Andreas Martin Widmann erhält den Mara-Cassens-Preis für sein Romandebüt "Die Glücksparade"


Literaturhaus
Donnerstag, 10.01.2013  19.30 Uhr
Schwanenwik 38, 22087 Hamburg
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Verleihung des Mara-Cassens-Preises an Andreas Martin Widmann für den besten deutschsprachigen Debütroman des Jahres 2012 wird ausgezeichnet.

Für sein Romandebüt Die Glücksparade, erschienen im Rowohlt Verlag, erhält der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Andreas Martin Widmann den mit 15.000 Euro dotierten „Mara-Cassens-Preis für den ersten Roman” des Literaturhauses Hamburg. Der nach seiner Stifterin benannte Preis wird seit 1970 vergeben. Der Mara-Cassens-Preis ist der bundesweit höchstdotierte Literaturpreis für ein deutschsprachiges Romandebüt.

In seinem ersten Roman erzählt Widmann von Simon: Das Ende der Welt heißt „Ferienanlage Aue“ und liegt an einem toten Flussarm, hinter einem Bauzaun. Dort strandet der 15-Jährige mit seinem ewig optimistischen Lebenskünstler-Vater, der – einem Don Quixote des 21. Jahrhunderts gleich – erneut ein unfehlbares Ding am Start hat. Seine Mutter hat wieder eine Umschulung vergeigt, mit dem Rauchen angefangen und guckt Löcher in die Luft. „Platzwart“ heißt der neue, der keiner-weiß-wie-vielte Job des Vaters, der die ganze Kleinfamilie in ihr neues Zuhause, einen Zwei-Zimmer-Küche-Bad-Wohncontainer auf eine Art Trailerpark katapultiert. Doch auf 29 Quadratmetern hat die Pubertät nur wenig Raum, und so strolcht Simon über den Platz, um den Geschichten der anderen vom Leben Gebeutelten zu lauschen: Die Teildesjahresbewohner des Campingplatzes heißen Klaus und Petra, Horst und Aleki oder auch ,Bubi’ Scholz. Sie haben blonde Dauerwellen und platte Hintern, abgebrochene Maurerkarrieren oder Töchter, die bald eine eigene Fernsehshow bekommen sollen. Irgendwann, so sind sich alle sicher, machen sie das ganz große Glück. Von dieser ganzen ziemlich jammervollen Bagage erzählt Andreas Martin Widmann mit so viel Herz und Mitgefühl, mit einer präzisen Beobachtungsgabe und sehnsüchtigen Traurigkeit, so dass man sofort wieder weiß, warum diese „Melancholia pubertiensis“ eine so hartnäckige Krankheit ist.

Die Jury, bestehend aus 15 Mitgliedern des Literaturhaus Hamburg e.V., begründete ihre Entscheidung so: „Mit sparsamer, gelassener und vor allem einfühlsamer Sprache schildert Andreas Martin Widmann die kleine Welt der Abgestiegenen und damit ein Milieu, zu dem die wenigsten Zugang haben. In der schlichten und dadurch kraftvollen Erzählweise liegt die literarische Größe des Romans. Es ist eine leise Schilderung des Erwachsenwerdens in prekären Verhältnissen, auf der schmalen Bühne eines Campingplatzes. Wie der junge Held Simon sich selbst am Schopfe der Perspektivlosigkeit packt und wieder Hoffnung zu schöpfen vermag, gehört zu den großen Leseerlebnissen des Jahres 2012. Andreas Martin Widmann ist ein Meister der Empathie.”

Andreas Martin Widmann ist Jahrgang 1979 und promovierter Literaturwissenschaftler. Neben Ausflügen in die literarisch schreibende Zunft in Zeitschriften wie Edit, Am Erker und Sprache im technischen Zeitalter hat er vor allem wissenschaftlich veröffentlicht. Derzeit unterrichtet er am Department of German des University College London. Für seine Arbeit an Die Glücksparade hat er zahlreiche Stipendien gewonnen und wurde für das Manuskript 2010 mit dem Robert-Gernhardt-Preis ausgezeichnet. Andreas Martin Widmann lebt in London.

Die Glücksparade von Andreas Martin Widmann ist bei Rowohlt erschienen.
(JK 01/13)

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