Einen politischen
Kriminalroman des argentinischen Schriftstellers Rodolfo Walsh hat der
Rotpunktverlag mit dem Buch Wer erschoss Rosendo Garcia? veröffentlicht.
Ein Wortgefecht zwischen
gewerkschaftlichen Aktivisten im Restaurant La Real im Stadtteil Avellaneda von
Buenos Aires mündet in eine Schießerei mit drei Toten und mehreren Verletzten.
Die Sache wird von den Ermittlungsbehörden vertuscht, verdreht und schließlich
ad acta gelegt. Walsh entwirrt bei seinen Recherchen den Knäuel der Ereignisse.
Im Vordergrund steht der Glücksritter Rosendo García, einer der drei Toten, der
ins Kreuzfeuer geraten war. Im Wesentlichen aber geht es um das Drama der
peronistischen Gewerkschaftsbewegung der 1960er Jahre, in dessen Zentrum der
allmächtige, korrupte Gewerkschaftsboss Agustín Vandor, ein Rechtsperonist,
steht und wirkt – ohne ihn läuft gar nichts. Hatte er auch mit dem Gewaltexzess
im La Real zu tun?
Nach Das Massaker von
San Martín ist Wer erschoss Rosendo Garcia? der zweite
„dokumentarische Roman“ von Rodolfo Walsh, der auf minutiösen journalistischen
Recherchen beruht und sich liest wie ein politischer Kriminalroman. Dieser
Roman erschien 1968 und sorgte in Argentinien für viel Unruhe. Walsh beschränkt
sich nicht nur auf das Ereignis selbst, sondern dokumentiert auch die
Auswirkungen, die direkten Eingriffe der Politik in die Geschichte. Walsh
verzichtet in dem Buch anders als in San Martín auf das Kitten von
Rissen und Versöhnung. Er betreibt eine bewusste Politik der Denunziation.
Walsh erzählt gekonnt die Geschichte aller Teilnehmer der Schießerei im Wechsel
mit den Vorfällen des Scharmützels. Walsh macht kein Geheimnis aus seinen
Sympathien. Er führt die Polizei vor, die in voller Absicht den Tathergang
manipulierte und entstellte. Er prangert die Rolle der Presse an, die aus
Opfern Täter machte. In diesem Sinne will das Buch zwei Dinge erreichen:
Erstens, die Komplizenschaft der Richter, Politiker und Polizei zu denunzieren,
die sich unter Agustín Vandor schadlos hielten, und zweitens, um zu beweisen, dass
das Interesse an der Rettung des Gewerkschaftsführer die Absicht hatte, die
Arbeiterbewegung in Schach halten zu können.
Der Schriftsteller und
Journalist Rodolfo Walsh wurde 1927 in der Provinz Río Negro geboren und war
ein Abkömmling irischer Einwanderer. Er wurde am 25. März 1977 von
Sicherheitskräften in einen Hinterhalt gelockt und entführt. Er gehört seither
zu den zahlreichen „Verschwundenen“ Argentiniens. Seine Werke gelten heute als
Klassiker der modernen argentinischen Literatur.
Wer erschoss Rosendo Garcia? von Rodolfo
Walsh ist im Rotpunktverlag erschienen.
(JK 06/12)

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