John Banville am Mittwoch, 9. Mai, zu Gast im Literaturhaus


Literaturhaus Hamburg
Mittwoch, 09.05.2012  19.30 Uhr
Schwanenwik 38, 22087 Hamburg
Eintritt: 6 - 10 €

John Banville stellt seinen neuen Roman Unendlichkeiten vor, der bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist. Martin Maria Blau liest den deutschen Text, Julika Griem moderiert.

Wie vielen Autoren würde man mit Wohlwollen begegnen, die sich die Freiheit nehmen, sich im griechischen Götterfundus zu bedienen und Hermes, Zeus und Pan durch vermeintlich realistische Romane geistern zu lassen? Der englische Romancier John Banville, vor allem durch „Die See” bekannt geworden, darf sich solche Kühnheiten erlauben, ohne sich der Lächerlichkeit preiszugeben, indem er einen Kosmos entwirft, der die theoretischen Annahmen einer Romanfigur Realität werden lässt.

Adam Godley heißt der Spiritus Rector der mit dem Franz-Kafka-Literaturpreis ausgezeichneten Unendlichkeiten, eine mathematische Koryphäe, die nach einem Schlaganfall im „Himmelszimmer” des heruntergekommenen irischen Landguts Arden auf den Tod wartet. Neben seiner zweiten Frau Ursula wollen sein gleichfalls Adam heißender Sohn, dessen bildschöne Frau Helen und seine neurosengeplagte Tochter Petra, die an einer Enzyklopädie aller existierenden Krankheiten arbeitet, das Sterben des Patriarchen begleiten. Doch was auf den ersten Blick wie ein psychologisch subtil ausgeleuchtetes Familienkammerspiel aussieht, entwickelt sich rasch zu einem Vexierbild, in dem der Erzähler – Götterbote Hermes persönlich – und sein Vater – „Paps” Zeus – aktiv in die Geschehnisse eingreifen und diese kommentieren. Banvilles Roman ist dem Amphitryon-Mythos und dessen Kleist’scher Theaterfassung nachgebildet und strahlt auf jeder Seite großen spielerischen Reiz aus.

Unendlichkeiten erzählt vom Sterben, das den Göttern ja verwehrt ist, mit verstörender Leichtigkeit. Und Unendlichkeiten wäre kein Banville-Text, wenn er nicht wieder von großer sprachlicher, adjektivseliger Eleganz getragen wäre und unvergessliche Szenen, in denen beispielsweise ein glücklich scharrendes Huhn im Bratrohr landet, enthielte.

Unendlichkeiten von John Banville ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.
(JK 04/12)

Keine Kommentare: