Daniel Silva: Der Oligarch (Pendo)

In Daniel Silvas neuem Thriller Der Oligarch, erschienen bei Pendo, bedroht eine internationale Intrige die Welt, und zwei erbitterte Feinde stellen sich dem tödlichen Duell.

Wyschaja mera: das unbezeichnete Grab – für die Russen die höchste Form der Bestrafung von Verrätern. Das ist das Erste, woran Geheimagent Gabriel Allon denkt, als ihn die Nachricht vom Verschwinden des Überläufers und Dissidenten Grigorij Bulganow erreicht. „Versprechen Sie mir, dass ich nicht in einem unbezeichneten Grab enden werde!“, hatte dieser einst zu ihm gesagt. Der britische Geheimdienst geht davon aus, dass es sich bei Bulganow um einen Doppelagenten handelt. Doch Allon ahnt, dass hier etwas anderes als politische Interessen eine Rolle spielt, dass es um etwas viel Gefährlicheres, Unberechenbareres geht: um gnadenlose blutige Rache. Als wenig später Allons Frau Chiara entführt wird, sieht er seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Ein atemloser Wettlauf gegen die Zeit beginnt. In den tief verschneiten Wäldern nordöstlich von Moskau trifft Gabriel Allon auf seinen härtesten Gegner.

Auch in diesem Buch tritt Agent Gabriel Allon so auf, wie es alle von ihm gewohnt sind. Gnadenlos jagt er die Bösen dieser Welt, die Moral ist auf seiner Seite. In  seiner Welt ist alles klar getrennt zwischen Gut und Böse. Er ist das israelische Gegenstück zum britischen Agenten 007, doch anders als Bond gibt es bei Allon kein augenzwinkerndes Aufräumen, Allon meint es ernst mit seiner Berufung. Das führt dann leider zu einem mehr oder weniger eindimensionalen Bild der Figur, und die Welt des Helden verfolgt eine klare Moral. Wäre nicht der Autor Daniel Silva, würde man nun abwinken können. Doch Daniel Silva schreibt sehr gut, er weiß, wie er den Spannungsbogen aufbaut und seine Geschichte ihren Lauf nehmen lässt. Das ist bei Agententhrillern leider nur sehr selten der Fall. So manch gut erdachter Plot wird durch das Unvermögen des Autors leicht kaputtgeschrieben. Nicht bei Silva. Dadurch dass er einen sehr angenehmen Schreibstil hat, kann man über die klischeehafte Story und ihre Moral hinweg schauen und genießt den Thriller an sich. Von dieser Warte her ist dieses Buch gute Spannungsunterhaltung.

Daniel Silva, bis 1997 Top-Journalist des CNN, verbrachte lange Jahre als Auslandskorrespondent im Nahen Osten, in Kairo und am Persischen Golf. Seit dem großen internationalen Erfolg seines Thrillers Double Cross – Falsches Spiel widmet er sich ganz dem Schreiben. Daniel Silva gehört zu den bekanntesten amerikanischen Thrillerautoren, seine Bücher wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Washington DC.

Der Oligarch  von Daniel Silva ist bei Pendo erschienen.
(JK 05/11)

Keine Kommentare: