Montag

Jana Hensel liest im Büchereck Niendorf Nord am Freitag, 27. April

Büchereck Niendorf Nord
Freitag, 27.04.2018  19.00 Uhr
Nordalbingerweg 15, Hamburg
Eintritt: 8 Euro

Jana Hensel liest aus ihrem Buch Keinland, das bei Wallstein erschienen ist. Miriam Semrau moderiert.

Eigentlich hatte Nadja nur ein Interview mit Martin Stern führen wollen, aber von der ersten Sekunde an ist da eine schwer erklärbare Nähe – und eine Fremdheit, die sich auch dann nicht auflöst, als die beiden sich näherkommen. Woher rührt diese Nähe? Und warum ist diese Fremdheit nur so schwer zu überwinden? Nadja sagt ja zu dieser Liebe, an die Martin nicht recht glauben kann. Martin, der als Jude in Frankfurt am Main aufgewachsen ist, Deutschland aber nach der Wiedervereinigung verlassen hat und nach Tel Aviv gezogen ist. Zu vieles liegt zwischen den beiden: biographische Erfahrungen, geographische Entfernung und eine Vergangenheit, die nicht nur mit den eigenen Lebensläufen zu tun hat.

Das falsche Land, das richtige, das neue, das heilige – Jana Hensel lotet in kunstvollen Zeitsprüngen und Erinnerungen an Tage in Berlin und Nächte in Tel Aviv, an tiefe Innigkeit und immer wieder scheiternde Gespräche die Grenzen zwischen zwei Liebenden aus. Dabei umkreist sie mit großer sprachlicher Kraft und Intensität unsere Auffassung von Heimat, Geschichte und Schicksal und stellt mit ihren Charakteren die Frage, wie weit die Vergangenheit unser Leben bestimmt.

Jana Hensel, geboren 1976 in Leipzig, Studium der Romanistik und der Neueren Deutschen Literatur in Leipzig, Aix-en-Provence, Berlin und Paris. Als Studentin gab sie die Literaturzeitschrift Edit und gemeinsam mit Thomas Hettche die Internetanthologie Null heraus. Ihr Buch Zonenkinder über die Erfahrungen ihrer Generation vor und nach dem Mauerfall war ein Bestseller. Seither arbeitet sie als Journalistin, u. a. als stellvertretende Chefredakteurin des Freitag. 2010 gewann sie den Theodor-Wolff-Preis. Keinland ist ihr literarisches Debüt.

Keinland von Jana Hensel ist bei Wallstein erschienen.
(JK 04/18)

Sven Recker im Yachtclub im Nochtspeicher am Donnerstag, 26. April

Nochtwache im Nochtspeicher
Donnerstag, 26.04.2018  20.00 Uhr
Bernhard-Nocht-Str. 69a, Hamburg
Eintritt: 9 Euro

Sven Recker, Entwicklungshelfer für den Aufbau unabhängiger Medien in Krisenregionen, stellt mit seinem Buch Fake Metal Jacket zum Yachtclub im Nochtspeicher einen schwarzen Roman über Fake News, korrupte Journalisten und die Leichtgläubigkeit des Publikums vor. Friederike Moldenhauer und Tina Uebel moderieren.

Peter Larsen ist Kriegsreporter. Einer von denen, die hingehen, wo es weh tut: dicht dran an Flüchtlingen, Kriegsopfern und Katastrophen, unerschrocken im Gespräch mit Warlords und Schleusern. Nur: Alles ist Fake. Die syrischen Flüchtlinge sind afghanische Asylbewerber, der Seelenverkäufer ein Fischerboot in Brandenburg, der Rest aus dem Internet zusammengeschnitten – Hauptsache, es entspricht den Erwartungen, dann geht alles durch. Peter Larsen ist feige, und er weiß das, aber seine Masche funktioniert. Selbst schuld, wer das glaubt. Und schließlich steht er ja auf der richtigen Seite, für die Freiheit, gegen den Krieg, gegen Assad – der Zweck heiligt die Mittel. Als die bildschöne Cousine seines Kumpels und Komplizen Ahmad in Syrien Hilfe braucht, sieht Larsen die Gelegenheit, mit sich ins Reine zu kommen. Doch Leila kann sich keine Moral leisten, sie steht auf der anderen Seite, und Larsen wird erpresst: Entweder berichtet er von nun an zugunsten des Assad-Regimes, oder sein jahrelanger Betrug fliegt auf…

Sven Recker wurde 1973 in Bühl/Baden geboren und lebt in Berlin. Er arbeitete mehrere Jahre lang als Journalist, bevor der ab 2002 einige Zeit als Not- und Katastrophenhelfer in Krisenregionen reiste. Seit 2009 schult er zudem Journalisten aus Libyen, Ägypten, Tunesien, Irak, Sudan, Südsudan, Sri Lanka und Ruanda vor Ort. 2015 las er mit einem Auszug aus seinem Debütroman Krume Knock Out bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt. Auch wenn er keinen Preis mit nach Hause nehmen konnte, so gab es aus dem jüngeren Publikum doch viel Begeisterung. So hat auch das Kuratorium des Vereins der Hotlist der Independents Krume Knock Out auf die Longlist für den Hauptpreis gewählt! 30 Titel wurden ausgesucht als „Ausschnitt aus dem Besten, was unabhängige deutschsprachige Verlage zu bieten haben“.

