In dem neuen Roman Der Genosse, die Prinzessin und ihr lieber Herr Sohn des Berliner
Autors André Kubiczek, der bei Piper erschienen ist, geht es um die Begegnung
einer Laotin mit der untergehenden DDR. Es ist gleichzeitig eine
Liebesgeschichte und die Biographie
einer Familie.
Was geschieht, wenn sich eine laotische Prinzessin
in einen DDR-Arbeitersohn verliebt? Sie gründen in Potsdam eine Familie. Im
sozialistischen Einheitsparadies kann das nicht ohne Folgen bleiben. André
Kubiczek erzählt davon – präzise, klug und mit feinem Humor.
„Ich weiß es noch genau. Es war an einem Freitag,
als mein Bruder starb, und ich kann mich nur deshalb so gut erinnern, weil
immer freitags der große Wochenputz stattfand.“ 1987, die letzten Monate der
DDR brechen an, und die Rekruten nehmen ihren Dienst mit Galgenhumor. Der
tragische und auf seltsame Weise auch erlösende Tod seines Bruders ist für den
jungen Ich-Erzähler der Moment, sich an seine exotische Familie zu erinnern.
Und ihr Leben in einem Land, das alles andere als exotisch sein wollte. Denn
sein Vater aus der ostdeutschen Provinz hatte in Moskau eine laotische
Prinzessin kennengelernt.
Der Genosse,
die Prinzessin und ihr lieber Herr Sohn erzählt mehr als eine außergewöhnliche
Familiengeschichte: es erzählt einen bislang unbekannten Teil der Geschichte
Ostdeutschlands. Dabei gerät ihm die DDR nicht zu einem Objekt romantisierender
Nostalgie sondern erzählt mit einer sachlichen Distanz mit versöhnlichem
Unterton über die untergegangene Epoche. Dies alles gelingt Kubiczek in einem
sehr gefälligen Erzählfluss, der weder dozierend noch geschwätzig ist.
André Kubiczek, 1969 als Sohn deutsch-laotischer
Eltern in Potsdam geboren, lebt als freier Schriftsteller in Berlin. 2002
erschien sein hoch gelobter Roman Junge
Talente. 2007 wurde André Kubiczek mit dem Candide-Preis ausgezeichnet.
Der Genosse, die Prinzessin und ihr lieber Herr
Sohn von André Kubiczek ist bei Piper erschienen.
(JK 06/12)

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