Pünktlich zur Euro 2012
in der Ukraine und Polen hat der
Suhrkamp Verlag eine Sammlung von Portraits herausgegeben unter dem Titel Totalniy
Futbol, für die der ukrainische Autor Serhij Zhadan verantwortlich
zeichnet.
Wie Ufos sehen sie aus,
die gigantischen Stadien, die im hintersten Osten der Ukraine von
milliardenschweren Oligarchen errichtet werden. Hier liegt die Machtbasis von
Präsident Janukowitsch, der das Land derzeit in die autoritäre Vergangenheit
zurückkatapultiert. Die Fußballeuropameisterschaft 2012 wird die Aufmerksamkeit
der Weltöffentlichkeit auf Länder richten, die sich in einem tiefgreifenden
Transformationsprozess befinden. Vier polnische und vier ukrainische Autoren
porträtieren die acht Austragungsorte – Breslau, Danzig, Posen, Warschau,
Lemberg, Kiew, Charkiw, Donezk – und erzählen, wie sich dieser dramatische
Wandel auf ihr Leben, auf den Fußball und auf die Städte ausgewirkt hat, in
denen sie zu Hause sind.
Die Portraits in diesem
Band sind erfreulich unterhaltsam, geben gute Einblicke und lohnen sich zu
lesen. Die Geschichten streichen die Bedeutung des Fußballs in Bezug auf
politische und gesellschaftliche Entwicklungen in beiden Ländern heraus. Neben
dem schonungslosen Benennen der Defizite, kommt aber auch ein augenzwinkernder
Humor nicht zu kurz. Das Buch ist nicht nur auf das bevorstehende
Fußballereignis relevant, es bleibt auch darüber hinaus eine wertvolle
Bestandsaufnahme des aktuellen Zustands der beiden Länder.
Serhij Zhadan, 1974 im
Gebiet Luhansk/Ostukraine geboren, studierte Germanistik, promovierte über den
ukrainischen Futurismus und gehört seit 1991 zu den prägenden Figuren der
jungen Szene in Charkiw.
Totalniy Futbol von Serhij
Zhadan ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 06/12)

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