Literaturhaus
Mittwoch,
04.09.2013
19.30
Uhr
Schwanenwik
38, 22087 Hamburg
Eintritt:
6 – 10 Euro
Terézia
Mora stellt ihren neuen Roman Das Ungeheuer vor, der bei Luchterhand erschienen
ist. Hubert Spiegel moderiert.
Darius
Kopp, Hauptfigur in Terézia Moras viel gerühmtem Roman Der einzige Mann auf dem Kontinent aus dem Jahr 2009, meldet sich
zurück. Mit dem unter Asthma und Übergewicht leidenden Mittvierziger Kopp hatte
Mora damals eine hoch originelle Figur geschaffen, die binnen kürzester Zeit
alle privaten und beruflichen Sicherheiten verlor: In einer September-Woche des
Jahres 2008 verließ ihn seine wie die Autorin aus Ungarn stammende Gefährtin
Flora, und sein lukrativer, wenngleich rätselhafter Job bei der US-Firma
Fidelis Wireless schien sich in Luft aufzulösen. Genau dort knüpft Terézia
Moras neuer Roman Das Ungeheuer an.
Kopps Leben ist inzwischen gänzlich aus den Fugen geraten: Flora hat sich im
Wald erhängt; der verzweifelte Darius ist arbeits- und mittellos, verschanzt
sich monatelang zwischen Kaffeepulverdosen und Pizzaschachteln in seiner
Wohnung und erwacht erst zu neuem Leben, als er sich aufmacht, Floras Wunsch zu
erfüllen und ihre Asche zu verstreuen. Von diesem Vorhaben beseelt, reist er
quer durch Osteuropa: Ungarn, Albanien, Georgien, die Türkei und Griechenland
sind Stationen seines abenteuerlichen Trips.
Anders
als im vorangegangenen Roman belässt es Mora jedoch nicht dabei, die Geschichte
ihres in die Krise geratenen Helden vergleichsweise linear auszubreiten. Das Ungeheuer ist ambitionierter und
verlangt von seinen Lesern einen Kraftakt: Rund zwei Drittel der knapp 700
Seiten sind zweigeteilt und geben in der unteren Hälfte Dateien wieder, die
Darius auf Floras Laptop gefunden hat: Diese versammeln, kunterbunt gemischt,
unterschiedlichste Texte Floras: Gedichte, Kindheitsszenen, Erinnerungen an
erniedrigende männliche Übergriffe, Übersetzungsproben aus Floras Werkstatt,
Befindlichkeitsprotokolle, ärztliche Ratschläge und wissenschaftliche
Auseinandersetzungen mit jener Krankheit, an der Flora wohl zugrunde ging: der
Depression. Eine Herausforderung, ein provokanter Roman wie es in diesem Herbst
kaum einen zweiten gibt, ein formales Experiment, dessen Risiko sich auszahlt.
Terézia
Mora wurde 1971 in Sopron, Ungarn, geboren. Sie lebt seit 1990 in Berlin und
gehört zu den renommiertesten Übersetzerinnen aus dem Ungarischen. 1999 sorgte
sie mit ihrem literarischen Debüt, dem Erzählungsband Seltsame Materie, für Furore. Für diese Erzählungen wurde sie mit
dem Open-Mike-Literaturpreis, dem Ingeborg-Bachmann-Preis (1999) und dem
Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis (2000) ausgezeichnet. 2004 erschien der Roman
Alle Tage, der ausnahmslos von der
Kritik gelobt wurde und großen Anklang bei den Lesern fand. Für den Roman
erhielt sie den Mara-Cassens-Preis für das beste Roman-Debüt des Jahres, den
Kunstpreis Berlin, den LiteraTour-Nord-Preis und den Preis der Leipziger
Buchmesse.
Das
Ungeheuer von Terézia Mora ist bei Luchterhand erschienen.
(JK 09/13)

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