Sechzig Jahre
Bundesrepublik lässt Ralph Dohrmann in seinem bei Ullstein erschienenen Roman Kronhardt
revue passieren.
In der Maschinenstickerei
Kronhardt&Sohn rattern nach dem Krieg die Maschinen, als wäre nichts
gewesen. Willem, einziges Kind der Firmenerbin, wächst unter der strengen
Kontrolle von Mutter und Stiefvater auf. Früh geht er auf Distanz, sucht seine
Freiheit auf ausgedehnten Ausflügen in die Natur und in der Begegnung mit ganz
unterschiedlichen Menschen. In bewegenden Bildern und einprägsamer Sprache
erzählt dieser große deutsche Entwicklungsroman über sechzig Jahre Leben in der
Bundesrepublik. Kapitel für Kapitel öffnet sich ein Kosmos aus Ereignissen,
Erinnerungen und Blickwinkeln, in dessen Zentrum die Suche des Menschen nach
sich selber steht.
Um es vorweg zu sagen,
auf den Debütroman von Ralph Dohrmann muss man sich als Leser einlassen können.
In Dohrmanns Roman tritt anfangs eine regelrechte Verlangsamung ein und am Ende
eine Beschleunigung. Der Kindheit und Jugend des Helden Kronhardt sind als
erster Teil allein 600 Seiten gewidmet. Im zweiten Teil kommen dann sogar
krimihafte Züge in diesen Entwicklungsroman. Es ist ein ungewöhnlicher Stil,
den der Autor wagt, mit Elementen der Romantik und des phantastischen
Realismus. Die Leserschaft wird sich daran reiben und sich garantiert teilen.
Der Autor hat einen tiefsinnigen Roman geschrieben mit einer interessanten
Sicht auf die aus der Nachkriegsära entstandene Bundesrepublik.
Ralph Dohrmann, 1963 in
Bederkesa geboren, wuchs in Bremen auf. 1998 veröffentlichte er unter dem Titel
Perros/Hunde. Erzählungen aus Mexiko und einer unglaublichen Wirklichkeit
seinen ersten Band mit Erzählungen. Für das vorliegende Romanprojekt erhielt er
ein Stipendium des Deutschen Literaturfonds e.V.
Kronhardt von Ralph Dohrmann ist bei Ullstein erschienen.
(JK 12/12)

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