Literaturhaus
Montag,
15.04.2013
19.30
Uhr
Schwanenwik
38, 22087 Hamburg
Eintritt:
7 – 12 Euro
Peter
Buwalda stellt seinen Roman Bonita Avenue
vor, der bei Rowohlt erschienen ist. Denis Scheck moderiert, Felix Knopp liest
den deutschen Text.
Manche
trauen sich etwas. Manche schreiben Erstlinge, die sich nicht mit kleinteiliger
Nabelschau oder erotischen Bekenntnissen zufriedengeben. Manche gehen aufs
Ganze – so wie der 1971 in Brüssel geborene Niederländer Peter Buwalda, der mit
seinem Debütroman Bonita Avenue in
seiner Heimat einen sensationellen, mit mehreren Preisen gewürdigten Erfolg
feierte und enthusiasmierte Kritiker gleich an Philip Roth oder Jonathan
Franzen denken ließ.
Und in
der Tat: Dieser Roman inszeniert ein Familiendrama, das Desaster und Debakel
aneinanderreiht, wie sie selbst in der katastrophenerprobten modernen Literatur
nicht oft in solcher Ballung vorkommen. Von Kindheitsrückblicken abgesehen, erstreckt
sich Bonita Avenue von den
Siebzigerjahren bis ins Jahr 2009 und erzählt die Geschichte der Familie
Sigerius aus Enschede, die am Ende in ihre Einzelteile zerfällt. Siem Sigerius
heißt der vitale Clanhäuptling, der, nachdem er anfangs als Judoka auf den
Spuren der niederländischen Olympiahelden Geesink und Ruska wandelte, als
Mathematiker brilliert, zum Universitätsrektor aufsteigt und es bis zum
Wissenschaftsminister bringt. In zweiter Ehe ist er mit der Möbelbauerin Tineke
verheiratet, deren beiden Kinder, die Mädchen Joni und Janis, er wie seine
eigenen behandelt. Doch die Bilderbuchfamilie existiert nur in der
Vergangenheit, damals als sich die frisch Verheirateten nach Kalifornien
aufmachten, genauer: nach Oakland in die Bonita Avenue, wo man die „beste,
glücklichste und sorgenfreiste Zeit” verlebte. Als Siems Sohn aus erster Ehe
aus dem Gefängnis entlassen wird und Siem durch Zufall erfährt, woher seine
Tochter ihren plötzlichen Reichtum bezieht, überschlagen sich die Ereignisse.
„Das
Metapherntreibhaus des Romanstils versetzt den Leser in eine süchtig machende
Sprachtrance. Man reibt sich alle fünfzig Seiten die Augen. Das hier soll ein
Debütant geschrieben haben?”, so „Die Zeit”.
(JK 04/13)

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