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Isabel Allende liest im Thalia Theater am Dienstag, 29. Oktober

Thalia Theater
Dienstag, 29.10.2019  20.00 Uhr
Alstertor, Hamburg  
Eintritt: 25 Euro

Isabel Allende liest aus ihrem Roman Dieser weite Weg, der bei Suhrkamp erschienen ist. Susanne Weingarten moderiert.

Isabel Allende „ist ein Genie“ zitiert das Programmheft des Harbour Front Literaturfestivals den Los Angeles Times Book Review bei der Ankündigung der Lesung mit der berühmten chilenischen Schriftstellerin. Zu einer der bekanntesten Autorinnen der Welt wurde Isabel Allende mit ihrem Roman Das Geisterhaus, der in über 40 Sprachen übersetzt wurde. In ihrem neuen Roman Dieser weite Weg erzählt sie die Geschichte einer schwangeren Pianistin und eines jungen Arztes, die unversehens in die turbulenten Zeitläufe des vergangenen Jahrhunderts geraten – eine Geschichte von Flucht, Neuanfang und den Verheißungen einer eigentlich unmöglichen Liebe.

Der junge, idealistische Katalane Víctor Dalmau beginnt gerade als Arzt zu praktizieren, da bricht der Bürgerkrieg aus. Seine Familie beschließt, das belagerte Barcelona zu verlassen, aber der Marsch über die Pyrenäen endet desaströs. Unterdessen stirbt Víctors geliebter Bruder an der Front, und Víctor bringt es nicht über sich, seiner hochschwangeren Schwägerin Roser, einer angehenden Pianistin aus armen Verhältnissen, die ganze Wahrheit zu sagen. Und auch in Frankreich ist kein Bleiben, deshalb organisiert Víctor für Roser und sich in letzter Minute eine Überfahrt nach Südamerika. Im chilenischen Exil wächst sich ihre Verbundenheit nach und nach zu etwas Größerem aus, ist es Liebe? Rosers harte Arbeit zahlt sich jedenfalls aus, sie wird weithin gefeiert für ihr Klavierspiel. Für sie und Víctor scheint ein spätes gemeinsames Glück greifbar nahe – bis plötzlich eine weitere politische Katastrophe ihre Pläne zu vereiteln droht…

Isabel Allende ist eine der weltweit beliebtesten Autorinnen. Ihre Bücher haben sich millionenfach verkauft und sind in mehr als 40 Sprachen übersetzt worden. 2018 wurde sie – und damit erstmals jemand aus der spanischsprachigen Welt – für ihr Lebenswerk mit der National Book Award Medal for Distinguished Contribution to American Letters ausgezeichnet.

Isabel Allende wird am 2. August 1942 in der peruanischen Hauptstadt Lima als Kind chilenischer Diplomaten geboren. Nach der Scheidung ihrer Eltern lebt sie zunächst bei Ihren Großeltern in Chile. Das große, verwinkelte Haus, in dem sie aufwächst, wird später als Vorbild für ihren Jahrhundertroman Das Geisterhaus dienen. Bereits als Jugendliche bereist sie die Welt; sie wächst mehrsprachig auf und geht in La Paz, Beirut und Santiago de Chile zur Schule. Mit achtzehn kommt sie durch Zufall an ihren ersten Job als Journalistin. Kurz darauf moderiert sie bereits eine chilenische Fernsehsendung.1962 heiratet sie den Bauingenieur Michael Frías, Trauzeuge ist ihr Onkel, der spätere Präsident Salvador Allende. Im Jahr darauf wird ihre Tochter Paula geboren, 1966 kommt ihr Sohn Nicolás zur Welt. Als Journalistin setzt sich Allende leidenschaftlich für die Gleichstellung der Frau ein. Zusammen mit anderen Frauenrechtlerinnen gründet sie 1967 Paula, die erste feministische Zeitschrift in Chile. Außerdem schreibt sie Drehbücher für eine Comedy-Sendung, moderiert ihre eigene Talkshow, schreibt Theaterstücke und Musicals – in Chile kennt sie mittlerweile jeder. Sie ist tief erschüttert, als Salvador Allende am 11. September 1973 von Augusto Pinochet gestürzt wird und kurz darauf stirbt. Dennoch bleibt sie zunächst in Chile und hilft politisch Verfolgten unterzutauchen, bis die Repressionen gegen Andersdenkende sie schließlich ins Exil zwingen. 1975 geht sie mit ihrer Familie nach Caracas, Venezuela. Hier muss sie beruflich wieder von vorne anfangen.

Dieser weite Weg von Isabel Allende ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 10/19)

Alejandro Zambra: Ferngespräch – Stories (Suhrkamp)

Elf Erzählungen vereint das Buch Ferngespräch- Stories des chilenischen Autors Alejandro Zambra, das bei Suhrkamp erschienen ist.

In diesem Buch wird zurückgeschaut: auf die allerletzte Zigarette, den ersten eigenen Computer, auf Rückeroberungsversuche, hirnverbrannte Jobs, die Schule. Von liebenden, lügenden, kriminellen Männern, die die Paraderollen versäumt haben, die niemand Papa nennt, Chef oder Schatz. In einem Chile, für dessen Heldengeschichten sie zu allem Überfluss auch noch zu spät kamen. Ihre elf Stories finden sich in diesem Buch, jede ein Ferngespräch mit der eigenen Vergangenheit und eine Suche nach der Zeit, als Ängste wie Träume maßlos und unbegründet waren.

In elf Erzählungen erzählt Zambra über sich selbst, seine Kindheit und Jugend im Chile unter Pinochet, über das Leben seiner Freunde und das Leben insgesamt. Wie man zum Opfer des Regimes wurde, über seine sinnfreien Jobs nach dem Literaturstudium, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, und über seine Affären mit Frauen. Er erzählt über sein Land und seine Menschen, von ihren Träumen und Ängsten, über das angekratzte Selbstwertgefühl und der Suche nach dem richtigen Platz im Leben. Er schreibt  über die scheinbare Unmöglichkeit glücklich im eigenen Land zu werden und die Unfähigkeit das Glück im Ausland zu finden. Er zeigt die Realität Chiles und der Chilenen, wie sie die Welt und ihr Leben sehen, was sie bewegt, was ihnen wichtig erscheint, und warum sie das tun, was sie tun. Suhrkamp hat eine sehr starke Kurzgeschichtensammlung zusammen getragen und veröffentlicht,  gerade wegen der leisen, doch deutlich artikulierten Zwischentöne.

Alejandro Zambra, geboren 1975 in Santiago de Chile, gilt als einer der wichtigsten lateinamerikanischen Autoren seiner Generation. Der promovierte Hispanist leitet den Studiengang Editionswissenschaft an der Universität Diego Portales in Santiago und arbeitet als Kritiker für namhafte Tageszeitungen, darunter das chilenische El Mercurio und das spanische El País. Seine Romane, Erzählungen und Gedichte erscheinen in über zwanzig Ländern und erhielten zahlreiche nationale und internationale Preise. Sein Romandebüt Bonsai verhalf Zambra zum Durchbruch. Unter der Regie von Christian Jiménez wurde es für die Leinwand adaptiert und 2011 in Cannes uraufgeführt.

Ferngespräch – Stories von Alejandro Zambra ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 12/17)

Sascha Reh am Donnerstag, 11. Februar, im Schnelsener Büchereck

Schnelsener Büchereck
Donnerstag, 11.02.2016  19.30 Uhr
Glissmannweg 7, Hamburg
Eintritt: 8 Euro

Sascha Reh liest aus seinem neuen Roman Gegen die Zeit, der bei Schöffling erschienen ist.

Sascha Rehs neuer Roman  spielt im Chile der frühen 70er Jahre. Anfang der siebziger Jahre herrscht Aufbruchsstimmung in Santiago de Chile: Der sozialistische Präsident Salvador Allende ist fest entschlossen, das Land aus seiner wirtschaftlichen Abhängigkeit zu führen und die Not der verarmten Bevölkerung zu mildern.  Dafür setzt er auf ein kühnes Projekt: Die Fabriken des unwegsamen Andenstaates sollen vernetzt und von einem zentralen Rechner gesteuert werden. Ein internationales Team, unter ihnen, wird beauftragt, das Datennetzwerk aufzubauen. Begeistert ergreift das Team junger Idealisten die Idee, die sozialistische Planwirtschaft über ein Computersystem zu steuern. Mit dabei ein junger Deutscher, Industriedesigner Hans Everding, der sich in das Land und in seine Kollegin Ana verliebt hat. Der Putsch des Militärs setzt diesem Traum jäh ein Ende. Alle, die an dem Netzwerk mitgearbeitet haben, geraten in Lebensgefahr. Niemand weiß, wer Freund und wer Feind ist, und die gesammelten Daten dürfen keinesfalls in falsche Hände geraten.

Sascha Reh, geboren 1974 in Duisburg, studierte Geschichte, Philosophie und Germanistik in Bochum und Wien. 2004 und 2008 erhielt er den Literaturförderpreis Ruhr, für einen Auszug aus dem Roman Falscher Frühling wurde er 2007 mit dem LCB-Stipendium Autorenwerkstatt Prosa sowie 2009 mit einem Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus Lukas/Ahrenshoop ausgezeichnet. 2011 erhielt er den Niederrheinischen Literaturpreis. Für seinen Roman Gibraltar wurde er 2014 mit dem Lotto Brandenburg Kunstpreis Literatur ausgezeichnet. 2015 wurde er für sein Werk mit dem Literaturpreis Ruhr ausgezeichnet. Sascha Reh lebt als Familientherapeut mit seiner Familie in Berlin.

Gegen die Zeit von Sascha Reh ist bei Schöffling erschienen.
(JK 02/16)

Biergarten-Lesung mit Sascha Reh am Mittwoch, 29. Juli

Kulturkneipe BeLaMi
Mittwoch, 29.07.2015   20.30 Uhr 
Holtenklinger Str. 26, Hamburg
Eintritt: frei

Biergarten-Lesung: Sascha Reh liest aus seinem neuen Roman Gegen die Zeit, der bei Schöffling erschienen ist.

Sascha Reh erzählt von einem historischen Experiment Anfang der siebziger Jahre in Santiago de Chile. Der sozialistische Präsident Salvador Allende ist fest entschlossen, das Land aus seiner wirtschaftlichen Abhängigkeit zu führen und die Not der verarmten Bevölkerung zu mildern. Dafür setzt er auf ein kühnes Projekt. Die Fabriken des unwegsamen Andenstaates sollen vernetzt und von einem zentralen Rechner gesteuert werden. Ein internationales Team, unter ihnen der junge deutsche Industriedesigner Hans Everding, wird beauftragt, das Datennetzwerk aufzubauen. Begeistert ergreift Hans die Chance, an der Revolution mitzuwirken und für eine gerechtere Gesellschaft zu kämpfen. Der Putsch des Militärs setzt diesem Traum jäh ein Ende. Alle, die an dem Netzwerk mitgearbeitet haben, geraten in Lebensgefahr. Niemand weiß, wer Freund und wer Feind ist, und die gesammelten Daten dürfen keinesfalls in falsche Hände geraten.

Sascha Reh, geboren 1974 in Duisburg, studierte Geschichte, Philosophie und Germanistik in Bochum und Wien. 2004 und 2008 erhielt er den Literaturförderpreis Ruhr, für einen Auszug aus dem Roman Falscher Frühling wurde er 2007 mit dem LCB-Stipendium Autorenwerkstatt Prosa sowie 2009 mit einem Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus Lukas/Ahrenshoop ausgezeichnet. 2011 erhielt er den Niederrheinischen Literaturpreis. Für seinen Roman Gibraltar wurde er 2014 mit dem Lotto Brandenburg Kunstpreis Literatur ausgezeichnet. Sascha Reh lebt als Familientherapeut mit seiner Familie in Berlin.

Gegen die Zeit von Sascha Reh ist bei Schöffling erschienen.
(JK 07/15)

Alejandro Zambra: Die Erfindung der Kindheit (Suhrkamp)

Ein kleiner Junge, verraten vom Schweigen seiner Eltern. Seine Kindheit ein falsches Idyll in politisch prekären Zeiten. Wie aber leben mit der ängstlichen Suche nach sicherem Halt? Alejandro Zambra erzählt in seinem bei Suhrkamp erschienen Roman Die Erfindung der Kindheit  die unheimliche Geschichte einer bodenlosen Vergangenheit, die nicht aufhören will.

Es sind die Jahre der chilenischen Militärdiktatur, aber seine Eltern verlieren kein Wort darüber. Er selbst lernt gerade zu lesen und zu schreiben und malt schöne Bilder, und wie sollte er da begreifen, dass seine heile Vorstadtwelt so harmlos nicht ist? Als ein Mädchen aus der Nachbarschaft ihn bittet, ihren Onkel zu beschatten, willigt er unbedarft ein. Und verstrickt sich auf eine Weise, die ihn sein Leben lang quälen wird. Die Erfindung der Kindheit handelt von dem mal melancholischen, mal wütenden Unterfangen, in den Trümmern der eigenen Geschichte eine verbindliche Wahrheit zu finden.

Alejandro Zambras entwickelt in seinem Roman eine intime Erzählweise und beherrscht einen fokussierten und raffinierten Stil mit einfacher und schnörkelloser Sprache. Er verbindet in seiner Geschichte auf ungewöhnliche Weise das Politische mit dem Persönlichen. Er traut einen gewagten neuen Blick auf die fade Seite der chilenischen Militärdiktatur. Er schreibt die Geschichte der Kinder von Eltern, die unter der Diktatur gelebt haben. Er schreibt über Menschen, die unpolitischen waren, Menschen, für die die Pinochet Regierung ein Alptraum der Anderen war, nie einer für sich selbst. Die Vergangenheit, die zuvor harmlos und sogar trivial erschien, wird eine drohende Wolke, unter der der Protagonist die Sinnlosigkeit seines jetzigen Lebens erkennt, das Fehlen von Heldentum und die Entzauberung der Zugehörigkeit zu einer Familie der chilenischen Mittelklasse, die nichts mehr tat als in der Diktatur zu überleben. Die Erfindung der Kindheit ist ein Buch, so wie es von keinem chilenischen Autor bisher über die Diktatur geschrieben wurde. Es ist eine notwendige und schöne Geschichte, die die komplexe Erfahrung einfängt, wenn man sich traut der eigenen Banalität gegenüber zu treten. Es ist das bewegende Porträt einer ganzen Generation, die sich um ihre Vergangenheit betrogen fühlt.

Alejandro Zambra, geboren 1975, lehrt Literaturwissenschaft in Santiago de Chile und arbeitet als Kritiker für die wichtigsten Zeitungen Chiles. Seine Artikel, Erzählungen und Gedichte sind mit vielen Preisen ausgezeichnet worden. Die Erfindung der Kindheit ist sein erstes Buch in deutscher Sprache.

Die Erfindung der Kindheit  von Alejandro Zambra ist bei Suhrkamp erschienen. 
(JK 11/12)

Carla Guelfenbein: Nackt schwimmen (S. Fischer)

Der neue bei S. Fischer erschienene Roman Nackt schwimmen der chilenischen Bestseller-Autorin Carla Guelfenbein erzählt von einer kompromisslose Liebe, die an den Abgrund der chilenischen Geschichte gerät.

Morgana und Sophie verbindet eine innige Freundschaft, bis Sophie von der Liebe zwischen ihrem Vater Diego und Morgana erfährt. Diese Liebe ihrerseits wird von dem Putsch des Militärs auf die Probe gestellt, und die Ereignisse überstürzen sich: Begegnungen an ständig wechselnden Verstecken, eine Schwangerschaft, ein geplatzter Fluchtversuch. Jahrzehnte später folgt Sophie einer leisen Ahnung auf Versöhnung und versucht, das Schweigen über die damaligen Geschehnisse zu brechen.

Nackt schwimmen ist eine Geschichte, die die Zeitumstände und die Figuren perfekt einfängt. Mit ihrem zarten Stil, der vielseitig und sehr persönlich ist, webt die Autorin eine Geschichte, die den Leser bis zum Ende hin verzaubert, an dem Sophie wird zu entscheiden haben, was sie mit ihren Erinnerungen und ihrer Geschichte anfängt. Carla Guelfenbeins Melodrama zeigt die fehlende Kommunikation zwischen Vergangenheit und Gegenwart, da sie beide Zeitebenen als autonom hinstellt. Sie bedient sich dabei Stereotypen, insbesondere bei den Frauen, die aus einer männlichen Perspektive gezeichnet sind. Sie sind in der Regel zerbrechlich, schwach, charakterschwach, unterliegen regelmäßig männlicher Macht und sind bereit ihr Leben einem Mann zuliebe zu opfern.

Carla Guelfenbein wurde 1959 in Santiago de Chile geboren. Mit siebzehn Jahren verließ sie Chile zusammen mit ihrer Familie, weil diese in Opposition zum Regime Pinochets zunehmend unter Druck geriet. Im englischen Exil studierte Carla Guelfenbein Biologie und Design. Heute lebt sie als Schriftstellerin und Drehbuchautorin wieder in ihrer Heimat. Ihr Roman Die Frau unseres Lebens war weltweit ein Bestseller.

Nackt schwimmen von Carla Guelfenbein ist bei S. Fischer erschienen.
(JK 11/12)

Isabel Allende: Mayas Tagebuch (Suhrkamp)

Von Isabel Allende ist mit Mayas Tagebuch ein neuer Roman bei Suhrkamp erschienen.

Die Handlung spielt im Jahr 2009, im Mittelpunkt steht die neunzehnjährige Amerikanerin Maya Vidal, die bei ihren Großeltern in Berkeley aufgewachsen ist. Als Maya sechzehn ist, stirbt ihr Großvater, den sie sehr liebt, und ihre Großmutter stürzt in eine tiefe Depression. Bis dahin war Maya ein behütetes Kind, gesund, sportlich, gut in der Schule, doch in ihrer Trauer gerät sie in verhängnisvolle Kreise, nimmt Drogen und trinkt und wird straffällig. Nach einer für sie schrecklichen Erfahrung landet sie in Las Vegas, wo sie in ein Verbrechen verwickelt wird und vor Killern aus dem Drogenmilieu und vor der Polizei fliehen muss. Ihre chilenische Großmutter eilt ihr gerade noch rechtzeitig zu Hilfe, und um sie aus der Schusslinie zu bringen, schickt sie Maya auf eine kleine Insel im Süden Chiles, nach Chiloé.

Isabel Allende sagt, dass die Figur der Maya Vidal viele Züge der sechs Halbwüchsigen aus ihrer eigenen Familie trägt, die ständig ungezählten Gefahren ausgesetzt sind und sieht Parallelen zwischen Mayas Großmutter und ihr selber. So trägt der Roman autobiographische Züge. Überhaupt sind in dem Roman einige der wiederkehrenden Themen in Allendes Schaffen Roman zu finden wie Liebe, spirituelle Welt, familiäre Bindungen und auch die Geschichte Chiles. Mayas Tagebuch ist ein unterhaltsames Buch, das Vergangenheit und Gegenwart, verschiedene Generationen und unterschiedliche Probleme mischt. Dieses Mosaik zusammen mit Allendes lebendiger Prosa macht diesen Roman sehr interessant und ist darüber hinaus leicht zu lesen.

Isabel Allende wurde am 2. August 1942 in Lima/Peru geboren. Nach Pinochets Militärputsch in Chile am 11. September 1973 ging sie ins Exil. 1982 erschien ihr erster Roman Das Geisterhaus, der zu einem Welterfolg wurde. Der dänische Regisseur Bille August verfilmte den Roman 1993. Allende arbeitete unter anderem als Fernseh-Moderatorin und war Herausgeberin verschiedener Zeitschriften. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Kalifornien.

Mayas Tagebuch  von Isabel Allende ist bei Suhrkamp erschienen. 
(JK 10/12)

Roberto Ampuero: Tod in der Atacama (Bloomsbury Berlin)


Die Atacama ist eine der unerbittlichsten Wüsten der Welt. Dorthin verschlägt es den Privatdetektiv Cayetano Brulé bei seinen Ermittlungen im Krimi Tod in der Atacama von Roberto Ampuero, der bei Bloomsbury Berlin erschienen ist.

Ausgeraubt und ermordet – so lautet zumindest die offizielle Version der Polizei zum Tod des deutschen Entwicklungshelfers Willi Balsen. Doch war es wirklich nur ein einfacher Raubmord oder verbergen sich hinter der Tat andere Motive als reine Geldgier? Hängt Balsens Tod mit seinem umstrittenen Bewässerungsprojekt in der Oase San Pedro de Atacama zusammen? Jedenfalls hat er sich damit sowohl bei den dörflichen Gemeinden als auch bei den reichen Unternehmern unbeliebt gemacht. Bei seinen Nachforschungen findet Cayetano Brulé heraus, dass Balsen mit Abgeordneten des chilenischen Parlaments verkehrte, und kommt außerdem dem Handel mit gefälschten Kunstgegenständen auf die Spur. Der Kreis der Verdächtigen weitet sich aus und droht den Ermittler in ein undurchschaubares Geflecht aus Politik, Wirtschaft und Entwicklungshilfe zu führen.

Tod in der Atacama  ist Roberto Ampueros dritter Roman mit dem Privatdetektiv Cayetano Brulé. Der Autor schafft eine stimmungsvolle Beschreibung der Handlungsorte wie auch der auftretenden Figuren. Ein weiterer interessanter Aspekt des Buches ist, dass Roberto Ampuero keinen Hehl aus seiner politischen Positionierung macht. Er spricht klar aus, was er von der politischen Klasse hält. Er hält sich auch nicht mit Kritik an den Touristen zurück, Ausländern wie Chilenen, die die Traditionen der indigenen Völker missachten und sich ignorant verhalten. Sein Rundumschlag macht auch keinen Halt vor dem erbarmungslosen Bergbau in der Atacama-Region und der Missbrauch der Wüste als Sondermülllagerstätte. Deshalb ist das Buch, obwohl es eine Kriminalgeschichte ist, gleichzeitig eine grundsätzliche Gesellschaftskritik an Chile und die Globalisierung.

Roberto Ampuero, 1953 im chilenischen Valparaíso geboren, lebt heute in den USA, wo er an der University of Iowa Creative Writing unterrichtet. Er ist einer der erfolgreichsten Autoren Chiles. Sein Werk, in zahlreiche Sprachen übersetzt, wurde mehrfach ausgezeichnet. Der Fall Neruda stand in seiner Heimat mehrere Wochen auf Platz 1 der Bestsellerliste.


Tod in der Atacama  von Roberto Ampuero ist bei Bloomsbury Berlin erschienen.
(JK 06/12)

Hernán Rivera Letelier: Der Traumkicker (Insel)


Das Buch Der Traumkicker des chilenischen Autors Hernán Rivera Letelier, der im Insel Verlag erschienen ist, ist ein Roman über Freundschaft und Verlust und die komischen Seiten der Tragik. Eine bunte Truppe fußballbesessener Männer und Frauen stemmt sich gegen die Tristesse des Faktischen und kämpft mit charmantem Einfallsreichtum für die Verwirklichung ihres Traums.

