Abdellah Taïa: Der Tag des Königs (Suhrkamp)


Lange mussten wir auf eine Übersetzung eines der Bücher des marokkanischen Autors Abdellah Taïa ins Deutsche warten. Bei Suhrkamp ist nun sein Buch Der Tag des Königs erschienen.

An der Straße von Rabat nach Salé wartet eine Menschenmenge auf die Ankunft Hassans II., des Königs von Marokko. Mitten darin zwei Jungen. Khalid stammt aus einem herrschaftlichen Haus im reichsten Viertel der Stadt, Omar aus der armen Vorstadt. Dennoch sind sie unzertrennlich. Omar liebt Khalid, den feingliedrigen Jungen mit der zarten Haut und den überspannten Ideen. Und Khalid Omar, der mit seinen vierzehn Jahren schon die Verantwortung für seinen Vater trägt. Der ist wie ein kleines Kind, seit Omars Mutter die Familie verlassen hat. Doch unter dieser Beziehung der beiden ungleichen Jungen lauern Abgründe. Und jetzt ist überdies Khalid ausgewählt, als reichster und bester Schüler der Klasse dem König die Hand zu küssen. Er hat Omar nichts davon gesagt. Dieser Verrat lässt die Kluft zwischen beiden aufbrechen – und verlangt ein Opfer.

In Abdellah Taïas bisherigem, autobiographisch geprägten Werk spielt „sein“ Marokko, sein Heimatort Salé und insbesondere der Stadtteil Hay-Salam eine wichtige Rolle. Er enthüllt die Dinge, die in Marokko bisher eher verschwiegen bleiben. In ihrer Wahrheit, Transparenz und – paradoxerweise – ihrer Bescheidenheit liegt die Stärke seiner Texte. Er zeichnet ein intimes und doch allgemein gültiges Bild von Marokko. In seinem neuesten Buch ist Abdellah Taïa dieses Mal nicht der Protagonist, dennoch gibt er zu Protokoll, dass viel persönlich Erlebtes in seinem Roman Platz gefunden hat. Der Autor schuf eine herausragende Geschichte mit poetischen Dialogen. Er kombiniert auf surreale Weise westliche Einflüsse mit der arabischen Literatur.  Sein Roman ist wie ein Gedicht in Prosaform und eine politische Fabel zugleich, mit dem der Autor sein erzählerisches Talent eindrucksvoll bestätigt. Lakonisch, dramatisch, mit kunstvoller Theatralik erzählt er, wie Liebe umschlägt in Gewalt unter einem von sozialer Ungleichheit und Tabus geprägten despotischen Regime.

Abdellah Taïa, 1973 in Rabat geboren, lebt seit 1999 in Paris. Mit seinen vielbeachteten Romanen Une mélancolie arabe (2008), und L’armée du salut (2006) und seinem öffentlichen Bekenntnis zu seiner Homosexualität durchbrach er ein Tabu der arabischen Welt.


Der Tag des Königs von Abdellah Taïa ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 06/12)

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