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Nuruddin Farah: Jenes andere Leben (Suhrkamp)

In seinem neuen Roman Jenes andere Leben, der bei Suhrkamp erschienen ist, erzählt der somalische Autor Nuruddin Farah das bewegende Schicksal einer Familie in Zeiten des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs.

Als Bella vom gewaltsamen Tod ihres Bruders Aar bei einem terroristischen Anschlag in Mogadischu erfährt, bricht die erfolgsverwöhnte Modefotografin umgehend auf, um sich der halbwüchsigen Kinder des Bruders anzunehmen. In Nairobi, wo Aar mit den Kindern lebte, übernimmt sie tatkräftig die Verantwortung, denn Valerie, die Mutter der Kinder, hat die Familie bereits vor Jahren verlassen, um mit einer anderen Frau ein neues Leben zu beginnen. Jetzt aber erhebt sie ihre eigenen Ansprüche, und zwischen den Frauen entspinnt sich ein gnadenloser Machtkampf.

Nuruddin Farah wird immer wieder für den Literaturnobelpreis gehandelt. Der berühmte somalische Schriftsteller, der jetzt am Bard College in New York lehrt, hat bisher ein Dutzend Romane veröffentlicht, von denen sich viele mit Fragen der afrikanischen Identität beschäftigen, die zunehmend für eine Welt relevant sind, die auf das wahre Potenzial des Kontinents aufmerksam wird. Der Roman ist eigentlich kein Thriller, sondern eine sensible Geschichte über das Leben im Schatten von Trauer, über das Lernen zu vergeben und der Versuch, die Frage zu beantworten, „Was bedeutet es in der heutigen Zeit, Somali zu sein?“ Die Romanhandlung trägt eine Reihe von schneidenden Themen und Konflikten – darunter den internationalen Terrorismus, afrikanische Vorurteile gegen Homosexuelle, die Rechte entfremdeter Eltern und die Verantwortung der afrikanischen Diaspora. Farah kennt diese Themen sowohl geographisch, sozial als auch politisch und er ist ein hilfreicher, oft didaktischer Führer.

Nuruddin Farah wurde am 24. November 1945 im südsomalischen Baidoa geboren. Er gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Schriftsteller Afrikas und veröffentlichte unter anderem einen Romanzyklus über seine somalische Heimat, den er mit seinem 2013 erschienenen Roman Gekapert abschloss. Heute lebt Farah in Kapstadt. 

Jenes andere Leben  von Nuruddin Farah ist bei Suhrkamp erschienen. 
(JK 07/16)

Nadifa Mohamed liest im Nochtspeicher am Mittwoch, 18. März

Nochtspeicher
Mittwoch, 18.03.2015   19.30 Uhr 
Bernhard-Nocht-Straße 69a, Hamburg
Eintritt: 9  Euro

Im Nochtspeicher stellt Nadifa Mohamed ihren in diesen Wochen in einer deutschen Übersetzung im C.H. Beck Verlag erschienenen Roman Black Mamba Boy vor. Friedrike Moldenhauer moderiert den Abend. 

Es ist eine Weltgegend, die als Schauplatz in der Lesergunst kaum mit den amerikanischen Großstädten, französischen oder deutschen Dörfern, in die wir sonst so häufig eingeladen sind, konkurrieren kann: Der kleine Jama, ein Straßenjunge, ist mit seinen Freunden 1935 in den Gassen Adens im Jemen auf der Suche nach Essen und etwas Kleingeld. Die britische Schriftstellerin Nadifa Mohamed, die 1981 in Somaliland geboren und als Kind mit ihrer Familie nach London kam, erzählt in Black Mamba Boy von der Odyssee des kleinen Jama.

Als seine Mutter viel zu jung stirbt, begibt er sich, allein und gefährdet, auf eine Reise durch das von Kolonialismus und Faschismus heimgesuchte Ostafrika, er kommt nach Somaliland, Dschibuti, Eritrea, in den Sudan, bis nach Ägypten. Jama ist zuerst auf der Suche nach seinem geheimnisvollen, nie gesehenen Vater, später nach Arbeit und einer Grundlage für ein eigenes Leben. Er wird Seemann und gelangt einige Jahre darauf nach England. Nadifa Mohamed hat in ihrem schon 2009 in England erschienenen, mehrfach ausgezeichneten Romandebüt die Lebensgeschichte ihres Vaters verarbeitet – und erzählt in diesem „Roman der Stunde“ (Sigrid Löffler, Rundfunk Berlin-Brandenburg) doch vor allem auch „über starke Frauen“ („Spiegel Online“).

Nadifa Mohamed, 1981 in Hargeisa, Somaliland geboren, kam als Kind mit ihrer Familie nach London und studierte in Oxford Geschichte und Politik. 2014 erschien bei C.H.Beck ihr Roman Der Garten der verlorenen Seelen. Ihr Roman Black Mamba Boy, der zuerst 2010 erschien, stand auf der Longlist des Orange Prize for Fiction und auf der Shortlist des Guardian First Book Award, des Dylan Thomas Award, des John Llewellyn Rhys Prize, des PEN/Open Book Award und gewann den Betty Trask Award. Nadifa Mohamed wurde von der renommierten Literaturzeitschrift Granta zu den zwanzig Best of Young British Novelists gezählt.

Black Mamba Boy von Nadifa Mohamed ist bei C.H. Beck erschienen.
(JK 03/15)


Nuruddin Farah und Ilija Trojanow am Dienstag, 18. Juni, im Literaturhaus

Literaturhaus
Dienstag, 18.06.2013  19.30 Uhr
Schwanenwik 38,  22087 Hamburg
Eintritt: 6 – 10 Euro

Nuruddin Farah liest aus seinem neuen Roman Gekapert, der bei Suhrkamp erschienen ist und spricht darüber mit Ilija Trojanow.

„In Somalia hast du die Wahl, entweder ein Buch zu kaufen, oder ein Gewehr, um deine Familie zu schützen. Ich würde auch zuerst eine Waffe kaufen.”

In Gekapert, seinem neuen, erschütternden Roman, kehrt Nurrudin Farah, der „bedeutendste afrikanische Romancier” (The New York Review of Books), zurück zu seinem Helden Jeebleh, der bereits in Links, dem ersten Teil der Trilogie über Somalia, im Zentrum des Geschehens stand. Seit Jahrzehnten lebt Jebleeh in den USA, nun versucht er erneut, sich in Somalia, der einstigen Heimat, zurechtzufinden. Doch das Land bleibt ihm fremd. Zwar scheint seit seinem letzten Besuch in Mogadischu etwas Ruhe eingekehrt, doch diese ist trügerisch. Peitschentragende, brutale Kerle in weißen Gewändern – Angehörige der islamistischen Al-Shabaab-Organisation – sind omnipräsent und streben nach der Macht. Die Innenstadt Mogadischus ist zerstört, die Kultur liegt am Boden: „Kein Schmerz ist größer, als jener, den man nicht zur Gänze beschreiben kann, denkt er.” An Jeeblehs Seite ist sein Schwiegersohn Malik,ein Journalist, der über den erstarkenden Islamismus im krisengebeutelten Land schreiben will. Zur gleichen Zeit sucht Maliks Bruder Ahl nach seinem Sohn, den er in Puntland vermutet, wo sich die somalischen Piraten verschanzt halten. Unversehens geraten die Brüder immer tiefer in einen chaotischen Bürgerkrieg.

Der 1945 geborene Nuruddin Farah, der vielfach preisgekrönte Autor aus Somalia, dessen Werke in 17 Sprachen übersetzt werden, schreibt auf Englisch und hat es sich zur Aufgabe gemacht, sein „Land am Leben zu erhalten”, indem er darüber schreibt: „Seine Waffe ist das geschriebene Wort” („druckfrisch”). Seit 1976 lebt Farah, der vom Regime Siad Barre in Abwesenheit zum Tode verurteilt wurde, in Kapstadt im Exil. Er lehrt an der University of Minnesota. Im Literaturhaus stellt er seinen glänzend erzählten Roman im Gespräch mit seinem Freund, dem Publizisten und „Weltensammler” Ilija Trojanow vor. Beide waren bereits 2005 mit Links am Schwanenwik zu Gast.

Gekapert  von Nuruddin Farah ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 06/13)

Nuruddin Farah: Netze (Suhrkamp)

Nuruddin Farahs neues Buch Netze, erschienen bei Suhrkamp, ist ein bestürzendes und zugleich hoffnungsvolles Buch mit einer unvergesslichen Hauptfigur, deren persönliche Reise in die Vergangenheit ein Zeichen für eine bessere Zukunft setzt.

Cambara, eine willensstarke Frau, beschließt, aus ihrer Wahlheimat Toronto in ihr Geburtsland Somalia zurückzukehren. Ihr geliebter Sohn ist durch die Unachtsamkeit ihres Mannes ums Leben gekommen, doch die Reise ist nicht nur eine Flucht: Cambara will das alte Anwesen ihrer Familie den Händen eines Warlords entreißen. Das Mogadischu, in das sie kommt, ist schwer gezeichnet vom Bürgerkrieg: Jugendliche mit automatischen Waffen patrouillieren die Straßen, Clan-Rivalitäten, Langeweile und das allgegenwärtige Kaat haben die einstmals lebendige Stadt im Griff, islamistische Gruppen nutzen die Lähmung, um Einfluss zu gewinnen. Doch nach und nach gelingt es Cambara, Verbündete zu gewinnen – Heldinnen der Vernunft in einer Welt der Zerstörung.

Nuruddin Farah berichtet unablässig aus seiner Heimat Somalia, in die er immer wieder reist, so auch in seinem neuen Buch Netze. Der Held ist eine starke Frau, die sich von katastrophalen Umständen nicht unterkriegen lässt – sei es der Tod ihres Sohnes oder die Rückkehr in eine von Brutalität und Chaos entfesselte Heimat. Er setzt seine Hoffnungen auf die Kraft der Frauen, was ihn in seiner archaischen patriarchalisch-islamisch geprägten Heimat zu einem Paria werden lässt. Nuruddin Farahs Roman über die Realitäten eines zerfallenen Staats beeindruckt, die allgegenwärtige Hitze unterstreicht das Fieber, das in diesem großartigen Buch herrscht.

Nuruddin Farah wurde 1945 im südsomalischen Baidoa als viertes von zehn Kindern geboren. Seine Mutter war eine traditionelle Erzählerin, so wie es die beiden Urgroßväter waren, sein Vater Dolmetscher des britischen Gouverneurs. Er studierte Philosophie, Soziologie und Literatur in Indien und kehrt 1969 nach Somalia zurück. 1970 veröffentlichte Farah seinen ersten Roman. 1974 geht er nach London, um am Theater zu arbeiten. 1980 erhält er den English-Speaking Literary Award. Nach Zwischenstationen in Bayreuth, Nigeria, Gambia, Uganda und Sudan zieht Nuruddin Farah 1999 nach Kapstadt, wo er bis heute wohnt.

Netze von Nuruddin Farah ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 12/09)