Christopher G. Moore: Der Untreue-Index (Unionsverlag)


Gleich zwei Romane um den Privatdetektiv Vincent Calvino von Christopher G. Moore hat der Unionsverlag in diesem Herbst veröffentlicht. Neben dem dritten Band der Calvino Reihe mit dem Titel Stunde Null in Phnom Penh werden wir gleich mit dem vierten Band der Reihe mit dem Titel Der Untreue-Index beglückt.

Bangkok wird von Demonstrationen erschüttert. Chaos und Angst herrschen in der Thaigesellschaft wie unter den Expats. Privatdetektiv Calvino begibt sich mitten hinein in den politischen Feuersturm, als er einen Fall von Medikamenten-Piraterie untersucht. Dabei stößt er auf ein einflussreiches politisches Netz, das mit aller Macht seine wirtschaftlichen Interessen gewahrt wissen will.

Ein 19-jähriges Thaimädchen und ein prominenter Rechtsanwalt werden am selben Abend tot aufgefunden. Beide stehen im Zusammenhang mit Calvinos Ermittlungen. Aufgerüttelt vom Untreue-Index, bei dem Bangkok weltweit an oberster Stelle steht, beauftragt ihn eine Gruppe von Ehefrauen, die eheliche Treue ihrer Gatten zu untersuchen. Calvino sieht sich mit Kräften konfrontiert, die ihn an die Grenzen seiner Ermittlungskunst führen.

Bangkok ist eine Schlangengrube, durch und durch korrupt und für Ausländer, die permanent dort leben ein Slalom durch undurchsichtige Konventionen. Das ist der Eindruck, den man als Leser sofort gewinnt und das ist die Stärke des Buches. Man spürt förmlich, wie zwei Kulturen aufeinanderprallen und irgendwie nicht in Einklang zu bringen sind. Die Handlung bleibt raffiniert undurchsichtig wie das bunte Treiben in Bangkok. Es ist spannend, wie Moore das Kräftemessen in der thailändischen Metropole beschreibt. Das Gute siegt zwar, wie es sich für einen guten Krimi gehört, aber auch wiederum nicht ganz. Man ist im Buch förmlich von gescheiterten Existenzen umgeben, die es aber immer wieder schaffen, nach oben zu schwimmen.

Christopher G. Moore, der sein Alter mit 83,5 Reisejahren angibt, war in seinem früheren Leben Juraprofessor, dann Theaterautor. Später wurde er, was er bis heute geblieben ist, Romancier. In Bangkok etablierte sich der gebürtige Kanadier, der in Oxford studiert hat, als „Kultautor“. Zunächst in Bangkok selbst, dann mit Hilfe des Internets (www.cgmoore.com) im Global Village. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Hollywood aufmerksam wurde und Calvino-Stoffe einkaufte. Wenn Christopher G. Moore gerade mal nicht in Bangkok ist, dann ist er sicher in Manila, Oxford, Berlin oder Los Angeles anzutreffen. Sein Lebensgefühl umschrieb er in einem Statement zu seiner Verlagssituation: „Meine Leser gehören zu einer globalen Vorhut, für die es nicht entscheidend ist, wo sie leben. Ich bin ein kanadischer Schriftsteller, der in Bangkok lebt. Mein aus Thailand stammender Agent in Paris wird von einem deutschen Agenten in Wien vertreten, der die Rechte an einen Verlag in Zürich verkaufte, dessen Herausgeber in Berlin sitzt.“

Der Untreue-Index  von Christopher G. Moore ist im Unionsverlag erschienen.
(JK 11/11)

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