Fake Metal Jacket von Sven Recker ist bei Edition Nautilus erschienen.
(JK 04/18)

Verena Carl liest bei stories! im Falkenriedquartier am Donnerstag, 26. April

stories! im Falkenriedquartier
Donnerstag, 26.04.2018  20.00 Uhr
Straßenbahnring 19, Hamburg
Eintritt: 5 Euro. Reservierungen unter: anmeldungen@stories-hamburg.de

So wie man ein Segel setzt: Verena Carl liest aus ihrem neuen Buch Die Lichter unter uns, das bei S. Fischer erschienen ist.

Sie sind eine glückliche Familie, Anna, ihr Mann Jo und die beiden Kinder Bruno und Judith, obwohl die Mühen der Ebenen sie im Alltag fest im Griff haben. Doch jetzt sind sie ja im Urlaub, in Taormina auf Sizilien, wo der Ätna in der Ferne seine weißen Rauchfähnchen in den blauen Himmel schickt. Eine Postkartenkulisse, vor der Verena Carl die Familie in ihrem neuen Roman Die Lichter unter uns in eine beinahe klassische Krise führt.

„Ist das noch Liebe oder schon Gewohnheit?“ Jetzt taucht sie auf einmal wieder auf, die Frage nicht mehr ganz junger Paare, die Anna ihrem Mann schon vor ihrer Ehe gestellt hat. Das hoch konzentrierte Gift, das sie langsam mehr und mehr verunsichert, das sie in das Gefühl hineintreibt, ihr ganzes Leben würde ihr nach und nach entgleiten, hat natürlich einen Namen: Alexander. Der schöne Fremde, den sie noch nicht einmal kennt, löst ein mittleres Erdbeben aus, das auf einmal alles ins Wanken bringt. Wie sähe ihr Leben an seiner Seite aus?

Tatsächlich ist Alexander, den sie am Strand von Taomina bald kennenlernt, mit einer jungen Frau verheiratet, und er hat sogar einen erwachsen Sohn. Dennoch hat er für Anna „einen Ton gesetzt, so wie man ein Segel setzte, leicht und schnell“.

Verena Carl wurde 1969 geboren und lebt mit ihrer Familie in Hamburg. Sie lernte ihr Handwerk an der Deutschen Journalistenschule und schreibt unter anderem für Brigitte und Merian. Sie veröffentlichte zahlreiche Kinderbücher und -hörspiele und eine Reihe von Romanen. Für ihr literarisches Werk wurde sie unter anderem zweimal mit dem Hamburger Förderpreis für Literatur ausgezeichnet.

Die Lichter unter uns von Verena Carl ist bei S. Fischer erschienen.
(JK 04/18)

Bernhard Schlink liest in den Hamburger Kammerspielen am Dienstag, 24. April

Hamburger Kammerspiele
Dienstag, 24.04.2018  20.00 Uhr
Hartungstraße 9-11, Hamburg
Eintritt: 16 Euro (Tickets nur bei Heymann erhältlich)

Bernhard Schlink liest aus seinem neuen Roman Olga, der bei Diogenes erschienen ist.

Warum wir die Literatur lieben? Die Antwort für die WELT fiel Bernhard Schlink leicht: „Literatur ändert unsere Wahrnehmung. Sie lässt uns die Welt und die Menschen anders sehen, sie lässt uns sehen, was wir davor nicht gesehen haben, sie lässt unser Herz für etwas schlagen, für das es sonst nicht geschlagen hätte.“ Diese Empfindung stellt sich auch beim Lesen von Schlinks neuem Roman ein – eine  Hommage auf eine starke Frau, die allen Verwerfungen der deutschen Geschichte trotzt und die der großen, vielleicht einzigen, Liebe ihres Lebens treu bleibt. Schlinks Roman ist eine große Liebesgeschichte und ein Buch über Deutschland, seine Höhen und Tiefen, das es so noch nicht gegeben hat. Ein meisterliches Alterswerk.

Die Geschichte der Liebe zwischen einer Frau, die gegen die Vorurteile ihrer Zeit kämpft, und einem Mann, der sich mit afrikanischen und arktischen Eskapaden an die Träume seiner Zeit von Größe und Macht verliert. Erst im Scheitern wird er mit der Realität konfrontiert - wie viele seines Volks und seiner Zeit. Die Frau bleibt ihm ihr Leben lang verbunden, in Gedanken, Briefen und einem großen Aufbegehren.

Bernhard Schlink, geboren 1944 bei Bielefeld, ist Jurist und lebt in Berlin und New York. Der 1995 erschienene Roman Der Vorleser, 2009 von Stephen Daldry unter dem Titel The Reader verfilmt, in über 50 Sprachen übersetzt und mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet, begründete seinen schriftstellerischen Weltruhm.

Olga von Bernhard Schlink ist bei Diogenes erschienen.

Eine Veranstaltung der Buchhandlung Heymann
(JK 04/18)

Manuel Möglich liest im Uebel & Gefährlich am Montag, 23. April

Uebel & Gefährlich
Montag, 23.04.2018  20.00 Uhr
Feldstr. 66, Hamburg
Eintritt: 13.50 Euro

Manuel Möglich präsentiert sein neues Buch Alles auf Anfang, das bei Rowohlt Berlin erschienen ist, für das er »den Spuren gelebter Träume« gefolgt ist, ob von Visionären, Aussteigern und Phantasten, von Revolutionären, Finanziers oder Hippies.

Es gibt Menschen, die ihrem Traum von einem ganz anderen, besseren Leben folgen – und Manuel Möglich ist ihnen gefolgt, um herauszufinden, ob ihnen dieses Abenteuer gelungen ist. Was bleibt von den großen Träumen, wenn man sie zu leben versucht? Eine Welt ohne Geld und Eigentum lernt Möglich bei den Nomadelfen kennen, einer urchristlichen Gemeinschaft in der Toskana. Ob die freie Liebe (neudeutsch „Polyamorie“) die Lösung aller Probleme ist, soll sich bei den Kirschblütlern in der Schweiz zeigen. Möglich unterwirft sich auf der Suche nach innerer Einkehr dem mönchischen Alltag im Benediktinerkloster, erklettert die Baumhäuser junger Umweltaktivisten im Hambacher Forst und träumt mit Tech-Freaks auf dem kalifornischen RAAD-Festival von Cyborgs und Unsterblichkeit. Oder müssen wir die bessere Zukunft, wie die Initiatoren der niederländischen Mars-One-Expedition glauben, gar auf einem anderen Planeten suchen?

Klar ist am Ende: Manche Utopie ist nicht so weit entfernt, wie man zunächst glauben möchte – und es lohnt sich auf jeden Fall, das eigene Leben hin und wieder auf den Prüfstand zu stellen.

Manuel Möglich, geboren 1979 in Weilburg/Hessen, studierte Medien- und Kulturwissenschaft, schrieb für Vice und arbeitete als Radiojournalist für 1LIVE und radioeins. Seine Fernsehserie Wild Germany auf ZDFneo und Netflix, die ihn und seinen direkten, subjektiven Stil bekannt machte, war für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. Mit dem Dokuformat Y-Kollektiv gewann er den Deutschen Webvideopreis. Als Rabiat!-Reporter versucht Möglich, die ARD zu verjüngen. 2015 erschien sein erstes Buch Deutschland überall. Manuel Möglich lebt in Berlin.

Alles auf Anfang von Manuel Möglich ist bei Rowohlt Berlin erschienen.
(JK 04/18)

Celeste Ng liest in der Buchhandlung Heymann Eimsbüttel am Montag, 23. April

Buchhandlung Heymann
Montag, 23.04.2018  20.30 Uhr
Osterstr. 134, Hamburg
Eintritt: 14 Euro

Celeste Ng liest aus ihrem neuen Roman Kleine Feuer überall, der bei dtv erschienen ist. Anouk Schollähn moderiert.

Schon mit ihrem ersten Roman Was ich euch nicht erzählte wurde die US-amerikanische Schriftstellerin Celest Ng vielfach ausgezeichnet und in 20 Sprachen übersetzt.

Es brennt! In jedem der Schlafzimmer hat jemand Feuer gelegt. Fassungslos steht Elena Richardson im Bademantel und den Tennisschuhen ihres Sohnes draußen auf dem Rasen und starrt in die Flammen. Ihr ganzes Leben lang hatte sie die Erfahrung gemacht, „dass Leidenschaft so gefährlich ist wie Feuer“. Deshalb passte sie so gut nach Shaker Heights, den wohlhabenden Vorort von Cleveland, Ohio, in dem das Alltagsleben seiner Bewohner stets im gewohnten Trott verharrt. Ihr Mann ist Partner einer Anwaltskanzlei, sie selbst schreibt Kolumnen für die Lokalzeitung, die vier halbwüchsigen Kinder sind bis auf das jüngste, Isabel, wohlgeraten. Doch es brennt. Elenas scheinbar unanfechtbares Idyll – alles Asche und Rauch.

Celeste Ng (sprich: Ing) wuchs auf in Pittsburgh, Pennsylvania und in Shaker Heights, Ohio. Ng studierte in Harvard und machte ihren Master an der University of Michigan. Sie schrieb Erzählungen und Essays, die in verschiedenen literarischen Magazinen erschienen und mit dem Hopwood Award und dem Pushcart Prize ausgezeichnet wurden.

Kleine Feuer überall von Celeste Ng ist bei dtv erschienen.
(JK 04/18)

Hans Joachim Schädlich liest bei den Frühjahrslesetagen HIGH VOLTAGE am Sonntag, 22. April

Rathaus Bergedorf, Spiegelsaal
Sonntag, 22.04.2018  11.00 Uhr
Wentorfer Str. 38, Hamburg
Eintritt: 8 / 12 Euro

Hans Joachim Schädlich liest aus seinem neuen Buch Felix und Felka, das bei Rowohlt erschienen ist. Hans Joachim Schädlich stellt sein Buch zu den Frühjahrslesetagen HIGH VOLTAGE vor. Renatus Deckert moderiert.

Rom, an einem Nachmittag im Mai 1933. Ein tätlicher Angriff des Malers Hanns Hubertus Graf von Merveldt zwingt den deutsch-jüdischen Maler Felix Nussbaum, die Villa Massimo zu verlassen. Die Rückkehr nach Deutschland ist ihm und seiner Lebensgefährtin, der polnisch-jüdischen Malerin Felka Platek, angesichts der nazistischen Judenverfolgung unmöglich. Nach Aufenthalten an der italienischen Riviera, in Paris und Ostende finden sie schließlich eine Bleibe in Brüssel. Dem dringlichen Rat eines Freundes, sich nach Palästina zu retten, folgen sie nicht. Obwohl die Bedrohung durch die deutschen Besatzungsbehörden zunimmt, bleiben sie in Brüssel, verstecken sich in einer Mansarde.

In Felix und Felka zeigt sich Hans Joachim Schädlich erneut als Meister der Reduktion. „Jeder Satz ein Treffer“, urteilte Judith von Sternberg für die Frankfurter Rundschau, Tilman Spreckelsen lobt für die Frankfurter Allgemeine Zeitung die „ergreifende Präzision“ von Hans Joachim Schädlich, der „ein Meister der kleinen Form“ sei.

Hans Joachim Schädlich, 1935 in Reichenbach im Vogtland geboren, arbeitete an der Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin, bevor er 1977 in die Bundesrepublik übersiedelte. Für sein Werk bekam er viele Auszeichnungen, u. a. den Heinrich-Böll-Preis, Hans-Sahl-Preis, Kleist-Preis, Schiller-Gedächtnispreis, Lessing-Preis, Bremer Literaturpreis, Berliner Literaturpreis und Joseph-Breitbach-Preis. 2014 erhielt er für seine schriftstellerische Leistung und sein politisches Engagement das Bundesverdienstkreuz. Hans Joachim Schädlich lebt in Berlin.

Felix und Felka von Hans Joachim Schädlich ist bei Rowohlt erschienen.

Eine Veranstaltung der Stromnetz Hamburg GmbH und Literaturhaus Hamburg
(JK 04/18)

Der französische Autor Éric Vuillard liest in der Buchhandlung Christiansen am Freitag, 20. April

Buchhandlung Christiansen
Freitag, 20.04.2018  20.00 Uhr
Bahrenfelder Str. 79, Hamburg
Eintritt: 8 / 10 Euro

Der französische Autor Éric Vuillard liest aus seinem mit dem Prix Goncourt 2017 ausgezeichneten Buch Die Tagesordnung, das bei Matthes & Seitz Berlin erschienen ist. Svenja Huckle liest die deutschen Texte, Nicola Denis moderiert.

Éric Vuillards Roman führt in die Hinterzimmer der Macht, wo 1933 Geschichte geschrieben wird: Auf Einladung von Herman Göring treffen sich Vertreter der Industrie mit Adolf Hitler, um über eine Allianz mit der nationalsozialistischen Politik zu beraten. So beginnt bei Vuillard der Lauf einer Geschichte, die fünf Jahre später in die Annexion Österreichs münden wird.

20. Februar 1933: Auf Einladung des Reichstagspräsidenten Hermann Göring finden sich 24 hochrangige Vertreter der Industrie zu einem Treffen mit Adolf Hitler ein, um über mögliche Unterstützungen für die nationalsozialistische Politik zu beraten: Krupp, Opel, BASF, Bayer, Siemens, Allianz – kaum ein Name von Rang und Würden fehlt an den glamourösen runden Tischen der Vermählung von Geld und Politik. So beginnt der Lauf einer Geschichte, die Vuillard fünf Jahre später in die Annexion Österreichs münden lässt. Bild- und wortgewaltig führt er den Leser in die Hinterzimmer der Macht, wo in erschreckender Beiläufigkeit Geschichte geschrieben wird. Dabei erzählt er eine andere Geschichte als die uns bekannte, er zeigt den Panzerstau an der deutschen Grenze zu Österreich, er entlarvt Schuschniggs kleinliches Festhalten an der Macht, Hitlers abgründige Unberechenbarkeit und Chamberlains gleichgültige Schwäche. Mit der ihm eigenen virtuosen Eindringlichkeit und satirischem Biss seziert Vuillard die Mechanismen des Aufstiegs der Nationalsozialisten und macht deutlich: Die Deals, die an den runden Tischen der Welt geschlossen werden, sind faul, unser Verständnis von Geschichte beruht auf Propagandabildern. In Die Tagesordnung zerlegt Éric Vuillard diese Bilder und fügt sie virtuos neu zusammen: Ein notwendiges Buch, das eine überfällige Geschichte erzählt und damit den wichtigsten französischen Literaturpreis erhielt.

Éric Vuillard, 1968 in Lyon geboren, ist Schriftsteller und Regisseur. Für seine Bücher, in denen er große Momente der Geschichte neu erzählt und damit ein eigenes Genre begründet, wurde er u. a. mit dem Prix de l’Inaperçu und dem Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet. 2017 bekam er für Die Tagesordnung den renommierten Prix Goncourt.

Die Tagesordnung von Éric Vuillard ist bei Matthes & Seitz Berlin erschienen.

Eine Veranstaltung des Institut Français de Hambourg
(JK 04/18)

Andreas Maier liest zu den Frühjahrslesetagen HIGH VOLTAGE am Freitag, 20. April

Lichthof der Staats- und Universitätsbibliothek
Freitag, 20.04.2018  19.30 Uhr
Eingang Edmund-Siemers-Allee / Ecke Grindelallee, Hamburg
Eintritt: 8 / 12 Euro

Andreas Maier liest aus seinem neuen Buch Die Universität, das bei Suhrkamp erschienen ist. Andreas Maier stellt sein Buch zu den Frühjahrslesetagen HIGH VOLTAGE vor. Jörg Magenau moderiert

Frankfurt, die Universität, 1988, 1989. Damals noch ein ganz anderes Studium, Magister, eigentlich völlige Freiheit in allem. Das Betätigungsfeld erstreckt sich vom Biertrinken im »Doctor Flotte« bis hin zu Seminaren über Wahrheitstheorie, die den Studenten der Philosophie schon innerhalb eines Semesters zu Arztbesuchen treiben. Es droht ein völliger Verlust der eigenen Person, und auch die Zeiten geraten durcheinander: Auf der Suche nach einer Studentenbude stößt der Protagonist auf ein Erotikmagazin, in dem er eine alte Liebe aus dem Jahr 1983 wiederzuerkennen glaubt. Aus seiner Matratzengruft, in der er sich verzweifelt-lethargisch einrichtet, rettet ihn ausgerechnet ein Pflegefall: Gretel Adorno, die uralte Witwe des Philosophen, bei der er durch seinen Studentenjob Dienst tut. Er lässt sich von ihr zerkratzen und beschimpfen, aber eigentlich versteht er sich mit ihr besser als mit seiner ganzen Umwelt.

Die Universität ist ein Roman über die Möglichkeit, überhaupt von so etwas wie „Ich“ oder „Person“ zu sprechen. Es ist jener Zustand Anfang zwanzig, in dem wir zwar noch im Rollenspiel der Jugend verhaftet sind, zugleich aber längst begriffen haben, dass es irgendwo anders hingehen muss. Er setzt seinen Romanzyklus „so famos wie profund“ (Frankfurter Rundschau) fort , der auf zwölf Bände angelegt ist, von der Kindheit und vom Erwachsenwerden erzählt und immer wieder als „große Literatur“ (Süddeutsche Zeitung) gefeiert wird.

Andreas Maier wurde 1967 im hessischen Bad Nauheim geboren. Er studierte Altphilologie, Germanistik und Philosophie in Frankfurt am Main und ist Doktor der Philosophie im Bereich Germanistik. Er lebte wechselweise in der Wetterau und in Südtirol. Andreas Maier lebt in Hamburg.

Die Universität von Andreas Maier ist bei Suhrkamp erschienen.

Eine Veranstaltung der Stromnetz Hamburg GmbH und Literaturhaus Hamburg
(JK 04/18)

Felicitas Hoppe liest bei den Frühjahrslesetagen HIGH VOLTAGE am Donnerstag, 19. April

Warburg Haus
Donnerstag, 19.04.2018  19.30 Uhr
Heilwigstr. 116, Hamburg
Eintritt: 8 / 12 Euro

Felicitas Hoppes Amerikanische Reise: Felicitas Hoppe liest aus ihrem neuen Buch Prawda, das bei S. Fischer erschienen ist. Felicitas Hoppe stellt ihr Buch zu den Frühjahrslesetagen HIGH VOLTAGE vor.

Fantasievolle Abenteuer- und Reisegeschichten und literarische Auseinandersetzungen mit historisch verbürgten Personen sind das Markenzeichen der Schriftstellerin Felicitas Hoppe. Sie wurde vielfach ausgezeichnet und gefeiert in der Kritik, zuletzt mit ihrem fiktiven Lebens- und Reisebericht Hoppe, für den sie 2012 den Büchner-Preis erhielt. In ihrem neuen Buch Prawda (russisch: Wahrheit) nimmt sie uns mit auf eine amerikanische (Bildungs-) Reise, die sie von Boston über San Francisco bis Los Angeles und zurück nach New York führte – in einem roten Ford Explorer und auf den Spuren des russischen Schriftstellerduos Ilf und Petrow.

Die Übergänge sind fließend, das wird schon im ersten Satz deutlich, wenn es da heißt: „Wir sind doch nicht in Amerika!“ Nein, sind wir nicht, sondern im „Land unserer Träume“, mindestens, denn zwischen Erlebtem und Ausgedachtem, zwischen Phantasie und Wahrheit unterscheidet Felicitas Hoppe allenfalls spielerisch. Verbürgt ist, dass sie sich von Boston aus auf eine Reise begibt, achtzig Jahre nach den beiden russischen Kultfiguren Ilf und Petrow, die zur Zeit der Weltwirtschaftskrise für einige Monate durch Amerika reisten, Fotos machten und später in dem bis heute sehr lesenswerten Buch Das eingeschossige Amerika davon berichteten. Felicitas Hoppe ist ihnen als „Windschattentyp, Nacherzähler und Trittbrettfahrer“ auf der Spur, gemeinsam mit Frau Miller, alias Jerry, mit Foma, dem Sohn eines russischen Generals und Ann Adams, die unter falschem Namen reist. Auf dem Besichtigungsprogramm stehen die Ford-Werke und der erste elektrische Stuhl, Hoppe streicht den Zaun von Tom Sawyer, sie verschwindet in einem Tornado und trifft Quentin Tarantino persönlich. Auch Ilf und Petrow tauchen regelmäßig in Prawda auf, in dem es ein Land zu entdecken gibt, das am Ende „spurlos verschwunden ist, nichts als eine Erinnerung“. Und doch viel gegenwärtiger, als es in der Realität je sein könnte.

Felicitas Hoppe, geboren 1960 in Hameln, lebt als Schriftstellerin in Berlin. 1996 erschien ihr Debüt Picknick der Friseure, 1999, nach einer Weltreise auf einem Frachtschiff, folgte der Roman Pigafetta, Für ihr Werk wurde Felicitas Hoppe mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem aspekte-Literaturpreis, dem Bremer Literaturpreis, dem Roswitha-Preis der Stadt Bad Gandersheim, dem Rattenfänger-Literaturpreis, dem Georg-Büchner-Preis und zuletzt dem Erich Kästner Preis für Literatur. Außerdem Poetikdozenturen und Gastprofessuren in Wiesbaden, Mainz, Augsburg, Göttingen, am Dartmouth College in Hanover, New Hampshire, an der Georgetown University, Washington D.C., in Hamburg, Heidelberg und Köln.

Prawda von Felicitas Hoppe ist bei S. Fischer erschienen.

Eine Veranstaltung der Stromnetz Hamburg GmbH und Literaturhaus Hamburg
(JK 04/18)

Laetitia Colombani liest in der Buchhandlung Lüders am Mittwoch, 18. April

Buchhandlung Lüders
Mittwoch, 18.04.2018  20.00 Uhr
Heußweg 33, Hamburg
Eintritt: 8 Euro. Die Veranstaltung ist leider bereits ausverkauft.

Drei Frauen, drei Leben, drei Kontinente – dieselbe Sehnsucht nach Freiheit: Die französische Schriftstellerin Laetitia Colombani liest aus ihrem Roman Der Zopf, das bei S. Fischer erschienen ist. Sandra Quadflieg liest die deutschen Texte, Isabel Kupski modieriert.

Die Lebenswege von Smita, Giulia und Sarah könnten unterschiedlicher nicht sein. In Indien setzt Smita alles daran, damit ihre Tochter lesen und schreiben lernt. In Sizilien entdeckt Giulia nach dem Unfall ihres Vaters, dass das Familienunternehmen, die letzte Perückenfabrik Palermos, ruiniert ist. Und in Montreal soll die erfolgreiche Anwältin Sarah Partnerin der Kanzlei werden, da erfährt sie von ihrer schweren Erkrankung.

Ergreifend und kunstvoll flicht Laetitia Colombani aus den drei außergewöhnlichen Geschichten einen prachtvollen Zopf.

Laetitia Colombani wurde 1975 in Bordeaux geboren, sie ist Filmschauspielerin und Regisseurin. Der Zopf ist ihr erster Roman und steht seit Erscheinen auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Die Filmrechte sind bereits vergeben, das Drehbuch hat Laetitia Colombani geschrieben. Die Autorin lebt in Paris.

Der Zopf von Laetitia Colombani ist bei S. Fischer erschienen.
(JK 04/18)

Mareike Fallwickl liest im Literaturhaus am Mittwoch, 18. April

Literaturhaus
Mittwoch, 18.04.2018  19.30 Uhr
Schwanenwik 38, Hamburg
Eintritt: 5 / 7 Euro

Mareike Fallwickl liest aus ihrem neuen Buch Dunkelgrün fast schwarz, das bei der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen ist.

