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Jean-Luc Bannalec: Bretonische Idylle (Kiepenheuer & Witsch)

Malerische Abgründe: In seinem 10. Fall ermittelt Kommissar Dupin auf der traumhaften Belle-Île: Bretonische Idylle lautet der Titel von Jean-Luc Bannalec, der bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist.

Die Hitzewelle hat in diesem August sogar die Bretagne fest im Griff. Keine Aussicht auf Abkühlung für Kommissar Dupin. Und zu allem Überfluss planen die Kollegen auch noch die große Feier seines zehnjährigen Dienstjubiläums. Doch dann wird eines Morgens an der Küste bei Concarneau ein Toter aus dem Meer gefischt, ein Schafzüchter von der legendären Belle-Île. Und ehe Dupin sich’s versieht, befindet er sich an Bord eines Schnellbootes auf dem Weg zur „schönsten Insel der Welt“, wo er schon bald auf tiefste menschliche Abgründe stößt…

Die Bücher der Kommissar Dupin-Reihe sind zugleich Krimi als auch alternative Reiseführer der Bretagne. Dieses Mal geht es auf die Belle-Île. Der Autor bleibt seinem Stil des Wohlfühl-Krimis treu. Keine rasante Actionszenen, dafür umso mehr Lokalkolorit. Auch mit diesem Band wird das Versprechen gehalten. Solide, unterhaltsame Story mit einer sympathischen Hauptfigur und der Bretagne als Star des Ensembles.

Jean-Luc Bannalec ist der Künstlername von Jörg Bong. Er ist in Frankfurt am Main und im südlichen Finistère zu Hause. Die ersten acht Bände der Krimireihe mit Kommissar Dupin wurden für das Fernsehen verfilmt und in zahlreiche Sprachen übersetzt. 2016 wurde der Autor von der Region Bretagne mit dem Titel „Mécène de Bretagne“ ausgezeichnet. Seit 2018 ist er Ehrenmitglied der Académie littéraire de Bretagne.

Bretonische Idylle von Jean-Luc Bannalec ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.
(JK 07/21)

Jérôme Loubry: Der Erlkönig (Ullstein)

Er kommt des Nachts – und nimmt dich mit: Der Thriller Der Erlkönig von Jérôme Loubry ist bei Ullstein erschienen.

Wenige Tage nachdem Sandrine zu der Insel aufgebrochen ist, auf der ihre verstorbene Großmutter gelebt hat, findet man sie verstört und mit fremdem Blut an ihren Kleidern am Strand. Sie wird ins Krankenhaus eingeliefert. Was sie erzählt, ist wirr. Kommissar Damien kann sich keinen Reim darauf machen. Von welchem Kinderheim spricht Sandrine? Was hat es mit dem Bootsunglück auf sich, bei dem alle Kinder ums Leben gekommen seien sollen? Und weshalb stammelt sie immer wieder voller Schrecken diesen einen Namen: der Erlkönig? Damien folgt den Puzzleteilen von Sandrines Geschichte – und blickt schon bald in einen Abgrund, der dunkler ist als jede Nacht…

Jérôme Loubrys Thriller ist komplexer angelegt, als es der Inhaltsteaser erscheinen lässt. Spannend und vielschichtig wird er in mehreren Handlungssträngen auf unterschiedlichen Zeitebenen aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt: Gegenwart, 1986 und 1949. Insgesamt sehr geschickt angelegt, hält der Autor für die Leser*innen die eine oder andere Überraschung bereit, die Geschichte ist gleichermaßen für einen Thriller ungewöhnlich tiefgründig.

Jérôme Loubry, geboren 1976, lebt nach Stationen im Ausland heute in der Provence. Für Die Hunde von Detroit, sein Debüt, hat er 2018 den Prix Plume libre d’Argent gewonnen. Der Erlkönig wurde 2019 mit dem Prix Cognac du meilleur roman francophone, einem der renommiertesten Krimipreise Frankreichs, ausgezeichnet. Er gilt als der aufsteigende Stern am französischen Krimihimmel.

Der Erlkönig von Jérôme Loubry ist bei Ullstein erschienen.
(JK 06/21)

Alex Lépic: Lacroix und die Toten vom Pont Neuf (Droemer)

Alex Lépic hat mit dem Krimi Lacroix und die Toten vom Pont Neuf den ersten Fall für den Kommissar Lacroix aus Paris geschrieben. Eine liebevolle Hommage an seinen berühmtesten Vorgänger, Kommissar Maigret.

Wer hat es auf die Pariser Clochards abgesehen? In drei aufeinanderfolgenden Nächten werden am Ufer der Seine Stadtstreicher ermordet, die Leichen findet man jeweils unter einer Brücke. Obwohl Kommissar Lacroix und seine Kollegen nach dem ersten Mord rund um die Uhr Wache an den Ufern der Seine halten, können sie weder die weiteren Taten verhindern noch Zeugen finden. Die Presse stürzt sich auf den Fall – und auf Kommissar Lacroix: Seit ein junger Kollege eine scherzhafte Bemerkung über seinen altmodischen Hut und Mantel gemacht hat, hängt dem Kommissar ein berühmter Spitzname an: „der neue Maigret“. So viel Aufmerksamkeit ist Lacroix gar nicht recht, schließlich gilt es, einen Mörder zu fassen, der womöglich vor 30 Jahren schon einmal Clochards in Paris ermordet hat.

Kommissar Lacroix ist ein wunderbar nostalgischer Ermittler mit einer Abneigung gegen Handys und einer Vorliebe für gutes Essen und noch besseren Wein. Mit augenzwinkerndem Charme verbeugt sich Krimi-Autor Alex Lépic vor seinem großen Vorbild, George Simenons berühmtem Kommissar Maigret.

Mit der Figur Lacrois reiht sich Alex Lépic in die Reihe deutschstämmiger Autoren ein, die ihren Krimihelden in Frankreich leben lassen. Die Atmosphäre von Savoir Vivre, die französische Art, das Leben etwas leichter zu nehmen, vor allen Dingen die gastronomischen Künste zu feiern, das romantisierende Image Frankreichs und Paris, der Stadt der Liebe. Das alles wird wunderbar bedient, das wollen die Leser von Frankreich-Krimis spüren und erleben. In diesem Sinne tadellos erfüllt, sehr unterhaltsam und gut geschrieben.

Alex Lépic, alias Alexander Oetker geboren 1980 in Paris, ist in Deutschland aufgewachsen, setzt sich aber so oft wie nur möglich in den Zug, um in sein heiß geliebtes Paris zurückzukehren, wo er ein kleines Mansardenzimmer bewohnt, leider nicht im feinen siebten Arrondissement und auch nicht mit Blick auf den Pont Neuf. Lacroix und die Toten vom Pont Neuf ist sein Debüt – und wurde vor allem auf den Terrassen der Pariser Bistros geschrieben, wo zur Zeit auch schon der zweite Fall für Kommissar Lacroix entsteht.

Lacroix und die Toten vom Pont Neuf  von Alex Lépic ist bei Droemer erschienen.
(JK 12/20)

Nicolas Mathieu: Rose Royal (Hanser Berlin)

Nach seinem Roman Wie später ihre Kinder erzählt der Prix-Goncourt-Preisträger Nicolas Mathieu in seinem neuen Roman Rose Royal die Geschichte einer Frau, die beschließt, kein Opfer mehr zu sein.

Rose ist fast fünfzig, als sie Luc kennenlernt. Sie hat eine Ehe überstanden und zwei Kinder zur Welt gebracht, hat Liebschaften erlebt, Jobwechsel, Schicksalsschläge und Trauerfälle. Das Leben hat sie stark gemacht. In ihrer Handtasche steckt ein Revolver, der sie gegen die vielen Dreckskerle dieser Welt beschützen soll. Doch Luc ist anders, das spürt sie sofort. So charmant und zurückhaltend. Seit sie ihn kennt, liegt in ihren Augen ein neuer Glanz. Bis er sich eines Tages in seinem männlichen Stolz gekränkt fühlt und zuschlägt. In seinem neuen Roman erzählt Nicolas Mathieu von einer Frau, die sich eine Waffe beschafft, damit die Angst endlich die Seiten wechselt.

