Sonntag

P.B. Vauvillé: Dunkle Nächte auf Montmartre (Hoffmann und Campe)

Paris im August: die Stadt glüht, die Einwohner fliehen, Touristen drängen sich auf dem Montmartre. Da wird im Cabaret von Moulin, genannt der Rote, die Leiche einer jungen Frau gefunden. Auf den ersten Blick scheint es sich um Daphné zu handeln, die kapriziöse Sängerin und einzige Frau in Moulins Transvestiten-Cabaret. Doch die Tote hat sich nur als Daphné verkleidet. Moulin gerät unter Verdacht und beauftragt seinen Freund Quentin, der eigentlich Gitarrist ist, aber das Viertel kennt wie seine Hosentasche, mit den Ermittlungen. Quentin stößt auf ein Geflecht aus Lügen und Eifersucht: Im Cabaret hat jeder etwas zu verbergen.

Der Krimi lebt von seiner bunt zusammengewürfelten Schar verschiedenster Charaktere, was anfangs etwas unübersichtlich daherkommt und dem Leser etwas Konzentration abverlangt. Doch ist es nicht so, dass hier absolute Hochspannung von einem Effekt zum nächsten sprintet. Es handelt sich um einen Krimi im britischen Stil à la Agatha Christie mit einem gemütlichen aber hartnäckigen Ermittler, der nicht als solcher eigentlich tätig ist und dennoch von allen Seiten bereitwillig mit Informationen versorgt wird. Alles in allem ein atmosphärischer Krimi mit viel Charme.

P.B. Vauvillé ist das gemeinsame Pseudonym von Bertina Henrichs und Philippe Vauvillé. Bertina Henrichs wurde 1966 in Frankfurt am Main geboren. Sie studierte Literatur- und Filmwissenschaft und lebt seit langem in Paris, wo sie als Schriftstellerin und Filmemacherin arbeitet. Philippe Vauvillé ist Musiker, Drehbuchautor, Regisseur und Dokumentarfilmer.

Dunkle Nächte auf Montmartre von P.B. Vauvillé ist bei Hoffmann und Campe erschienen.
(JK 08/18)

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