Roman Graf wird mit dem Mara-Cassens-Preis 2010 ausgezeichnet

Literaturhaus Hamburg

Donnerstag, 07.01.2010 20.00 Uhr

Schwanenwik 38, 22087 Hamburg

Eintritt: 8 – 12 Euro

Der „Mara-Cassens-Preis für den ersten Roman“ 2009 geht an Roman Graf für sein Buch Herr Blanc, das im Laimmat Verlag erschienen ist. Der Preisträger, die Stifterin, der Juryvorsitzende sowie die Hamburger Kultursenatorin (angefragt) sind anwesend. Die Laudatio hält der Literaturkritiker Martin Zingg.

Für seinen Debütroman Herr Blanc, erschienen im Limmat Verlag, erhält der Schweizer Schriftsteller Roman Graf den mit 10.000 Euro dotierten „Mara-Cassens-Preis für den ersten Roman“ des Literaturhauses Hamburg. Der nach seiner Stifterin benannte Preis ist seit 1970 der bundesweit höchstdotierte Literaturpreis für einen deutschsprachigen Romanerstling und der einzige Literaturpreis, der von einer Leserjury vergeben wird. Die Hamburger Stifterin Mara Cassens möchte mit ihrem Preis Autoren und Autorinnen ermöglichen, „sich für eine gewisse Zeit ganz dem Schreiben zu widmen“. Die Preisträger der letzten Jahre waren Clemens Meyer (2006), Larissa Boehning (2007) und Lukas Bärfuss (2008).

Die Jury besteht aus Mitgliedern des Literaturhaus Hamburg e.V., die nicht im Literaturbetrieb tätig sind, sondern sich in ihrer Freizeit als engagierte Leser den Romanen widmen. In diesem Jahr hatte sich die 15-köpfige Jury unter dem Vorsitz des Schriftstellers Joachim Helfer aus Berlin durch 14.630 Romanseiten zu lesen, denn 45 deutschsprachige Verlage reichten 54 Debütromane für den Preis ein – sieben mehr als im vergangenen Jahr. Die Jury bewertete viele Debüts des Jahrgangs 2009 als literarisch bemerkenswert und gelungen.

Roman Graf schildert in seiner literarischen ,Anleitung zum Unglücklichsein’ das Leben als eine Sinfonie verpasster Gelegenheiten: Anton Blanc ist das Mittelmaß auf zwei Beinen. Ein einziges Mal hat er sich von Zuhause fortbegeben, zum Studium nach Cambridge. Was er dort studiert hat, weiß keiner, wohl nicht einmal er selbst. Als ihn seine Kommilitonin Heike, deren Kleider ihm immer ein wenig zu schrill sind, hinter die Büsche des College-Gartens zieht, ist Herr Blanc vor allem eins: verwundert. Ist das Liebe? Und doch geht er ohne Heike zurück in die saubere Schweiz, wo die Putenschnitzel der Mutter auf ihn warten. Nach der Mutter tritt Vreni in sein Leben, die ihrem verstorbenen Mann nachtrauert, auch als längst Blancs Ring an ihrem Finger steckt. Fortan meidet Herr Blanc jedes äußerliche Aufsehen, Konflikte sowieso. Doch drinnen rumort es. Herr Blanc schwingt sich auf zu einer gedanklichen Tour de Force darüber, was ihm das Leben hätte sein können. Je schlechter sein Konfirmandenanzug sitzt, desto lauter werden die Selbstzweifel: Hat er sich damals in Cambridge recht entschieden?

Mit leichter Hand, vitaler Erzählkraft und sensiblem Witz berichtet Roman Graf von vierzig Jahren im Leben des Herr Blanc. Und keine Sekunde lang verrät er seinen kauzigen Helden, sondern verleiht dem mittelmäßig Gescheiterten Gesicht und Seele – mit einer unpolemischen Liebenswürdigkeit, zu der nur große Menschenkenntnis fähig ist. Herr Blanc – das sind wir.

Die Jury begründete ihre Entscheidung so: „Herr Blanc ist eine literarische Delikatesse: Anton Blanc, moderner Verwandter des Oblomow, steht sich selbst im Weg. Roman Graf aber verwandelt in seinem ersten Roman das in der Unentschlossenheit verpasste Leben seines schrulligen Antihelden in eine Hommage an den Eigensinn und an das Alter. Tiefernst und todkomisch, vor allem aber mit feinstem literarischen Taktgefühl lässt er die Leser in seinem Protagonisten kein Abziehbild sehen, sondern einen echten Menschen.”

Roman Graf wurde 1978 im schweizerischen Winterthur geboren. Nach einer Lehre als Forstwart arbeitete er als Betreuer behinderter Jugendlicher, bevor er journalistisch tätig wurde und Medien & Publizistik an der Schule für Angewandte Linguistik in Zürich studierte. Von 2003 bis 2006 erwarb er sein Diplom am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Roman Graf ist Lyriker und Prosaschriftsteller und hat für seine Arbeiten verschiedene Preise und Stipendien erhalten, u. a. für Herr Blanc den Studer/Ganz-Preis 2008 und den Förderpreis zum Bremer Literaturpreis 2010. Seit 2003 lebt Roman Graf nach diversen Auslandsaufenthalten als freier Schriftsteller in Leipzig.

Herr Blanc von Roman Graf ist im Limmat Verlag erschienen.
(JK 01/10)

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