Montag

Krimilesung mit Anja Goerz im Speicherstadtmuseum am Freitag, 24. November

Speicherstadtmuseum
Freitag  24.11.2017  19.30 Uhr 
Am Sandtorkai 36, Hamburg
Eintritt: 8.50 / 10 Euro Reservierung unter Tel.: 040-321191 oder info@speicherstadtmuseum.de empfohlen.

Krimilesung: Anja Goerz liest aus ihrem Thriller Wenn ich dich hole, der bei Suhrkamp erschienen ist. Andreas Platthaus moderiert den Abend.

Wegen eines Unwetters sitzt Bendix Steensen in Heathrow fest. In immer kürzeren Abständen erhält er Anrufe seines neunjährigen Sohnes Lewe, die allmählich panisch klingen: Seit Stunden sind Mama und Oma nun schon fort, am Handy meldet sich niemand, er hat Angst, in dem abgelegenen Haus in Niebüll nicht mehr allein zu sein. Bendix alarmiert die örtliche Polizei. Doch obwohl diese nichts Verdächtiges feststellt, versucht er alles, um auf schnellstem Weg nach Nordfriesland zu kommen. Eine schier endlose Reise, zusätzlich erschwert durch Schnee und Sturm. Derweil haben seine Frau und Mutter einen ganz anderen Kampf zu kämpfen. Und Lewe ist tatsächlich nicht mehr allein…

Anja Goerz, geboren 1968, ist gelernte Fotografin und seit 1989 Radiomoderatorin. Sie ist auf dem nordfriesischen Festland nahe Sylt aufgewachsen. Heute arbeitet sie beim Radiosender radioeins/rbb und beim Nordwestradio Bremen. Sie lebt mit Mann und Sohn in Falkensee bei Berlin. 

Wenn ich dich hole von Anja Goerz ist bei dtv erschienen.
(JK 11/17) 

Nicolas Mahler kommt ins Literaturhaus am Donnerstag, 23. November

Literaturhaus
Donnerstag  23.11.2017  19.30 Uhr 
Schwanenwik 38, Hamburg
Eintritt: 8 / 12 Euro

Nicolas Mahler stellt seine Bildererzählung Auf der Suche nach der verlorenen Zeit nach Marcel Proust vor, die bei Suhrkamp erschienen ist. Andreas Platthaus moderiert den Abend.

Marcel Prousts siebenbändiger Zyklus ist der bedeutendste französische, wenn nicht der bedeutendste Roman überhaupt  –  ein Werk, dessen Lektüre lebensverändernd sein kann. Der 1969 geborene Nicolas Mahler hilft denen, die sträflicherweise bislang keine Zeit fanden, dieses monumentale Œuvre zu lesen, nicht entscheidend weiter. Denn sein bei Suhrkamp erschienener Comic ist keine Nacherzählung, keine Kurzversion von Prousts Meisterwerk, sondern eine überraschend komische Bilderzählung. So wird diese Suche nach der verlorenen Zeit zu einem verdichteten Bilderstrom quer durch Raum und Zeit, zu einem brillant verschachtelten Spiegelkabinett der Proust’schen Motive und Wahrnehmungen.

Nicolas Mahler, geboren 1969, lebt und arbeitet als Comiczeichner und Illustrator in Wien. Seine Comics und Cartoons erscheinen in Zeitungen und Magazinen wie Die Zeit, NZZ am Sonntag, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und in der Titanic. Für sein umfangreiches Werk wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet; unter anderem erhielt er den Max-und Moritz-Preis als „Bester deutschsprachiger Comic-Künstler“ und 2015 den Preis der Literaturhäuser.

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit von Nicolas Mahler ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 11/17) 

Jane-Gardam-Abend im Literaturhaus am Mittwoch, 22. November

Literaturhaus
Mittwoch  22.11.2017  19.30 Uhr 
Schwanenwik 38, Hamburg
Eintritt: 8 / 12 Euro

Ein Jane-Gardam-Abend: Sigrid Löffler präsentiert das Werk der neu entdeckten mehrfach ausgezeichneten britischen Erzählerin, darunter natürlich auch den soeben bei Hanser Berlin veröffentlichen Erzählband Die Leute von Privilege Hill. Die deutschen Texte liest Tilo Werner.

„Das neue It-Girl der englischen Literatur heißt Jane Gardam und ist fast neunzig“, schrieb Die Zeit im Frühjahr 2016, nachdem der erste Band von Jane Gardams Old-Filth-Trilogie auf Deutsch erschienen war. Inzwischen liegt sie bei Hanser Berlin in der Übersetzung von Isabel Bogdan vollständig vor: Ein untadeliger Mann, Eine treue Frau und Letzte Freunde.

Die Geschichte des greisen Richters Old Filth, seiner charmanten Gattin Betty und seines engsten Feindes Veneering wurde von Kritik und Lesern gleichermaßen gefeiert. Entlarvend, ironisch und auch heiter – trotz all dem Schrecklichen, das unter der eleganten Oberfläche schwelt – erzählt Gardam vom verlöschenden British Empire. Sie hat unvergessliche, ja unsterbliche Figuren geschaffen, in einem Erzählton, über den Die Welt schrieb: „Melancholie und Witz gehen in diesen ungemein britischen Romanen eine perfekte Allianz ein. Das ist unterhaltsam und anrührend, das hat literarische Finesse.“

Dass Jane Gardam hinreißende Romane schreibt, ist bekannt. Nun ist ein weiterer Schatz zu heben: Gardams Erzählungen, für die sie berühmt ist und mit Alice Munro und Katherine Mansfield verglichen wird. Hetty, die Familienmutter, die bei der Begegnung mit ihrem ehemaligen Liebhaber in einen somnambulen Zustand gerät. Annie, die Schriftstellerin, die sich gegen Neugier und Gier entscheidet und ein Geheimnis dem Meer übergibt. Der verstummte chinesische Junge, der in England einen vom Himmel gestürzten Schwan rettet und plötzlich zur Sprache zurückfindet. Sie alle berühren uns und entwickeln ein Eigenleben, das über die Geschichten hinausgeht – in jeder dieser Erzählungen steckt die Verheißung eines Romans.

Jane Gardam wurde 1928 in North Yorkshire geboren. Als einzige Schriftstellerin wurde sie gleich zweimal mit dem Whitbread/Costa Award ausgezeichnet. Mit Ein untadeliger Mann stand sie auf der Shortlist des Orange Prize und mit Letzte Freunde auf der Shortlist des Folio Prize 2013. Sie ist Fellow der Royal Society of Literature und lebt in East Kent.

Die Leute von Privilege Hill von Jane Gardam ist bei Hanser Berlin erschienen.
(JK 11/17) 

John Niven liest im Nochtspeicher im Dienstag, 21. November

Nochtspeicher
Dienstag  21.11.2017  20.00 Uhr 
Bernhard-Nocht-Str. 65a, Hamburg
Eintritt: 10 Euro

John Niven stellt sein Buch Alte Freunde vor. Nagel liest die deutschen Texte.  

John Niven, geboren in Ayrshire im Südwesten Schottlands, spielte in den Achtzigern Gitarre bei der Indieband The Wishing Stones, studierte dann Englische Literatur in Glasgow und arbeitete schließlich in den Neunzigern als A&R-Manager einer Plattenfirma, bevor er sich 2002 dem Schreiben zuwandte. 2006 erschien sein erstes Buch, die halbfiktionale Novelle Music from Big Pink über Bob Dylan und The Band in Woodstock“; 2008 landete er mit dem Roman Kill Your Friends – einer rabenschwarzen Satire auf die Musikindustrie – einen internationalen Bestseller. Mit Alte Freunde ist in diesem Herbst sein sechster Roman in einer deutschen Übersetzung erschienen. 

Zwei alte Schulfreunde. Craig war früher der charismatische Anführer, zu dem alle aufschauten und der zum Rockstar avancierte. Alan stand stets im Abseits, war Mitläufer. Dreißig Jahre später haben sich die Vorzeichen radikal geändert. Alan ist erfolgreicher Gourmetkritiker und Bestsellerautor, während sich Craig als Obdachloser auf Londons Straßen rumtreibt. Das Schicksal führt die beiden wieder zusammen. Alan greift seinem alten Freund unter die Arme und versucht ihn wieder auf die richtige Bahn zu bringen. Und bald ist nichts mehr so wie es war.

Alte Freunde von John Niven ist bei Heyne Hardcore erschienen.
(JK 11/17) 

Christian Schüle liest im YACHTclub

Nochtwache im Nochtspeicher
Dienstag  14.11.2017  19.30 Uhr 
Bernhard-Nocht-Str. 65a, Hamburg
Eintritt: 10 / 14 Euro, , 20.00 Uhr, 9.- Euro

YACHTclub: Christian Schüle stellt sein Buch Heimat. Ein Phantomschmerz vor, das bei Heyne Hardcore erschienen ist.

So viel Heimat war nie. Es gibt sie als Wort in Verbindung mit der Scholle und dem Land, dem Dorf und der Stadt, dem Recht und dem Boden, dem Stolz und dem Schutz, der Liebe, dem Film, dem Roman. Und in Bayern, wo man ein besonders inniges Verhältnis zur Heimat pflegt, gibt es sogar einen Heimatminister, der für „Landesentwicklung und Breitbandausbau“ zuständig ist. In keiner anderen Sprache ist Heimat mit so viel Sinn aufgeladen wie im Deutschen, und es boomt weiter ungebrochen, was immer sich rund um Heimat und Herkunft schart. Auch in der deutschen Gegenwartsliteratur werden zentrale gesellschaftliche Probleme seit Jahren bevorzugt in Provinz- und Dorfromanen durchbuchstabiert. Der Autor und Publizist Christian Schüle entwirft in seinem Heimat“-Buch nun eine schöne Utopie für das Zusammenleben in Großstädten.

„Wir lieben dieses Land. Das ist unsere Heimat. Diese Heimat spaltet man nicht. Für diese Heimat werden wir kämpfen.“ Die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hat sich mit ihrem patriotischen Bekenntnis zur Heimat kurz nach den Bundestagswahlen viel Widerspruch aus der eigenen Partei eingehandelt, befindet sich aber in bester Gesellschaft. Ob Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier oder einfache Abgeordnete aller Fraktionen, übereifrig wird in der Politik die „Sehnsucht nach Heimat“ beschworen, die Christian Schüle im Untertitel seines Buches als „Phantomschmerz“ bezeichnet. Ausgangspunkt seiner vielschichtigen Diagnose in „Betrachtungen, Gedankensplittern und Fragmenten“ ist die These, dass uns etwas verloren geht, dass Heimat sich „als seelische und physische Behausung“ im grenzenlosen globalen Marktplatz und dem „gigantischen Möglichkeits-Raum an koexistenten Lebensentwürfen und Kultur-Modellen“ auflöst. Gleichzeitig erwächst aus dem Furor des Verschwindens eine immer größer werdende Sehnsucht nach Verortung, nach Geborgenheit und Vertrautheit. Trachten-, Schützen- und Heimatvereine, Dialekte, Waldblütenhonig und Omas Pflaumenkuchen, all das formiert sich derzeit zu einer großen Anrufung von Heimatverbundenheit und Verwurzelung und ist doch nur eine Inszenierung, die vor allem von Großstädtern „gelikt“ wird. 

