Gleich zwei Romane um den Privatdetektiv Vincent
Calvino von Christopher G. Moore hat der Unionsverlag in diesem Herbst
veröffentlicht. Zum einen ist es der dritte Band der Calvino Reihe mit dem
Titel Stunde Null in Phnom Penh.
In Phnom Penh hält die UNTAC nach dem Bürgerkrieg
einen labilen Frieden aufrecht. Waffenhandel, Schmuggel und Raubüberfälle sind
an der Tagesordnung, überall ist Korruption, ein Menschenleben ist nichts wert.
Jede Nacht hört man Schüsse an illegalen Checkpoints. Hier soll Vincent Calvino
einen Mann namens Hatch ausfindig machen, den Geschäftspartner eines Ganoven in
Bangkok. Calvino verfolgt die Spur durch den Russischen Markt, die Spitäler,
die Bars, das Hauptquartier der UNTAC und das berüchtigte T-3-Gefängnis. Doch
er ist nicht der Einzige, der Hatch sucht.
Phnom Penh ist bei Christopher G. Moore ein
düsterer, unheimlicher Ort – ganz anders als das bunte Bangkok, der eigentliche
Handlungsort Vicente Calvinos. Mutig beschreibt Moore die Situation in
Kambodschas Hauptstadt und zeichnet die vielen Fronten klar. Er hat eine
spannende Geschichte komponiert mit starken Figuren. Calvino hat mit Colonel
Pratt einen wichtigen Unterstützer, der ihn durch die Romane begleitet und ihn
in so manche thailändische Spitzfindigkeit einweist. Moore wird sogar zum
politischen Autor, wenn er die kriegszerrüttete Geschichte der Region mit
einbringt und sie für manche Fehlentwicklung verantwortlich macht. Der dritte
Band der Calvino Reihe erweist sich als ein äußerst spannender wenn nicht sogar
als bisher bester Band.
Christopher G. Moore, der sein Alter mit 83,5
Reisejahren angibt, war in seinem früheren Leben Juraprofessor, dann
Theaterautor. Später wurde er, was er bis heute geblieben ist, Romancier. In
Bangkok etablierte sich der gebürtige Kanadier, der in Oxford studiert hat, als
„Kultautor“. Zunächst in Bangkok selbst, dann mit Hilfe des Internets (www.cgmoore.com)
im Global Village. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Hollywood aufmerksam
wurde und Calvino-Stoffe einkaufte. Wenn Christopher G. Moore gerade mal nicht
in Bangkok ist, dann ist er sicher in Manila, Oxford, Berlin oder Los Angeles
anzutreffen. Sein Lebensgefühl umschrieb er in einem Statement zu seiner
Verlagssituation: „Meine Leser gehören zu einer globalen Vorhut, für die es
nicht entscheidend ist, wo sie leben. Ich bin ein kanadischer Schriftsteller,
der in Bangkok lebt. Mein aus Thailand stammender Agent in Paris wird von einem
deutschen Agenten in Wien vertreten, der die Rechte an einen Verlag in Zürich
verkaufte, dessen Herausgeber in Berlin sitzt.“
Stunde Null in Phnom Penh von Christopher G. Moore ist im Unionsverlag erschienen.
(JK 11/11)

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