Books@Transglobal ist die Literatursendung im Rahmen von Radio Transglobal beim Hamburger Stadtsender TIDE 96.0. Hier können Veranstaltungshinweise sowie die einzelnen Buchbesprechungen nachgelesen werden, die bei Radio Transglobal gesendet bzw. von der Redaktion bearbeitet wurden. Books@Transglobal sendet an jedem vierten Montag des Monats um 18 Uhr ein ausschließlich der Literatur gewidmetes Programm.
Patricio Pron: Morgen haben wir andere Namen (Rowohlt)
Guillermo Martínez: Der langsame Tod der Luciana B. (Eichborn)
Camila Sosa Villada: Im Park der prächtigen Schwestern (Suhrkamp)
Alberto Manguel liest im Warburg Haus am Freitag, 18. Mai
Caryl Férey: Jähzorn (Limes)
3. Abend des Debütantensalons mit Stefan Ferdinand Etgeton und Juan S. Guse
María Sonia Cristoff am Dienstag, 17. September, beim Harbour Front Literaturfestival
Eduardo Sacheri: In ihren Augen (Bloomsbury Berlin)
Patricio Pron am Montag, 22. April, bei den Vattenfall Lesetagen 2013
Rodolfo Walsh: Wer erschoss Rosendo Garcia? (Rotpunktverlag)
Alan Pauls: Geschichte der Haare (Klett-Cotta)
Claudia Piñeiro: Der Riss (Unionsverlag)
Mariano Hamilton: Falsches Spiel (btb)
Carlos Salem: Wir töten nicht jeden (dtv)
Matías Néspolo: Argentinien zu Gast beim Harbour Front Literaturfestival
Leopoldo Brizuela: Nacht über Lissabon (Insel)

Im Mittelpunkt des Romans Nacht über Lissabon des argentinischen Autors Leopoldo Brizuela, der bei Insel erschienen ist, steht eine Nacht, in der sich das Schicksals mehrerer Menschen entscheidet.
Lissabon in einer Novembernacht 1942. Portugal hat ein britisches Ultimatum erhalten, in den Krieg einzutreten, doch der Machthaber Salazar zögert, noch liebäugelt er mit der faschistischen Achse. Angst vor dem Einmarsch der Nazis oder der Bombardierung durch die Alliierten bemächtigt sich der Stadt, die von Fremden wimmelt: Diplomaten in geheimer Mission, Spione beider Seiten, jüdische Flüchtlinge aus ganz Europa. Deren Hoffnung richtet sich auf die Boa Esperança, das letzte Schiff, das die Rettung vor der Deportation in die Konzentrationslager verspricht. In dieser angespannten Lage, wo jeder jeden verdächtigt, bangt der argentinische Konsul um die Ankunft einer großen Hilfslieferung aus Buenos Aires – er weiß nur zu gut, welch gefährlichen Auftrag er damit verfolgt und warum er sich darauf eingelassen hat. Und ist es nicht der blutjunge, undurchsichtige Ricardo de Sanctis, „Auserwählter“ des Lissabonner Kardinals, der in Wahrheit die Fäden zieht? Unterwegs in der Nacht ist auch der von seinen eigenen Dämonen getriebene Sekretär der Gesandtschaft; er soll seine Landsleute, die Tangokünstler Enrique Santos Discépolo und seine Ehefrau Tania, sicher durch die von Gerüchten aufgewühlte Stadt begleiten. Aber die beiden haben ihre eigenen Pläne, die nicht ans Licht wollen. Noch vor Mitternacht verlassen sie das Fadolokal Gondarém am Hafen, wo sich gegen alle Furcht die Lebenslust aufbäumt.
Sie alle, Akteure und Mitgerissene, tragen in dieser Nacht ihre Geheimnisse mit sich, ihre Ängste und Begierden, suchen Ohren für ihre Bekenntnisse, ringen mit ihren alten Geschichten. Schließlich explodiert auf der Boa Esperança eine Bombe, und die Ereignisse überstürzen sich.
Leopoldo Brizuela hat diesen vielschichtigen Roman sehr gut strukturiert, denn auf den mehr als 700 Seiten passiert eine ganze Menge und viele Personen ziehen ihre Strippen in dieser Nacht. Star der Nacht ist jedoch zweifelsohne Lissabon, die vibrierende Stadt in jener Zeit, wo in dieser Nacht der schwermütige Fado eine Liaison eingeht mit dem dramatischen Tango. Brizuela hat einen beeindruckenden und faszinierenden Roman geschrieben.
Leopoldo Brizuela wurde 1963 im argentinischen La Plata geboren. Er arbeitet als Schriftsteller, Journalist und Übersetzer und ist Autor mehrerer preisgekrönter Romane und Erzählbände. 1999 wurde er für seinen Roman Inglaterra mit dem argentinischen Literaturpreis Premio Clarín ausgezeichnet. Er lebt in seiner Geburtsstadt La Plata.
Raúl Argemí: Und der Engel spielt dein Lied (Unionsverlag)

Der Roman Und der Engel spielt dein Lied des argentinischen Autors Raúl Argemí, erschienen im Unionsverlag, spielt im Milieu der Drogenmafia in Buenos Aires.
Im Jahr 1978, als Argentinien die Fußballweltmeisterschaft ausrichtet, beauftragt der Polaco, ein Chefmafioso mit Stilettaugen, den Negro, Drogen über die chilenische Grenze zu schaffen. Der Auftrag scheint leicht, vor allem weil der Transport von den Militärs gedeckt wird. Doch der Negro hat kein Glück, und die Mission wird zum Debakel. Die Dinge verkomplizieren sich erst recht, als Irma auftaucht, eine Frau wie ein Raubtier, durch die sich die Schicksale von Negro und Polaco auf unheilvolle Weise miteinander verknüpfen.
Und der Engel spielt dein Lied ist ein virtuos konstruierter Spannungsroman, der geschickt mit Vorblenden und Rückblenden arbeitet. Für die Beschreibung der Zustände im Gefängnis kann Raúl Argemí auf eigene Erfahrungen zurückgreifen, denn während der Militärdiktatur war er zehn Jahre inhaftiert. Die Idee zu diesem Roman kam ihm auch während seiner Inhaftierung. Im Gefängnis lernte er Mitinsassen kennen, die sich um die politische Situation nicht kümmerten, aber diese zur Kenntnis nahmen, weil sie ihre Geschäfte betraf. Aus dieser Gemengelage zwischen Politik und kriminellen Geschäften nährt sich sein Krimi. Und gerade diese Verquickung macht den Reiz aus.
Raúl Argemí wurde 1946 in La Plata, Argentinien, geboren. 1974 wurde er verhaftet und verbrachte die Jahre der Militärdiktatur im Gefängnis. Nach seiner Freilassung 1984 arbeitete er als Redakteur in Patagonien und veröffentlichte 1996 seinen ersten Roman. Im Jahr 2000 zog er nach Spanien. Seither verfasste er sechs weitere Romane, die mit wichtigen Preisen ausgezeichnet wurden. Raúl Argemí zählt zu den markantesten Gegenwartsautoren Lateinamerikas.
Sergio Olguín: Springfield (Suhrkamp)

Der neue Roman Springfield des argentinischen Autors Sergio Olguín ist eine Mischung aus Abenteuerroman und Roadmovie, in dem Sergio Olguín augenzwinkernd den American Way of Life betrachtet. Erschienen ist Springfield als Taschenbuch bei Suhrkamp.
Die drei Freunde aus der Traummannschaft sind zurück: Ariel, Pablo und Ezequiel, inzwischen Teenager, brechen zu einem Schüleraustausch nach Springfield, Illinois, auf. Doch was ein lehrreiches Jahr an der High School werden sollte, wird für die drei Argentinier zu einem turbulenten Abenteuer, in dem ein ermordeter Chemielehrer, eine indianische Mitschülerin, eine verschwundene Festplatte und die legendäre Route 66 eine Rolle spielen. Und nicht zuletzt geht es um die geheime Rezeptur von Coca-Cola…
Sergio Olguín lässt seine Helden zu einer Amerikareise aufbrechen. Interessanterweise war der Autor noch nie in den USA. Dies allein ist schon skurril, da er mit dem American Way of Life abrechnet. Die Geschichte ist flott geschrieben mit viel augenzwinkerndem Humor, rutscht aber durchaus auch ins Plakative ab.
Sergio Olguín, 1967 geboren, lebt in Buenos Aires. Er studierte Literatur und arbeitet neben seiner Schriftstellertätigkeit als Journalist.