Doch was ist Heimat eigentlich jenseits dieses Kanons aus Kitsch und verklärten Konventionen? „Eines der schönsten Wörter der deutschen Sprache“, meinen Thea Dorn und Richard Wagner. In ihrem Buch „Die deutsche Seele“ erklären sie: „Heimat ist Ort und Zeit in einem, sie ist angehaltene Vergänglichkeit“, denn sie „beruft sich auf die Kindheit“ und „kommt ohne die Herkunft nicht aus“. Auch Christian Schüle beschreibt Heimat als etwas, das wir uns in der Kindheit mit den ersten sozial kodierten Erfahrungen zuziehen und die uns, gebunden vielleicht an einen Geruch, einen Klang, an eine Berührung, ein Leben lang begleiten, ob wir wollen oder nicht, denn aussuchen kann man sich seine Herkunft schließlich nicht. Schüle blättert in einer Trias aus „Konstruktion“, „Politik“ und „Zukunft der Heimat“ in seinem Buch den ganzen Kanon der Heimatzuschreibungen auf und geht ausführlich auch auf die Wanderungsbewegungen der Gegenwart, auf die Bedeutung von Grenzen für die Konstruktion von Heimat und die Möglichkeit ein, mehrere Heimaten für sich zu definieren.

Abschließend und am „Finis terrae“ angekommen, wagt Christian Schüle dann noch einen großen Streich, indem er mikrosoziale Gemeinschaften aus verschiedensten Kulturen, wie sie in großen Metropolen schon heute zu Hause sind, als Keimzelle für einen neuen Begriff von Heimat empfiehlt. Es ist eine Utopie, auf die man vorerst mit Schüle antworten kann: „Die Wirklichkeit hat immer recht, jede andere Behauptung unterliegt strenger Beweispflicht.“

Heimat. Ein Phantomschmerz von Christian Schüle ist bei Droemer erschienen.
(JK 11/17) 

Mariana Leky liest in der Buchhandlung cohen + dobernigg am Dienstag, 21. November

cohen + dobernigg Buchhandel
Dienstag  21.11.2017  20.30 Uhr 
Heilwigstr. 216, Hamburg
Eintritt: 8 Euro

Unendliche Weiten im Westerwald: Mariana Leky liest aus ihrem Roman Was man von hier aus sehen kann, der bei Dumont erschienen ist.

Es ist ein ganz eigener Kosmos, den Mariana Leky in ihrem Roman Was man von hier aus sehen kann öffnet, seine unendlichen Weiten liegen etwas abseits von den großen Sternenhaufen, in denen das Leben sonst unbedingte Anwesenheitspflicht erfordert und folgen manchmal ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten. Aber so ist das in einem kleinen Dorf im Westerwald eben, besonders wenn Selma wieder einmal von einem Okapi geträumt hat. Dann kann sich niemand mehr sicher sein, jeden könnte es treffen, obwohl das Okapi ein abwegiges Tier ist. Viel abwegiger als der Tod.

In Selmas Traum steht das Okapi mit „seinem giraffenhaft geformten rostroten Leib, seinen Rehaugen und Mausohren“ zusammen mit ihr auf einer Wiese am Waldrand, irgendwann sehen Selma und das Okapi sich an – und dann ist der Traum vorbei. Selma erzählt ihrer zehnjährigen Enkeltochter Luise und ihrer Schwägerin Elsbeth davon, was zur Folge hat, dass noch bevor Luise in der Schule ist, das ganz Dorf von dem Traum weiß. Und umgehend Vorbereitungen trifft, denn wenn Selma von einem Okapi geträumt hat, dann muss im Dorf jemand sterben. Manche Leute bleiben daraufhin einfach nur besonders still sitzen, so wie der pensionierte Postbote, andere kümmern sich um die Wahrheit, die noch raus muss, bevor es zu spät dafür ist. Der Optiker zum Beispiel kämpft mit der verschwiegenen Liebe zu Selma und all den Liebesbriefen, in denen er selten über die Anrede „Liebe Selma, mal was anderes“ hinauskam. Das ganze Dorf weiß von dieser Liebe und fragt sich, wann der Optiker „endlich damit herausrücken würde, mit etwas, das längst herausgerückt war“. 

Der Tod holt sich schließlich denjenigen, der am wenigsten damit rechnet. Die verschwiegene Liebe des Optikers zu Selma bleibt eines der Leitmotive des Romans, die Mariana Leky immer wieder variiert, eine Art poetischer Running Gag, der damit spielt, dass wir so oft zielsicher den Augenblick verpassen, um zu sagen, was gesagt werden müsste, um einen Anfang für etwas zu finden, um zu beenden, was beendet werden müsste, um das zusammenzubringen, was, wie bei einem Okapi, scheinbar nicht zusammenpasst. Luises Mutter verbringt viele Jahre „in der schlechten Gesellschaft“ der Frage, ob sie sich von ihrem Mann trennen soll. Luises Vater begibt sich auf eine endlose Weltreise, nachdem er mit dem Versuch gescheitert ist, seinen Schmerz durch die Anschaffung von „Alaska“ zu externalisieren. „Alaska“ ist ein großer irischer Hirtenhund, der daraufhin mit dem Schmerz leben muss, dass sein Herrchen nur ab zu mal vorbeikommt. 

Luise, die mit dem Rat des Vaters „mehr Welt hereinzulassen“ zurückbleibt, verliebt sich in einen buddhistischen Mönch aus Hessen, der zu einem kurzen Besuch in Deutschland ist und sonst in einem Kloster in Japan lebt. Eine unmögliche Liebe, die sich über ein Jahrzehnt mit Briefen behilft. Das Leben, die Liebe, der Schmerz und der Tod, das sind die Themen, von denen Mariana Leky in diesem klugen und berührenden Roman in großer Leichtigkeit, sprachlicher Präzision und Komik erzählt. Doch das schönste an dem westfälischen Lebenskosmos ist dann vielleicht doch, dass sich die Menschen in ihrer Verschrobenheit so innig zugetan bleiben – über alle Grenzen ihres Dorfes hinweg.

Mariana Leky studierte nach einer Buchhandelslehre Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Mit ihren ersten Erzählungen gewann sie den Allegra Preis 2000. Für den 2001 erschienenen Erzählband Liebesperlen wurde sie mit dem Niedersächsischen Literaturförderpreis und dem Stipendium des Landes Bayern ausgezeichnet. 2005 wurde sie für ihren Roman Erste Hilfe mit dem Förderpreis für junge Künstler in der Sparte Dichtung/Schriftstellerei des Landes NRW ausgezeichnet. Was man von hier aus sehen kann ist das „Lieblingsbuch der Unabhängigen“ 2017 – gewählt von Buchhändlerinnen und Buchhändlern aus ganz Deutschland. Sie lebt in Berlin und Köln.

Was man von hier aus sehen kann von Mariana Leky ist bei Dumont erschienen.
(JK 11/17) 

Annette Dittert liest im Warburg-Haus am Montag, 20. November

Warburg-Haus
Montag  20.11.2017  19.30 Uhr 
Heilwigstr. 216, Hamburg
Eintritt: 5 Euro

Es ist Liebe auf den ersten Blick, als Annette Dittert 2008 als Korrespondentin der ARD in London ihre Zelte aufschlägt. Nach vielen Jahren beruflichen Nomadentums weiß sie sofort: Hier will ich bleiben. Im Warburg-Haus stellt sie nun ihr Buch London Calling vor, das bei Hoffmann und Campe erschienen ist, in dem sie von ihrem Leben Als Deutsche auf der Brexit-Insel erzählt.

Während ihrer vielen Jahre in der britischen Hauptstadt hat sie im Fernsehen nicht nur über Politik, Kultur und Königshaus berichtet, sondern auch immer wieder über die Eigenarten der Engländer im Allgemeinen und der Londoner im Speziellen. In ihrem Buch erzählt sie sehr persönlich über das Leben in London: über die Leidenschaft zu ihrem Hausboot namens Emilia, über das Prinzip des englischen Sich-Durchwurschtelns, über Straßenkünstler, gentrifizierte Stadtteile, den Bären Paddington – und natürlich den Brexit, der das Lebensgefühl in der Metropole auch für sie ganz persönlich verändert hat. 

Annette Dittert arbeitet als Journalistin für die ARD, wo sie über mehrere Jahre das Morgenmagazin moderierte und seit 2001 als Korrespondentin u.a. in Moskau, New York und Warschau tätig war. Von 2008 bis 2015 berichtete sie für die ARD als Korrespondentin aus der britischen Hauptstadt. Ihr Video-Blog London Calling erschien in 100 Folgen bei tageschau.de. Die Wahl-Londonerin lebt und arbeitet auf einem Hausboot in Little Venice.

London Calling – Als Deutsche auf der Brexit-Insel von Annette Dittert ist bei Hoffmann und Campe erschienen.
(JK 11/17) 

Arne Dahl liest in der Bücherhalle Harburg am Freitag, 17. November

Bücherhalle Harburg
Freitag  17.11.2017  20.00 Uhr 
Eddelbüttelstr. 47a, Hamburg
Eintritt: 15 Euro

Arne Dahl liest in der aus seinem Krimi Sechs mal zwei, der bei Piper erschienen ist. Die deutschen Texte liest Sebastian Dunkelberg und er moderiert ebenfalls den Abend.

Einer der weltweit erfolgreichsten Krimiautoren ist der Schwede Arne Dahl, der mit seinem neuen Krimi Sechs mal zwei wieder seit Monaten auf den deutschen Bestsellerlisten steht. „Im Grunde genommen basieren alle meine Krimis auf realen Verbrechen“, sagt Arne Dahl. „Meist beginnt es damit, dass ich in der Zeitung irgendetwas lese, das mich ärgert oder traurig macht. Wenn dann in meinem Hirn plötzlich ein Funke zündet, beginne ich, das entsprechende Thema genauer zu recherchieren.“ Was das bei seinem neuen Krimi war, erzählt er vielleicht bei seiner Lesung. 

Zwei Dinge sind Desiree Rosenqvist von der Stockholmer Polizei sofort klar: Der Brief, den sie in Händen hält, wurde in einem Zustand völliger Verzweiflung und Paranoia geschrieben. Und er enthält Details eines ihrer alten Mordfälle, die nur der Mörder selbst oder eine ihm vertraute Person kennen kann. Desiree kontaktiert Sam, der zusammen mit Molly Blom in den schwedischen Norden aufbricht, um die Verfasserin des Briefs zu finden: Wer ist sie, und warum wendet sie sich an Desiree und Sam? Jemand aber scheint sie um jeden Preis davon abhalten zu wollen, dem Geheimnis auf den Grund zu gehen. Doch das ist nicht Berger und Bloms einziges Problem – denn nach den Enthüllungen ihres letzten Falls werden sie auch vom schwedischen Geheimdienst verfolgt. Und sie wissen nicht einmal, ob sie einander vertrauen können...

Arne Dahl, Jahrgang 1963, hat mit seinen Kriminalromanen um die Stockholmer A-Gruppe eine der weltweit erfolgreichsten Serien geschaffen. International mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht, verkauften sich allein im deutschsprachigen Raum über eine Million Bücher. Sein Thriller-Quartett um die Opcop-Gruppe mit den Bänden Gier, Zorn, Neid und Hass wurden ebenfalls Bestseller. Mit Sieben minus eins begann Arne Dahl 2016 eine neue Serie um das Ermittlerduo Berger & Blom, die ihm international höchstes Lob und großen Erfolg einbrachte. Sieben minus eins stand mehr als ein halbes Jahr in den Top 10 der deutschen Bestsellerliste. Sechs mal zwei ist Berger & Bloms zweiter Fall.

Sechs mal zwei von Arne Dahl ist bei Piper erschienen.
(JK 11/17) 

Henrik Siebold liest in der Buchhandlung Heymann in Blankenese am Freitag, 17. November

Buchhandlung Heymann in Blankenese
Freitag  17.11.2017  19.30 Uhr 
Erik-Blumenfeld-Platz 27, Hamburg
Eintritt: 7 Euro

Der Tote aus der HafenCity: Henrik Siebold liest aus seinem Kriminalroman Inspektor Takeda und der leise Tod, der bei Aufbau als Taschenbuch erschienen ist. Die deutschen Texte liest Sebastian Dunkelberg und er moderiert ebenfalls den Abend.

Ein japanischer Ermittler – er liebt amerikanischen Jazz, europäische Frauen und arbeitet mit ganz eigenen Methoden. Kenjiro Takeda, eigentlich Inspektor der Mordkommission in Tokio, fremdelt immer noch ein wenig – mit dem Wetter in Hamburg und den deutschen Umgangsformen. Seine Kollegin Claudia Harms teilt keineswegs seine Vorliebe für Jazz und Teezeremonien, aber beide sind hervorragende Ermittler. Als ein gefeierter Star der Internetszene tot aufgefunden wird, sind sie besonders gefordert: Markus Sassnitz wurde nicht nur überfahren, sondern auch noch erstickt. Er hatte offenbar viele Feinde, doch ein Person gerät sofort ins Visier der Fahndung: seine Ehefrau. Sie allerdings übt auf Takeda eine besondere Faszination aus. 

Henrik Siebold ist Journalist und Buchautor. Er hat unter anderem für eine japanische Tageszeitung gearbeitet sowie mehrere Jahre in Tokio gelebt. Unter einem Pseudonym hat er mehrere Romane veröffentlicht.

Inspektor Takeda und der leise Tod von Henrik Siebold ist bei Aufbau als Taschenbuch erschienen.
(JK 11/17) 

Jodi Picoult liest in der Buchhandlung Heymann am Dienstag, 14. November

Buchhandlung Heymann
Dienstag  14.11.2017  20.30 Uhr 
Osterstraße 134, Hamburg
Eintritt: 10 / 14 Euro

Jodi Picoult liest aus ihrem mehrfach ausgezeichneten Bestseller Kleine große Schritte, der bei C. Bertelsmann erschienen ist. Die deutschen Texte liest Beate Rysopp, Margarete von Schwarzkopf moderiert den Abend.

Ruth Jefferson ist eine äußerst erfahrene Säuglingsschwester. Doch als sie ein Neugeborenes versorgen will, wird ihr das von der Klinikleitung untersagt. Die Eltern wollen nicht, dass eine Afroamerikanerin ihren Sohn berührt. Als sie eines Tages allein auf der Station ist und das Kind eine schwere Krise erleidet, gerät Ruth in ein moralisches Dilemma: Darf sie sich der Anweisung widersetzen und dem Jungen helfen? Als sie sich dazu entschließt, ihrem Gewissen zu folgen, kommt jede Hilfe zu spät. Und Ruth wird angeklagt, schuld an seinem Tod zu sein. Es folgt ein nervenaufreibendes Verfahren, das vor allem eines offenbart: den unterschwelligen, alltäglichen Rassismus, der in unserer ach so aufgeklärten westlichen Welt noch lange nicht überwunden ist…

Jodi Picoult, geboren 1966 in New York, studierte in Princeton und Harvard. Seit 1992 schrieb sie mehr als zwanzig Romane, von denen viele Platz 1 der New-York-Times-Bestsellerliste waren. Die Autorin versteht es meisterhaft, über ernste Themen unterhaltend zu schreiben. Sie wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, wie etwa 2003 mit dem renommierten New England Book Award. Picoult lebt mit ihrem Mann in Hanover, New Hampshire.

Kleine große Schritte von Jodi Picoult ist bei C. Bertelsmann erschienen.
(JK 11/17) 

Ken Follett beim 9. Harbour Front Literaturfestival am Dienstag, 14. November

9. Harbour Front Literaturfestival
Laeiszhalle (Kleiner Saal)
Dienstag  14.11.2017 20.00 Uhr 
Gorch-Fock-Wall 29 (Eingang Kleiner Saal), Hamburg
Eintritt: 14 / 16 / 20 Euro

Ein Abend mit Ken Follett. Ken Follett stellt sein Buch Das Fundament der Ewigkeit vor, das bei Lübbe erschienen ist.  

Nach Die Säulen der Erde und Die Tore der Welt der neue große historische Kingsbridge-Roman des internationalen Bestsellerautors.

Im Jahr 1558 wacht die altehrwürdige Kathedrale von Kingsbridge noch immer über die Stadt. Doch die ist im Widerstreit zwischen Katholiken und Protestanten zutiefst gespalten. Freundschaft, Loyalität, Liebe ... nichts scheint mehr von Bedeutung zu sein. Die wahren Feinde sind dabei nicht die rivalisierenden Konfessionen. Der eigentliche Kampf wird zwischen denen ausgefochten, die an Toleranz und Verständigung glauben, und den Tyrannen, die ihre Ideen den anderen aufzwingen wollen – koste es, was es wolle.

Ken Follett wurde am 5. Juni 1949 im walisischen Cardiff als erstes von drei Kindern des Ehepaares Martin und Veenie Follett geboren. Nicht genug, dass Spielsachen im Großbritannien der Nachkriegsjahre echte Mangelware waren – die zutiefst religiösen Folletts erlaubten ihren Kindern zudem weder Fernsehen noch Kinobesuche und verboten ihnen sogar, Radio zu hören. Dem jungen Ken blieben zur Unterhaltung nur die unzähligen Geschichten, die ihm seine Mutter erzählte – und die Abenteuer, die er sich in seiner eigenen Vorstellungswelt schuf. Schon früh lernte er lesen; er war ganz versessen auf Bücher, und nirgendwo ging er so gern hin wie in die öffentliche Bibliothek. „Ich hatte kaum eigene Bücher und war immer dankbar für die öffentliche Bücherei. Ohne frei zugängliche Bücher wäre ich nie zum eifrigen Leser geworden, und wer kein Leser ist, wird auch kein Schriftsteller.“ Der Autor veröffentlichte bislang mehr als zwanzig Bestseller und wird oft als „geborener“ Erzähler gefeiert. Betrachtet man jedoch seine Lebensgeschichte, so erscheint es zutreffender zu sagen, er wurde dazu „geformt“.

Das Fundament der Ewigkeit von Ken Follett ist bei Lübbe erschienen.
(JK 11/17)

Gregor Gysi liest auf Kampnagel am Dienstag, 14. November

Kampnagel K2
Dienstag  14.11.2017  19.30 Uhr 
Jarrestraße 20, Hamburg
Eintritt: 10 / 14 Euro

Gregor Gysi stellt seine Autobiografie Ein Leben lang zu wenig vor, die im Aufbau Verlag erschienen ist.  Martin Doerry moderiert den Abend.

Gregor Gysi ist einer der brillantesten Köpfe, den die deutsche Politik vorweisen kann. Er hat linkes Denken in den letzten Jahrzehnten geprägt wie kaum ein Zweiter. Er hat angeregt, provoziert, hat Bewunderer und Verächter angezogen. Nun legt er mit Ein Leben ist zu wenig ein Buch vor, in dem er sich ganz unverstellt und offen zeigt. Er erzählt von seinen zahlreichen Leben  –  als Familienvater, Anwalt, Politiker und Autor  –  und offenbart eine Familiengenealogie, die von Russland bis nach Rhodesien und von Lenin bis zu Doris Lessing führt. Seine Autobiografie ist ein Geschichtsbuch, das die Erschütterungen und Extreme, die Entwürfe und Enttäuschungen des 20. Jahrhunderts auf sehr persönliche Weise erlebbar macht: „Mit Namen will ich nicht langweilen, und merken kann man sich das eh alles nicht. Erstaunlich, was sich im Laufe so vieler Jahre alles ereignet, wer auf wen treffen und welche Zufälle einander kreuzen müssen, damit irgendwann das eigene Leben entstehen und hervortreten kann.“

Sein eigenes Leben erweist sich dabei als nachhaltig von der Rednerei geprägt: Bereits in seiner Kindheit arbeitete der vom Verband der Redenschreiber deutscher Sprache zum besten Redner des Wahlkampfs für die Bundestagswahl 2013 gekürte Politiker als Synchronsprecher. Und so stellt sich die Frage, ob ein Leben für Gregor Gysis Redekunst zu wenig ist.

Ein Leben lang zu wenig von Gregor Gysi ist bei Aufbau erschienen.
 
Eine Veranstaltung des Literaturhaus Hamburg 
(JK 11/17)

Freitag

Heimat-Show mit Katrin Seddig, Henning Ahrens, Alina Herbing und Hasnain Kazim im Literaturhaus am Dienstag, 14. November

Literaturhaus
Dienstag 14.11.2017  19.30 Uhr 
Schwanenwik 38, Hamburg
Eintritt: 10 Euro
                   
Bei einer Heimat-Show im Literaturhaus stellen Katrin Seddig, Henning Ahrens und Alina Herbing ihre Dorfromane vor; der Journalist und Autor Hasnain Kazim spricht über Grünkohl und Curry. Christoph Bungartz moderiert.

Es gibt sie als Wort in Verbindung mit der Scholle und dem Land, dem Dorf und der Stadt, dem Recht und dem Boden, dem Stolz und dem Schutz, der Liebe, dem Film, dem Roman. Und in Bayern, wo man ein besonders inniges Verhältnis zur Heimat pflegt, gibt es sogar einen Heimatminister, der für „Landesentwicklung und Breitbandausbau“ zuständig ist. In keiner anderen Sprache ist Heimat mit so viel Sinn aufgeladen wie im Deutschen, und es boomt weiter ungebrochen, was immer sich rund um Heimat und Herkunft schart. Auch in der deutschen Gegenwartsliteratur werden zentrale gesellschaftliche Probleme seit Jahren bevorzugt in Provinz- und Dorfromanen durchbuchstabiert. 

„Wir lieben dieses Land. Das ist unsere Heimat. Diese Heimat spaltet man nicht. Für diese Heimat werden wir kämpfen.“ Die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hat sich mit ihrem patriotischen Bekenntnis zur Heimat kurz nach den Bundestagswahlen viel Widerspruch aus der eigenen Partei eingehandelt, befindet sich aber in bester Gesellschaft. Ob Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier oder einfache Abgeordnete aller Fraktionen, übereifrig wird in der Politik die „Sehnsucht nach Heimat“ beschworen, nach Verortung, nach Geborgenheit und Vertrautheit. Trachten-, Schützen- und Heimatvereine, Dialekte, Waldblütenhonig und Omas Pflaumenkuchen, all das formiert sich derzeit zu einer großen Anrufung von Heimatverbundenheit und Verwurzelung und ist doch nur eine Inszenierung, die vor allem von Großstädtern „gelikt“ wird. Wie es hinter der Kulisse aussieht, erfährt man bei einer Heimat-Show mit Dorfgeschichten im Literaturhaus: 

Für die Heldin von Niemand ist bei den Kälbern, dem „hintergründigen Anti-Landlust-Roman“ (SZ) von Alina Herbing, geht es um die Frage, wie sie den Absprung aus dem kleinen Dorf Schattin in Nordwestmecklenburg schafft. 

Hochsommer in Schattin, Gemeinde Nordwestmecklenburg. Christin ist gerade auf den Bauernhof ihres langjährigen Freundes Jan gezogen. Die Aufbruchstimmung der Nachwendejahre, die ihre Kindheit prägte, ist längst dahin, doch für Jan ist der väterliche Betrieb trotz sinkender Milchpreise noch immer das Wichtigste im Leben. Christin hingegen will nur weg. Sie träumt von der Großstadt und einem Job im Büro. Aber wo soll sie hin ohne Ausbildung? Es bleiben die immer gleichen Dorffeste, die immer gleichen Freunde, der arbeitslose Vater und der Kirschlikör aus dem Konsum. Als Windkrafttechniker Klaus aus Hamburg auftaucht, sieht Christin einen Ausweg aus ihrem bisherigen Leben.

Alina Herbing, aufgewachsen in Mecklenburg, zeichnet eine ehrliche, unromantische Milieustudie über das Landleben und eine gescheiterte Wende-Generation. Niemand ist bei den Kälbern ist ein Roman über Grenzen und Grenzüberschreitungen, über Landflucht und prekäre Umfelder, über das Leben zwischen Ost und West, gestern und heute, Existenzangst und die Sehnsucht nach Freiheit.

Alina Herbing, geboren 1984 in Lübeck, aufgewachsen in Mecklenburg-Vorpommern, lebt heute in Berlin. Sie studierte Germanistik und Geschichte in Greifswald, Neuere deutschsprachige Literatur in Berlin sowie Kreatives Schreiben, Kulturjournalismus und Literarisches Schreiben in Hildesheim. Sie war u.a. Teilnehmerin des open mike 2012 sowie des Klagenfurter Literaturkurses 2014.

Niemand ist bei den Kälbern von Alina Herbing ist bei Arche erschienen.
 
Auch in Das Dorf, dem neuen Roman von Katrin Seddig, plant die junge Heldin „in die großen Städte zu gehen, in fremde Länder“, obwohl sie vorher noch eine Weile „in den Himmel gucken und die Mücken tanzen sehen, die Pappeln rauschen hören“ will. Katrin Seddig erzählt so wundervoll ironisch und sinnlich von der kleinen Dorfwelt, dass man die dunklen Abgründe aus Ausbeutung, Gier und Sex, in die ihre Bewohner verstrickt sind, fast schon als Normalmodus idyllischen Landlebens und ihrer kulturellen Auswüchse hinnimmt. 

Der Sommer verspricht schön und langweilig zu werden. Anfangs widerstrebend, dann immer öfter nimmt der siebzehnjährige Maik die erst zwölfjährige Jenny auf seinen Mopedtouren mit; schließlich sind sie die einzigen Jüngeren in ihrem norddeutschen Dorf. Von der Zukunft wissen sie nur eins: So wie die Erwachsenen wollen sie nicht leben, in der kleinen Welt, in der niemand mit sich im Reinen ist – nicht Jennys unzufriedene Mutter, nicht der seltsame Geschäftsmann mit seiner Familie, auch nicht die schöne Verrückte, die alle «die Nackte» nennen. Doch dann entdecken die beiden, dass Jennys Mutter eine Affäre mit dem Großbauern hat, dessen Stieftochter, die Nackte, den Geschäftsmann ein bisschen näher kennt – sie stoßen in ein Dickicht aus Lügen und Geheimnissen vor, sogar auf ein Verbrechen.

Katrin Seddig, geboren 1969 in Strausberg, studierte Philosophie in Hamburg, wo sie auch heute mit ihren beiden Kindern lebt. Über ihren Roman Runterkommen (2010) schrieb die taz: „Ein brillantes Debüt ... Anrührend, witzig und nüchtern.“ 2012 erschien Eheroman, zu dem Der Tagesspiegel meinte: „Grandios, wie Katrin Seddig jeder ihrer Figuren einen eigenen Ton verleiht“ Für ihre Erzählungen erhielt Katrin Seddig 2008 und 2015 den Förderpreis für Literatur der Hansestadt Hamburg.

Das Dorf von Katrin Seddig ist bei Rowohlt Berlin erschienen.
 
Mit Henning Ahrens und seinem in der Literaturkritik hymnisch gefeierten Roman Glantz und Gloria geraten wir mit Rock Oldekop schließlich in ein niedersächsisches Provinznest. Auf der Suche nach Herkunft und Identität schickt Ahrens den Landrückkehrer in einen wahnwitzigen, dunkeldeutschen Albtraum. 

Rock Oldekop kehrt nach Glantz im Düster, in seine alte Heimat zurück, um herauszufinden, was sich wirklich zugetragen hat, damals, in der Nacht, als seine Eltern bei einem Brand umkamen. Tiefer und tiefer gerät er in einen wahnwitzigen rasenden Albtraum. Fürchterlich und barbarisch geht es zu in diesem fiktiven Mittelgebirge. Radikal phantastisch, mit einer zärtlichen Absolutheit und virtuosen Wucht erzählt Henning Ahrens von der Suche nach der Herkunft, einer Identität, einer Lebensgeschichte.

Henning Ahrens lebt als Schriftsteller und Übersetzer in Frankfurt am Main. Er veröffentlichte die Lyrikbände Stoppelbrand, Lieblied was kommt und Kein Schlaf in Sicht sowie die Romane Lauf Jäger lauf, Langsamer Walzer und Tiertage. Für Glantz und Gloria. Ein Trip erhielt er 2015 den Bremer Literaturpreis.

Glantz und Gloria von Henning Ahrens ist bei S. Fischer erschienen.
 
Eine ganz andere Perspektive auf das Landleben hat der SPIEGEL-Journalist Hasnain Kazim. Der 1974 in Oldenburg geborene Sohn pakistanisch-indischer Eltern ist in Hollen-Twielenfleth im Alten Land aufgewachsen. Zur Heimat-Show erzählt er von Grünkohl und Curry, die bewegende Geschichte einer geglückten Integration.

Auf dem Dachboden seiner Eltern findet Hasnain Kazim, Sohn indisch-pakistanischer Einwanderer, eine Kiste mit Papieren, die ein Tor zu seiner Vergangenheit öffnen: Dokumente, die belegen, dass seine Familie in den 80er-Jahren mehrmals kurz davor stand, aus Deutschland ausgewiesen zu werden. Kazim geht dieser Familiengeschichte nach, erzählt, wie seine Eltern nach Deutschland kamen und warum sie ausgerechnet in einem Dorf bei Hamburg, das alles andere als ihr Traumziel war, heimisch werden. Den Schikanen der Ausländerbehörden steht die Hilfsbereitschaft der Dorfbewohner gegenüber, die der muslimischen Familie, wo immer möglich, den Rücken stärken. Was im täglichen Leben rasch gelingt – die Integration – wird erst nach 16 Jahren offiziell: Die Familie erhält die deutsche Staatsbürgerschaft. Es ist ein Bogen von Dorf zu Dorf, von Lakhimpur am Fuße des Himalaya nach Hollern-Twielenfleth im alten Land, von Indien nach Deutschland. Und es ist eine Geschichte von kulturellen Unterschieden und Gemeinsamkeiten, über geglückte Integration, Liebe und Freundschaft.

Hasnain Kazim wurde 1974 im niedersächsischen Oldenburg geboren und wuchs in dem Dorf Hollern-Twielenfleth im Alten Land, vor den Toren Hamburgs, sowie in Karatschi, Pakistan, auf. Er studierte Politikwissenschaft und schrieb unter anderem für die Heilbronner Stimme und die Nachrichtenagentur dpa. Ab 2006 war er Redakteur von SPIEGEL ONLINE in Hamburg, ab 2009 Südasienkorrespondent von SPIEGEL ONLINE und SPIEGEL in Islamabad. Von 2013 bis Anfang 2016 berichtete er als Türkei-Korrespondent aus Istanbul. Da ihm die türkischen Behörden die weitere Presse-Akkreditierung verweigerten, musste er das Land im März 2016 verlassen.

Grünkohl und Curry von Hasnain Kazim ist bei dtv als e-book erschienen.
(JK 11/17)