Imraan Coovadia: Gezeitenwechsel (Wunderhorn)


Der Roman Gezeitenwechsel des südafrikanischen Autors Imraan Coovadia, der bei Wunderhorn erschienen ist, ist ein Parforceritt durch die Seele Südafrikas, eines Landes im Umbruch.

Der gewaltsame Tod ihres Ehemannes, des indischen Arztes und Virologen Arif, führt Nafisa in eine Welt, in der illegaler Organhandel, Erpressung und pseudowissenschaftliche Debatten zur Realität geworden sind. Nafisa begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit in ein „spiegelverkehrtes“ Land, entdeckt dabei die sozialen und politischen Eruptionen im heutigen Südafrika mit seinen Widersprüchen und Enttäuschungen und kämpft, selbst Ärztin, mit archaischen Vorstellungen von Leben und Tod, von Triumph und Scheitern, von Schweigen und Schuld.

Krimis von südafrikanischen Autoren stehen hoch im Kurs bei deutschen Lesern – zu Recht wie man anmerken muss. Umso schöner ist es, dass deutsche Verlage auch wagen, südafrkanische Autoren zu übersetzen, die nicht unbedingt diesem Genre angehören wie Zakes Mda oder Damon Galgut. Dieses Mal gilt der Dank dem kleinen aber überaus feinen Verlag Wunderhorn, uns den Autor Imraan Coovadia zu erschließen. Um es vorweg zu nehmen: es hat sich gelohnt. Der Roman Gezeitenwechsel ist ein spannendes Porträt der südafrikanischen Gesellschaft, die sich strammen Schrittes im Rückwärtsgang befindet. Der Autor hat dies mittlerweile relativiert, da in den vergangenen drei Jahren durchaus hoffnungsvolle Dinge passiert sind, den Roman hingegen prägt eine ausgesprochen Depression ob der verratenen Ideale. Besonders eindringlich ist die beklemmende Stimmung auf den AIDS-Stationen, wo Ärzte hin- und hergerissen sind den Opfern zu helfen und dabei ständig der Gefahr ausgesetzt zu sein sich anzustecken. Zwar gibt es auch in Coovadias Roman einen Mord, der die Handlung antreibt, aber es geht Coovadia nicht um die Schilderung der Aufklärung. Coovadias Absicht, ist der Niedergang einer Familie in Südafrika zu dokumentieren, gleich bedeutend für ein Land, das im Begriff ist, vor die Hunde zu gehen.

Imraan Coovadia ist in Durban, Südafrika geboren, studierte in Yale, lebte abwechselnd in New York und Durban und lehrt heute an der University of Cape Town Literaturwissenschaft und Creative Writing. Für seinen dritten Roman High Low In-Between aus dem Jahr 2009, der nun erstmals auf Deutsch erscheint, erhielt er 2010 den University of Johannesburg Prize und den Sunday Times Fiction Prize. Der Autor war im Juni 2011 Stipendiat der Stiftung kunst:raum sylt quelle.

Gezeitenwechsel von Imraan Coovadia ist bei Wunderhorn erschienen.
(JK 11/11)

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