesellschaft spiegelt, die er betrügt: Staatsfeind Nummer 1 zu sein ist nicht leicht. Das gilt auch dann, wenn dieser Staat einer der kleinsten der Erde ist: das Fürstentum Liechtenstein. Johann Kaiser lebt unter falschem Namen an einem unbekannten Ort. Mit dem Verkauf gestohlener Kundendaten einer großen Bank hat er so gut verdient, dass es sich unbesorgt leben ließe – wären da nicht die Verleumdungen aus seiner Heimat, mittels derer er zum Verräter gestempelt werden soll. Im Versuch, die Deutungshoheit über sein Leben zurückzuerlangen, greift Johann zu Stift und Papier.

Benjamin Quaderer, geboren 1989 in Feldkirch, Österreich, und aufgewachsen in Liechtenstein, studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim und in Wien. Er war Mitherausgeber der Literaturzeitschrift BELLA triste und Teil der künstlerischen Leitung von PROSANOVA 2014 – Festival für junge Literatur. Für immer die Alpen ist sein erster Roman. Für einen Auszug daraus erhielt er den 2. Preis beim Open Mike 2016 und ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats.

Für immer die Alpen von Benjamin Quaderer ist bei Luchterhand erschienen.
(JK 07/20)

Colum McCann beim 12. Harbour Front Literaturfestival am Mittwoch, 9. September auf der Cap San Diego

12. Harbour Front Literaturfestival
Cap San Diego, Luke 5
Mittwoch, 09.09.2020 20.30 Uhr

Überseebrücke, Hamburg
Eintritt: 18 Euro

Colum McCann liest aus seinem Roman Apeirogon, der bei Rowohlt erschienen ist. Stephan Benson liest die deutschen Texte. Jan Ehlert moderiert.

„Es wird nicht aufhören, wenn wir nicht miteinander reden“, steht auf einem Sticker am Motorrad von Rami Elhanan, einem Israeli. Bassam Aramin ist Palästinenser. Eigentlich ist es nicht vorgesehen, dass die beiden miteinander reden. Aber das tun sie. Mehr noch: Sie sind Freunde. Beide Männer sind Väter von getöteten Töchtern: Ramis Tochter wurde 1997 im Alter von dreizehn Jahren von einem palästinensischen Selbstmordbomber vor einem Jerusalemer Buchladen getötet. Bassams Tochter starb 2007 zehnjährig vor ihrer Schule durch die Kugel eines israelischen Grenzpolizisten.

Der vielfach ausgezeichnete irische, in New York lebende Autor Colum McCann verarbeitet in Apeirogon die Geschichten zweier real existierender Männer zu einem Roman, der das Unbeschreibliche erfahrbar macht. In ihm entfaltet sich der Palästinakonflikt in seiner ganzen Historie und Komplexität, und er stellt die zeitlosen Fragen: Wie leben wir weiter, wenn das Liebste verloren ist? Wie kann der Mensch Frieden finden? Mit sich selbst, mit anderen.

Colum McCann wurde 1965 in Dublin geboren. Er arbeitete als Journalist, Farmarbeiter und Lehrer und unternahm lange Reisen durch Asien, Europa und Amerika. Für seine Romane und Erzählungen erhielt McCann zahlreiche Literaturpreise, unter anderem den Hennessy Award und den Rooney Prize for Irish Literature. Zum internationalen Bestsellerautor wurde er mit den Romanen Der Tänzer und Zoli. Für den Roman Die große Welt erhielt er 2009 den National Book Award. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in New York.

Apeirogon von Colum McCann ist bei Rowohlt erschienen.

Diese Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem Literaturhaus Hamburg.
(JK 07/20)

Eröffnung des 12. Harbour Front Literaturfestivals mit Navid Kermani am Mittwoch, 9. September in der Elbphilharmonie

12. Harbour Front Literaturfestival
Elbphilharmonie Hamburg Kleiner Saal
Mittwoch, 09.09.2020 18.00 Uhr

Platz der Deutschen Einheit, Hamburg
Eintritt: 20 Euro

Literatur und Musik - eine ewige Liebe: Eröffnung des 12. Harbour Front Literaturfestivals. Eröffnet wird das Festival durch den Hamburger Kultursenator Dr. Carsten Brosda und den Hauptförderer Prof. Dr. h.c. Klaus-Michael Kühne. Eröffnungsgast ist Navid Kermani.

Bereits zum zwölften Mal lockt das Harbour Front Literaturfestival die größten Stars der Szene nach Hamburg. Die Elbphilharmonie ist seit ihrer Eröffnung zu einem festen Veranstaltungsort des Festivals geworden – Autoren wie Salman Rushdie und John le Carré traten hier auf. Joachim Meyerhoff der erste Autor überhaupt, der 2017 in Hamburgs Konzerthaus gelesen hat, wird auch in diesem Jahr mit seinem neuesten Buch hier auftreten.

Und in diesem Jahr gehen Harbour Front und Elbphilharmonie eine noch engere Verbindung ein: Als Festival im Festival widmet sich „Harbour Front Sounds“ der Wechselbeziehung zwischen Musik und Literatur. Schließlich schrieb schon Thomas Mann in seinem Roman „Doktor Faustus“ treffend, dass „Musik und Sprache im Grunde eins seien, die Sprache Musik, die Musik eine Sprache“. Bei dem diesjährigen Spezial, aber auch bei weiteren Veranstaltungen im regulären Programm, präsentiert das Festival genau diese Verbindungen von Literatur und Musik.

Der Kölner Schriftsteller Navid Kermani ist ein leidenschaftlicher Musikhörer. Er hat die Wirkung von Musik und deren Magie bereits in seiner ersten literarischen Veröffentlichung beschrieben, dem Buch der von Neil Young Getöteten; 2002 erscheinen und vielfach neu aufgelegt, hat es längst Kultstatus und wurde zuletzt auch am Thalia Theater erfolgreich dramatisiert. Zur Eröffnung des diesjährigen Festivals wird der Träger des  Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zu Neil Young zurückkehren und vom Leben und Sterben mit der Musik lesen - aus eigenen, teilweise unveröffentlichten Texten.

Buch der von Neil Young Getöteten von Navid Kermani ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 07/20)

Samstag

Harbour Front Literaturfestival 2020

Das Harbour Front Literaturfestival ist voll großer Hoffnung, Bücher zusammen mit tollen Moderator*innen, Musiker*innen und Schauspieler*innen bei Harbour Front 2020 präsentieren zu können.

Unter www.harbourfront-hamburg.com oder telefonisch unter +49 (0)40 357 666 66 können Tickets für Harbour Front und Harbour Front Sounds reserviert werden. Mit dem Reservierungssystem kann man sich jetzt Tickets sichern, muss diese aber erst zahlen, wenn klargestellt ist, dass die jeweilige Veranstaltung stattfinden kann.

Das Harbour Front Literaturfestival informiert auf der Webseite des Festivals und über den Newsletter, wenn bei Veranstaltungen, die bereits ausreserviert sind, weitere Tickets freigeben werden können.  

(JK 06/20) 

Ingo Schulze liest im Literaturhaus am Donnerstag, 25. Juni

Literaturhaus
Donnerstag, 25.06.2020 19.30 Uhr

Schwanenwik 38, Hamburg
Eintritt: 16 Euro

Ingo Schulze liest aus seinem neuen Roman Die rechtschaffenen Mörder, der bei S. Fischer erschienen, der von Weltreisen und verschollenen Erinnerungen, vom Ausbruch aus einem fränkischen Dorf nach New Ende des 19. Jahrhunderts und von einer unwahrscheinlichen Liebesgeschichte erzählt. Julia Encke moderiert.

Wie wird ein aufrechter Büchermensch zum Reaktionär – oder zum Revoluzzer? Eine aufwühlende Geschichte über uns alle. Norbert Paulini ist ein renommierter Dresdner Antiquar, bei ihm finden Bücherliebhaber Schätze und Gleichgesinnte. Über vierzig Jahre lang durchlebt er Höhen und Tiefen und schafft sich einen unvergleichlichen Ruf. Auch als sich die Zeiten ändern, die Kunden ausbleiben und das Internet ihm Konkurrenz macht, versucht er, sich zu behaupten. Doch unvermittelt zeigt er sich als aufbrausender, unversöhnlicher Mensch, der beschuldigt wird, an fremdenfeindlichen Ausschreitungen beteiligt zu sein. Die Geschichte schlägt eine virtuose Volte: Ist Paulini eine tragische Figur oder ein Mörder?

Auf fulminante Weise erzählt Ingo Schulze in seinem neuen Roman Die rechtschaffenen Mörder von unserem Land in diesen Tagen und zieht uns den Boden der Gewissheiten unter den Füßen weg. Wieder einmal überzeugt er mit raffiniertem Erzählen, das auf dem Weg der Urteilsfindung einen aufmerksamen Leser verlangt.

Ingo Schulze, 1962 geboren in Dresden, lebt in Berlin. Nach dem Studium der klassischen Philologie in Jena arbeitete er zunächst als Schauspieldramaturg und Zeitungsredakteur. Schulze ist Autor zahlreicher Bücher, Essays und Reden. Sein Werk wurde mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet.

Die rechtschaffenen Mörder von Ingo Schulze ist bei S. Fischer erschienen.
(JK 06/20)

Der Schauspieler und Schriftsteller Hanns Zischler liest im Lesesaal am Donnerstag, 12. März

Lesesaal Buchhandlung & Café
Donnerstag, 12.03.2020 19.30 Uhr

Stadthausbrücke 6, Hamburg
Eintritt: 12 Euro

Der Schauspieler und Schriftsteller Hanns Zischler liest aus seinem neuen Roman Der zerrissene Brief, erschienen bei Galiani, der von Weltreisen und verschollenen Erinnerungen, vom Ausbruch aus einem fränkischen Dorf nach New Ende des 19. Jahrhunderts und von einer unwahrscheinlichen Liebesgeschichte erzählt.

War es Fernweh, war es Liebesleichtsinn, der die 17jährige Pauline 1899 aus ihrem fränkischen Dorf ins ferne New York ausbüxen ließ? Was hat damals den welterfahrenen Max dazu getrieben, ihr die enorme Summe von 2000 Goldmark zu geben und sie für gut zwei Jahre ganz allein in so weite Ferne zu schicken? Woher nahm er die Gewissheit, dass Pauline nach ihrer Rückkehr genau die richtige Gefährtin für seine ausgedehnten Reisen sein würde, die beide dann tatsächlich um die halbe Welt unternahmen – durchs Innere Asiens bis zur Halbinsel Kamtschatka? Sechzig Jahre später wird Pauline von der liebesenttäuschten jungen Elsa besucht, die sie in der Nachkriegszeit als Kind »per Brief adoptiert« hat. Gemeinsam durchwandern die beiden Frauen im Gespräch das tiefe Labyrinth von Paulines bis dahin verschollenen Lebensaugenblicken. Sie weben die bunten Fäden einer verloren geglaubten Zeit mit Hilfe von Briefen, Fotos, Notizen und Gedichten zu einem Stoff, dessen Muster erst nach und nach erkennbar wird.

Hanns Zischler, Jahrgang 1947, bekannt als Schauspieler ist auch Schriftsteller und Fotograf und Schauspieler. Seine Forschungsarbeit Kafka geht ins Kino (1996) wurde in viele Sprachen übersetzt und 2017 bei Galiani neu aufgelegt. Bei Galiani erschienen außerdem von Hanns Zischler Der Schmetterlingskoffer (2010, gemeinsam mit Hanna Zeckau), Berlin ist zu groß für Berlin (2013), Die Erkundung Brasiliens (2013, gemeinsam mit Sabine Hackethal und Carsten Eckert) und Das Mädchen mit den Orangenpapieren (2014).

Der zerrissene Brief von Hanns Zischler ist bei Galiani erschienen.
(JK 03/20)

„Die Lochis“ Heiko und Roman Lochmann stellen ihr Buch in der Fabrik am Mittwoch, 11. März, vor

Fabrik
Mittwoch, 11.03.2020 20.00 Uhr

Barnerstraße 36, Hamburg
Eintritt: 35.75 Euro(VVK)

Die erfolgreichen YouTube-Stars mit ihrem ersten Buch: „Die Lochis“ Heiko und Roman Lochmann stellen ihr im Bertelsmann Verlag erschienenes Buch Willkommen Realität vor und erzählen ihre Geschichte.

Heiko und Roman Lochmann gehören zu den erfolgreichsten Social-Media-Stars. Sie sind Entertainer und Musiker und als „Die Lochis im Netz bekannt geworden. Ihre riesige Fan-Gemeinde geht in die Millionen. In diesem Buch erzählen sie vom Aufwachsen in einem hessischen Dorf und als Stars in der Öffentlichkeit, von den Höhen und Tiefen ihrer Karriere, sie schreiben über ihre Musik, über die Erlebnisse mit Freunden, die erste Liebe und was es heißt, wenn man derart bekannt ist. Das Buch enthält jede Menge Geschichten aus ihrem Leben, die den Fans bisher noch unbekannt sind, ist reich bebildert und ein Must-Have für jeden Fan.

Roman und Heiko Lochmann, geboren 1999 in Mainz, wurden einem breiten Publikum über ihre Videos auf YouTube bekannt, in denen sie seit 2011 als „Die Lochis“ auftraten. 2013 feierten sie mit Durchgehend Online ihre erste Positionierung in den deutschen und österreichischen Singlecharts. Ihre erste Live-Tournee machten sie 2015 durch die deutschsprachigen Länder. Nach dem Abitur brachten sie 2016 ihr Debütalbum # Zwilling heraus, das von Null auf Eins der deutschen Albumcharts stieg, Goldstatus erhielt und zweifach für den Echo 2017 nominiert wurde. Zudem traten die Zwillinge in Fernseh- und Kinoproduktionen auf. 2018 erschien ihr zweites Album whatislife, und sie wirkten bei der RTL-Show Let's Dance mit. Im August 2018 wurden sie von der Hessischen Landesregierung in den Rat für Digitalethik berufen und engagieren sich in der Stiftung Lesen. Mit 2,6 Millionen Abonnenten auf YouTube gehören sie zu den erfolgreichsten Social-Media-Stars Deutschlands.

Willkommen Realität von Heiko und Roman Lochmann ist bei C. Bertelsmann erschienen.
(JK 03/20)

Benjamin Maack liest in der Buchhandlung Cohen & Dobernigg am Dienstag, 10. März

Buchhandlung Cohen & Dobernigg
Dienstag, 10.03.2020 20.30 Uhr

Sternstr. 4, Hamburg
Eintritt: 10 Euro

Wenn das Ich plötzlich verloren geht: Benjamin Maack liest aus seinem neuen Roman Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein, der bei Suhrkamp erschienen ist.

Sein zuletzt erschienener Erzählband Monster (2012) wurde gleich mehrfach für seine „wirklich brillanten Geschichten“ (WDR) ausgezeichnet, 2013 erhielt er beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt den 3sat-Preis für seinen Text Wie man einen Käfer richtig fängt, zuletzt wurde er 2016 mit dem Förderpreis zum Hermann-Hesse-Preis ausgezeichnet. Gleichzeitig kletterte Benjamin Maack als Journalist auf der Karriereleiter nach oben, bis er völlig unvermittelt gleich mehrere Gänge zurückschalten musste. Sein neues Buch Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein erklärt, warum: Es ist das berührende Protokoll einer Depression, hoch poetisch und von stupender literarischer Raffinesse und Vielgestaltigkeit.

Am Anfang denkt er, dass er das jetzt eben „auch mal erlebt“: „Klinik, Medikamente, Therapie“, das übersetzt sich fast nahtlos in die Trias „erlebt, verstanden, überwunden“. So geht einem das bei diesem Buch auf den ersten Seiten auch als Leser. Man erfährt von einem irgendwie „interessanten Experiment“ und davon, dass manches „noch ein ziemlicher Witz“ war, man schmunzelt über dies und jenes und freut sich über das „Happy End“. Aber hey, war da nicht noch was? Richtig, es geht erst los. Dieses Protokoll setzt sich aus „Zweihundertzwanzig“ Einträgen zusammen, die ein ganzes Spektrum literarischer Formen durchspielen: Erzählung, Prosa-Miniatur, konkrete Poesie, Gedicht, Witz, Szenisches und mehr. Benjamin Maack hat versucht, sein Befinden stets in eine adäquate literarische Ausdrucksform zu übersetzen und so einen grandiosen Formenreigen geschaffen. In einem „Disclaimer“ warnt er zwar davor, dass „am Ende nicht alles gut“ wird, aber wann wird es das schon? Völlig falsch liegt er, wenn er allen, die Geschichten mögen, empfiehlt, das Buch lieber wegzulegen, denn dieses Buch hat eine Geschichte: Es erzählt von einem, der sein Ich verliert und verzweifelt versucht, es zurückzugewinnen. Es erzählt von all den Medikamenten, die er deshalb einnimmt, aber auch von einer Eichhörnchenfamilie und Bienenstöcken, dem Versuch, Britney Spears abzupausen und dem Wunsch, sich selbst umzubringen, der ihm irgendwann „geradezu ranschmeißerisch poetisch“ erscheint. Zum Glück überwiegen am Ende die lichteren Momente, und Benjamin Maack hat seine Notizen in eine Form bringen können, die sie über den Psychiatrie- und Krankenbericht und das persönliche Schicksal hinaus zu einem Ereignis machen. Sein Memoir ist ein Glanzlicht unter den Romanen und Erzählbänden, die das erschöpfte und handlungsunfähige Selbst in der Literatur thematisieren.

Benjamin Maack, geboren 1978, studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Volkskunde. Er veröffentlichte die Kurzgeschichten- und Gedichtbände Du bist es nicht, Coca Cola ist es (2004), Die Welt ist ein Parkplatz und endet vor Disneyland (2007) und Monster (2012). Er lebt und arbeitet als Autor und Journalist in Hamburg.

Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein von Benjamin Maack ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 03/20)

Der englische Singer-Songwriter und Politaktivist William „Billy“ Bragg liest im Nochtspeicher am Dienstag, 10. März

Nochtspeicher

Dienstag, 10.03.2020 20.00 Uhr

Bernhard-Nocht-Str. 69a, Hamburg

Politischer Weckruf: Der englische Singer-Songwriter und Politaktivist William „Billy“ Bragg liest aus seinem Buch Die drei Dimensionen der Freiheit, das bei  Heyne Encore erschienen ist.

„Wir leben in einem Zeitalter der Wut. Viele Leute haben das Gefühl, dass ihre Stimmen ignoriert werden von distanzierten Eliten, die nicht länger bereit sind, für ihre Handlungen Verantwortung zu übernehmen. Dass dies geschehen ist, war kein Versehen. Es ist die Kulmination von jahrzehntelangen Rückzugsgefechten, um die Demokratie zu neutralisieren und jene auszugrenzen, die die drei Dimensionen der Freiheit einfordern: Liberalität, Gleichheit und Verantwortlichkeit.“ Politaktivist und Musikerlegende Billy Bragg liefert mit seinem scharfsinnigen Aufsatz zu den Themen unserer Zeit einen interessanten Beitrag zur politischen Debatte.

Billy Bragg ist seit Anfang der 80er-Jahre als unermüdlicher Songwriter und politischer Aktivist im Einsatz. Der Guardian bezeichnete ihn als „das perfekte Venn-Diagramm zwischen dem Politischen und dem Persönlichen“. Mit A New England schrieb er einen der Klassiker der britischen Musikgeschichte, zahlreiche seiner Alben erreichten die vorderen Chartpositionen. Seine Themen reichen von Liebesballaden über traditionelle Arbeiterlieder bis hin zu Protestliedern zu aktuellen politischen Ereignissen.

Die drei Dimensionen der Freiheit von William „Billy“ Bragg ist bei Heyne Encore erschienen.
(JK 03/20)

Karl-Heinz Ott liest im Literaturhaus am Dienstag, 10. März

Literaturhaus
Dienstag, 10.03.2020 19.30 Uhr, Preview 18.30 Uhr

Schwanenwik 38, Hamburg
Eintritt: 8 / 10 Euro. 
Der Eintritt zu der Filmvorführung ist frei. 

Karl-Heinz Ott liest aus seinem Buch Hölderlins Geister über den Dichter und Vorreiter der modernen Poesie Friedrich Hölderlin, das bei Hanser erschienen ist. Vor der Lesung zeigt der Kultursender arte den Film: Friedrich Hölderlin: Dichter sein. Unbedingt!, der in einer Montage aus Spielszenen und Aufnahmen von Originalschauplätzen die Einweisung Hölderlins in die Psychiatrie thematisiert und seine künstlerische Radikalisierung. Anne-Dore Krohn moderiert.

Am Eingang des Tübinger Hölderlin-Turms stand jahrelang der Satz aufgesprüht: „Der Hölderlin isch et veruckt gwä!“ Ein Verrückter? Ein Revolutionär? Schwäbischer Idylliker? Oder der Vorreiter aller modernen Poesie? Friedrich Hölderlin, der Mann im Turm, ist umkämpft wie kein zweiter deutscher Dichter. Im 19. Jahrhundert fast vergessen, im 20. Jahrhundert vom George-Kreis wiederentdeckt, von den 68ern als Revolutionär gefeiert: In seinem so witzigen wie gelehrten Essay zeigt Karl-Heinz Ott Hölderlin als großen Spiegel Deutschlands. Tübingen ist der Rahmen; dort hat der Dichter den größten Teil seines Lebens zugebracht, dort geistert er bis heute faszinierend umher.

Karl-Heinz Ott, 1957 in Ehingen an der Donau geboren, wurde für sein Werk mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Förderpreis des Friedrich-Hölderlin-Preises (1999), dem Alemannischen Literaturpreis (2005), dem Preis der LiteraTour Nord (2006), dem Johann-Peter-Hebel-Preis (2012) und dem Wolfgang-Koeppen-Preis (2014).

Hölderlins Geister von Karl-Heinz Ott ist bei Hanser erschienen.
(JK 03/20)

Michel Abdollahi liest im Rolf-Liebermann Studio am Dienstag, 10. März

Rolf-Liebermann Studio 
Dienstag, 10.03.2020 19.30 Uhr 
Oberstr. 120, Hamburg 
Eintritt: 8 / 10 Euro

Michel Abdollahi liest aus seinem neuen Buch Deutschland schafft mich ab. Als ich erfuhr, dass ich doch kein Deutscher bin, das bei Hoffmann und Campe erschienen ist.

Michel Abdollahi ist nicht nur eine „Koryphäe“ (taz) der Poetry Slam Szene, sondern man kann den studierten Juristen und Islamwissenschaftler gut und gerne als Mister Poetry Slam schlechthin bezeichnen, jedenfalls in Hamburg. Er hat die Veranstaltungsreihe Kampf der Künste gegründet und moderiert seit vielen Jahren die ganz großen Slams, ist inzwischen aber auch im Fernsehen präsent. 2016 wurde er mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet, 2017 erhielt er den Gustaf-Gründgens-Preis. In den letzten Jahren hat Michel Abdollahi, der 1981 in Teheran geboren wurde, 1986 mit seiner Familie nach Deutschland kam und in Hamburg aufgewachsen ist, jedoch zunehmend unter einem gesellschaftlichen Klima gelitten, das sich radikal veränderte. In seinem neuen Buch Deutschland schafft mich ab erzählt er, wie es ist, wenn man mit Hassmails und Morddrohungen leben muss und sich in einer Gesellschaft wiederfindet, in der rechtes Denken zunehmend für normal gehalten wird.

Von Deutschlands „Super-Vorzeige-Migrant“ zum Hassobjekt der Rechten. Michel Abdollahi ist ein echter „Hamburger Jung“ – so dachte er jedenfalls von sich. Bis die AfD in die Parlamente einzog und die gesellschaftliche Debatte radikal veränderte. Auf einmal sind Menschen mit schwarzen Haaren „Vergewaltiger“ und „Kopftuchmädchen“, jeder Muslim ein „Bombenleger“. Zu Michel Abdollahis Entsetzen werden solche Aussagen auch noch von einem Großteil der Medien und der demokratischen Parteien diskutiert, was erst recht dazu führt, dass sich der Hass voll entlädt. Deutschland schafft mich ab ist ein erschütterndes Zeugnis einer Gesellschaft, für die rechtes Denken zunehmend normal wird, und in der Menschen mit Migrationshintergrund zu Hassobjekten geworden sind. „Abdollahi bringt das Herumgeeier auf den Punkt, in das viele Deutschen geraten, wenn sie versuchen zu begreifen, dass das Land in dem sie leben, sich geändert hat, und weiter ändern wird und muss.“ (Süddeutsche Zeitung)

Benjamin Maack, geboren 1978, studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Volkskunde. Er veröffentlichte die Kurzgeschichten- und Gedichtbände Du bist es nicht, Coca Cola ist es (2004), Die Welt ist ein Parkplatz und endet vor Disneyland (2007) und Monster (2012). Er lebt und arbeitet als Autor und Journalist in Hamburg.

Deutschland schafft mich ab. Als ich erfuhr, dass ich doch kein Deutscher bin von Michel Abdollahi ist bei Hoffmann und Campe erschienen.
(JK 03/20)

Debbie Harry kommt auf Kampnagel, K6 am Samstag, 7. März

Kampnagel, K6
Samstag, 07.03.2020 20.00 Uhr

Jarrestr. 20, Hamburg
Eintritt: 26 Euro

Die Musikerin, Schauspielerin und Aktivistin Debbie Harry, die 1974 als Sängerin und Songwriterin der New-Wave-Band Blondie bekannt und zum Inbegriff des „New York City cool“ wurde, präsentiert ihre Autobiografie Face it, die bei Heyne Hardcore erschienen ist, zusammen mit Chris Stein, dem Gitarristen von Blondie. Rob Roth moderiert.

Mit ihren strohblonden Haaren, dem coolen Sex-Appeal und lässigen Straßenimage ist Debbie Harry viel mehr als nur eine Frau in einer Band. Sie ist eine Mode-, Musik- und Kunstikone, das Gesicht einer ganzen Ära. Als Sängerin von Blondie führte sie eine der einflussreichsten und erfolgreichsten Bands der späten Siebziger und frühen Achtziger an, einer Zeit, als New York im Fokus der Aufmerksamkeit stand. Sie war Stammgast im Studio 54, auf dem Cover des Rolling Stone, Objekt von Warhols berühmten Siebdrucken und Anführerin der Musikvideo-Revolution. Harrys Einfluss auf die heutige Popkultur nicht zu unterschätzen. Sie selbst umgab sich immer mit der Aura des Mysteriösen und Unnahbaren und hielt bewusst Abstand zu den Medien und den Fans... bis jetzt! Denn in ihrer heiß ersehnten Autobiografie erzählt sie erstmals die ganze Geschichte – von den Tagen als Adoptivkind in New Jersey bis heute, wo sie mit über siebzig Jahren immer noch ihr Publikum begeistert.

Debbie Harry ist eine amerikanische Singer-Songwriterin und Schauspielerin, die vor allem als Leadsängerin der Band Blondie bekannt wurde. Mit der Band nahm sie in den Siebziger- und Achtzigerjahren mehrere internationale Nummer-eins-Singles auf. Außerdem war sie als Solokünstlerin erfolgreich, bevor sie in den späten Neunzigern mit Blondie ein Comeback startete. Ihre Schauspielkarriere umfasst mehr als sechzig Filmrollen und zahlreiche Fernsehauftritte. Sie setzt sich für Umweltthemen, den Schutz von Bienen, Menschenrechte und die LGBTQ-Gemeinde ein.

Face it von Debbie Harry ist bei Heyne Hardcore erschienen.
(JK 03/20)

Steffen Schroeder liest im Foyer des Deutschen Schauspielhaus am Donnerstag, 5. März

Deutsches Schauspielhaus, Foyer
Donnerstag, 05.03.2020 20.00 Uhr

Kirchenallee 39, Hamburg
Eintritt: 10 /16 Euro

Steffen Schroeder liest aus seinem Roman Mein Sommer mit Anja, der bei Rowohlt Berlin erschienen ist. Thomas Andre moderiert.

Ein heißer Sommer in den Achtzigern. Für Konrad sind alle Sorgen noch fern, vor allem in den großen Ferien. Die verbringt er im Freibad Floriansmühle, immer mit seinem geistig leicht behinderten Freund Holger. Dann liegt eines Tages ein toter Specht unter ihrem Kletterbaum, und daneben steht ein trotziges Mädchen. Anja hat kurze Haare und ist anders als alle Mädchen, die Konrad kennt. Sie ist abgehauen, schläft draußen, in einem Versteck im Park. Eine geheime Freundschaft beginnt. Konrad bringt Anja Essen, hilft ihr, sie treffen sich im Freibad und zu Ausflügen. Als sie ein Zeltlager von Stadtstreichern aufstören und gerade noch davonkommen, begreift Konrad erst, wie eigensinnig und gefährdet Anja wirklich lebt – da ist er längst in sie verliebt. Warum ist Anja von ihrer Familie weg, und was soll daraus werden? Nach und nach gibt sie ihre Geschichte preis, doch niemand darf von ihr erfahren, Konrad lügt immer häufiger um seine Freundschaft zu verheimlichen. Und er kümmert sich kaum noch um seinen Freund Holger, der zunehmen eifersüchtig reagiert.

Seit vielen Jahren ist Steffen Schroeder vor allem als Schauspieler in Filmen, Fernsehspielen und Serien bekannt. Steffen Schroeder wurde 1974 in München geboren. Nach seiner Schauspielausbildung war er zunächst Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater, dann beim Berliner Ensemble. Er wirkte in Fernsehserien wie Der Kriminalist, Bella Block und Tatort sowie in Kinofilmen wie Der Rote Baron oder Keinohrhasen mit. In der erfolgreichen ZDF-Serie SOKO Leipzig spielt er seit 2012 den Polizeioberkommissar Tom Kowalski. Steffen Schroeder lebt mit seiner Familie in Potsdam.

Mein Sommer mit Anja von Steffen Schroeder ist bei Rowohlt Berlin erschienen.
(JK 03/20)

Matthias Politycki liest im Literaturhaus Dienstag, 3. März

Literaturhaus
Dienstag, 03.03.2020 20.00 Uhr

Schwanenwik 38, Hamburg
Eintritt: 8 /12 Euro

Viel Sonne, große Untergänge und der King of Fulalu: Matthias Politycki stellt seinen Roman Das kann uns keiner nehmen vor, der bei Hoffmann und Campe erschienen ist. Thomas Andre moderiert.

Zwei ältere, weiße Männer, beide etwas verschrobene Sonderlinge, wenn nicht schon ganz aus der Zeit gefallen, so doch jeder auf seine Weise gefangen im privaten Blues von in die Jahre gekommenen, durchaus tragischen Lebensgeschichten. Das sind die auf den ersten Blick nicht sehr attraktiven Helden. Doch gerade in diesem Understatement steckt der Zündfunke für eine große Komödie. Matthias Politycki erzählt sie in seinem neuen Roman Das kann uns keiner nehmen in einem mitreißenden Sound und schlägt mit seinen Helden dabei immer neue Kapriolen. Fast beiläufig rockt dieser Roman aber auch ein zentrales, gesellschaftspolitisches Thema unserer Zeit.

Als Hans sich nach einem langen Aufstieg mit anderen Touristen endlich allein mit seinem Führer auf dem Weg in den Kibo-Krater des Kilimandscharo-Massivs im Nordosten von Tansania befindet, hofft er auf eine einsame Kraternacht. Sie soll ihn nach Jahrzehnten endlich ein für allemal von einem großes Liebesversagen befreien, das ihm bei einer Afrikareise mit seiner damaligen Verlobten wiederfahren ist. Doch dann steht der weltoffene und feinsinnige Hamburger einem „Kerl“ gegenüber, der ihn mit einem kernigen „lecko mio“ im Krater begrüßt, ihn sogleich „Hornbrillenwürschtl“ und wegen des um seinen Kopf gewickelten Tuchs „Windelhansi“ nennt. Auch sonst nimmt dieser Tscharli aus Miesbach in Oberbayern, wie sich schnell herausstellt, kein Blatt vor den Mund, obwohl oder vielleicht auch, weil er selbst eher eine halbe Portion ist. Seine Sprache, sein Verhalten, seine Ansichten, so ziemlich alles an diesem Tscharli ist mindestens ein Affront und strenggenommen viel schlimmer, wie Hans später einmal feststellt. Will man mit so einem befreundet sein? Bestimmt nicht. Dennoch werden die gemeinsame Nacht im Krater und ein rasanter Abstieg zum Ausgangspunkt einer Grand Tour der beiden Helden. Sie ist gespickt mit absurden Begegnungen und aberwitzigen Abenteuern, für die vor allem der charismatische Tscharli sorgt. Der allseits bekannte „King of Fulalu“, „Mister Bombastic“ und „Big Simba“ dreht eine Abschiedsrunde durch sein Afrika und will es dabei nochmal so richtig krachen lassen, schließlich weiß er nur zu genau: „Wo’s viel Sonne gibt, gibt’s etwas später große Untergänge“. Über alle weltanschaulichen Gegensätze, dieses Geflecht aus Meinungen und Verortungen hinweg, das die Gesellschaften der westlichen Welt derzeit spaltet, entwickelt sich zwischen Hans und Tscharli eine tiefe Freundschaft. Dass dafür so manches allzu menschliche Vorurteil auf den Prüfstand muss, versteht sich von selbst, wird aber immer nebensächlicher. Was den beiden Helden keiner nehmen kann und sie am Ende zusammenschweißt, ist die Erfahrung einer großen und doch tragischen Liebe. Für sie finden Hans und Tscharli in ihrer Begegnung zum ersten Mal die richtigen Worte, und ihr Leben justiert sich in einem größeren Horizont befreiend neu.

Matthias Politycki schreibt seitdem er 16 ist und wurde schon mit seinem opulenten Romandebüt als „Formfex im Sprachfels“ (Die Welt) gefeiert. Sein Werk besteht heute aus über 30 Büchern, darunter mehrere Romane, Erzähl- und Gedichtbände sowie vielbeachtete Sachbücher und Reisereportagen. Er gilt als großer Stilist und ist einer der vielseitigsten Schriftsteller der deutschen Gegenwartsliteratur. Sein Weiberroman, eine Hommage an die siebziger und achtziger Jahre, ist eines der zentralen Werke der literarischen Postmoderne; als „einer der schönsten Schelmenromane unserer Zeit“ (Radio Bremen) wurde seine Kreuzfahrtsatire In 180 Tagen um die Welt zum Bestseller. Sieben Jahre nach seinem als „wahrer Monolith“ (Stern) gerühmten Roman Samarkand erscheint sein neuer großer Roman Das kann uns keiner nehmen, für den er um ein Haar in Afrika gestorben wäre. Gerettet hat ihn die Liebe einer Frau.

Das kann uns keiner nehmen von Matthias Politycki ist bei Hoffmann und Campe erschienen.
(JK 03/20)

Helge Timmerberg liest im Uebel & Gefährlich am Sonntag, 1. März

Uebel & Gefährlich
Sonntag, 01.03.2020 20.00 Uhr

Feldstr. 66, Hamburg
Eintritt: 18.30 Euro

Helge Timmerberg liest aus seinem neuen Buch Das Mantra gegen die Angst oder Ready for everything, das bei Malik erschienen ist.

Er war schon Der Jesus im Sexshop, ist auf Umwegen Im Palast der gläsernen Schwäne gelandet und In 80 Tagen um die Welt gereist, ein Reise-ABC gehört so selbstverständlich zu seinen Werken wie ein Single-ABC und natürlich hat er sich auch schon dem Tierleben gewidmet. In seinem neuen Buch ist Helge Timmerberg nun einem Mantra gegen die Angst auf der Spur.

Er schlägt alle Warnung in den Wind, „Nepal derzeit zu meiden“, weil er unbedingt diesen Yogi finden will. 15 Jahre ist es her, seit der ihm im Annapurna-Massiv so eine Art Mantra gegen die Angst anvertraute, das ihm über die Jahre zu einer Art Zaubermittel wurde, dafür nimmt er jetzt Staus, Smog, Schlamm, Pfützen und jede Menge Unfälle in Kauf. Wird er Kashinath, den Wandermönch und gepflegten Asketen, noch einmal treffen? Für seine Leserinnen, Leser und Zuhörerinnen und Zuhörer ist das vielleicht gar nicht so wichtig, denn es ist immer ein großes Abenteuer, mit diesem Wanderer Helge Timmerberg unterwegs zu sein. Und vielleicht überträgt sich dabei ja auch etwas von diesem Mantra und dem Versprechen absoluter Freiheit, das es in sich verbirgt.

Helge Timmerberg, geboren 1952 im hessischen Dorfitter, ist Journalist und schreibt Reisereportagen aus aller Welt. Er veröffentlicht in der Süddeutschen Zeitung, der Zeit, Allegra, Stern, Spiegel, Playboy u.a.

