Aravind Adiga: Letzter Mann im Turm (C.H. Beck)


Der neue Roman des Booker Prize Gewinners Aravand Adiga Letzter Mann im Turm, erschienen bei Beck, ist eine Geschichte um Geld und Macht, Luxus und Entbehrung, ein breites Gemälde der Menschen in Bombay und nicht zuletzt das Porträt einer brodelnden Stadt.

Wen man in Bombay auch nach der „Vishram Society“ fragen würde – Turm A der „Vishram Cooperative Wohnungsbaugesellschaft“ –, jeder würde sagen, dass diese Wohnanlage in der Nähe des Flughafens und am Rande von Slums dennoch eine gute Adresse ist. Aber nicht nur Bombay hat sich in den letzten fünfzig Jahren verändert – und heißt jetzt Mumbai –, auch der Immobilienmarkt – überall in Mumbai wird abgerissen, Neues gebaut und viel frisches Geld ist in Umlauf. Als der Immobilientycoon Dharmen Shah den Bewohnern von Vishram Society das Angebot macht, sie rauszukaufen, damit er einen Luxusapartment-Komplex errichten kann, ist sein Angebot mehr als großzügig. Aber nicht jeder ist bereit, auszuziehen und dafür viel Geld mitzunehmen. Das Angebot gilt jedoch nur, wenn alle zustimmen! Die Anspannung steigt unter den Bewohnern, und einer, der pensionierte Lehrer Masterji, einst am meisten respektiert, ist nun das Hindernis für diesen Deal. Shah ist ein gefährlicher Gegner, aber auch alte Freunde können zu Feinden werden.

Wie in seinem Debütroman so entfaltet Aravind Adiga auch in seinem neuen Buch ein Kaleidoskop an Figuren, die in keine Schablone passen. Facettenreich lassen sich die Figuren nicht einfach in Gut und Böse unterteilen. Adiga findet für die Personen und Triebfeder ihres Handelns Verständnis. So prangert er das Raubtierverhalten, Neid und Missgunst an, beleuchtet aber auch die Motivation des Handelns. Bombay kommt dabei nicht gut weg. Bombay selbst ist das Raubtier, das seine Kinder verschlingt. Die überall grassierende Korruption lastet schwer auf allem, was die Menschen in ihrem Leben bewegen möchten. Verfolgt man die Geschehnisse in Indien, dann erscheint einem Adigas Buch als eine realistische Beschreibung des Hier und Jetzt in Indien, insbesondere in der Megastadt Bombay.

Aravind Adiga, wurde 1974 in Madras geboren und wuchs teilweise in Sydney, Australien, auf. Er studierte englische Literatur an der Columbia University und am Magdalen College in Oxford. Er arbeitete als Korrespondent für die Zeitschrift Time und für die Financial Times. Aravind Adiga lebt in Mumbai, Indien. Sein erster Roman Der weiße Tiger aus dem Jahr 2008 gewann den Booker Prize und erschien in fast 40 Ländern.

Letzter Mann im Turm von Aravind Adiga ist bei Beck erschienen.
(JK 12/11)

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