J. R. Moehringer mit seinem neuen Roman am Dienstag, 12. März, im Literaturhaus


Literaturhaus
Dienstag, 12.03.2013  19.30 Uhr
Schwanenwik 38, 22087 Hamburg
Eintritt: 7 – 12 Euro

J. R. Moehringer stellt seinen Roman Knapp am Herz vorbei vor, der bei S. Fischer erschienen ist. Brigitte Jakobeit liest den deutschen Text, Philipp Schwenke moderiert den Abend.

„Aufwachen in Attica, einschlafen im Plaza. Das ist Amerika”: Das Leben des William Sutton aka Willie „The Actor” aka „Slick Willie” gleicht einer Fahrt auf der Achterbahn von Coney Island. Mal schläft er unter den stinkenden Decken seiner „Vormieter” in den Zellen von Sing Sing, mal trägt er seidene Anzüge und 400-Dollar-Hüte. Will Sutton (1901-1980) war einer der meistgesuchten Bankräuber der Vereinigten Staaten, erbeutete Millionen Dollar und verbrachte mehr als sein halbes Leben hinter Schloss und Riegel. Um ihn ranken sich Legenden: Mal war er als Postmann verkleidet, mal als Bote von Federal Express. Stets trug er eine ungeladene Waffe bei sich, und wenn bei einem Überfall ein Baby schrie oder eine Lady in Ohnmacht fiel, blies Sutton die Aktion ab. Bei den New Yorkern avancierte der Gentleman-Räuber zu einer Art Neuzeit-Robin-Hood. In seiner Zelle fanden sich Bücher von Dante und Tennyson. Hochintelligent verkörperte er die Antithese des amerikanischen Traums: ,Warum überfallen Sie Banken, Mr. Sutton?‘ ,Weil dort das Geld liegt.‘ Ein Leben wie ein Roman, und doch ist neben seiner Kriminalhistorie wenig über Willie Sutton bekannt.

In seinem neuen Roman Knapp am Herz vorbei füllt der amerikanische Autor und Journalist J. R. Moehringer die Fakten mit Fiktion: „Dieses Buch ist meine Vermutung. Und zugleich mein Wunsch.” So erfahren die Leser, was diesen brillanten Geist wohl im Innersten zusammenhielt: Chercher la femme, natürlich, die 17-jährige Industriellentochter Bess Endner wird Suttons große Liebe und erste Komplizin, für die er sich aus der elendigen „Irish Town” in Brooklyn in die bessere Gesellschaft raubt. Sein Leben lang hofft er darauf, ihr einen dicken Klunker an den Finker stecken zu können.

J. R. Moehringer landete 2005 mit seinen literarischen Memoiren Tender Bar einen sensationellen Erfolg und sorgte später mit der Mitarbeit an Open, der Autobiografie von André Agassi, für Furore. Brigitte Jakobeit, Moehringers Übersetzerin, liest aus ihrer deutschen Version, deren Qualität sich nicht nur an Wortspielen wie diesem messen lässt: „Vorbei mit Akelei, die Wicken kannst du ficken, auf die Narzissen pissen und den Gladiolen ein‘ runterholen.”

Knapp am Herz vorbei von J. R. Moehringer ist bei S. Fischer erschienen.
(JK 03/13)

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