Das Mantra gegen die Angst oder Ready for everything von Helge Timmerberg ist bei Malik erschienen.
(JK 02/20)

Ulla Lenze liest in der Buchhandlung Christiansen am Donnerstag, 27. Februar

Buchhandlung Christiansen
Donnerstag, 27.02.2020 20.00 Uhr

Bahrenfelder Str. 79, Hamburg
Eintritt: 8 / 10 Euro. Tickets gibt es bei Christiansen unter tel.: 040-3902072 oder per E-Mail an info@buchhandlung-christiansen.de

Ulla Lenze liest aus ihrem neuen Roman Der Empfänger, der bei Klett-Cotta erschienen ist.

Vor dem Kriegseintritt der Amerikaner brodelt es in den Straßen New Yorks. Antisemitische und rassistische Gruppierungen eifern um die Sympathie der Massen, deutsche Nationalisten feiern Hitler als den Mann der Stunde. Der deutsche Auswanderer Josef Klein lebt davon relativ unberührt; seine Welt sind die multikulturellen Straßen Harlems und seine große Leidenschaft das Amateurfunken. So lernt er auch Lauren, eine junge Aktivistin, kennen, die eine große Sympathie für den stillen Deutschen hegt. Doch Josefs technische Fähigkeiten im Funkerbereich erregen die Aufmerksamkeit einflussreicher Männer, und noch ehe er das Geschehen richtig deuten kann, ist er bereits ein kleines Rädchen im Getriebe des Spionagenetzwerks der deutschen Abwehr. Josefs verhängnisvoller Weg führt ihn später zur Familie seines Bruders nach Neuss, die den Aufstieg und Fall der Nationalsozialisten aus der Innenperspektive erfahren hat, und letztendlich nach Südamerika, wo ihn Jahre später eine Postsendung aus Neuss erreicht. Deren Inhalt: eine Sternreportage über den Einsatz des deutschen Geheimdienstes in Amerika.

Ulla Lenze, 1973 in Mönchengladbach geboren, studierte Musik und Philosophie in Köln und veröffentlichte insgesamt vier Romane, zuletzt Der kleine Rest des Todes (2012) und Die endlose Stadt (2015). Für ihre Arbeiten wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Jürgen-Ponto-Preis für das beste Debüt 2003, dem Rolf-Dieter-Brinkmann-Förderpreis und dem Ernst-Willner-Preis beim Bachmann-Wettbewerb. 2016 erhielt Ulla Lenze für ihr Gesamtwerk den „Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft“. Für ihren neuen Roman Der Empfänger hat sie die Lebensgeschichte ihres Großonkels fiktional verarbeitet. Ulla Lenze lebt in Berlin.

Der Empfänger von Ulla Lenze ist bei Klett-Cotta erschienen.
(JK 02/20)

Nora Bossong liest in der Buchhandlung Boysen + Mauke am Donnerstag, 27. Februar

Buchhandlung Boysen + Mauke 
Donnerstag, 27.02.2020 19.30 Uhr 
Große Johannisstr. 19, Hamburg 
Eintritt: 8 / 12 Euro. Anmeldungen: a.wenzel@schweitzer-online.de

Nora Bossong stellt ihren Roman Schutzzone vor, der bei Suhrkamp erschienen ist.

Für die Erzählerin in Schutzzone, dem neuen Roman von Nora Bossong, beruht der hauchdünne Firnis der Zivilisation allzu oft nur auf Fortschritten, die „wir zu sehen meinen“, weil wir sie sehen wollen oder vielleicht auch müssen, wenn wir in Konflikten und Krisensituationen weiter verantwortlich handeln wollen. Sie hinterfragt den Sinn von Diplomatie und die Legitimation internationaler Organisationen wie der UN, die von den Rechtspopulisten aller Länder gegenwärtig in Frage gestellt werden.

Es geht um Friedensmaßnahmen, Krisenregionen und Gerechtigkeit, es geht um Verantwortung und Vertrauen, es geht um Zeugenschaft und Wahrheit. Mira, die Erzählerin in »Schutzzone« arbeitet in Genf für die Vereinten Nationen. Als sie bei einer Sitzung im Menschenrechtsrat Milan wiederbegegnet, in dessen Familie sie für die Trennungsphase ihrer Eltern als Kind für einige Monate untergebracht war, ist sie plötzlich neben den politischen Konfliktfeldern auch noch mit den privaten Zerwürfnissen ihres Lebens konfrontiert. Und mit einer stürmischen Liebe, die alles in Frage stellt. In Rückblicken erinnert sich Mira an ihre Zeit in Milans Familie und berufliche Stationen in New York oder Bujumbura in Burundi. Ob sie „noch daran glaubt, an diese schwerfällige Weltgemeinschaft“, weiß Mira irgendwann nicht mehr so genau. Aber woran soll sie sonst glauben? Eine einfache Wahrheit findet sie weder im Politischen noch im Privaten, am Ende geht es vor allem darum, wie man sich die Hoffnung auf Versöhnung bewahrt. „Wir erzählen, aber warum eigentlich?“, fragt ihre Freundin Sarah sie eines Tages in Burundi. „Weil wir einander vertrauen oder weil wir einander nicht vertrauen?“ Mira antwortet darauf: „Vielleicht einfach nur, weil wir zu uns kommen.“

Nora Bossong, 1982 in Bremen geboren, schreibt Lyrik, Romane und Essays, für die sie mehrfach ausgezeichnet wurde, unter anderem mit dem Peter-Huchel-Preis, dem Kunstpreis Berlin und dem Roswitha-Preis. Nora Bossong lebt in Berlin.

Schutzzone von Nora Bossong ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 02/20)