Torsten Krol: Kleine Kannibalen (Blessing)

Mit seinem Debütroman Callisto gelang Torsten Krol eine geniale, furiose Fahrt durch ein paranoides Amerika, in dem man alles sein darf, nur nicht anders. In seinem neuen Roman Kleine Kannibalen, der bei Blessing erschienen ist, macht er Anleihen bei Goldings Herr der Fliegen, um eine gnadenlos ehrliche Geschichte über das Erwachsenwerden zu erzählen.

Seinen kleinen Bruder hatte er auf der Überfahrt von Deutschland nach Südamerika vor meterlangen Anakondas, den Ungeheuern des Dschungels, gewarnt. Erich Linden, sechzehn Jahre alt, bringt 1946 – die Heimat zerstört, der Vater gefallen – eine Fahrt ins Ungewisse hinter sich, hinein in ein neues Leben, das er mit Bruder Zeppi und seiner Mutter in der Obhut seines Onkels Klaus in Venezuela finden soll. Nur noch ein kurzer Flug trennt die Familie von dem Ort im Orinokobecken, wo Klaus seinen neuen Posten antreten wird. Doch ein Sturm zwingt die Maschine zur Notlandung in einem Fluss. Verloren in den Weiten des venezolanischen Urwalds begreift Erich nach und nach, dass sein neuer Vater Klaus keineswegs der noble Herr ist, als der er sich gibt. Und dass es Zeit ist, seinen eigenen Weg zu gehen, der vielleicht zurück in die Zivilisation führt.

Das Buch ist ein Höllentrip mit gnadenloser Action, Sex, Drogen, Mord, Völkerkunde, Märchen, Philosophie und Politik. Das sind nur wenige Attribute dieses Thrillers.

Wer ist Torsten Krol? Ein geniales Phantom, das im australischen Outback wohnen soll. Niemand hat je sein Gesicht gesehen noch seine Stimme gehört. Vermutungen im Internet gehen dahin, dass es sich um Stephen King handeln soll. 2007 erschien in über einem Dutzend Ländern mit Callisto Torsten Krols erstes Buch.

Kleine Kannibalen von Torsten Krol ist bei Blessing erschienen.

(JK 09/09)


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