Georg Diez am 25.02.2010 zu Gast im Literaturzentrum

Literaturzentrum Hamburg

Donnerstag, 25.02.2010 20.00 Uhr

Schwanenwik 38, 22087 Hamburg

Eintritt: 4 – 7 Euro

Georg Diez liest aus seinem neuen Roman Der Tod meiner Mutter, der bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist.

Ein „erschütternd schönes Buch“ sagt Elke Heidenreich, „sehr anrührend, zart und hart“ urteilt Doris Dörrie, „ein Buch, das den Leser zwingt, seine eigene Geschichte erzählend zu denken, während er die Geschichte des anderen liest“ meint Cordt Schnibben – wenn man nur die Kritiken zum erzählerischen Debüt von Georg Diez liest, könnte man vielleicht auch auf eine Liebesgeschichte tippen, was es ganz und gar nicht ist, nein, das Adjektiv „anrührend“ ist in unseren Zeiten in der Literaturkritik ein gesicherter Hinweis auf eine Krise, eine Krankheit, das Sterben, den Tod. Ob von Christoph Schlingensief oder Katrin Schmidt, Jens Petersen, Georg Diez oder Matthias Politycki, die vieldiskutierten und ausgezeichneten Bücher des vergangenen Jahres hatten ein gemeinsames Thema; und wenn man die Verlagsprogramme für das Frühjahr durchblättert, dann waren das nur Vorboten all der kleinen und größeren Krisen, die uns in diesem Jahr noch bevorstehen. Georg Diez erzählt in seinem vielgelobten Buch Der Tod meiner Mutter eine fast alltägliche Geschichte über das Leben, zu dem eben auch der Abschied eines geliebten Menschen gehört. Das Abschiednehmen vollzieht sich bei ihm als Suche auf den Spuren seiner Mutter, die schwer erkrankt ist und im Sterben liegt, und nach ihm selbst, dem einzigen Sohn. Entstanden ist ein Buch, das vom Sterben und vom Tod erzählt, aber eben auch das Porträt zweier verschiedener Generationen: jener der von den Befreiungsideen der 68er geprägten Generation der Mutter und der ihrer Adidas-Kinder, die in Zeiten des Wohlstands und der Sorglosigkeit groß wurden.

Georg Diez, Autor der Süddeutschen Zeitung, berichtet mit atemberaubender Genauigkeit vom Sterben seiner Mutter, ihrem Kampf um Selbstbestimmung und Würde und seinem eigenen Umgang mit dem Unausweichlichen. Wenn das Sterben und der Tod ins Leben eines Menschen treten, ist die Reaktion oft Schweigen und Sprachlosigkeit. Für den unwiederbringlichen Abschied eines geliebten Menschen fehlen uns die Worte, die das Leiden und den Schmerz angemessen fassen. Der Autor und Journalist Georg Diez aber hat nach dem Krebstod seiner Mutter den Mut zu erzählen, wie sich ein solcher langer Abschied vollzieht. Mit größter Genauigkeit und Schonungslosigkeit beschreibt er, wie er als Sohn den Tod in sein Leben hereinlassen musste, während er zugleich seine Hochzeit feierte und darauf wartete, zum ersten Mal Vater zu werden. Mit liebevollem, aber präzisem Blick begleitet er den langen Weg einer Frau, deren Leben vom Kampf um Selbstständigkeit und von leidenschaftlichem sozialen und beruflichen Engagement geprägt war, bis in die Einsamkeit der Krankheit und der Schmerzen. Die langsamen Verschiebungen in den Beziehungen zu Freunden und Kollegen, die letzten Reisen, die letzten Spaziergänge, die letzten Feste, die vielen kleinen und großen Abschiede, die wiederkehrenden Hoffnungen, die praktischen Nöte bei der Organisation des Alltags: All das schildert Georg Diez so intensiv wie die Erschütterungen, die das Sterben seiner Mutter für sein eigenes Leben bedeuten.

Georg Diez ist ein kleines Wunder gelungen: Er hat ein Buch voller Traurigkeit und Abschied geschrieben, das durch seine erzählerische Brillanz für den Leser eine befreiende Kraft entfaltet.

Der Tod meiner Mutter von Georg Diez ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.

(JK 02/10)


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