Literaturhaus
Dienstag,
16.04.2013
19.30
Uhr
Schwanenwik
38, 22087 Hamburg
Eintritt:
6 – 10 Euro
Jochen
Schmidt liest aus seinem neuen Roman Schneckenmühle
vor, der bei C. H. Beck erschienen ist. Ina Hartwig moderiert.
„Maijämmi
Weiß“ und Muckefuck, Mondos, Mädchen und im Mittelpunkt der Mensch: Der Sommer
1989 ist lang und heiß, und es ist der letzte, den die Deutsche Demokratische
Republik erleben wird: Jens, der ‚kirchliche‘ Junge aus Berlin, fährt zum
letzten Mal ins Kinderferienlager Schneckenmühle. Nächstes Jahr wird er zu alt
sein. In ihm drin: Tumulte, Ängste, offene Fragen. Um ihn herum: Unsicherheit,
scheinbar normaler Ferienlageralltag mit Nachtwanderungen, Bettenbau und
Kirschenklau sowie der gefürchteten „langsamen Runde“ bei der Speisesaal-Disco.
Dauerhaft: Interesse an Peggy. Ab und zu: Erzieher, die sich über Nacht aus dem
Staub machen. In den Westen. Oder doch zu Zombies werden? Das eine wie das
andere erscheint ebenso möglich wie unmöglich. Was für ein Sommer.
In Jochen
Schmidts neuem Roman Schneckenmühle
kommt es zu einer explosiven Mischung: Schwere Pubertät trifft auf Sozialismus
im Endstadium. Was sich für Westdeutsche wie der skurrile Trip in ein exotisches
Land lesen muss, löst in Ostdeutschen eine Erinnerungsexplosion nach der
anderen aus. Wörter, Begriffe, Slang, die man zwei Dutzend Jahre nicht gedacht
und nicht vermisst hat. Meinte man – bis zur Lektüre dieses großartigen Buches,
das mit Virtuosität und Empathie die verdrehten, unter Starkstrom stehenden
Assoziationsketten eines Vierzehnjährigen abfeuert, der ahnt, dass der Westen
mehr zu bieten haben müsste als „Müllschnitte“ und Hochglanzposter barbusiger
Damen.
Der 1970
in Berlin geborene Jochen Schmidt hat zuletzt u. a. Meine wichtigsten Körperfunktionen, Schmidt liest Proust und die Dudenbrooks
vorgelegt. Regelmäßig ist er in der Berliner Lesebühne Chaussee der Enthusiasten zu erleben. In seinem neuen Roman wird er
zum schreibenden Alltagsarchivar für ein untergegangenes Land, präzise,
verrückt und saukomisch: „‘Du glaubst an Gott?‘, fragte Wolfgang. ‚Ja.‘ ‚Das
würde ich mir abgewöhnen. Sonst entwickelt sich dein Gehirn zurück.‘“ Und das
Fazit? Pubertierende sind auch nur Menschen. Sogar, wenn sie aus der ehemaligen
DDR kommen.
Die
Veranstaltung richtet sich an Leser ab 14 Jahre.
(JK 04/13)

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