Donnerstag, 11.02.2010 20.00 Uhr
Schwanenwik 38, 22087 Hamburg
Eintritt: 6 – 10 Euro
Alissa Walser liest aus ihrem Roman Am Anfang war die Nacht Musik, der bei Piper erschienen ist. Volker Hage moderiert
Die Autorin, Übersetzerin und Malerin Alissa Walser hat nach Theaterstücken und Erzählbänden soeben bei Piper mit Am Anfang war die Nacht Musik einen fesselnden ersten Roman vorgelegt. Ihr Sujet ist eine historische Begegnung: Wien, 1777. Der ebenso umstrittene wie legendäre Arzt Franz Anton Mesmer, der bereits etliche Literaten, u. a. Per Olov Enquist zu Werken inspirierte, bekommt den Auftrag, das „Wunderkind” Maria Theresia von Paradis zu kurieren. Die junge Pianistin ist als Kleinkind über Nacht erblindet. Von den brachialen Behandlungen anderer Wunderheiler und der erstickenden Fürsorge ihrer ehrgeizigen Eltern ist sie verstört, mit heutigem Vokabular: traumatisiert. In seinem Spital behandelt Mesmer sie nach seiner Methode des „animalischen Magnetismus” mit Magneten, Musik und nicht zuletzt mit – damals noch völlig unüblichen – therapeutischen Gesprächen. Die Behandlung zeigt Erfolg, und Scharen von Gästen pilgern zum Spital: „Fräulein, macht Ihnen Sehen Spaß? Ach ja, sagt sie. Sehen macht Spaß. Sehen, sagt sie, ist wie riechen. Die Hände sind leer, aber was man sieht, hat man.” Doch der Erfolg ist von kurzer Dauer. Die wissenschaftliche Anerkennung seiner Methode bleibt aus, stattdessen entspinnt sich ein handfester Skandal, in dessen Folge Mesmer Wien verlässt. Viele Jahre später wird er in Paris der inzwischen berühmten, aber erneut erblindeten Pianistin wiederbegegnen.
Es ist nicht nur die dichte atmosphärische Schilderung des historischen Wiener Milieus, mit der Walser überzeugt; vielmehr der subtile Blick auf die Befindlichkeiten und Verletzungen der empfindsamen Künstlerseele. „Der Roman Am Anfang war die Nacht Musik hat jene besondere Sprachmagie, die in jeder Zeile satte Sinneseindrücke erzeugt – ein großer Lesegenuss!” , urteilt NDR Kultur.
Alissa Walser, geboren 1961, studierte in New York und Wien Malerei. Seit 1987 lebt sie in Frankfurt am Main. Für ihre Erzählung Geschenkt wurden ihr 1992 der Ingeborg-Bachmann-Preis und der Bettina-von-Arnim-Preis verliehen.
(JK 02/10)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen