Alan Pauls: Geschichte der Haare (Klett-Cotta)


Von dem argentinischen Autor Alan Pauls ist bei Klett-Cotta mit Geschichte der Haare ein ungewöhnliches Buch erschienen.

Ob kurz, lang oder rasiert, ob ungekämmt, gegelt, mit Seiten­ oder Mittelscheitel oder als Afrolook - in der Suche nach dem perfekten Haarschnitt scheint sich die Sehnsucht des Erzählers nach einem geordneten Leben zu spiegeln. Aber jedes Mal, wenn die Frisur sich auswächst, droht wieder alles aus den Fugen zu geraten. Bis Celso auftaucht, ein genialischer und zugleich kleptomanischer Friseur, der durch seine Frisierkunst verspricht, den Traum von der ewigen Jugend Wirklichkeit werden zu lassen. Die Utopie eines ewig unveränderlichen Haars ist jedoch die Perücke, und eine solche führt uns geradewegs in eines der finstersten Kapitel der argentinischen Geschichte.

Die Grenze zwischen Fiktion und Realität ist ein vertrauter Ort für den Autor. Diese Schwelle beschreitet er wie bei einer Gratwanderung. Geschichte der Haare ist der zweite Teil einer Trilogie, die mit der Geschichte der Tränen begann. Die Trilogie beschäftigt sich mit den 70er Jahren in Argentinien und deren politischer Polarisierung. Er bereicherte damit in Argentinien die Debatte und Auseinandersetzung mit der Zeit der Diktatur. Vier Protagonisten mit unterschiedlicher Herkunft sind die zentralen spannenden Figuren. Scheint sich zuerst alles nur um die Äußerlichkeiten, nämlich Haaren, zu drehen, enthüllt Alan Pauls nach und nach, worum es ihm tatsächlich geht. Er hat einen exzentrischen Roman mit großer Strahlkraft über ein Jahrzehnt der Hoffnungen, Versprechen, Enttäuschungen und Versagen geschrieben.

Alan Pauls, geboren 1959 in Buenos Aires, hat Literatur gelehrt, daneben Drehbücher, Filmkritiken, Essays und sechs Romane geschrieben. Er arbeitet als Kulturkolumnist für eine große Tageszeitung und moderiert eine Fernsehsendung. Sein Werk ist bisher in 14 Sprachen übersetzt worden.

Geschichte der Haare von Alan Pauls ist bei Klett-Cotta erschienen.
(JK 06/12)

Keine Kommentare: