Books@Transglobal ist die Literatursendung im Rahmen von Radio Transglobal beim Hamburger Stadtsender TIDE 96.0. Hier können Veranstaltungshinweise sowie die einzelnen Buchbesprechungen nachgelesen werden, die bei Radio Transglobal gesendet bzw. von der Redaktion bearbeitet wurden. Books@Transglobal sendet an jedem vierten Montag des Monats um 18 Uhr ein ausschließlich der Literatur gewidmetes Programm.
Jean-Luc Bannalec: Bretonische Idylle (Kiepenheuer & Witsch)
Jérôme Loubry: Der Erlkönig (Ullstein)
Alex Lépic: Lacroix und die Toten vom Pont Neuf (Droemer)
Wer hat es auf die
Pariser Clochards abgesehen? In drei aufeinanderfolgenden Nächten werden am
Ufer der Seine Stadtstreicher ermordet, die Leichen findet man jeweils unter
einer Brücke. Obwohl Kommissar Lacroix und seine Kollegen nach dem ersten Mord
rund um die Uhr Wache an den Ufern der Seine halten, können sie weder die
weiteren Taten verhindern noch Zeugen finden. Die Presse stürzt sich auf den
Fall – und auf Kommissar Lacroix: Seit ein junger Kollege eine scherzhafte
Bemerkung über seinen altmodischen Hut und Mantel gemacht hat, hängt dem
Kommissar ein berühmter Spitzname an: „der neue Maigret“. So viel
Aufmerksamkeit ist Lacroix gar nicht recht, schließlich gilt es, einen Mörder
zu fassen, der womöglich vor 30 Jahren schon einmal Clochards in Paris ermordet
hat.
Kommissar Lacroix ist ein
wunderbar nostalgischer Ermittler mit einer Abneigung gegen Handys und einer
Vorliebe für gutes Essen und noch besseren Wein. Mit augenzwinkerndem Charme
verbeugt sich Krimi-Autor Alex Lépic vor seinem großen Vorbild, George Simenons
berühmtem Kommissar Maigret.
Mit der Figur Lacrois
reiht sich Alex Lépic in die Reihe deutschstämmiger Autoren ein, die ihren
Krimihelden in Frankreich leben lassen. Die Atmosphäre von Savoir Vivre, die
französische Art, das Leben etwas leichter zu nehmen, vor allen Dingen die
gastronomischen Künste zu feiern, das romantisierende Image Frankreichs und
Paris, der Stadt der Liebe. Das alles wird wunderbar bedient, das wollen die
Leser von Frankreich-Krimis spüren und erleben. In diesem Sinne tadellos
erfüllt, sehr unterhaltsam und gut geschrieben.
Alex Lépic, alias
Alexander Oetker geboren 1980 in Paris, ist in Deutschland aufgewachsen, setzt
sich aber so oft wie nur möglich in den Zug, um in sein heiß geliebtes Paris
zurückzukehren, wo er ein kleines Mansardenzimmer bewohnt, leider nicht im
feinen siebten Arrondissement und auch nicht mit Blick auf den Pont Neuf. Lacroix
und die Toten vom Pont Neuf ist sein Debüt – und wurde vor allem auf den
Terrassen der Pariser Bistros geschrieben, wo zur Zeit auch schon der zweite
Fall für Kommissar Lacroix entsteht.
Nicolas Mathieu: Rose Royal (Hanser Berlin)
Rose ist fast fünfzig,
als sie Luc kennenlernt. Sie hat eine Ehe überstanden und zwei Kinder zur Welt
gebracht, hat Liebschaften erlebt, Jobwechsel, Schicksalsschläge und
Trauerfälle. Das Leben hat sie stark gemacht. In ihrer Handtasche steckt ein
Revolver, der sie gegen die vielen Dreckskerle dieser Welt beschützen soll.
Doch Luc ist anders, das spürt sie sofort. So charmant und zurückhaltend. Seit
sie ihn kennt, liegt in ihren Augen ein neuer Glanz. Bis er sich eines Tages in
seinem männlichen Stolz gekränkt fühlt und zuschlägt. In seinem neuen Roman
erzählt Nicolas Mathieu von einer Frau, die sich eine Waffe beschafft, damit
die Angst endlich die Seiten wechselt.
In seiner Novelle erzählt
Nicolas Mathieu die Geschichte atmosphärisch dicht und sehr präzise. Das Thema
allein hätte hunderte Seiten gefüllt und gerne würde man weiterlesen. Dem Autor
ist auf jeden Fall zuzutrauen, dass er das mit grossem Erfolg weiter hätte ausbreiten können, ohne Brisanz zu verlieren. So bleiben knapp über 90 Seiten, aber
die haben es in sich. Mit messerscharfer Kühlheit und psychologischer Klarheit
wird Roses Situation vorgetragen. Die Bilder hallen nach dem Lesen nach.
Nicolas Mathieu wurde
1978 in Épinal geboren und lebt in Nancy. Sein erster Roman erschien 2014 und
wurde für das Fernsehen adaptiert. Wie später ihre Kinder wurde 2018 mit
dem Prix Goncourt ausgezeichnet.
Guillaume Musso: Ein Wort, um dich zu retten (Pendo)
Seit er vor zwanzig
Jahren von einem Tag auf den anderen aufhörte zu schreiben, lebt der einst
gefeierte Schriftsteller Nathan Fawles abgeschieden auf der kleinen Île
Beaumont. Doch die Journalistin Mathilde Monney ist fest entschlossen
herauszufinden, warum der Schriftsteller sich damals aus der Öffentlichkeit
zurückzog. Kurz nach ihrer Ankunft erschüttert ein grausamer Mord die Insel,
die daraufhin abgeriegelt wird. Während eine fieberhafte Jagd nach dem Täter
beginnt, entspinnt sich zwischen Mathilde und Nathan eine hitzige Unterredung,
in der Stück für Stück die ganze Wahrheit über seine Vergangenheit ans Licht
kommt und Mathilde entdeckt, dass ein grausames Geheimnis sie beide verbindet
Guillaume Musso hat auch
in Deutschland seine feste Fangemeinde. Wäre der Strandurlaub dieses Jahr nicht
ausgefallen, wäre dies die Empfehlung als Strandlektüre. Eine spannende
Geschichte, bei der der Autor falsche Fährten und Finten legt. Vielleicht nicht
ganz so sorgfältig wie seine vorangegangene Romane, doch die Fans sehen es ihm
nach.
Guillaume Musso, geboren
1974 in Antibes, arbeitete als Dozent und Gymnasiallehrer. Musso ist einer der
erfolgreichsten Gegenwartsautoren Frankreichs, seine Romane wurden in über
zwanzig Sprachen übersetzt und haben sich als internationale Bestseller
durchgesetzt.
Philippe Djian: Morgengrauen (Diogenes)
Joan lebt schon lange
nicht mehr zu Hause, doch als die Eltern bei einem Unfall ums Leben kommen,
zieht sie zurück zu ihrem Bruder Marlon. Joan kümmert sich um ihren Bruder
Marlon. Der junge Mann kann nicht alleine leben, zu sehr treibt ihn die Angst
um – vor der Dunkelheit, vor dem Bösen. Nun müssen sie sich gegenseitig Familie
sein – sie, die sich kaum kennen. Marlon ahnt nicht, was seine Schwester nach
Ladenschluss noch in ihrer Boutique tut – und Joan hat auch nicht vor, es ihm
zu verraten. Joan verdient sich ihr Geld in einem zweifelhaften Etablissement
Gut, dass sie den Sheriff des Ortes auf ihrer Seite hat, denn ihre Kunden
können gefährlich sein, auch für Marlon. Joan ist eigentlich absolut kein
Familienmensch, doch sie liebt ihren Bruder über alles. Als Marlon unter
wiederholten Panikattacken leidet, muss sie einsehen, dass es ihre Kräfte
übersteigt, allein für ihren Bruder verantwortlich zu sein. Sie bittet ihre
sechzigjährige Freundin Ann-Margaret um Hilfe. Doch tritt sie damit eine
weitere Katastrophe los.
Die Romane von Philippe
Djian sind keine leichte Kost. Es gibt einen roten Faden, darum ereignen sich
jedoch viele Erzählstränge auf Nebenschauplätzen. Seine Geschichte sind
eigentlich nie Mainstream, seine Figuren sind skurril. Er hat keine Angst zu
schockieren und schafft es, auf verhältnismäßig wenig Seiten eine die vielen
Punkte in seiner Geschichte kongruente und stimmig zusammenzubringen. Am Ende
hat man das Gefühl, gut unterhalten worden zu sein.
Philippe Djian, geboren
1949 in Paris, ist viel herumgekommen. Er lebte in New York, Florenz, Bordeaux
und Lausanne und wohnt heute in Biarritz und Paris. Auf einer
Autobahnmautstelle, bei einem seiner Gelegenheitsjobs, tippte Philippe Djian
sein erstes Manuskript. Sein dritter Roman, Betty Blue, wurde zum
Kultbuch. Oh… erhielt 2012 den Prix Interallié und wurde mit Isabelle
Huppert unter dem Titel Elle verfilmt.
Sophie Hénaff: Mission Blindgänger (C. Bertelsmann)
„Ruhe bitte, es wird
gemordet!“ Die sympathische Chaostruppe der Pariser Polizei feiert ihr Comeback
an einem Filmset – wie immer angeführt von Commissaire Anne Capestan, die ihre
Elternzeit unterbricht, um einer Kollegin zur Hilfe zu eilen: Capitaine Eva
Rosière, nebenberufliche Drehbuchautorin, steht unter Verdacht, den Regisseur
ermordet zu haben. Es ist nicht zu leugnen, Eva hatte geschworen ihn zu töten. Doch
fast jeder am Drehort hätte ein Mordmotiv. Das Spiel kann beginnen: Mit Windeln
und Schnuller gerüstet, machen sich Anne Capestan und ihr Kommando Abstellgleis
an die Ermittlungsarbeit – Baby Joséphine stets mit dabei.
Die illustre
Ermittlertruppe sind allesamt skurrile Typen und knüpft nahtlos an die ersten
beiden Bände der Serie an. Es hilft dabei, die vorherigen Bände gelesen zu
haben, denn sie werden nicht mehr explizit eingeführt. Es ist dann auch weniger
die Krimihandlung, die bei dieser Serie reizt, sondern die Komik im
Zusammenspiel der Figuren. Immer wieder gibt es komische Momente, auch wenn man
manchmal auf etwas Neues hofft, das dann aber nicht kommt. Vielleicht im
nächsten Band der Reihe.
Sophie Hénaff ist
Journalistin, deren humoristische Kolumne in der französischen Cosmopoltan eine
riesige Fangemeinde hat sowie ihre Serie um Kommissarin Anne Capestan und ihre
Brigade der Ausrangierten.
Jean-Marie Gustave Le Clézio: Alma (Kiepenheuer & Witsch)
In seinem neuen Roman
erzählt Nobelpreisträger Jean-Marie Gustave Le Clézio die Geschichte eines
Wissenschaftlers, der nach Mauritius kommt, um nach Spuren des ausgestorbenen
Dodos zu suchen und der stattdessen die Geschichte seiner Familie und seinen eigenen
Platz in dieser Geschichte findet. Mauritius – eine Perle im Indischen Ozean.
Als Jéremy Felsen dort ankommt, weiß er nur, dass seine Familie dort
jahrhundertelang auf der Plantage Alma erst Tabak, dann Zuckerrohr angebaut
hat. Doch all das ist lange her, die Plantage existiert nicht mehr. Die Moderne
hat Einzug gehalten, mit Flugverkehr, Touristen, Supermärkten. Zwar findet
Jéremy, der zuvor noch nie auf der Insel war, nicht das, was er eigentlich
suchen wollte, nämlich Spuren des ausgestorbenen Vogels Dodo, dafür aber gibt
es überall Spuren seiner Familie, auf die er in vielen Gesprächen mit
Inselbewohnern und bei ausgedehnten Streifzügen stößt. Und es gibt Dominique –
genannt Dodo – Felsen, der auf der Insel geboren wurde und der parallel zu
Jéremy seine Geschichte erzählt. Eine Geschichte von Krankheit und
Kolonialismus, aber auch von Neugier und Lebensfreude. Für Jéremy führt der
Aufenthalt auf Mauritius zu der Erkenntnis, dass, auch wenn er nicht dort lebt,
seine Herkunft immer ein Teil von ihm sein wird, dass er Alma und die Insel in
seiner Seele und seinem Herzen trägt.
