Evelio Rosero: Zwischen den Fronten (Berlin Verlag)

Der kolumbianische Autor Evelio Rosero beschreibt in seinem Roman Zwischen den Fronten, der im Berlin Verlag erschienen ist, die Atmosphäre der Gewalt im Alltag Südamerikas.

Ismael und seine Frau Otilia leben seit vier Jahrzehnten in dem kleinen Dorf San José. An den Nachmittagen beobachtet der emeritierte Professor heimlich die schöne Nachbarin, wenn sie sich im Garten in der Sonne räkelt. Diese Idylle wird eines Tages jäh gestört, als Ismael, von einem Spaziergang zurückkehrt und erfährt, dass Soldaten den Nachbarn und andere Männer entführt haben. Otilia ist ins Dorf gegangen, um ihn zu warnen. Sofort macht Ismael sich auf die Suche, von Stunde zu Stunde ängstlicher, verzweifelter. Währenddessen wird San José von Angriffen der Guerilla und des Paramilitärs erschüttert, und als die Gewalt endgültig eskaliert, entschließen sich die meisten Bewohner zur Flucht. Nur Ismael bleibt im zerstörten Dorf zurück und wartet auf seine Frau.

Evelio Rosero hat mit San José einen ähnlich eindrücklichen, beklemmenden Ort geschaffen wie vor ihm Juan Rulfo oder Gabriel García Márquez, einen Ort, der von Gewalt ebenso beherrscht wird wie von der Sehnsucht nach einer friedlichen Vergangenheit, in der das größte Verbrechen eines alten Mannes darin bestand, der schönen Nachbarin hinterherzuspionieren.

Evelio Rosero, 1958 in Bogotá geboren, zählt zu den wichtigsten Repräsentanten der kolumbianischen Literatur. Sein Werk, darunter die Trilogie Primera vez, wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Premio Nacional del Cuento und dem Premio Nacional de Literatura. Sein Roman Zwischen den Fronten erhielt 2006 den Premio Tusquets Editores. Die Jury lobte die außergewöhnliche Eleganz und Meisterschaft, mit der Rosero das schwierige Thema der Gewalt behandelt.

Zwischen den Fronten von Evelio Rosero ist im Berlin Verlag erschienen.
(JK 20/12/08)

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