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Fang Fang: Weiches Begräbnis (Hoffmann und Campe)

In ihrem zuerst gefeierten, dann verfemten Roman Weiches Begräbnis, der bei Hoffmann und Campe erschienen ist, rührt Fang Fang an die Traumata der chinesischen Seele.

Als Weiches Begräbnis 2016 in China erscheint, wird der Roman als wichtigstes chinesisches Werk der letzten Jahrzehnte gefeiert und mit dem renommierten Literaturpreis Lu Yao ausgezeichnet. Doch als bei einer Parteizusammenkunft der Roman mit dem Vokabular der Kulturrevolution als „Giftpflanze“ verbrämt wird, verschwindet das Buch vom Markt. Denn Fang Fang rührt darin an ein unverarbeitetes Trauma der chinesischen Gesellschaft, die Landreform nach 1948, als Millionen Chines*innen hingerichtet und in „weichen Begräbnissen“, d.h. ohne Sarg, verscharrt wurden.

In einem kleinen Dorf wird eine junge Frau halbtot aus einem Fluss gezogen, sie erinnert sich an nichts. Der Dorfarzt Dr. Wu rettet ihr das Leben, und sie beginnt ein neues: Sie wird Haushälterin des KP-Kaders vor Ort, heiratet ihren Retter Dr. Wu, und sie bekommen einen Sohn. Doch im Laufe der Jahre löst sich der schützende Kokon des Vergessens. Sie sind verdammt zu schweigen, denn das Schweigen schützt die Familie: auch dafür steht „weiches Begräbnis“, die Erinnerung so tief zu begraben, dass gefährliches Wissen für immer verlorengeht. Im Schatten dieses Traumas wächst ihr Sohn auf – doch alles ändert sich, als er beginnt, die Vergangenheit zu erforschen.

Fang Fangs Roman ist der Gegenentwurf zur offiziellen chinesischen Version der Bodenreform. Es ist eine berührende und feinsinnige Geschichte ohne Happy End. Sie fördert dabei viel Unbekanntes für uns im Westen zutage. Besonders schätzenswert ist das sehr aufschlussreiche Nachwort des Übersetzers.

Fang Fang ist eine der bekanntesten Schriftstellerinnen Chinas. Sie wurde 1955 geboren und lebt seit ihrem zweiten Lebensjahr in Wuhan. In den letzten 35 Jahren hat sie eine Vielzahl von Romanen, Novellen, Kurzgeschichten und Essays veröffentlicht. Stets spielten die Armen und Entrechteten in ihren Werken eine große Rolle. 2016 veröffentlichte sie den von der Kritik gefeierten Roman Weiches Begräbnis, für den sie mit dem renommierten Lu-Yao-Preis ausgezeichnet wurde.

Weiches Begräbnis von Fang Fang ist bei Hoffmann und Campe erschienen.
(JK 06/21)

Cai Jun: Rachegeist (Piper)

Der Krimi Rachegeist des chinesischen Autors Cai Jun ist die Geschichte vom perfekten Mord, atemberaubend und unfassbar originell vor der Kulisse des modernen China.

„Alles ändert sich, wenn man jemanden getötet hat. Man lebt den Rest seines Lebens in Angst.“

19. Juni 1995 im Osten Chinas: Shen Ming, junger und brillanter Lehrer an einem Gymnasium, wird verdächtigt, eine seiner Schülerinnen getötet zu haben. Einige Tage später aber wird auch er in einem alten Fabrikgebäude unweit seiner Schule erstochen. Die Taten bleiben ungesühnt – bis neun Jahre später Shen Mings Mörder ins Reich der Toten geschickt werden. Nur: von wem? Unmittelbar verbreitet sich das ungeheuerliche Gerücht, dass Shen Ming an diesen Mordfällen beteiligt war, dass er den Fluss des Todes überquert hat, um sich selbst zu rächen.

Einen spannenden Rachethriller hat Cai Jun geschrieben, den man gefesselt Seite um Seite folgt. Es wird eine unglaubliche Intrige in der Geschichte enthüllt, die nebenbei viele Einblicke in die chinesische Gegenwart liefert. Zusätzlich zu den Krimielementen bietet sie eine gehörige Portion Mystery und auch eine Liebesromanze findet Platz. Insgesamt ein stimmiges Bild, das Lust macht auf mehr von diesem Autor zu lesen, der von eineigen schon als der chinesische Stephen King gefeiert wird.

Cai Jun, 1978 in Shanghai geboren, schreibt seit seinem zwanzigsten Lebensjahr. Sein außergewöhnliches Gespür für Spannung und sein unerschöpflicher Einfallsreichtum machen ihn zu einem der erfolgreichsten Thrillerautoren seines Landes mit 13 Millionen verkauften Exemplaren seiner Bücher. Sein Werk umfasst bis heute mehr als 30 Romane und Thriller, die in großer Zahl für Fernsehen und Kino adaptiert wurden.

Rachegeist von Cai Jun ist bei Piper erschienen.
(JK 05/20)

Stephan Orth liest aus seinem Reisebuch Couchsurfing in China in der Thalia Buchhandlung Spitaler Strasse am Donnerstag, 14. März

Thalia Buchhandlung
Donnerstag, 14.03.2019  20.15 Uhr
Spitaler Str. 8, Hamburg
Eintritt: 12 Euro

Stephan Orth liest aus seinem Reisebuch Couchsurfing in China, das bei Piper erschienen ist.

Porträt eines Landes auf der Überholspur: Wie ticken die Menschen in China? Drei Monate lang erkundet Couchsurfer Stephan Orth das Reich der Mitte: vom Spielerparadies Macau im Süden bis nach Dandong an der Grenze zu Nordkorea, von Shanghai bis in die Krisenprovinz Xinjiang. Er besucht Hightech-Metropolen, die mit totaler Überwachung experimentieren, und abgeschiedene Dörfer, in denen fürs Willkommensessen der Hund geschlachtet wird. Er wird als Gast einer Live-Fernsehshow zensiert und tritt fast einer verbotenen Sekte bei. Dabei wird immer deutlicher, wie sich das Leben hinter den Kulissen der neuen Supermacht gestaltet, welche Träume und Ängste die Menschen bewegen: Und plötzlich wirkt das schwer durchschaubare China viel weniger fremd, als man vermutet hätte.

Stephan Orth, Jahrgang 1979, studierte Anglistik, Wirtschaftswissenschaften, Psychologie und Journalismus. Von 2008 bis 2016 arbeitete er als Redakteur im Reiseressort von SPIEGEL ONLINE, bevor er sich als Autor selbstständig machte. Für seine Reportagen wurde Orth mehrfach mit dem Columbus-Preis ausgezeichnet. Er ist Autor des Nr.1-Bestsellers Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt. Bei Malik erschienen seine Bücher Opas Eisberg und Couchsurfing im Iran: Meine Reise hinter verschlossene Türen, das Platz 4 der SPIEGEL-Bestsellerliste erreichte und dort mehr als 70 Wochen lang vertreten war. Der Nachfolger war Couchsurfing in Russland.

Couchsurfing in China von Stephan Orth ist bei Piper erschienen.
(JK 03/19)

Cixin Liu beim 10. Harbour Front Literaturfestival am Montag, 15. Oktober

10. Harbour Front Literaturfestival
Kühne Logistics University – KLU
Montag, 15.10.2018  20.00 Uhr
Großer Grasbrook 17, Hamburg
Eintritt: 14 Euro

Für die Verfilmung seiner Science Fiction-Trilogie zahlt Amazon 1 Milliarde US Dollar: Cixin Liu stellt sein Buch Der dunkle Wald vor, das bei Heyne erschienen ist. Der NDR-Journalist Christoph Bungartz führt das Gespräch mit dem Informatiker und Berater chinesischer Astronomen. Mark Bremer und Jing Bartz lesen die Texte.

Barack Obama und Denis Scheck feiern ihn, 10 Millionen verkaufte Bände in China, 300.000 Exemplare der englischen Übersetzung, Amazon investiert angeblich in die TV-Serienproduktion eine Milliarde Dollar. Er hat ein gewaltiges und visionäres Epos geschaffen: Neun Mal bereits wurde Cixin Liu mit dem Galaxy-Award ausgezeichnet. Auf Die drei Sonnen folgt nun der zweite Teil seiner Trisolaris-Trilogie: Der dunkle Wald.

Der erste Kontakt mit einer außerirdischen Spezies hat die Menschheit in eine Krise gestürzt, denn die fremde Zivilisation hat sich Zugang zu jeglicher menschlicher Informationstechnologie verschafft. Der einzige Informationsspeicher, der noch vor den Aliens geschützt ist, ist das menschliche Gehirn, weshalb das Wallfacer- Projekt ins Leben gerufen wird: Vier Wissenschaftler sollen die ultimative Verteidigungsstrategie gegen die Aliens ausarbeiten - doch können sie einander trauen?

„Kein Buch für Nerds. Ein Buch für Fans intelligenter Literatur!“ (Deutschlandfunk)

„Fast 800 Seiten voll spannender Ideen, ungewöhnlicher Wendungen und mit einem großartigen Ende.“ (Martina Kothe, NDR Kultur, Lesezeit)

Cixin Liu ist einer der erfolgreichsten chinesischen Science-Fiction-Autoren. Er hat lange Zeit als Ingenieur in einem Kraftwerk gearbeitet, bevor er sich ganz seiner Schriftstellerkarriere widmen konnte. Seine Romane und Erzählungen wurden bereits viele Male mit dem Galaxy Award prämiert. Cixin Lius Roman Die drei Sonnen wird international als ein Meilenstein der Science-Fiction gefeiert.

Der dunkle Wald von Cixin Liu ist bei Heyne erschienen.
(JK 10/18)

Xiao Bai: Die Verschwörung von Shanghai (Insel)

Im Shanghai der 30er Jaher spielt der Roman Die Verschwörung von Shanghai des chnesischen Autors Xiao Bai und ist im Insel Verlag erschienen.

An Deck des Ozeandampfers mit Kurs auf Shanghai schießt Hsueh heimlich ein Bild von einer Frau. Er ist Fotograf, sie wunderschön, nichts weiter. Ein Attentat im Hafen geschieht und die bildhübsche Ehefrau an der Seite des Opfers bleibt verschwunden. Die Spur führt in die Französische Konzession: 1931 eine zu Reichtum gekommene Enklave Frankreichs mitten in Shanghai, bevölkert von Gangstern, korrupten Polizisten, Revolutionären und Spionen. Nach den Schüssen unten am Hafen sieht Hsueh ihr Gesicht in jeder Zeitung auftauchen und er begegnet ihr zufällig in den Gassen der Französischen Konzession wieder. Er verfällt ihr hoffnungslos. Um in ihrer Nähe zu sein, wird er Teil eines doppelbödigen Spiels, als Spitzel für die Polizei, Kämpfer für die Revolution und Waffenhändler. Nur Leidenschaft allein hat in der Französischen Konzession noch niemanden vor einer Kugel bewahrt, das weiß er ganz genau…

Xiao Bai spinnt eine meisterhafte Intrige rund um ein verhängnisvolles Begehren, literarisch, spannend, atmosphärisch an einem unvergleichlichen Ort voller Reize und Intrigen. Den Roman kann man als bilder- und detailversessener Abenteuer- und Spionageroman lesen, in dem jeder Geruch, jeder Straßenzug und jedes Hotelbett exakt rekonstruiert wirkt, so schreibt Tobias Gohlis in der Zeit. Viele Akteure und Nebenakteure bevölkern die Szenerie und die chinesischen Namen sind für ungeübte Leser schwierig. Doch hierfür gibt es am Buchende ein Personenverzeichnis, mit dem man in der Spur bleibt.

Xiao Bai, geboren 1968 in Shanghai, ist Autor von mehreren Romanen und Essaybänden. Sein Werk ist mehrfach ausgezeichnet (u. a. mit dem Literaturpreis Shanghai 2013). Für Die Verschwörung von Shanghai recherchierte er lange Zeit in den Archiven der Stadt, der Roman ist sein erstes Buch in deutscher Übersetzung.

Die Verschwörung von Shanghai von Xiao Bai ist bei Insel erschienen.
(JK 12/17)

Qiu Xiaolong: Schakale in Shanghai (dtv)

Der Krimi Schakale in Shanghai  des chinesischen Autors Qiu Xiaolong, erschienen bei dtv, erzählt von einer gefährlichen Ermittlung in eigener Sache und ist der achte Fall für Inspektor Chen.

Gerechtigkeit geht Oberinspektor Chen vom Sonderdezernat in Shanghai über alles, auch über die Parteidisziplin. Doch er hat den Bogen wohl überspannt und wird „weggelobt“. Das berufliche Abstellgleis scheint seinen Feinden allerdings nicht zu genügen. Bei Chens Ermittlungen zu einem toten Amerikaner und einem verschwundenen ranghohen Kader explodiert sein Dienstwagen, und seine neue Bekannte wird Opfer eines Mordanschlags. Chen steht vor der gefährlichsten Untersuchung seines Lebens.

Chen wird sympathisch beschrieben, ist poetisch und philosophisch veranlagt und durch und durch unbestechlich in einem Land, das die Ehrlichen nicht belohnt. Düster und angespannt ist die Stimmung des Krimis, getragen von einem zarten Erzählstil, der ungewöhnlich kritisch die Gesellschaft und das politische Regime betrachtet. Die Handlung ist gut miteinander verwoben und glaubwürdig: ein intelligenter Krimi in exotischer Kulisse.

Qiu Xiaolong, 1953 in Shanghai geboren, arbeitet als Übersetzer, Lyriker und Literaturkritiker. 1988 reiste er in die USA und kehrte nach dem Massaker am Tiananmen-Platz nicht nach China zurück. Seit 1994 lehrt er an der Washington University St. Louis chinesische Literatur und Sprache.

Schakale in Shanghai von Qiu Xiaolong ist bei dtv erschienen.
(JK 03/18)

Bi Feiyu: Sehende Hände (Blessing)

Bei Blessing ist von dem chinesischen Autor Bi Feiyu sein preisgekrönter Roman Sehende Hände erschienen.

Als der blinde Masseur Wang Daifu mit einer Freundin, aber mittellos und ohne Perspektive in seine Heimatstadt Nanjing zurückkehrt, kann er bald Hoffnung schöpfen: Sein alter Freund von der Blindenschule, der ehrgeizige, belesene Sha Fuming, heuert ihn als Therapeuten in seinem Tuina-Massagesalon an. Abends schlafen Wang und seine Freundin im nahe gelegenen Wohnheim, in dem alle Mitarbeiter nächtigen, Frauen und Männer getrennt. Geschichten von Liebe, Freundschaft und Eifersucht entspinnen sich rund um die Mitarbeiter, zu denen nun auch noch Du Hong stößt, die eigentlich Pianistin werden wollte und von großer Schönheit ist. Für Wang aber reißen die Sorgen nicht ab: Kaum verdient er wieder Geld, muss er für seinen Bruder alles riskieren, da dieser sich erpressbar gemacht hat.

25 Jahre hat Bi Feiyu recherchiert und das Thema der blinden Masseure mit sich herumgetragen, bevor er sich an diesen Roman wagte, der den Leser mit seinen plastischen und berührend beschriebenen Verwicklungen in das Leben im modernen China hineinzieht. Das Drama, der Humor und die gesamte Anziehungskraft des Romans stammen aus der Fähigkeit des Autors, die Tiefen der wirklichen Herausforderungen der Blindheit auszuloten und sie nahezu universell erscheinen zu lassen. Die Geschichten wecken Empathie – niemals Mitleid. Es mag verlockend sein, diese Erzählung als Metapher für das moderne China zu lesen, wo die Regierung den freien Fluss von Ideen und Meinungen beschränkt und dadurch die Bürger im Dunkeln hält. Doch der Roman bietet mehr als diese Vermutung. Der Roman spielt um die Jahrtausendwende, handelt von einzelnen Figuren oder auch Figurenpaaren in handlichen Kapiteln von etwa 20 Seiten, deren Geschichten so ineinandergreifen, dass ein Roman daraus entsteht. Die meisten Figuren können sich mit ihrer Blindheit auseinandersetzen – sie sogar feiern – aber wie jeder andere im modernen China auch suchen sie noch etwas mehr: Geld, Liebe oder den Status, die Frau des Chefs zu sein.

Bi Feiyu, 1964 geboren, lebt heute in Nanking. Seine Jugend verbrachte er in der Provinz Jiangsu, denn sein Vater war unter Mao als sogenannter „Rechtsstehender“ zur Landarbeit verurteilt worden. Er studierte Literatur und lehrte fünf Jahre als Dozent, bevor er journalistisch arbeitete. Bi Feiyu veröffentlichte mehrere Romane, u.a. Die Mondgöttin und wurde 1995 mit dem angesehenen Lu-Xun-Literaturpreis ausgezeichnet, 2010 erhielt er den Man Asian Literary Prize, 2011 erhielt er für Sehende Hände die höchste literarische Auszeichnung Chinas: den Mao Dun Prize. 
 
Sehende Hände von Bi Feiyu ist bei Blessing erschienen. 
(JK 08/16)

Jan-Philipp Sendker liest im Buchladen in Neugraben am Samstag, 24. September

Der Buchladen
Samstag, 24.09.2016  18.30 Uhr
Marktpassage 9, Hamburg
Eintritt: 18 Euro (Mit Sektempfang. Anschließend Canapes, Sekt, Saft, Wasser)

Jan-Philipp Sendker liest aus seinem neuen Roman Am anderen Ende der Nacht, dem 3. Teil seiner China-Trilogie, der bei Blessing erschienen ist.

Eine bewegende Geschichte über die Macht der Liebe, die Angst des Verlustes und die Kraft der Menschlichkeit: Auf einer Chinareise erleben Paul und Christine einen Albtraum: Ihr vierjähriger Sohn wird entführt. Zwar gelangt David durch glückliche Umstände wieder zu ihnen, doch die Entführer geben nicht auf, sie wollen ihn zurück. Der einzig sichere Ort für die Familie ist die amerikanische Botschaft in Peking. Aber Bahnhöfe, Straßen und Flughäfen werden überwacht. Ohne Hilfe haben sie keine Chance, dorthin zu gelangen. Wer ist bereit, ihnen Unterschlupf zu gewähren und dabei sein Leben aufs Spiel zu setzen? Wem können sie trauen?

Am anderen Ende der Nacht erzählt von Menschen, die nicht mehr viel zu verlieren haben und sich gerade deshalb ihre Menschlichkeit bewahren.

Jan-Philipp Sendker, geboren in Hamburg, war viele Jahre Amerika- und Asien-Korrespondent des Stern. Nach einem weiteren Amerika-Aufenthalt kehrte er nach Deutschland zurück. Er lebt mit seiner Familie in Potsdam. Seine Romane sind in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Mit weltweit über 3 Millionen verkauften Büchern ist er einer der aktuell erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren.

Am anderen Ende der Nacht von Jan-Philipp Sendker ist bei Blessing erschienen. 
(JK 09/16)

Liao Yiwu liest in der St. Katharinen Kirche am Mittwoch, 21. September

8. Harbour Front Literaturfestival
St. Katharinen Kirche
Mittwoch  21.09.2016   20.00 Uhr 
Katharinenkirchhof 1,  20457 Hamburg
Eintritt: 14  Euro 

Lange erwartet: Liao Yiwu stellt seinen ersten Roman Die Wiedergeburt der Armeisen vor, der bei S. Fischer erschienen ist. Laura de Weck liest die Texte, Martina Hasse und Hans-Juergen Fink führen das Gespräch mit dem Autor.

In seinem ersten Roman verwebt Liao Yiwu auf poetisch abgründige Weise die Geschichte seiner Familie mit der seines Heimatlandes China, das ihn verstoßen hat. Liao Yiwu saß im Gefängnis, in der Falle des totalitären Wahnsinns, und erfuhr Folter und Demütigung, nur weil er Gedichte schrieb. Ein tief erschütternder Roman, in dem der große Dichter Chinas zu einer neuen, überwältigenden Sprache gefunden hat. 

Liao Yiwu, geboren 1958 in der Provinz Sichuan, wuchs als Kind in großer Armut auf. 1989 verfasste er das Gedicht Massaker, wofür er vier Jahre inhaftiert und schwer misshandelt wurde. 2007 wurde Liao Yiwu vom Unabhängigen Chinesischen PEN-Zentrum mit dem Preis Freiheit zum Schreiben ausgezeichnet, dessen Verleihung in letzter Minute verhindert wurde.  2011, als sein Buch Für ein Lied und hundert Lieder in Deutschland erschien, gelang es Liao Yiwu, China zu verlassen. Seitdem lebt er in Berlin. Sein erster öffentlicher Auftritt fand im selben Jahr beim Harbour Front Literaturfestival in Hamburg statt. Liao Yiwu wurde mit dem Geschwister-Scholl-Preis und Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Die Wiedergeburt der Armeisen  von Liao Yiwu ist bei S. Fischer erschienen.
(JK 09/16)

Liu Zhenyun: Scheidung auf Chinesisch (Lübbe)

Der chinesische Autor Liu Zhenyun hat mit Scheidung auf Chinesisch einen ungewöhnlichen und gleichermaßen brillanten Roman geschrieben, der bei Lübbe erschienen ist.

Die 29-jährige Li Xuelian wird schwanger. Eine Katastrophe! Denn sie hat bereits einen Sohn von fünf Jahren – und ihr Mann arbeitet in einem staatlichen Unternehmen und hat damit quasi eine Beamtenstelle. Wer mit einem solchen Status gegen die chinesische Ein-Kind-Politik verstößt, verliert alles. Um Kind und Lebensunterhalt zu behalten, verfällt sie auf die Idee einer Scheinscheidung. Ein perfekter Plan – nur dass ihr Mann die neugewonnene Freiheit nutzt und nicht wieder Xuelian, sondern eine andere Frau heiratet.

Liu schreibt mit umgangssprachlichen Unterton, der an tratschende alte Männer erinnert, was seinen scharfen Analysen einen absurden Schwenk gibt, z.B. als er Politiker mit einer Horde Affen vergleicht, die sich um Trauben prügeln. Doch die Ausleuchtung der Motive seiner Charaktere sind sehr detailliert und leidenschaftlich vorgetragen. Tragische Momente werden durch Humor gebrochen, seine komischen Momente werden durchaus mit tragischen Elementen unterstrichen. Letztlich ist es schwer vorauszuahnen, wer auf die Schippe genommen wird: die Regierung, die mehr als Opfer denn als Bösewicht dasteht, oder der gewöhnliche Bürger, der die Politiker als um Trauben prügelnde Affen aussehen lässt. Egal von welcher Seite man die Geschichte betrachtet, Liu hat einen besonderen Roman geschrieben, der einen zum Lachen bringen kann, obwohl die Situation eigentlich zum Verzweifeln wäre. Seine Worte sind einfach aber sie bleiben in Erinnerung, lange nach dem Lesen.

Liu Zhenyun, geboren 1958, ist einer der erfolgreichsten Schriftsteller seiner Heimat China.  Von 1978 bis 1982 studierte er an der Universität in Peking chinesische Sprache und Literatur. Danach wurde er Journalist bei einer Tageszeitung für Landwirte. Im Jahr 1987 erschien dann seine erste Erzählung. Seine preisgekrönten Werke erreichen ein Millionenpublikum, mehrerer seiner Bestseller wurden in China erfolgreich verfilmt. Geschickt meistert er dabei den Spagat zwischen literarischem Anspruch, gelungener Unterhaltung und treffender Gesellschaftskritik.

Scheidung auf Chinesisch von Liu Zhenyun ist bei Lübbe erschienen. 
(JK 03/16)

Yiyun Li: Schöner als die Einsamkeit (Hanser)

Yiyun Lis neuer Roman Schöner als die Einsamkeit, erschienen bei Hanser, handelt von einer verlorenen Generation, die weder in China noch in Amerika eine Heimat findet.

Peking, Ende der achtziger Jahre: Drei ungleiche Freunde wachsen im gleichen Häuserblock auf. Ruyu, ein streng katholisch erzogenes Waisenmädchen aus der Provinz, und die wohlhabenden, aber vernachlässigten Boyang und Moran. Doch als eine weitere Freundin, Shaoai, vergiftet wird und ins Koma fällt, geht ihre Freundschaft auseinander. Shaoai hatte mit dem Tiananmen-Aufstand sympathisiert, der Vorfall wird nicht geklärt. Boyang macht danach im modernen China als Geschäftsmann Karriere und bleibt doch ähnlich heimatlos wie Ruyu und Moran nach ihrer Emigration in die USA. Als nach zwanzig Jahren die Nachricht vom Tod Shaoais kommt, holt sie alle die verdrängte Vergangenheit wieder ein. 

Die Struktur des Romans lädt ein entweder pure Spannung aufzubauen oder unerwartete psychologische Tiefen bei den handelnden Personen der Geschichte zu enthüllen. Li, die in den vergangenen Jahren zu Recht mit Auszeichnungen für ihre vorhergegangenen Bücher ausgezeichnet wurde, scheint beide Wege anzuvisieren. Lis bisherige Arbeit hat gezeigt, dass sie kraftvoll schreiben kann. In diesem Buch wendet sie ein neues Stilmittel an und mischt sich manches Mal durch eine Art moralisierenden auktorialen Kommentar ein. Dies dient jedoch nicht immer dem Fluss einzelner Szenen und wirft eine Aura gewichtiger Feierlichkeit über die Handlung. Es ist nicht so, dass ihre Kommentare nicht erhellend wären, manchmal sind sie jedoch recht kompliziert ausgedrückt, dass man durch die Zeit, die man braucht, sie zu entziffern, der erhellende Moment verpufft. Erst zur Hälfte des Romans nimmt die Handlung Fahrt auf, als aus den ähnlich strukturierten Charakteren eigene Persönlichkeiten werden. Sie werden dann für den Leser habhaft, um mit ihnen sympathisieren zu können. Die langsam rückwärts kreisende Handlung nähert sich dem ursprünglichen Verbrechen und der Leser erkennt die Kräfte, die die Charaktere verbindet. Bis dahin war die Handlung eher die dreier nur sehr lose verknüpfter Geschichten. Shaoai wird als Figur ebenfalls immer komplexer. Li porträtiert sie in keinster Weise als Heilige sondern macht aus ihr einen schwierigen, unsympathischen Teenager, mit einem Hang Jammer zu verbreiten und einer geradezu verschlingenden Sexualität. Li verleitet den Leser über das zu spekulieren, was alles hätte passieren, anders ausgehen können.

Yiyun Li, 1972 geboren, wuchs in Beijing auf und lebt seit 1996 in den USA. Ihre Kurzgeschichten und Essays wurden u.a. im New Yorker und in der Paris Review veröffentlicht. Für ihren Erzählungsband Tausend Jahre frommes Beten (2011) erhielt sie u. a. den PEN / Hemingway Award und den Guardian First Book Award. Yiyun Li lehrt in einem Masterprogramm für kreatives Schreiben am Mills College, Kalifornien. 2014 erhielt sie den Benjamin H. Danks Award, verliehen von der American Academy of Arts and Letters.

Schöner als die Einsamkeit von Yiyun Li ist bei Hanser erschienen. 
(JK 02/16)

Yan Lianke: Lenins Küsse (Eichborn)

Von dem chinesischen Autor Yan Lianke ist sein viel umjubelter Roman Lenins Küsse  bei Eichborn auf Deutsch erschienen.

Ein Sommerschneesturm vernichtet die Ernte im Balou-Gebirge. Hunger droht, doch Kreisvorsteher Liu weiß die Lösung: Tourismus bringt Geld, und Lenin ist ein Touristenmagnet. Russland den Leichnam Lenins abzukaufen liegt da natürlich nahe. Moskau kann sich schließlich die Erhaltung der Leiche sowieso nicht mehr leisten. Um den Ankauf Lenins zu finanzieren, sollen die Dorfbewohner eine Art Zirkus gründen. Dass diese allesamt behindert sind, schreckt Liu nicht. 

Das preisgekrönte Romancier Yan Lianke ist einer der interessantesten Schriftsteller Chinas und ein Meister einfallsreicher Satire. Seine Arbeit zeichnet sich durch eine liebevolle Treue zu seiner bäuerlichen Herkunft aus der armen Provinz Henan und seiner heftigen Wut über den politischen Missbrauch durch das chinesische Regime aus. Sein Roman Lenins Küsse ist eine absurde historische Allegorie auf das grassierende Fieber Geld zu machen, das durch China nach Deng Xiaopings Öffnung der chinesischen Wirtschaft in den 1990er Jahren fegte. In dieser dunklen Komödie sind die Regierungsbeamten aufgeblasen und korrupt und die nichtbehinderten Mitbürger brutal und unehrlich. Das geplante Mausoleum hat genau die Dimensionen wie das Mao Zedong Mausoleum auf dem Tiananmen-Platz und ist genauso absurd schwülstig, eine schmerzhafte Anspielung auf die Unterdrückung der historischen Wahrheit. In einem Interview hat Yan Lianke andere Schriftsteller aufgerufen, der Zensur nicht mit Politik sondern mit Kunst zu begegnen. Dieser aufgebauschte aber innovative Roman setzt mit seinem Witz, seiner Menschlichkeit und Satire ein provokatives Beispiel.

Yan Lianke, 1958 geboren, gehört zu den wichtigsten Schriftstellern Chinas. Einige seiner Romane wurden sofort nach dem Erscheinen verboten, andere haben eine riesige Leserschaft. Er hat alle wichtigen Preise Chinas gewonnen und muss ständig mit der Zensur kämpfen, weil er sich nicht an die Sprachregelungen und Denkverbote der Partei hält. Lenins Küsse war Buch des Jahres der New York Times und des New Yorker 2012, Finalist des Man Booker International und Kafka-Preis 2013.

Lenins Küsse von Yan Lianke ist bei Eichborn erschienen. 
(JK 03/16)

Qiu Xiaolong: 99 Särge (dtv)

Mit dem Krimi 99 Särge von Qiu Xiaolong ist bei dtv ein neuer Fall mit Oberinspektor Chen als Taschenbuch erschienen.

Der Leiter von Shanghais Baubehörde wird in einem Hotelzimmer erhängt aufgefunden. Zwei Wochen zuvor hatten Internetaktivisten aufgedeckt, dass er korrupt war, worauf die Partei ihn in Disziplinarhaft nahm. Aber hat er sich wirklich selbst umgebracht? Oder war es Mord? Die Ermittlungen deuten schnell auf einen Skandal hin, der bis in die höchsten Parteiebenen Pekings reichen könnte. Nachdem Hauptwachtmeister Wei Opfer eines tödlichen ‚Unfalls‘ geworden ist, wird Oberinspektor Chen bewusst, dass er ebenfalls in Gefahr schwebt. Dennoch ermittelt er mithilfe der attraktiven Journalistin Lianping weiter.

Das Besondere an dieser Krimireihe ist die Art und Weise wie der Autor den Leser in das heutige Shanghai und China versetzt und da bildet auch 99 Särge keine Ausnahme. Es ist für den Leser spannend den Veränderungen in China durch die Augen von Oberinspektor Chen zu folgen. Wir erfahren von einem China, das sich mit seinem Sozialismus chinesischer Prägung zunehmend materialistisch-kapitalistisch  entwickelt und im Fall von Shanghai lernt man eine Stadt kennen, deren Immobilienpreise in atemberaubende Höhe schnellen und kaum mehr Platz für die städtischen Armen anbietet. Ein grosser Teil des Reizes dieser Reihe macht die Figur des Oberinspektors Chen aus. Er bleibt immer etwas rätselhaft, schwer fassbar und unerkennbar. Dazu übersetzt der Polizeiinspektor, der Anglistik studiert hat, Krimis und schreibt und rezitiert Gedichte. Chen ist ein bewundernswerter Charakter, der die Gabe besitzt, in einer ehrlichen und mitfühlenden Art und Weise zu agieren. In diesem Krimi sucht er nach einem Weg, dass die Witwe und Kind eines im Einsatz ums Leben gekommenen Kollegen, die Leistungen erhält, die sie verdienen. Qui Xiaolong hat einen ruhigen, subtilen und mit Tiefgang ausgestatteten Krimi geschrieben.

Qiu Xiaolong, 1953 in Shanghai geboren, arbeitet als Übersetzer, Lyriker und Literaturkritiker. 1988 reiste er in die USA und kehrte nach dem Massaker am Tiananmen-Platz nicht nach China zurück. Seit 1994 lehrt er an der Washington University St. Louis chinesische Literatur und Sprache.

99 Särge von Qiu Xiaolong ist bei dtv erschienen. 
(JK 05/16)

Ma Jian: Die dunkle Straße (Rowohlt)

Der im Londoner Exil lebende chinesische Autor Ma Jian hat einen bewegenden Roman über das Leben der einfachen Menschen im China von heute geschrieben. Er trägt den Titel Die dunkle Straße und ist bei Rowohlt erschienen.

Weit entfernt vom chinesischen Wirtschaftswunder und den hellen Lichtern von Peking und Shanghai liegt ein riesiges ländliches Hinterland, das die brachialen Folgen von Industrialisierung und Ökonomisierung zu tragen hat. Dort leben die Bäuerin Meili und ihr Mann Kongzi, ein Nachkomme von Konfuzius in der sechsundsiebzigsten Generation. Die beiden wollen neben ihrem ersten Kind, einem Mädchen, einen Sohn, um das Erbe fortzusetzen. Da Ihnen die Behörden, die für alle die Ein-Kind-Ehe vorschreiben, mit Zwangssterilisation drohen, fliehen sie. Auf dem Jangtse, einem letzten Hort staatlicher Unorganisiertheit und mithin gewisser Freiheiten, führen sie ein illegales Tagelöhner- und Flussnomadenleben. Jahrelang schlagen sie sich auf vergifteten Gewässern und in ruinierten Landschaften durch, bevor sie schließlich auf einem Müllplatz für die Ausschlachtung westlichen Elektronikschrotts landen.

Bei Ma Jian stehen die einfachen Menschen im Vordergrund und ihre dramatischen Schicksale im Zuge eines gewaltigen politischen Umbruchs. Sein erschütternder Roman über ihr Leben ist Geschichte von unten; es ist auch die Geschichte des Jangtse, seiner ökologischen Krisen durch Staudammbau und Begradigung; es ist die Geschichte der chinesischen Industrialisierung und des Preises, den die Menschen dafür zu zahlen haben – ein ungeschminktes, schockierendes Porträt von China im Wandel.

Obwohl Ma Jian als Dissident im Exil sich als Oppositioneller definiert und praktisch jeden Aspekt der offiziellen chinesischen Politik kritisiert, ist er ein außergewöhnlicher Schriftsteller, der in seinen Büchern auf einfache Art und Weise einen Sinn für Avantgarde mit unbequemen Humor verbindet und dies unablässig mit seiner Wut über die sozialen Verwerfungen in China der vergangenen 30 Jahre unterlegt. Sein neuer Roman ist dabei noch wütender und stellt sich in noch offenerer Konfrontation als seine bisherigen Bücher. Ma Jian zeichnet ein trostloses, kaum erträgliches Bild seiner Helden. Dies gelingt ihm in virtuoser, beeindruckender Art.

Ma Jian, geboren 1953 in Qingdao, lebte als Schriftsteller und Maler in Peking, später in Hongkong, seit 1999 im Londoner Exil. Einige seiner Werke waren unter dem Verdacht der „geistigen Verschmutzung“ in China verboten. Zuletzt erschien sein Roman Peking Koma, ein kritisches Porträt der chinesischen Gesellschaft von der Kulturrevolution bis heute.

Die dunkle Straße von Ma Jian ist bei Rowohlt erschienen.
(JK 12/15)

Mai Jia liest am Mittwoch, 16. März, im Konfuzius-Institut an der Universität Hamburg

Konfuzius-Institut an der Universität Hamburg e.V.
Mittwoch, 16.03.2016  19.00 Uhr
Feldbrunnenstraße 67, Hamburg
         
Der chinesische Schriftsteller Mai Jia liest aus seinem neuen Roman Das verhängnisvolle Talent des Herrn Rong vor, der bei Knaus erschienen ist. Jing Bartz moderiert den Abend.

Alles beginnt Ende des 19. Jahrhunderts mit Großmutter Rong. Um die Kunst der Traumdeutung zu erlernen, schickt die Matriarchin ihren Enkel ins Ausland – und dieser kommt als moderner Mann wieder. Aus der Salzhändlerdynastie Rong wird eine Familie von Mathematikern, in die einige Generationen später Jinzhen hineingeboren wird. Der Junge mit dem übergroßen Kopf ist von einer fast mythischen Aura umgeben, denn er versteht die Welt der Zahlen wie kein anderer. Mitte der 50er-Jahre gelingt es ihm, für den chinesischen Geheimdienst einen als undechiffrierbar geltenden Code zu brechen, und er wird als Nationalheld gefeiert. Doch dann taucht ein noch schwierigerer Code auf und droht, ihn in den Abgrund zu ziehen.

Wie kein Zweiter vermag es der Bestsellerautor Mai Jia, das rätselhafte Leben eines tragischen Genies einzufangen und mit großem epischem Atem in all seinen Schattierungen darzustellen. Ein Romanereignis aus China, das weltweit für Aufsehen sorgt. “Ein Pageturner, fesselnd, unglaublich atmosphärisch und voller extravaganter Einfälle.“ (New York Times)

Mai Jia gilt als einer der erfolgreichsten Schriftsteller Chinas, seine Romane sind Millionenbestseller, die dafür gerühmt werden, ein eigenes Genre aus „Spionage-, Maulwurf-, Loyalitäts- und Manipulations-Narrativ“ zu begründen und darin „spannende, verblüffende und neue Dymnamik“ (Deutschland Radio Kultur) zu entfalten.   Mai Jia wurde 1964 geboren. Seine bisher sieben Romane, stets Bestseller, haben sich 5 Millionen Mal verkauft; alle seine Bücher wurden verfilmt. Die Filmrechte an Das verhängnisvolle Talent des Herrn Rong hat sich 20th Century Fox gesichert. Sein Werk ist mit fast allen chinesischen Literaturpreisen ausgezeichnet worden, einschließlich des renommiertesten, des Mao-Dun-Preises. Mai Jia gilt als der Begründer der chinesischen Spionageliteratur; seine Romane entsprechen jedoch nicht den westlichen Vorstellungen des Genres: Er vermischt, beeinflusst von Borges und Nabokov, auf einzigartige Weise Entschlüsselungskunst, Politverbrechen, historisches Setting und menschliches Drama.

Das verhängnisvolle Talent des Herrn Rong von Mai Jia ist bei DVA erschienen.
(JK 03/16)

Der chinesische Autor Yu Hua kommt am Montag, 10. November, in die Bucerius Law School

Bucerius Law School, Moot Court
Montag, 10.11.2014    19.00 Uhr
Jungiusstraße 6, Hamburg
Um Anmeldung per E-Mail an pagel(at)zeit-stiftung.de wird gebeten.

Der chinesische Autor Yu Hua liest im Rahmen der „China Time 2014“aus seinem Buch China in zehn Wörtern – eine Einführung, das bei S. Fischer erschienen ist. Die deutschen Texte liest die Schauspielerin Katharina Schütz. Begleitet wird die Veranstaltung durch eine Lichtinstallation des Künstlers Tobias Zaft. Durch den Abend führt Dr. Jing Bartz.

„So ein Buch“, hieß es in einer begeisterten Kritik in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, „habe es über Chinas Aufstieg noch nicht gegeben.“ 

Yu Hua ist einer der bedeutendsten Schriftsteller Chinas. Seine Bücher haben sich in China Millionen Mal verkauft, doch das hierzulande vielgelobte Buch mit zehn Essays, die lakonisch und mit viel Sinn für die grotesken Details von der chinesischen Gesellschaft der Gegenwart erzählen, ist verboten worden. Dass sein neues Buch  verboten wurde, liegt weniger an seiner Kritik am heutigen China als an den Parallelen, die er zwischen der Kulturrevolution und dem neuen kapitalistischen System zieht. Wie zu Zeiten Mao Zedongs, sieht Yu auch heute Unmenschlichkeit und Gewalt. Der Großteil der chinesischen Gesellschaft profitiert nicht vom Wohlstand, sondern wird auf brutale Weise an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Die persönlichen Essays lassen aber auch Yus Verbundenheit zu seinem Heimatland erkennen. China in zehn Wörtern wirft einen ganz anderen, einen neuen Blick auf ein Land, von dem noch viel zu erwarten ist.

Yu Hua hat fünf Jahre als Zahnarzt praktiziert, bevor er Schriftsteller wurde. Auf Deutsch sind von ihm erschienen Leben (1998), der von Zhang Yimou verfilmt wurde, Der Mann, der sein Blut verkaufte (2000) und zuletzt Brüder (2009). China in zehn Wörtern durfte in China nicht erscheinen, in Frankreich und den USA erhielt das Buch hymnische Kritiken. Yu Hua wurde 1960 in der ostchinesischen Provinz Zhejiang geboren und lebt in Peking.

China in zehn Wörtern – eine Einführung von Yu Hua ist bei S. Fischer erschienen.
 
Veranstalter ist die ZEIT Stiftung und die Kulturbehörde Hamburg. 
(JK 11/14)

Amy Tan am Mittwoch, 17. September, beim Harbour Front Literaturfestival

5. Harbour Front Literaturfestival
St. Katharinen
Mittwoch, 17.09.2014  20.00 Uhr
Katharinenkirchhof 1, Hamburg
Eintritt: 15 Euro

Die große Liebe lebt: Amy Tan liest aus ihrem Buch Das Kurtisanenhaus, das bei Goldmann erschienen ist. Suzanne von Borsody liest die deutschen Texte, Margarete von Schwarzkopf moderiert den Abend.  

Amy Tan ist eine der erfolgreichsten amerikanischen Schriftstellerinnen. Mit „Töchter des Himmels“ erreichte sie ein Millionenpublikum. Nun hat sie einen neuen Roman im Gepäck, auf den sich ihre Fans schon lange gefreut haben. 

Von den luxuriösen Salons der Kurtisanen in Shanghai bis zu den nebelverhangenen Bergen eines einsamen chinesischen Dorfs. Shanghai 1912: Stürmische Zeiten kündigen sich an. Der Sturz des chinesischen Kaisers versetzt die Stadt in Aufruhr. Auch die Amerikanerin Lucia Minturn blickt einem ungewissen Schicksal entgegen. Sie kam einst der Liebe wegen in dieses ferne Land und blieb schließlich für ihre Tochter Violet.. Schweren Herzens entschließt sie sich, China zu verlassen. In den Wirren wird sie jedoch von ihrer Tochter getrennt, und während Lucia auf dem Schiff nach San Francisco um Violet bangt, wird die 14-Jährige in ein Kurtisanenhaus verschleppt. Verzweifelt wendet sich Violet dort an die Kurtisane Magic Gourd, die ihr bald zur engsten Vertrauten wird. Durch sie lernt sie, ihr Los anzunehmen. Und so setzt Violet ihre ersten Schritte auf einem langen und beschwerlichen Weg, der ihr alles abverlangt – und sie nach schweren Schicksalsschlägen doch zu großer Liebe führen wird.

Amy Tan wurde 1952 als Tochter chinesischer Auswanderer in Oakland, Kalifornien, geboren. Ihr Vater und ihr Bruder starben, als sie fünfzehn Jahre alt war. Ihre Mutter, Tochter einer wohlhabenden Familie in Shanghai, musste drei Töchter aus erster Ehe in China zurücklassen. Mittlerweile gehört Amy Tan zu den erfolgreichsten amerikanischen Schriftstellerinnen. Mit ihren Büchern Die Frau des Feuergottes und Töchter des Himmels, die in 35 Sprachen übersetzt wurden, erreichte sie ein Millionenpublikum. Amy Tan lebt heute mit ihrem Mann in San Francisco und New York.

Das Kurtisanenhaus von Amy Tan ist bei Goldmann erschienen. 
(JK 09/14)