Die
libanesisch-amerikanische Schriftstellerin, Philosophin und Malerin Etel Adnan
vereint Kunst und politisches Denken. Sie ist eine der kosmopolitischsten
Persönlichkeiten der arabischen Kultur und „eine Wanderin zwischen den Welten“
(Deutschlandradio Kultur). Die Erfahrungen des Nahen Ostens mit seiner
Geschichte, seinen Spannungen und Gewalterfahrungen haben sich tief in ihre
Biografie eingeschrieben. Aufgewachsen im Libanon lebt sie heute abwechselnd in
Paris und in Sausalito (Kalifornien) mit längeren, regelmäßigen Aufenthalten in
Beirut. Für ihre Verdienste um die arabische Welt wurde sie 2010 vom
libanesischen Präsidenten mit dem Staatspreis ausgezeichnet. Ihre Gedichte,
Novellen und Stücke sind in mehr als zehn Sprachen übersetzt worden. Ihr Schreiben
hat immer mit der Geschichte und dem Weltgeschehen zu tun. Arabische Apokalypse
ist vom libanesischen Bürgerkrieg geprägt.
Books@Transglobal ist die Literatursendung im Rahmen von Radio Transglobal beim Hamburger Stadtsender TIDE 96.0. Hier können Veranstaltungshinweise sowie die einzelnen Buchbesprechungen nachgelesen werden, die bei Radio Transglobal gesendet bzw. von der Redaktion bearbeitet wurden. Books@Transglobal sendet an jedem vierten Montag des Monats um 18 Uhr ein ausschließlich der Literatur gewidmetes Programm.
Etel Adnan liest am Mittwoch, 23. April, im Literaturhaus
Die
libanesisch-amerikanische Schriftstellerin, Philosophin und Malerin Etel Adnan
vereint Kunst und politisches Denken. Sie ist eine der kosmopolitischsten
Persönlichkeiten der arabischen Kultur und „eine Wanderin zwischen den Welten“
(Deutschlandradio Kultur). Die Erfahrungen des Nahen Ostens mit seiner
Geschichte, seinen Spannungen und Gewalterfahrungen haben sich tief in ihre
Biografie eingeschrieben. Aufgewachsen im Libanon lebt sie heute abwechselnd in
Paris und in Sausalito (Kalifornien) mit längeren, regelmäßigen Aufenthalten in
Beirut. Für ihre Verdienste um die arabische Welt wurde sie 2010 vom
libanesischen Präsidenten mit dem Staatspreis ausgezeichnet. Ihre Gedichte,
Novellen und Stücke sind in mehr als zehn Sprachen übersetzt worden. Ihr Schreiben
hat immer mit der Geschichte und dem Weltgeschehen zu tun. Arabische Apokalypse
ist vom libanesischen Bürgerkrieg geprägt.
Jabbour Douaihy: Morgen des Zorns (Hanser)
Alia Yunis: Feigen in Detroit (Aufbau Verlag)

Eine turbulente libanesische Familienkomödie ist der Roman Feigen in Detroit von der aus dem Libanon stämmigen Autorin Alia Yunis und ist im Aufbau Verlag erschienen.
Fatima Abdullah weiß, dass ihre Zeit gekommen ist, denn in neun Tagen wird Prinzessin Scheherazade sie zum 1001. Mal in ihrem Haus in L.A. besuchen. Doch vorher hat sie noch einiges zu erledigen: Sie muss eine Frau für ihren schwulen Lieblingsenkel Amir finden; ihrer 17-jährigen, schwangeren Urenkelin den Koran auf Arabisch und Geburtenkontrolle beibringen; sich mit ihrem Exmann Ibrahim aussöhnen, von dem sie sich nach über 50 Ehejahren getrennt hat; und sie muss entscheiden, welches ihrer acht ungeratenen Kinder das Haus im Libanon erben soll.
Seit Fatima vor 992 Tagen zu ihrem Lieblingsenkel nach LA gezogen ist, kommt Scheherazade jede Nacht auf ein Pläuschchen vorbei. Leidenschaftliche, pikante Geschichten möchte die sagenumwobene Prinzessin von Fatima hören, doch die erzählt nur von ihrem Haus im Libanon, das sie vor 68 Jahren verlassen hat, um ihrem ersten Mann in die USA zu folgen, zu Mister Ford und seiner River-Rouge-Fabrik. Welchem ihrer acht ungeratenen, über ganz Amerika verteilten Kinder soll sie es bloß vererben, wenn sie in Bälde das Zeitliche segnen wird? Besagte „Kinder“ sind unterdessen mit ihren eigenen Sorgen beschäftigt: eigenen ungeratenen Sprösslingen, dem Partner, dem Job, Alkoholproblemen, Krebs oder einfach nur dem verzweifelten Versuch, den texanischen Nachbarn ihre arabische Herkunft zu verbergen.
Liebevoll, zutiefst menschlich und dabei grandios komisch zeichnet Alia Yunis das Bild einer ganz normalen amerikanischen Familie – aus dem Libanon – und eines Jahrhunderts der Integration und Desintegration im Melting Pot der Kulturen.
So viele Geschichten wie aus 1001 Nacht mag man denken sind die Geschichten aus vier Generationen dieser libanesischen Familie in Alia Yunis Buch. Witzig, unterhaltsam, turbulent und immer mit dem nötigen Augenzwinkern kommt dieses Buch daher.
Alia Yunis, Tochter eines libanesischen UN-Diplomaten, wuchs im Mittleren Westen der USA und im Mittleren Osten auf. Sie arbeitete als Journalistin und Filmemacherin in Los Angeles und ist zurzeit Dozentin für Kommunikationswissenschaft an der Universität von Abu Dhabi. Sie ist Mitglied der PEN Emerging Voices.
Charif Majdalani: Ein Palast auf Reisen (Knaus)
Poesie, fantastisch anmutende Begebenheiten und feine Ironie durchziehen nach dem erfolgreichen Debüt Das Haus in den Orangengärten auch den neuen Roman Ein Palast auf Reisen des libanesischen Erzählers Charif Majdalani, der bei Knaus erschienen ist. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlässt der junge Libanese Ayyad seine Heimat, um in der Welt sein Glück zu suchen. Im Sudan steigt er zum Vertrauten eines britischen Offiziers auf, der ihn als Kundschafter zu den rebellierenden afrikanischen Stammesfürsten schickt. Eines Tages stößt Ayyad auf eine Karawane, die mit einem in seine Einzelteile zerlegten arabischen Palast durch die Wüste zieht, auf der Suche nach einem Käufer. Ayyad schließt sich der Karawane an, um als Händler getarnt die Aufständischen auszukundschaften. Monate vergehen, doch niemand will den prächtigen Serail haben. Schließlich kauft Ayyad mit dem ihm anvertrauten Gold der Briten selbst den Palast und kehrt nach Beirut zurück, wo er beim Einzug in die Stadt seiner großen Liebe begegnet...
Charif Majdalani hat einen orientalisch-märchenhaften Abenteuerroman geschrieben, der den Leser verzaubert und ihn in eine geheimnisvolle Welt entführt. Mit viel Witz entfaltet sich das orientalische Märchen vor dem Auge des Lesers und es macht richtig Spaß, den Wegen Ayads bis zum Happy End zu folgen.
Charif Majdalani, 1960 im Libanon geboren, studierte in Frankreich und lehrt heute als Professor an der Universität von Beirut. Sein Debütroman Das Haus in den Orangengärten wurde von der Presse hoch gelobt und für die wichtigsten französischen Literaturpreise nominiert.
(JK 11/09)
Rawi Hage: Als ob es kein Morgen gäbe (Dumont)

De Niro’s Game lautet der Originaltitel dieses beklemmenden, aufwühlenden Erstlings von Rawi Hage, der bei Dumont erschienen ist, dessen deutscher Titel Als ob es kein Morgen gäbe zwar auch die Perspektivlosigkeit anklingen lässt, um die es geht, der aber nicht annähernd so bezeichnend ist wie die Anspielung im englischen Titel. Thematisiert wird dort nämlich das Russische Roulette in dem Film Die durch die Hölle gehen, in dem Robert de Niro einen von drei befreundeten, psychisch vollkommen zerrütteten Vietnamheimkehrern spielt.
Auch in Hages verstörendem Debüt gehen Bassam und George, zwei beste Freunde seit Kindertagen, täglich durch die Hölle – das Bürgerkriegs-Beirut Anfang der 1980er Jahre; die Ermordung des Präsidenten und Phalangisten-Führers Bachir Gemayel nach zweiwöchiger Amtszeit findet sich im Text wieder. Der Krieg hat den beiden jungen Männern Familie und soziales Umfeld genommen, sie zu verrohten, „hormongesteuerten Tagedieben“ gemacht. In der totalen Sinn- und Ausweglosigkeit des Kriegsalltags geben sich die beiden Antihelden dem perversen Zeitvertreib des Russischen Roulettes hin und irgendwie erscheint dieser Nervenkitzel grausam einleuchtend – ist doch das ganze Leben nichts als ein schreckliches Spiel, in dem es keine Gewinner gibt, dessen Figuren allesamt traumatisiert, geschunden, von sich selbst und von der Welt entfremdet durch den Tag taumeln, eben so, als ob es kein Morgen gäbe. „Phänomene“ wie Freundschaft, menschliche Bedürfnisse, Empfindungen und Gewissen stehen in Hages eindringlichem Text wie verkohlte Überbleibsel auf verbrannter Erde und gehen beim Lesen umso mehr unter die Haut. Die Sekunde, wenn der Revolver knackt, aber kein Schuss detoniert, gehört zu den seltenen Glücksmomenten – dann ist der Nächste an der Reihe.
Der Autor hat dem Text ein Zitat von Jean Paul Sartre vorangestellt: „Ich habe schmutzige Hände, bis zum Ellenbogen hinauf. Meine Hände sind in Scheiße und Blut getaucht.“ Ging es für Sartres Romanfiguren jedoch darum, nicht davor zurückzuscheuen, sich für eine Ideologie die Hände schmutzig zu machen, so lautet hier die Aufgabe für zwei Freunde, die nichts mehr zu verlieren haben, ganz einfach, sich im allgegenwärtigen Dreck das nackte Überleben zu sichern. Dennoch suchen Bassam und George jeder für sich ein Stück Zukunft. Bassam, aus dessen Perspektive der Roman geschrieben ist, setzt alles daran, sein Land zu verlassen, um dem Horror zu entkommen. George macht „Karriere“ in einer christlichen Miliz und lässt sich schließlich vollkommen instrumentalisieren. Der Bericht über sein Mitwirken an Massakern in palästinensischen Flüchtlingslagern nach der Ermordung Gemayels ist harte Kost. Hages Prosastil besticht. Die – vor allem in der zweiten Hälfte des Romans – sehr cinematografischen, schnell „geschnittenen“ und aus zahlreichen Dialogen bestehenden Sequenzen werden immer wieder von der Poesie in Bassams Halluzinationen abgefangen. Diese (Wahn-)Vorstellungen sind zugleich fantasievolle Verschnaufpausen, Auszeiten aus einer gnadenlosen Wirklichkeit sowie bedrohliche, wirre Alpträume, die das Tempo ein wenig drosseln, die Gedanken abschweifen lassen. Trotzdem bleibt der Text das Musterbeispiel von einem „Pageturner“, er ist ein wahres Stück Spannungsliteratur voller überraschender Wendungen, bei dem wohl der Ruhepuls eines jeden Lesers steigt.
Als ob es kein Morgen gäbe von Rawi Hage ist bei Dumont erschienen.
(JK 06/09)
Yasmine Ghata: Die Târ meines Vaters (Ammann)

Nach dem Tod seines Vaters Weißbart erhält Hussein die Târ, die in der Familie seit Generationen an den ältesten Sohn weitergegeben wird. Doch unter Husseins Fingern will die doppelbauchige Laute ihre mystischen Akkorde nicht preisgeben. Seinen Anstrengungen zum Trotz bleibt sie ein bloßes Stück Holz ohne jede künstlerische Strahlkraft. Lastet ein Fluch auf Hussein? Welches Geheimnis birgt die Târ, das zu schwer wiegt, um sie erklingen zu lassen? Hussein und sein Bruder Nur machen sich auf den Weg ins Dorf des legendären Lautenspielers Mohsen, der mit seinem Instrument eine solche Magie entfalten konnte, daß ihr Vater ihn aus Eifersucht erschlug. Parvis, Mohsens Sohn, lauert auf die Söhne des Mörders, und die Brüder ahnen nicht, daß die Geschichte der Târ, die auch ihre Geschichte ist, noch sehr viel weiter zurückreicht...
Yasmine Ghata, die Tochter der libanesischen Schriftstellerin Vénus Khoury Ghata, wurde 1975 in Frankreich geboren und lebt in Paris. Sie studierte Islamische Kunstgeschichte, arbeitet für eine Pariser Galerie und ist spezialisiert auf die Erstellung von Expertisen für islamische Kunst.
(JK 05/09)
Salwa Al Neimi: Honigkuss (Hoffmann und Campe)

Honigkuss, 2007 im Libanon erschienen und nun auf Deutsch bei Hoffmann und Campe, ist Salwa Al Neimis erster Roman. Honigkuss war in den arabischen Ländern ein Skandal. Das Buch wurde von Rezensenten wie z.B. bei Emirates Media als „sexuelle Intifada“ bezeichnet und markierte für viele die „Ankunft der sexuellen Revolution“.
"Es gibt Menschen, die Geister beschwören – ich beschwöre Körper. Ich weiß nichts über meine Seele, nichts über die Seelen anderer, aber ich kenne meinen Körper und den der anderen. Das genügt mir …" Sie stammt aus Damaskus, arbeitet als Bibliothekarin in Paris und hütet sorgsam das Geheimnis ihrer sexuellen Eskapaden. Mit ihren Liebhabern lebt sie die wollüstigen Darstellungen der arabischen Erotikklassiker nach. Da sie verheiratet ist, droht für diese Abenteuer nach islamischem Recht das Gefängnis. Erst als sie zu einem Kongress über verbotene Bücher eingeladen wird, findet sie Gelegenheit, von ihrem verborgenen Leben zu erzählen – dem Liebesleben einer arabischen Frau, die begierig ist auf Männer, Sex und Geschichten.
Salwa Al Neimi wurde in Damaskus geboren und studierte an der dortigen Universität arabische Literatur. Später zog sie nach Paris, wo sie ein Studium der Theaterwissenschaften absolvierte. Sie lebt als Journalistin und Publizistin in Paris und veröffentlichte bislang Erzählungen und Lyrik.
(JK 20/09/08)
Charif Majdalani: Das Haus in den Orangengärten (Knaus)
Charif Majdalani, 1960 im Libanon geboren, studierte in Frankreich und lehrt heute als Professor an der Universität von Beirut. Sein Debütroman Das Haus in den Orangengärten wurde von der Presse hoch gelobt und für die wichtigsten französischen Literaturpreise nominiert.
Das Haus in den Orangengärten von Charif Majdalani ist bei Knaus erschienen.


