Ein düsterer Trip in die Achtziger Jahre ist der
neue Krimi Der libanesische Leopard
des dänischen Autorenpaars Christian Dorph und Simon Pasternak, der bei
Suhrkamp erschienen ist. Eine junge Frau, die im SM-Milieu bekannt war, wird
tot aufgefunden, ihr Freund entzieht sich der Verhaftung durch Selbstmord.
Kopenhagen, Sommer 1985. Die junge Rikke Bülow wird
ermordet in einer leer geräumten Wohnung aufgefunden. Sie ist missbraucht
worden. Kurz zuvor wurde sie in der
Stadt mit einem arabischen Playboy gesehen. Ihr Bruder taucht mit Blut an der
Kleidung auf, ihr Freund, ein Lyriker, ist spurlos verschwunden, und in ihrem
Tagebuch ist von einem Mann namens
Leopard die Rede, der eine unheimliche Macht über alle zu haben scheint. Als in
Kopenhagen Anschläge auf die Synagoge und ein israelisches Reisebüro verübt
werden und sich der dänische Geheimdienst einschaltet, bekommt der Fall eine
neue Dimension. Der Fall, den Erik Rohde und sein Team zu lösen haben, schien
anfangs schnell aufgeklärt zu sein. Aber dann erfährt Rohde, dass Rikke Bülow
Lockvogel einer radikalen syrischen Gruppe war und Spuren bis ins geteilte
Berlin und in den blutigen Bürgerkrieg von Beirut reichen.
Die beiden Autoren lassen die Atmosphäre der
Achtziger wieder aufleben: Terroranschläge, Hausbesetzerszene, Drogenmissbrauch,
das Aufkommen von HIV. Das ist hier dreißig Jahre später den Autoren mit einem
spannenden Plot wirklich gut gelungen.
Wer die Achtziger bewusst erlebt hat, wird vieles wieder erkennen. Die
Handlung wie auch die agierenden Figuren sind glaubhaft. Die beiden Dänen sind
auf gutem Wege sich in der oberen Liga der skandinavischen Krimiautoren
festzuschreiben.
Christian Dorph, geboren 1968, schreibt Gedichte und
Kriminalromane. Er lebt in der Nähe von Aarhus. Simon Pasternak, geboren 1971,
arbeitet als Lektor in Dänemarks größtem Verlag Gyldendal. Er lebt in
Kopenhagen.
Der libanesische Leopard von Christian Dorph und Simon Pasternak ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 11/11)

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