Literaturhaus
Dienstag,
20.08.2013
19.30
Uhr
Schwanenwik
38, 22087 Hamburg
Eintritt:
9 – 12 Euro
Alex
Capus liest im Literaturhaus aus seinem Roman Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer, der bei Hanser
erschienen ist. Sandra Kegel moderiert.
Einmal
könnten sie einander tatsächlich begegnet sein: im November 1914 auf dem
Zürcher Hauptbahnhof. Ausgehend von diesem möglichen Zusammentreffen schafft
Alex Capus in seinem neuen Roman Der
Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer ein faszinierendes Zeitpanorama
des 20. Jahrhunderts, in dem er den Lebensläufen dreier Menschen nachspürt, die
eher zufällig und fast gegen ihren Willen zu Schlüsselfiguren der
Zeitgeschichte wurden: Der spätere Nobel-Preisträger Felix Bloch, geboren in
Zürich, entschied sich aus Abscheu gegenüber Waffen für die Quantenphysik und
gegen den Maschinenbau. Nach der Emigration in die USA lernte er Robert
Oppenheimer kennen und arbeitete zeitweise an der Entwicklung der Atombombe
mit. Emile Gilliéron, der schon als Junge wunderbare Zeichnungen aus dem Ärmel
schüttelte, verließ das enge Villeneuve, um in die Welt hinaus zu gehen. Er
assistierte Heinrich Schliemann bei seinen Ausgrabungen, und wenn einem
minoischen Krieger auf einem Fries ein Arm oder ein Speer fehlte, so ersetzte er
diesen und prägte damit – stets am Rande der Fälschung balancierend –
entscheidend das historische Verständis einer ganzen Generation. Laura
d‘Oriano, die rebellische Tochter einer Musikerfamilie aus Smyrna, wäre so gern
eine große Sängerin geworden. Aber ihr Talent reichte nur für „Anuschka, die
Nachtigall aus Kiew” im „Chat noir” in Marseille, nachdem sie sich von ihrem
Schweizer Ehemann und den beiden Töchtern losgesagt hat. Nach Ausbruch des
Krieges ging sie als französische Spionin nach Italien.
Dem Schweizer
Schriftsteller Alex Capus, 1961 in der Normandie geboren, gelingt nach seinem
überaus erfolgreichen Roman Léon und
Louise von 2011 erneut das Kunststück, tiefgründige Recherche zu feiner
Literatur zu verspinnen, die ebenso faktengesättigt wie federleicht daherkommt.
Stets schwingt die Idee mit, so, aber auch ganz anders könne es sich zugetragen
haben: „Es wäre ein Zufall, wenn Emile Gilliéron bei der Ausfahrt aus dem
Zürcher Hauptbahnhof das Mädchen und den Burschen wahrgenommen hätte, aber ich wünsche
es mir.” Sein Helden-Trio, beinahe zu Fußnoten in der Geschichte
heruntergekürzt, wird durch Capus zu prototypischen Vertretern eines
Jahrhunderts mit all seinen Widersprüchen. Denn: Es sind nicht die
Entscheidungen, die ein Menschenleben formen. Es sind die Zufälle.
Der
Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer von Alex
Capus ist bei Hanser erschienen.
(JK 08/13)

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