Er steht spät abends unangemeldet vor der Tür, nachdem sie sich jahrelang nicht gesehen hatten. Lächelnd und mit einer entwaffnenden Ausrede auf den Lippen, die keinen Widerspruch duldet. Jedenfalls nicht, wenn man befreundet bleiben will, und Moritz und Raffael sind seit dem Kindergartenalter allerbeste Freunde. Also stellt Raffael ganz selbstverständlich seinen Koffer ab. Er zieht seine Schuhe aus und begrüßt Kristin. Die Frau von Moritz ist hochschwanger, ziemlich überrascht über den Freund, dem sie noch nie begegnet ist, und zieht sich schnell zurück. So geht das los, in dem Debütroman Dunkelgrün fast schwarz der jungen österreichischen Autorin, Texterin und Bloggerin Mareike Fallwickl, und man ahnt, dass sich da Böses in ein Leben drängt.

Schon als sich die beiden fast auf den Tag gleich alten Jungs mit drei Jahren zum ersten Mal begegnen, weiß Marie, dass sich mit Raffael ein dunkler Schatten über ihren Sohn legt. Oder ist sie nur verunsichert, weil sie mit Moritz und seiner jüngeren Schwester gerade erst aus Wien in ein kleines Bergdorf gezogen ist? Mit den Jahren wird aus dem vagen Gefühl dann jedoch bittere Gewissheit: Der willensstarke Raffael, ein Charmeur und dunkler Verführer, der sich auch mit Gewalt durchsetzt, bestimmt über den eher schüchternen und zurückhaltenden Moritz. „Mit Raf befreudet zu sein“, sagt Moritz über ihn, ist „das Schlimmste und das Beste zugleich“. Seine ganze zerstörerische Kraft entfaltet die Beziehung, als Moritz in Johanna seine erste große Liebe findet. Nach dem Tod ihrer Eltern ist Johanna tief verunsichert und begierig danach, beachtet zu werden. Vor allem von dem verschlossen Raffael fühlt sich plötzlich angezogen. Und sie lässt sich auf ein Spiel ein, das am Ende bitter für sie ausgeht. Denn es ist Raffael, der das Spiel bestimmt, ihm liefert sie sich aus. Doch erst 17 Jahre später, nachdem Raffael unvermittelt wieder bei Moritz aufgetaucht ist, eskaliert das Psychodrama, in dem die Ménage-à-trois gefangen ist – in einem pointierten Finale.

Mareike Fallwickl, 1983 in Hallein bei Salzburg geboren, arbeitet als freie Texterin und Lektorin, schreibt für eine Salzburger Zeitung eine wöchentliche Kolumne und betreibt seit 2009 einen Literaturblog. Für ihr literarisches Debüt Dunkelgrün fast schwarz erhielt sie ein Arbeitsstipendium des Bundeskanzleramts Österreich. Mareike Fallwickl lebt im Salzburger Land.

Dunkelgrün fast schwarz von Mareike Fallwickl ist bei der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen.

Eine Veranstaltung des Literaturzentrum e.V.
(JK 04/18)

Margriet de Moor zu Gast bei den Frühjahrslesetagen am Mittwoch, 18. April

Erika-Haus
Mittwoch, 18.04.2018  19.30 Uhr
Martinistr. 52, Hamburg
Eintritt: 8 / 12 Euro

Urlandschaft mit verlorenen Seelen: Margriet de Moor liest aus ihrem neuen Buch Von Vögeln und Menschen, das bei Hanser erschienen ist. Margriet de Moor stellt ihren Roman zum Auftakt der vom Stromnetz Hamburg und dem Literaturhaus zum zweiten Mal veranstalteten Frühjahrslesetage vor.

Man kann Margriet de Moors neuen Roman Von Vögeln und Menschen wie eine kriminologische Ermittlung lesen und sich dabei von Höhepunkt zu Höhepunkt der dramaturgisch genau getakteten, sehr spannenden Geschichte tragen lassen. Während vordergründig von einem Mord erzählt wird, der eine kaum fassbare Verstrickung nach sich zieht, toben im Hintergrund des vermeintlich leichten Kammerspiels große Gefühle, es geht um Sehnsucht und Liebe, um Schutz und Geborgenheit, Hass und Gewalt, Wut und Vergeltung. Die existentiellen Fragen, die Margriet de Moor, eine der großen und weltweit übersetzten Autorinnen der Gegenwartsliteratur, aufwirft, begleiten ihren Roman wie eine verwunschene Melodie, die alles bestimmt und doch kaum hörbar ist.

