Marente de Moors zweiter Roman Die niederländische Jungfrau, der bei Suhrkamp erschienen ist, führt in die Jahre zwischen
die Weltkriege. Sie erzählt von einer jungen Frau, die versucht, eine
rätselhafte Beziehung ihres Vaters zu verstehen.
Sommer 1936. Janna, eine junge Fechterin, soll bei
einem alten Freund ihres Vaters Jacq in die Lehre gehen. Von Maastricht aus reist
sie über die Grenze nach Aachen. Hier lebt – verwundet und verbittert
zurückgekehrt aus dem 1. Weltkrieg – Egon von Bötticher, ein wahrer Meister
seiner Kunst. Auf einem einsamen Landgut, das er mit eiserner Hand regiert,
unterrichtet er zwei Zwillingsbrüder und organisiert blutige Duelle für
Studenten. In diese eigenartige Welt gerät Janna, deren Abneigung gegen den
narbenübersäten Egon schon bald in Verliebtheit umschlägt. Welches Geheimnis
aber gibt es zwischen ihm und ihrem Vater? Auf der Suche nach Antworten findet
sie von Jacq an Egon adressierte Briefe und gerät immer tiefer hinein in die
Rätselhaftigkeit des Vergangenen. Nach und nach bricht die Außenwelt in das
Landgut ein, und es kommt zu einer dramatischen Auflösung.
Marente de Moors erzeugt gewaltige Bilder in ihrem
Roman. Sie schreibt über eine Zeit im Umbruch und entsprechend ist auch ihre
Heldin eine Person im Umbruch. Einfühlsam beschreibt sie Jannas Weg auf dem
Landgut und zeigt die Strenge einer Welt im Untergang. Marente de Moor schreibt
ohne Längen, man folgt der Heldin gerne, das sie umgebende Rätsel zu lüften.
Marente de Moor, geboren 1972, lebte nach ihrem
Studium der Slawistik mehrere Jahre in St. Petersburg, wo sie
Theaterwissenschaft studierte und als Korrespondentin für De Groene Amsterdammer
arbeitet.
Die niederländische Jungfrau von Marente de Moor ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 12/11)

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