Miljenko Jergović: Wolga, Wolga (Schöffling)


Nach Buick Rivera und Freelander schickt der große Erzähler Miljenko Jergović in seinem neuen Roman Wolga, Wolga, der bei Schöffling erschienen ist, wieder einen einsamen Helden auf die Reise. So entsteht eine Geschichte, die das Schicksal eines Mannes in zahlreichen Rückblenden mit der politisch-historischen Vergangenheit des ehemaligen Jugoslawien verbindet.

Während des Kommunismus der siebziger Jahre sucht der vom Leben gestrafte Dželal Pljevljak im islamischen Glauben Trost und fährt regelmäßig mit seinem schwarzen Wolga von Split an der dalmatischen Küste nach Livno ins benachbarte Bosnien-Herzegowina, um in der Moschee zu beten. Durch die Begegnung mit einer ebenfalls muslimischen Familie beginnt seine Einsamkeit in einem Land voller Bespitzelung und Verrat gerade zu schwinden, da nimmt die Geschichte auf einer dieser Fahrten plötzlich eine tragische Wendung.

Wolga, Wolga bildet den Abschluss der Roman-Trilogie von Miljenko Jergović, wo ein Auto Sinnbild ist für einen Menschen, der im Gestrüpp jugoslawischer Geschichte verstrickt ist. Jergović arbeitet mit seinen Büchern die jüngere jugoslawische Vergangenheit auf. Er zeigt die menschlichen Abgründe, seine Geschichten sind so aberwitzig wie das Land. Erst nach und nach offenbart sich dem Leser das ganze Ausmaß des Schreckens, das Dželal widerfahren ist. Die Zerrissenheit, die diese Region prägt, wird bei Jergović plakativ nach außen getragen und entschlüsselt.

Miljenko Jergović, geboren 1966 in Sarajevo, studierte Philosophie und Soziologie an der dortigen Universität. Er ist Mitbegründer der GROUP 99. Jergović berichtete u.a. für die Zagreber Wochenzeitung Nedeljna Dalmacija aus dem belagerten Sarajevo und war dort auch Redakteur beim Fernsehen. Seit 1993 lebt er als freier Schriftsteller in Zagreb und ist als politischer Kolumnist für verschiedene kroatische und internationale Zeitungen (in Deutschland für DIE ZEIT und die FAZ) tätig. Für seine Arbeit als Journalist und politischer Kolumnist wurde er mehrfach ausgezeichnet.

Wolga, Wolga  von Miljenko Jergović ist bei Schöffling erschienen.
(JK 11/11)

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