Der Flughafen Schiphol ist ein Traumreich für Vögel. Die sechs Start- und Landebahnen befinden sich in einer von Wassergräben und Äckern durchzogenen, menschenleeren Prärie, einer Urlandschaft, in der sich Brachvögel und Graugänse, Stockenten, Trauerelstern, Falken, Eulen und Möwen in Scharen und nicht im geringsten beeindruckt vom Flugzeuglärm herumtreiben. Ein Experte in der Vergrämung der Tiere ist der Vogelliebhaber Rinus. Seiner geliebten Frau Marie Lina schickt er eines Tages einen Wellensittich ins Gefängnis, der dort lernt „Gute Nacht“ zu sagen und zu schnarchen. Ihr gemeinsamer Sohn Olivier begleitet ihn immer wieder zur Arbeit auf den Flughafen und wird sonst oft von seiner Tante Hortense betreut, seit seine Mutter eine Gefängnisstrafe absitzt. Sie hat in rasender Wut eine alte Frau erschlagen. Der Roman beginnt damit, dass die Polizei in das Familienidyll in der Mozartstraat einbricht. Marie Lina, Oberschwester auf einer Intensivstation, wird im Schlafzimmer von der Polizei überrascht, wo sie friedlich und glücklich neben Rinus im Bett liegt. Dass es Mord war und sie keinerlei Reue empfindet, wird sie den Polizisten später sagen, dass sie „sehnlichst, mit einem erschreckend köstlichen Verlangen physische Gewalt antun, genau gesagt: sie töten“ wollte. Sie, das ist die Fußpflegerin Klazien Wroude, die Marie Lina und ihre Mutter Louise vor vielen Jahren durch einen skrupellosen, nie vollständig aufgeklärten Gewaltakt in eine jahrzehntelange, unheilvolle Beziehung bringt. Margriet de Moor fächert in Von Vögeln und Menschen Stück für Stück dieser abgründigen Geschichte auf, die sehr unaufgeregt in den Alltag einer ganz normalen Familie eingebettet ist und in einen kathartischen Racheakt mündet. Am Ende sitzen sie einträchtig und zivilisiert im Garten zusammen, auch Marie Lina ist wieder heimgekehrt in ihr durch und durch prächtiges Familienleben. Obwohl gleich nebenan etwas anderes zu Hause ist, das jederzeit hereinbrechen kann. Mit all seiner dunklen Machtart. 

Sie studierte Klavier und Gesang, bevor sie sich dem Schreiben zuwandte. Bereits ihr erster Roman Erst grau dann weiß dann blau (1993) wurde ein sensationeller Erfolg. Heute sind ihre Romane und Erzählungen in alle Weltsprachen übersetzt. Margriet de Moor lebt in Amsterdam.

Von Vögeln und Menschen von Margriet de Moor ist bei Hanser erschienen.

Eine Veranstaltung der Stromnetz Hamburg GmbH und Literaturhaus Hamburg
(JK 04/18)

Sonntag

Benjamin von Stuckrad-Barre liest in der Markthalle am Dienstag, 17. April

Markthalle
Dienstag, 17.04.2018  20.00 Uhr
Klosterwall 11, Hamburg
Eintritt: 20 Euro

Buchpräsentation: Benjamin von Stuckrad-Barre stellt sein neues Buch Ich glaub, mir geht’s nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen vor, das bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist.

Er war einer der Helden der rauschhaften Nächte Ende der 1990er Jahre, berühmt durch sein Debüt Soloalbum (1998). Wenn es eine Art Prototyp des Popliteraten gegeben hat, dann war es Benjamin von Stuckrad-Barre. Nach seinem Debüt legte er flott nach, einige Jahre später dann der Absturz. Drogen, Alkohol, Entzug. In Panikherz (2016) hat er seine Geschichte erzählt, und es ist auch die Geschichte der Popkultur der letzten 20 Jahre. Für sein neues Buch Ich glaub, mir geht’s nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen erzählt er nun Geschichten von all den anderen, die er getroffen hat, von Freunden und Idolen, von Helden und alten Hasen, erzählt von einem Hollywood-Missverständnis und von einem Sommerabend auf dem Sunset Boulevard.

Es beginnt mit einem legendären Tennismatch, dem Endspiel in Wimbledon 1985, mit dem Boris Becker zu einem Weltstar wurde. Benjamin von Stuckrad-Barre hat sich mit Becker in dessen Wohnung in Wimbledon getroffen, um sich das Spiel gemeinsam mit ihm anzusehen. Wie er in Advantage Becker dann davon erzählt, ist ganz großes Kino, weil es ihm gelingt, den historischen Moment im privaten Umfeld Beckers neu auszuleuchten, ohne dass es effektheischend, künstlich oder banal wirkt. Benjamin von Stuckrad-Barre schaut in seinen Texten vor allem genau hin, ob er gerade Rainald Goetz im Blick hat, zu Besuch in Ferdinand von Schirachs Schreibklausur ist oder bei dem todkranken Walter Kempowski. Und dennoch ist der als Remix 3 untertitelte Band auch ein Selbstportrait über seine ganz persönliche Suche nach dem Wir im eigenen Leben.

Ich glaub, mir geht’s nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen von Benjamin von Stuckrad-Barre ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.
(JK 04/18)