Graham Swift im Literaturhaus am Dienstag, 4. September


Literaturhaus
Dienstag, 04.09.2012, 19.30 Uhr
Schwanenwik 38, 22087 Hamburg
Eintritt : 6 – 10 Euro

Graham Swift stellt seinen neuen Roman Wärst du doch hier vor, der bei dtv erschienen ist. Tim Grobe liest den deutschen Text und Sigrid Löffler.

Die Erkenntnis kommt auf leisen Sohlen, das Ergebnis ist umso wuchtiger: Wie alle der bislang acht Romane des 1949 geborenen Man-Booker-Preisträgers und „Meisters der Empathie” (FAZ) Graham Swift ist auch sein neuer Roman Wärst du doch hier ein Kabinettstück des psychologischen Erzählens. Abgründe tun sich hinter scheinbar alltäglichen Handlungen auf: „Bestimmte Momente im Leben verlangten offenbar, dass man den Kessel mit Wasser füllte. Man füllte jeden Tag Wasser in den Kessel, ohne dass man drüber nachdachte, mehrmals sogar. Trotzdem, es gab bestimmte Momente.” Im Mittelpunkt des Romans, der in virtuos verknüpften Rückblenden beinahe 100 Jahre umspannt, vom Ersten Weltkrieg über den Irakkrieg bis zum Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Großbritannien im Jahr 2007, steht nichts weniger als der Niedergang des bäuerlichen Lebensentwurfs. Tote Rinder pflastern seinen Weg. Swift porträtiert das 20. Jahrhundert als eine Ära voller Katastrophen, von denen eine jede dem angeschlagenen Helden Jack Luxton einen weiteren Stoß vor den Bug versetzt. Waren es Anfang des Jahrhunderts der gemeinsame Heldentod seiner Onkel George und Fred auf den Schlachtfeldern des Weltkriegs, auf dem sich der Familienstolz gründete, so mündet um das Millennium der Untergang der britischen Landwirtschaft im Ende der Jebb Farm der Luxtons. Aus Verwurzelung wird Entwurzelung und der Rinderfarmer aus Devon zum Trailerpark-Besitzer auf der Isle of Wight.

Dieser Jack Luxton, ein schwerfälliger Mann, der wenig spricht, aber umso mehr grübelt, steht vor Trümmern: Auf dem Bett liegt ein geladenes Gewehr, irgendwo draußen im peitschenden Sturm der Insel hat sich Ellie verschanzt, seine Grundschulliebe und Ehefrau. Es sieht dunkelgrau bis tiefschwarz aus für die beiden, seit Ellie sich geweigert hat, am Begräbnis von Jacks jüngerem Bruder Tom teilzunehmen, der in einem Sarg mit Union Jack darauf aus dem Irak „repatriiert“ wurde. Ein Buch mit extremem Nachhall: „Die Cleverness des in Cambridge geschulten Literaturwissenschaftlers Graham Swift liegt darin, seine erzählerischen Instrumente nie alle gleichzeitig, als dröhnendes Orchester einzusetzen, sondern sie einzeln erklingen zu lassen” (FAZ).

Wärst du doch hier von Graham Swift ist bei dtv erschienen.
(JK 09/12)

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