Der Salpetersiedlung Coya Sur in der chilenischen Atacama-Wüste steht das Ende der Welt bevor; die Mine schließt, und die Siedlung wird aufgegeben. Doch ehe es soweit ist, muss am nächsten Sonntag das Fußballspiel gegen den Nachbarort María Elena gewonnen werden. Die allerletzte Chance, den Erzrivalen nach Jahren schmachvoller Niederlagen endlich zu schlagen. Die Wetten könnten kaum schlechter stehen, aber dann taucht im Ort ein Mann auf, der mit seinen Fähigkeiten am Ball alles möglich erscheinen lässt.

Fußball ist sicherlich kein typischer Romanstoff und doch gibt es den berühmten Ausspruch von Albert Camus, dass ein Fußballspiel alle menschlichen Dramen enthält. Immer wieder haben Autoren die Sportwelt bemüht, um durch dort angesiedelte Romane menschliche Konflikte aufzuzeigen so wie die Spanier Javier Marías oder Manuel Vazquez Montalban, der Engländer Nick Hornby oder Mario Benedetti, Eduardo Galeano und Roberto Fontanarrosa aus Lateinamerika. Der chilenische Autor Hernán Rivera Letelier hat einen tragikomischen Roman  geschrieben irgendwo zwischen Epos und Alltäglichen und zentraler Dreh- und Angelpunkt ist ein Fußballspiel und der geheimnisvolle Fantasista.

Hernán Rivera Letelier, 1950 in Talca/Südchile geboren, kam als Kind in die Atacamawüste im Norden. Als Heranwachsender besuchte er als einziger die Werksbibliothek der Minensiedlung und begann mit einundzwanzig, buchstäblich aus Hunger, mit dem Schreiben. Ein Radioprogramm lobte als ersten Preis für das beste Gedicht ein Abendessen in einem feinen Restaurant aus. Er schrieb ein vierseitiges Liebesgedicht und gewann prompt. Heute gehört er zu den meistgelesenen Autoren der spanischsprachigen Welt.

Der Traumkicker von Hernán Rivera Letelier ist im Insel Verlag erschienen. 
(JK 04/12)

Luis Sepúlveda am 15.11.2011 in der Buchhandlung Heymann Eimsbüttel

Buchhandlung Heymann Eimsbüttel
Dienstag, 15.11.2011   20.00 Uhr
Osterstr. 171, 20255 Hamburg
Eintritt: 6 €

Luis Sepúlveda liest aus seinem neuen Buch Der Schatten dessen was wir waren, das im Rotpunktverlag erschienen ist.

Luis Sepúlvedas ironisch-warmherziger Roman verbindet einen kuriosen Kriminalfall mit dem Porträt einer verlorenen Generation.

35 Jahre nach Pinochets Putsch treffen sich die einstigen Freunde Cacho, Lolo und Lucho, aus dem Exil zurückkehrend, in ihrer Heimat Chile ein „Schatten dessen, was wir einmal waren“, wie sie selbstironisch anmerken. Dickbäuchig sind sie geworden, kahl und graubärtig. Sie schwelgen in gemeinsamen Erinnerungen, während sie auf den Vierten im Bunde warten. Denn die Männer haben einen Plan: Sie sind hinter der verschollenen Beute eines Banküberfalls her, den eine Gruppe von Anarchisten 1925 durchgeführt hat und der in die Geschichte eingegangen ist.

Doch dann gibt es Komplikationen: Der vierte Mann kommt nicht. Ein Ehekrach mit aus dem Fenster fliegenden Erinnerungsstücken, ein Toter am Straßenrand, die Ermittlungen von Inspektor Crespo und ein Fremder, der plötzlich bei den drei Freunden auftaucht. Jetzt muss gehandelt werden.

Sepúlveda erzählt von Verlierern, doch man könnte sie - mit dem Autor - auch anders charakterisieren: »Ich will denen eine Stimme geben, die versucht haben, die Welt zu verändern.« Darum ging es, um nicht mehr und nicht weniger. Dass die Figuren des Romans trotz des Scheiterns nie ihren Glauben an Humor und Liebe verloren haben, macht sie am Ende doch zu Gewinnern.

Luis Sepúlveda, 1949 in Chile geboren, musste wegen seines politischen Engagements seine Heimat verlassen und lebte u.a. über zehn Jahre in Deutschland im Exil. Er arbeitete als Journalist und für die UNESCO. Sein Roman Der Alte, der Liebesromane las machte ihn international bekannt. Seine Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Der Schatten dessen was wir waren von Luis Sepúlveda ist im Rotpunktverlag erschienen.
(JK 11/11)

Antonio Skármeta: Mein Vater aus Paris (Graf)

Mit klaren, sinnlichen Sätzen erzählt Antonio Skármeta in seinem bei Graf erschienenen Roman Mein Vater aus Paris eine Geschichte von Liebe, Sehnsucht und südamerikanischer Melancholie.

Jacques, ein junger Lehrer, der abends französische Gedichte übersetzt, lebt mit seiner Mutter in einem gottverlassenen chilenischen Dorf. Sein Vater, ein Franzose, ist Hals über Kopf nach Paris zurückgekehrt – aus Sehnsucht. Jacques hingegen sehnt sich nach der schönen Nachbarin Teres. Eines Tages bietet ihm Teresas lebenshungriger jüngerer Bruder verschwörerisch seine Hilfe an. Einzige Bedingung: Er möchte einmal mit ins Bordell der nahegelegenen Provinzstadt. Aber in der Stadt dann trifft Jacques überraschend auf seinen in der Ferne geglaubten Vater. Er ahnt bald, dass dessen Weggang mit Liebe, Schmerz und einem großen Opfer zu tun hatte.

Antonio Skármeta hat mit 96 Seiten zwar einen schmalen Roman geschrieben aber in ihm steckt Großes. Skármeta ist ein Meister der melancholischen Geschichten  mit Figuren, an denen die Sehnsucht nagt. Mit viel Sinnlichkeit und Feingefühl zeichnet er in wenigen Zügen ein Gemälde. Dem Leser wird unausgesprochen am Ende ein Happy End in Aussicht gestellt. Skármeta ist es gelungen, mit diesem Ende den Leser über die Lektüre hinaus an seine Geschichte zu fesseln.

Antonio Skármeta, geboren 1940 in Antofagasta / Chile, erhielt für sein literarisches und filmisches Werk zahlreiche internationale Preise. Mit seinem Roman Mit brennender Geduld erzielte er 1985 einen Welterfolg. Die Geschichte um den poetischen Briefträger wurde unter dem Titel Il Postino kongenial mit Philippe Noiret als Pablo Neruda verfilmt. Skármeta lebte viele Jahre im Exil in Berlin. Von 2000 bis 2003 war er als Botschafter Chiles dort.

Mein Vater aus Paris von Antonio Skármeta ist bei Graf erschienen.
(JK 06/11)

Hernán Rivera Letelier: Die Filmerzählerin (Insel)

Eine Liebeserklärung an das Kino und die Kunst der Imagination ist der Roman Die Filmerzählerin des chilenischen Autors Hernán Rivera Letelier, der im Insel Verlag erschienen ist.

Etwas Aufregenderes als Kino gibt es nicht in dem Minendorf inmitten der chilenischen Wüste. Die Männer arbeiten im Salpeterabbau, die Frauen sollen vernünftig wirtschaften und haben die zahlreichen Kinder am Hals. Da bieten die Hollywoodfilme mit Marilyn Monroe, John Wayne oder Charlton Heston und die mexikanischen Melodramen mit viel Gefühl und Musik eine willkommene Abwechslung und den Abglanz einer anderen Welt.

Doch eines Tages erlebt die Siedlung etwas noch Schöneres als Kino: María Margarita, ein zehnjähriges Mädchen, kann Filme so anschaulich und dramatisch nacherzählen, dass die Leute herbeiströmen, um sie zu hören. Bald drängt sich die halbe Siedlung in der engen Stube ihrer Familie, wo sie mit kindlicher Freude das Leinwandgeschehen zum Leben erweckt. Als sie eines Tages jedoch einem alleinlebenden Mann in dessen Haus einen Western erzählen soll, widerfährt ihr etwas schrecklich Verstörendes.

Das Leben in der Wüste ist hart. Kräftig, mit viel Sinn für Komik, aber auch für das Schlimme im Leben, erzählt Hernán Rivera Letelier vom harschen Leben in der Atacamawüste. Er zeigt auf wunderschöne Weise in seinem Roman, wie das Glück in Form des Kinos und des Geschichtenerzählens Einzug hält in das eintönige Leben der Minenarbeiter und ihrer Familien. Aber genauso wie das Glück so hält auch das Unglück in Form des Fernsehens Einzug. Rivera Letelier zeigt die um sich greifende Vereinsamung und Verstummung der Menschen. Die Hauptstadt Santiago wie überhaupt das übrige Chile sind weit weg und die Welt draußen findet nur in knappen Randnotizen statt. Die Heldin Maria ist ein Beispiel für weibliche Stärke und Überlebenswillen, die in kurzen Momentaufnahmen eindrucksvoll geschildert werden. Ihre Gabe des Erzählens liegt wie ein wunderbarer Zauber über diesem Buch.

Hernán Rivera Letelier, 1950 in Talca/Südchile geboren, kam als Kind in die Atacamawüste im Norden. Als Heranwachsender besuchte er als einziger die Werksbibliothek der Minensiedlung und begann mit einundzwanzig, buchstäblich aus Hunger, mit dem Schreiben: Ein Radioprogramm lobte als ersten Preis für das beste Gedicht ein Abendessen in einem feinen Restaurant aus. Er schrieb ein vierseitiges Liebesgedicht und gewann prompt. Heute gehört er zu den meistgelesenen Autoren der spanischsprachigen Welt.

Die Filmerzählerin von Hernán Rivera Letelier ist im Insel Verlag erschienen.
(JK 05/11)

Isabel Allende: Die Insel unter dem Meer (Suhrkamp)

Mit ihrem neuen Roman Die Insel unter dem Meer, der bei Suhrkamp erschienen ist, entführt uns die chilenische Bestsellerautorin Isabel Allende von den Zuckerrohrplantagen auf Saint-Domingue, dem heutigen Haiti, in das pulsierende New Orleans des frühen 19. Jahrhunderts. Ein schillernder, dramatischer Bilderbogen um eine starke Frau, die alles riskiert und sich bedingungslos ihre Freiheit erkämpft.

Als Kind wird die Mulattin Zarité, genannt Tété, vom jungen Plantagenbesitzer Valmorain als Dienstmagd gekauft. Doch in Tété schlummert eine andere Bestimmung. Selbst als ihr Herr sie in sein Bett zwingt, als man ihr das erste Kind entreißt und ihr Geliebter sie verlässt, um sich den aufständischen Sklaven in den Bergen anzuschließen, verliert Tété ihr Ziel nicht aus den Augen: die Freiheit für sich und ihre Tochter. Als der Konflikt zwischen den Sklaven und den weißen Herren in Saint-Domingue eskaliert, muss Tété eine schwere Entscheidung treffen; sie flieht mit Valmorain, dessen kleinem Sohn und ihrer Tochter über Kuba nach New Orleans. In der bunten kreolischen Gesellschaft findet ihr Drang nach Freiheit und Verantwortung für das eigene Leben neue Nahrung, doch müssen Jahre vergehen, bis ihr Traum Wirklichkeit wird.

Isabel Allende hat erneut einen Roman für die Liebhaber historischer Sujets geschrieben mit allen Zutaten, die ein solcher Stoff verlangt: Exotik, bezaubernde und starke Frauen, verbotene Liebe, Sex, Missbrauch, Revolte, Flucht und Neuanfang. Isabel Allende zeichnet dabei ein buntes Sittengemälde jener Zeit in den französischen karibischen Kolonien, für das sie lange und detailliert recherchiert hat. Auch in diesem Roman beweist sie, dass sie eine Meisterin dieser Romangattung ist. Unterhaltsam und üppig breitet sie die Familiengeschichte für den Leser aus.

Isabel Allende wurde am 2. August 1942 in Lima/Peru geboren. Nach Pinochets Militärputsch in Chile am 11. September 1973 ging sie ins Exil. 1982 erschien ihr erster Roman Das Geisterhaus, der zu einem Welterfolg wurde. Der dänische Regisseur Bille August verfilmte den Roman 1993. Allende arbeitete unter anderem als Fernseh-Moderatorin und war Herausgeberin verschiedener Zeitschriften. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Kalifornien.

Die Insel unter dem Meer von Isabel Allende ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 10/10)

Carla Guelfenbein: Der Rest ist Schweigen (S. Fischer)


Um Familienabgründe handelt es sich im neuen Roman Der Rest ist Schweigen der chilenischen Autorin Carla Guelfenbein, der bei Fischer erschienen ist.
Das Wort trifft den kleinen Tommy wie ein Schlag, als er bei einem Familienfest unter dem Tisch hockt und lauscht: Selbstmord. Seine geliebte Mutter hat ihn freiwillig verlassen. Während der zarte Junge sich auf die Suche nach der verschwiegenen Wahrheit macht, ringen sein Vater, der arrivierte Chirurg, und dessen zweite Frau Alma ihrerseits mit all dem Unsagbaren, Ungesagten, an dem sie fast zu ersticken drohen. Wie Planeten mit einem heißen Kern aus Sehnsucht kreisen Tommy, Juan und Alma umeinander und bleiben sich auf ihren Umlaufbahnen doch fern. Erst als das Leben brutal dazwischenfährt, scheint so etwas wie Nähe wieder möglich – doch der Preis ist hoch.
Eine intakt scheinende Familie wird in ihren Grundfesten getroffen, als das bisher nicht Gesagte plötzlich ausgesprochen wird und im Raum als zerstörende Bedrohung übrig bleibt. Es ist ein Buch über Verdrängung und wie das Verdrängte unbarmherzig an die Oberfläche dringt.
Carla Guelfenbein macht ihren Figuren ein Geschenk: sie lässt sie reden, von sich und denen, die sie lieben. In wechselnden Stimmen entfaltet sich so das Drama einer modernen Familie – bestürzend in seiner Unausweichlichkeit, aber auch voller Zärtlichkeit und Hoffnung.
Carla Guelfenbein wurde 1959 in Santiago de Chile geboren. Mit siebzehn Jahren verließ sie Chile zusammen mit ihrer Familie, weil diese in Opposition zum Regime Pinochets zunehmend unter Druck geriet. Im englischen Exil studierte Carla Guelfenbein Biologie und Design. Heute lebt sie als Schriftstellerin und Drehbuchautorin wieder in ihrer Heimat. Nach dem weltweiten Bestseller Die Frau unseres Lebens ist Der Rest ist Schweigen ihr dritter Roman.

Der Rest ist Schweigen von Carla Guelfenbein ist bei Fischer erschienen.

(JK 05/10)

Elizabeth Subercaseaux: Eine fast perfekte Affäre (Pendo)

Im neuen Roman der chilenischen Autorin Elizabeth Subercaseaux Eine fast perfekte Affäre, der bei Pendo erschienen ist, spürt die Autorin der fundamentalen Frage um Wahrheit und Lüge nach.

Es geht um eine Affäre, die nur im Geheimen gelebt werden kann und um einen mysteriösen Todesfall, der alles in Frage stellt. In der Kürze eines Augenblicks verstricken sich die Leben dreier Menschen auf verhängnisvolle Weise miteinander. Sie sehen sich vor die Frage gestellt: Was zählt die Wahrheit? Und was die Wahrhaftigkeit eines Lebens?

Sie haben eine „fast perfekte Affäre“: Sechs Jahre lang gelingt es Amalia Griffin, Ehefrau eines reichen Geschäftsmanns, und dem höchst angesehenen Richter Juan Manuel Rementería, ihre Liebesbeziehung geheim zu halten. Da tritt ein neuer Mann in Amalias Leben und Amalia gesteht Rementería, dass sie sich von ihm trennen will. Kurz darauf in den frühen Morgenstunden wird sie beim Golfspiel erschossen. Eine Tat, die nicht nur Rementería unter Verdacht stellt. Amalias beste Freundin wird ebenso in Mitleidenschaft gezogen, wie ein Journalist, der ebenfalls seit Jahren eine „fast perfekte Affäre“ zu einem Mann unterhält und unfreiwilliger Zeuge des Geschehens wird. Auf unheilvolle Weise hat jeder der drei sich schuldig gemacht – und das Doppelleben, das sie allesamt führen, ist bedroht. Denn der Schrecken des Todes fördert die Geheimnisse des Lebens unweigerlich zutage.

Elizabeth Subercaseaux ist ein ungewöhnliches Buch gelungen, das den Leser von Anfang an in Bann zieht. Die Handlung hätte ebenso einen saftigen Krimi entstehen lassen können, stattdessen ist ein Psychodrama entstanden, das sich wie ein Krimi liest. Jede Figur hat ein faszinierendes Eigenleben und hält immer wieder Überraschungen bereit. Jede Figur hält eine Fassade aufrecht, um ihr wirkliches Ich zu verbergen und geht langsam an dieser enormen Lebenslüge zugrunde, denn die Leidenschaft lässt sich nicht zügeln und obsiegt. Die Autorin nähert sich behutsam diesen Abgründen und hat eine enorme Sympathie für ihre Figuren. Doch der Geschichte hängt eine schwere Traurigkeit an, denn in der Konstellation kann keine der Figuren ein Happy End erwarten. Und am Ende ist denn auch nichts mehr wie zuvor. Ein wunderbares Buch, in das man sich nur allzu gerne versinken lässt.

Elizabeth Subercaseaux, geboren 1945 in Chile, ist die Urenkelin von Robert und Clara Schumann. Mit zweiundzwanzig Jahren zog sie nach Spanien, wo sie ihre journalistische Karriere begann. 1975 kehrte sie nach Chile zurück und arbeitete dort während der Pinochet-Diktatur siebzehn Jahre lang als Journalistin im Untergrund. Heute lebt sie als Bestsellerautorin in Chile.

Eine fast perfekte Affäre von Elizabeth Subercaseaux ist bei Pendo erschienen.
(JK 04/10)

Alejandra Rojas: Dantes Geige (DVA)

„Wenn es die Verführung durch wertvolle Gegenstände, süße Fantasien und schöne Frauen nicht gäbe...“ Genau darum geht es in dem Roman Dantes Geige der chilenischen Autorin Alejandra Rojas, der bei DVA erschienen ist. Ein Raub weckt das kleine chilenische Dorf Tejas Rojas aus seinem Jahrhundertschlaf: Die berühmte „Conde Fosca“, das einzige bedeutsame Stück der Museumssammlung, ver-schwindet über Nacht aus ihrer Vitrine. Obwohl die Diebe bei ihrem Raub nicht sehr geschickt vorgegangen sind, bleibt der eigens angereiste Detektiv Emilio Rastelli mit seinen Nachforschungen erfolglos. Emilio Rastelli steht vor einem Rätsel. Bald jedoch dämmert ihm, dass mehrere Bewohner des Dorfes besessen sind von der Geige - unter ihnen der greise Antiquitätenhändler Muencke sowie seine unerlaubt attraktive Pflegerin Mireyita und nicht zuletzt der kauzige Apotheker Amador Román, der Rastelli ein von ihm verfasstes Romanmanuskript zu beurteilen bittet: In diesem erhebt der geniale Erbauer der Geige, Antonio Stradivarius, aus dem Purgatorium seine Stimme und erzählt, wie das Instrument über zwei Jahrhunderte hinweg das Schicksal vieler Menschen bestimmte, zahllose Intrigen verursachte und Leidenschaften entfesselte. Für Rastelli, gebannt von der Lektüre, sind Romangeschehen und Wirklichkeit bald kaum noch zu unterscheiden. Er wird in eine Geschichte verstrickt, in der sich Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen scheinen.

Alejandra Rojas, 1958 in Chile geboren, studierte Medizin an der Universidad de Chile und arbeitete viele Jahre in einer psychiatrischen Klinik. Sie ist die Autorin von insgesamt vier Romanen und einer illustrierten Biographie über Salvador Allende. Dantes Geige ist ihr erstes Buch, das auf Deutsch erscheint.

Dantes Geige von Alejandra Rojas ist bei DVA erschienen.

(JK 21/06/08)

Carla Guelfenbein: Die Frau unseres Lebens (Insel)

Ein überraschender Anruf, eine Einladung in ein Haus am See in Chile – das Land, das der rastlose Kriegsreporter Theo bisher zu meiden gewusst hat. Zu viele mühsam verdrängte Erinnerungen, an eine Freundschaft, an eine Frau. Warum will Antonio, der Gefährte aus Studententagen, ihn gerade jetzt sehen, nach all den Jahren des Schweigens? Carla Guelfenbeins zweiter Roman Die Frau unseres Lebens ist im Insel Verlag jetzt auf Deutsch erschienen. Kurz entschlossen tritt Theo die Reise an, ohne damit zu rechnen, dass er an Antonios Seite die Frau finden wird, die er nie hat vergessen können: Clara. Nur vorsichtig tasten sich die drei an ihre gemeinsame Vergangenheit heran und an den Sommer 1986, als ihre Freundschaft jäh zerbrach. Sie hatten sich an der Universität von Essex kennen gelernt: Theo, aus guter englischer Familie, und der charismatische Exilchilene Antonio. Dessen unangepasster Blick und kämpferische Reden eröffnen Theo eine neue Welt, und zwischen den beiden Männern entwickelt sich eine intensive Freundschaft, in der kaum Platz für andere Menschen bleibt. Antonio, der vermeintlich Starke, ist besessen von dem Gedanken, in sein Heimatland zurückzukehren und dort wie sein vom Militär getöteter Bruder gegen die Diktatur zu kämpfen. Gerade er aber trägt schwer an der Liebesbeziehung zwischen seiner engsten Freundin, der Tänzerin Clara, und Theo. In einer rauschhaften Nacht begeht Antonio nicht nur Verrat an Theos Freundschaft, er stellt ihn auch vor die schwierigste Entscheidung seines Lebens. In ihrem Roman, der in Chile monatelang die Bestsellerlisten anführte und von den Lesern zum Buch des Jahres gekürt wurde, erzählt Carla Guelfenbein eine vielschichtige und bewegende Dreiecksgeschichte, in der eine Frage immer drängender wird: Wie stark darf man in das Leben eines anderen Menschen eingreifen?

Carla Guelfenbein wurde 1959 in Santiago de Chile geboren. Das Regime Pinochets trieb sie ins Exil nach England, wo sie Biologie und Design studierte. Wieder in Chile, arbeitete als Redakteurin und Drehbuchautorin. Die Frau unseres Lebens ist ihr zweiter Roman; er wird derzeit in 14 Sprachen übersetzt.

Die Frau unseres Lebens von Carla Guelfenbein ist im Insel Verlag erschienen.

(JK 14/06/08)