Hotel Wedina
Sonntag,
26.08.2012
17.00 Uhr
Gurlittstr.
23, 20099 Hamburg
Eintritt
frei, eine Veranstaltung des Literaturhaus Hamburg
Literaten
im Hotel: Michail Schischkin liest aus seinem Roman Venushaar, der bei DVA erschienen ist. Felix Schlatter begrüßt.
Komplex,
monumental, philosophisch, das sind nicht gerade die Adjektive für einen Bestseller.
Und doch – der Roman Venushaar des in
der Schweiz lebenden Autors Michail Schischkin, ist einer, in Russland ebenso
wie international. Der Roman, ironischerweise der erste des Autors, der ins
Deutsche übersetzt wurde, obwohl dieser seit mehr als 15 Jahren in der Schweiz
lebt, wurde mit mehreren nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet,
in 14 Sprachen übersetzt und ist seit vier Jahren Dauerbrenner auf Moskaus
Bühnen. Mit dem
1961 geborenen Schischkin findet endlich eine neue russische Generation seine
Stimme. Die Presse lobt Schischkins Sprache als „wunderbar klar und prägnant”
(Times Literary Supplement) und vergleicht deren Qualität mit Tolstoi und
Dostojewski.
„Warum
haben Sie Asyl beantragt?” Diese Frage muss der Erzähler mehrmals täglich ins
Russische übersetzen. Er arbeitet als Übersetzer des Zürcher Migrationsamtes
als „Dolmetsch in der Flüchtlingskanzlei des Ministeriums für Paradiesverteidigung”.
Die Schicksale der Flüchtlinge, drastische und erschütternde Schilderungen aus
dem sowjetisch-afghanischen Krieg und dem Tschetschenienkrieg, werden vom
Beamten der Behörde vor allem im Hinblick auf mögliche Unstimmigkeiten geprüft,
denn am Ende des Tages muss die „Quote” der abgelehnten „GS”, der
„Gesuchsteller”, stimmen. Unaufhaltsam zieht der Erzähler den Leser in einen
atemberaubenden Strudel von Schicksalen und Geschichten. Zusehends vermischt
sich das fremde Leid mit den eigenen Erinnerungen und Gefühlen des „Dolmetsch”,
aber auch mit Geschichten aus anderen Welten und Zeiten. Venushaar ist eine virtuose Chronik der Gewalt und dabei
gleichzeitig Liebesgeschichte, Künstlertagebuch und Verhörprotokoll, brillant
übersetzt von Andreas Tretner (u.a. Übersetzer von Viktor Pelewin, Vladimir
Sorokin und Jáchym Topol). Neue Zürcher Zeitung urteilt: „Einer der
originellsten Autoren der russischen Literaturszene”.
(JK 08/12)

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