Antonio Muñoz Molina: Die Augen des Mörders (btb)

Bereits 1997 schrieb der spanische Autor Antonio Muñoz Molina seinen Roman Die Augen des Mörders, der nun bei btb erschienen ist. Für diesen Roman erhielt er 1998 den renommierten französischen Literaturpreis Prix Femina Étranger.

Tag und Nacht lief er durch die Stadt, auf der Suche nach einem Blick. Nur für diese Aufgabe lebte er...
Der Sexualmörder schlägt bei Vollmond zu. Sein jüngstes Opfer: ein zehnjähriges Mädchen. Vom Täter finden sich Kippen, Blut und Schamhaare. Der Inspektor sucht ihn mit der Besessenheit eines Mannes, der ein persönliches Unglück kompensieren muss. Denn er ist neu in der kleinen südspanischen Stadt, seine Kollegen betrachten den einstigen Spitzel in Francos Diensten mit Argwohn, und seine Frau ist in einer psychiatrischen Anstalt weggeschlossen.

Der Roman ist nur auf den ersten Blick ein Krimi, denn der Mord und die Aufklärung sind eher der Aufhänger, um das Spannungsfeld einige der Protagonisten, die durch den Mord betroffen sind, genauer herauszuarbeiten. Da ist in erster Line der Ermittler, aber auch der Lehrer, der Priester, der Mörder und schließlich das Opfer. Zu Beginn richtet der Autor seinen Blick von außen auf die Betroffenen und die Figuren bleiben in Grautönen. Langsam öffnen sie sich und wir sehen ihr inneres Licht und Fülle. Jeder der Protagonisten hat eine Hintergrundgeschichte, die für sich ein Stück spanisches Leben wiederspiegelt, insbesondere das Leben unter dem franquistischen Terror, unter faschistischer Herrschaft.

Die Geschichte entwickelt sich langsam, Muñoz Molina wechselt zwischen den Sichtweisen der Protagonisten. Und doch plötzlich ohne Vorwarnung findet man sich im Kopf des Mörders wieder. Wenn man anfangs dachte verstehen zu wollen, was einen Menschen zu einer so niederträchtigen Tat verleitet, so will man plötzlich nur noch aus dem Kopf des Mörders entschwinden, denn die Welt aus der Sicht seiner Augen ist kaum erträglich. Aber Molina lässt nicht locker und zieht einen immer wieder in diese dunkle Welt. Im scharfen Gegensatz dazu zeigt er dann die Schönheit und Unschuld des Mädchens und was von ihr übrig blieb. Die Augen des Mörders ist ein verdammt gutes Buch, doch es braucht Zeit, um es zu verdauen, viele Schichten und Winkel öffnet Muñoz Molina abseits des Mordes.

Antonio Muñoz Molina wurde 1956 im andalusischen Úbeda geboren. Sein belletristisches Werk ist vielfach preisgekrönt; so wurde er beispielsweise gleich zwei Mal mit dem spanischen Staatspreis für Literatur ausgezeichnet. 1995 wurde er in die Königlich Spanische Akademie für Sprache und Dichtung aufgenommen. Muñoz Molina lebt derzeit in Madrid und New York City, wo er bis 2006 das Instituto Cervantes leitete.

Die Augen des Mörders von Antonio Muñoz Molina ist bei btb erschienen.
(JK 08/12)

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