Unterwegs in der Welt: Rayk Wieland am Dienstag, 22. Mai, im Literaturhaus Hamburg


Literaturhaus
Dienstag, 22.05.2012, 19.30 Uhr
Schwanenwik 38, 22087 Hamburg
Eintritt : 4 – 8 Euro

Unterwegs in der Welt: Rayk Wieland liest aus seinem neuen Roman Kein Feuer, das nicht brennt, das bei Kunstmann erschienen ist. Die Einführung hält Rainer Moritz.

„Es war einmal ein nichtreisender Reisereporter, der jeden Ort, an dem er nicht war, außerordentlich schätzte und sich hütete, diese seine hohe Meinung von anderswo mit irgendeiner Realität zu konfrontieren. Denn die Realität, das wusste er jedenfalls, sah anders aus.“

Mit Kein Feuer, das nicht brennt hat Rayk Wieland einen weiteren Roman um den Helden seines ersten Romans, Ich schlage vor, dass wir uns küssen, geschrieben. Herr W., so der Name des etwa vierzigjährigen Protagonisten, schreibt seit über zehn Jahren erfolgreich über die ganze Welt, ohne sie zu bereisen. Genauer gesagt, hat der im Osten Berlins lebende Protagonist auch 20 Jahre nach dem Mauerfall die Grenze nicht überschritten. Denn „die Reisefreiheit”, so sein Credo, „ist immer die Reisefreiheit der anderen”. Und denen überlässt er sie auch. So schustert er mit Hilfe des Internets, einer Handvoll Reiseführer, Lexika, Literatur und einigen Telefonaten Reiseberichte zusammen und das ohne weiterreichende Expeditionen als die vom Schreibtisch zum Kühlschrank. Das geht so lange gut, bis seine Existenz als nichtreisender Reisejournalist im Zuge einer Abenteuerreisereportage über ein Golfhotel in Nordkorea aufgedeckt wird und sein Traum vom Traumreisen schlagartig ausgeträumt ist. Was liegt da für den Nichtreisejournalisten näher, als einer zu werden, und so tritt er widerwillig die erste Reise seines Lebens an die Chinesische Mauer an. Wieland, der Philosophie studierte und selbst gelernter Reisereporter und Mitherausgeber des dreibändigen Standardwerks Öde Orte ist, verfolgt mit dem Roman eine schräge Idee, offenbart einen feinen Sinn für Humor, brillante Formulierungen und geht dabei trotzdem in die Tiefe: „Rayk Wieland trifft den richtigen Ton: Gegen den Wahn der Wirklichkeit hilft nur lakonische Selbstironie”, urteilt der SWR.

Rayk Wieland, geboren 1965, studierte Philosophie und ist gelernter Reisereporter. Mehrtägige Reisen nach Jerusalem, Rom und Moskau. Er lebt in Hamburg und schreibt außerdem u.a. für die Satirezeitschrift Titanic und veranstaltet gemeinsam mit Gerhard Henschel den Toten Salon im Literaturhaus Hamburg.

Kein Feuer, das nicht brennt von Rayk Wieland ist bei Kunstmann erschienen.

(JK 05/12)

Keine Kommentare: