Marek Krajewski: Finsternis in Breslau (dtv)


Mit Finsternis in Breslau, erschienen bei dtv, ist ein neuer Kriminalroman des polnischen Autors Marek Krajewski mit Ermittler Eberhard Mock im Vorkriegs-Breslau erschienen.

Breslau, 1937. In einem heruntergekommenen Hotel wird eine junge Frau ermordet aufgefunden. Auf der Jagd nach dem Mörder kommt Mock mit der Unterwelt, aber auch mit höchsten gesellschaftlichen Kreisen in Berührung. Als er zwei Jahre später, mittlerweile nach Lemberg versetzt, zusammen mit Kommissar Popielski ein Ungeheuer jagt, das wie der Minotauros Jungfrauen tötet, kommt ihm sein früherer Fall wieder in den Sinn.

Eberhard Mock ist zurück, obwohl Marek Krajewski nach fünf Romanen seinen Helden nicht mehr auftreten lassen wollte. Dennoch ist Eberhard Mock nicht die Hauptfigur, denn im Vordergrund tritt nun der polnische Kommissar Edward Popielski aus Lemberg auf. Das tut dem Lesespaß hingegen keinen Abbruch. Neben der Überraschung mit einer neuen Hauptfigur überrascht den Leser auch der Handlungsort, denn sehr viel der Handlung spielt auch in Lemberg und Kattowitz.

Mock und Popielski verbinden viele Gemeinsamkeiten. Beide sind leicht zu verärgern, ungeduldig und pedantisch, beide lieben klassische Sprachen, Schach, Bridge, Völlerei und meiden auf keinen Fall die Gesellschaft von Frauen. So finden die beiden sehr schnell eine gemeinsame Sprache. Popielskis Schwachstelle ist hingegen seine Liebe zu seiner Tochter Rita. Als sie in den Fall gerät, ist das für unsere neue Hauptfigur ein Fall ins Bodenlose. Doch auch hier ist Eberhard Mock derjenige, der ihn auffängt.

Dass die Handlung nun mehr und mehr nach Lemberg verlegt ist, hat der Autor gut umgesetzt. So wie er es geschafft hat, Breslau ein Gesicht zu geben, so gelingt ihm das auch mit dem Vorkriegs-Lemberg, dessen Atmosphäre glaubwürdig eingefangen ist. Krajewskis neuer Krimi ist wie gewohnt spannend und es fehlt auch nicht die drastische Schilderung der Verbrechen, die nichts für sanfte Gemüter ist.

Da Krajewski nicht Wort gehalten hat und Eberhard Mock nun doch wieder im Krimi vorkommt, kann man nicht sicher sein, ob dies nun tatsächlich der endgültige Abschied von Eberhard Mock war.

Marek Krajewski, 1966 geboren, ist Altphilologe und war Dozent an der Universität Breslau. Seit 2007 konzentriert er sich ganz auf seine Tätigkeit als Schriftsteller. Er lebt in Breslau. Seine Krimiserie mit dem Antihelden Eberhard Mock ist in Polen und inzwischen auch in Deutschland sehr erfolgreich, die Romane wurden in Polen u.a. als Krimi des Jahres und mit dem Paszport Polityki-Preis ausgezeichnet. In Deutschland wurden sie mehrmals auf die KrimiWelt-Bestenliste gewählt.

Finsternis in Breslau von Marek Krajewski ist bei dtv erschienen.
(JK 06/12)

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