Geschickt verwebt Le
Clézio die Geschichten seiner beiden Figuren zu einem eindringlichen Roman über
Kolonialismus und Moderne, über Natur und Kultur und zu einer Hommage an die
Schönheit und Einzigartigkeit der Insel Mauritius. Le Clézios Roman ist
Literatur höchster Klasse, die Sprache im Roman ist aber nicht frei von
romantisierendem Kitsch, der bisweilen geschrieben scheint von einem alten
Herrn aus der Distanz. Es wird viel von den Mythen der Tropeninsel
transportiert, weniger gibt es ein klares Bild, wie es in der maurizischen
Gesellschaft aussieht. Daran mögen sich manche Geister scheiden. Eins steht
aber auch in diesem Roman fest, Le Clézo bleibt sich treu, er besitzt die hohe
Kunst des Erzählens und das begeistert immer wieder aufs Neue.
Jean-Marie
Gustave Le Clézio, 1940 in Nizza geboren, studierte in
Frankreich und England Literatur. Die Wurzeln seiner Familie liegen in der
Bretagne und auf Mauritius. Er veröffentlichte über 40 Bücher – Romane,
Erzählungen, Essays – und erhielt für sein Werk zahlreiche Preise. 2008 wurde
er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Le Clézio lebt hauptsächlich
in Frankreich und New Mexico.
Jean-Luc Bannalec beim 12. Harbour Front Literaturfestival in der Laeiszhalle (Kleiner Saal) am Montag, 21. September
Ein
neuer „Dupin“ und eine handfeste Sensation: Der wahre Jean-Luc Bannalec bei
Harbour Front! Seit 2012 und acht Bände lang wurde gerätselt, wer sich hinter
dem Pseudonym Jean-Luc Bannalec, bretonischer Meister der Kriminalliteratur,
verbirgt. Mit dem neuen Roman der so beliebten Krimireihe kommt der Autor nun
nach Hamburg – höchstpersönlich und enttarnt als Jörg Bong, bis 2019
Verlegerischer Geschäftsführer der S. Fischer Verlage. Ulrich Noethen liest die
Texte, Nikolaus Hansen moderiert.
Und was hat uns Jean-Luc
Bannalec/Jörg Bong nicht schon alles zugemutet! Leichen an Traumstränden,
Gewalttaten im wunderschönen bretonischen Ort Concarneau, der blauen Stadt am
Meer. Acht Fälle für den manchmal etwas wirr ermittelnden Kommissar Dupin, die
stets mehr sind als bloße Tätersuche. Mit jedem neuen Band erkunden die
Leser*innen andere Ecken der Bretagne. Werden in Traumlandschaften geführt,
begegnen den Eigenarten der Bretonen und schmecken sie förmlich durch die
Zeilen hindurch: die bretonische Küche. Im neuen Buch muss der inzwischen
legendäre Kommissar Dupin in die Nord-Bretagne – in das hochherrschaftliche
Seebad Dinard, in die Austernstadt Cancale und in die einzigartige
Restaurantszene von Saint-Malo. Im Zentrum der Ermittlungen: zwei Schwestern,
Küchenchefinnen aus dem Sterne-Milieu. Es geht, wie nicht anders zu erwarten,
um „Bretonische Spezialitäten“; aber auch um haarsträubende
Familiengeheimnisse, tragische Verwerfungen und unglaubliche Geschichten.
Alle Dupin-Romane wurden
für das Fernsehen verfilmt und in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Bretonische Spezialitäten von Jean-Luc Bannalec ist bei Kiepenheuer
& Witsch erschienen.

