In seiner Novelle erzählt Nicolas Mathieu die Geschichte atmosphärisch dicht und sehr präzise. Das Thema allein hätte hunderte Seiten gefüllt und gerne würde man weiterlesen. Dem Autor ist auf jeden Fall zuzutrauen, dass er das mit grossem Erfolg weiter hätte ausbreiten können, ohne Brisanz zu verlieren. So bleiben knapp über 90 Seiten, aber die haben es in sich. Mit messerscharfer Kühlheit und psychologischer Klarheit wird Roses Situation vorgetragen. Die Bilder hallen nach dem Lesen nach.

Nicolas Mathieu wurde 1978 in Épinal geboren und lebt in Nancy. Sein erster Roman erschien 2014 und wurde für das Fernsehen adaptiert. Wie später ihre Kinder wurde 2018 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet.

Rose Royal von Nicolas Mathieu ist bei Hanser Berlin erschienen.
(JK 10/20)

Guillaume Musso: Ein Wort, um dich zu retten (Pendo)

Eine tragische Liebe, ein grausames Verbrechen und eine Wahrheit, die Erlösung oder Verderben sein kann – Guillaume Musso, seit neun Jahren der meistverkaufte Autor in Frankreich, meldet sich mit seinem neuen Roman Ein Wort, um dich zu retten zurück.

Seit er vor zwanzig Jahren von einem Tag auf den anderen aufhörte zu schreiben, lebt der einst gefeierte Schriftsteller Nathan Fawles abgeschieden auf der kleinen Île Beaumont. Doch die Journalistin Mathilde Monney ist fest entschlossen herauszufinden, warum der Schriftsteller sich damals aus der Öffentlichkeit zurückzog. Kurz nach ihrer Ankunft erschüttert ein grausamer Mord die Insel, die daraufhin abgeriegelt wird. Während eine fieberhafte Jagd nach dem Täter beginnt, entspinnt sich zwischen Mathilde und Nathan eine hitzige Unterredung, in der Stück für Stück die ganze Wahrheit über seine Vergangenheit ans Licht kommt und Mathilde entdeckt, dass ein grausames Geheimnis sie beide verbindet

Guillaume Musso hat auch in Deutschland seine feste Fangemeinde. Wäre der Strandurlaub dieses Jahr nicht ausgefallen, wäre dies die Empfehlung als Strandlektüre. Eine spannende Geschichte, bei der der Autor falsche Fährten und Finten legt. Vielleicht nicht ganz so sorgfältig wie seine vorangegangene Romane, doch die Fans sehen es ihm nach.

Guillaume Musso, geboren 1974 in Antibes, arbeitete als Dozent und Gymnasiallehrer. Musso ist einer der erfolgreichsten Gegenwartsautoren Frankreichs, seine Romane wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt und haben sich als internationale Bestseller durchgesetzt.

Ein Wort, um dich zu retten von Guillaume Musso ist bei Pendo erschienen.
(JK 09/20)

Philippe Djian: Morgengrauen (Diogenes)

Der neue Roman von Philippe Djian heißt Morgengrauen und ist schonungslos und abgründig.

Joan lebt schon lange nicht mehr zu Hause, doch als die Eltern bei einem Unfall ums Leben kommen, zieht sie zurück zu ihrem Bruder Marlon. Joan kümmert sich um ihren Bruder Marlon. Der junge Mann kann nicht alleine leben, zu sehr treibt ihn die Angst um – vor der Dunkelheit, vor dem Bösen. Nun müssen sie sich gegenseitig Familie sein – sie, die sich kaum kennen. Marlon ahnt nicht, was seine Schwester nach Ladenschluss noch in ihrer Boutique tut – und Joan hat auch nicht vor, es ihm zu verraten. Joan verdient sich ihr Geld in einem zweifelhaften Etablissement Gut, dass sie den Sheriff des Ortes auf ihrer Seite hat, denn ihre Kunden können gefährlich sein, auch für Marlon. Joan ist eigentlich absolut kein Familienmensch, doch sie liebt ihren Bruder über alles. Als Marlon unter wiederholten Panikattacken leidet, muss sie einsehen, dass es ihre Kräfte übersteigt, allein für ihren Bruder verantwortlich zu sein. Sie bittet ihre sechzigjährige Freundin Ann-Margaret um Hilfe. Doch tritt sie damit eine weitere Katastrophe los.

Die Romane von Philippe Djian sind keine leichte Kost. Es gibt einen roten Faden, darum ereignen sich jedoch viele Erzählstränge auf Nebenschauplätzen. Seine Geschichte sind eigentlich nie Mainstream, seine Figuren sind skurril. Er hat keine Angst zu schockieren und schafft es, auf verhältnismäßig wenig Seiten eine die vielen Punkte in seiner Geschichte kongruente und stimmig zusammenzubringen. Am Ende hat man das Gefühl, gut unterhalten worden zu sein.

Philippe Djian, geboren 1949 in Paris, ist viel herumgekommen. Er lebte in New York, Florenz, Bordeaux und Lausanne und wohnt heute in Biarritz und Paris. Auf einer Autobahnmautstelle, bei einem seiner Gelegenheitsjobs, tippte Philippe Djian sein erstes Manuskript. Sein dritter Roman, Betty Blue, wurde zum Kultbuch. Oh… erhielt 2012 den Prix Interallié und wurde mit Isabelle Huppert unter dem Titel Elle verfilmt.

Morgengrauen von Philippe Djian ist bei Diogenes erschienen.
(JK 07/20)

Sophie Hénaff: Mission Blindgänger (C. Bertelsmann)

Die Chaostruppe um Commissaire Anne Capestan ermittelt wieder in Sophie Hénaffs neuen Roman Mission Blindgänger.

„Ruhe bitte, es wird gemordet!“ Die sympathische Chaostruppe der Pariser Polizei feiert ihr Comeback an einem Filmset – wie immer angeführt von Commissaire Anne Capestan, die ihre Elternzeit unterbricht, um einer Kollegin zur Hilfe zu eilen: Capitaine Eva Rosière, nebenberufliche Drehbuchautorin, steht unter Verdacht, den Regisseur ermordet zu haben. Es ist nicht zu leugnen, Eva hatte geschworen ihn zu töten. Doch fast jeder am Drehort hätte ein Mordmotiv. Das Spiel kann beginnen: Mit Windeln und Schnuller gerüstet, machen sich Anne Capestan und ihr Kommando Abstellgleis an die Ermittlungsarbeit – Baby Joséphine stets mit dabei.

Die illustre Ermittlertruppe sind allesamt skurrile Typen und knüpft nahtlos an die ersten beiden Bände der Serie an. Es hilft dabei, die vorherigen Bände gelesen zu haben, denn sie werden nicht mehr explizit eingeführt. Es ist dann auch weniger die Krimihandlung, die bei dieser Serie reizt, sondern die Komik im Zusammenspiel der Figuren. Immer wieder gibt es komische Momente, auch wenn man manchmal auf etwas Neues hofft, das dann aber nicht kommt. Vielleicht im nächsten Band der Reihe.

Sophie Hénaff ist Journalistin, deren humoristische Kolumne in der französischen Cosmopoltan eine riesige Fangemeinde hat sowie ihre Serie um Kommissarin Anne Capestan und ihre Brigade der Ausrangierten.

Mission Blindgänger von Sophie Hénaff ist bei C. Bertelsmann erschienen.
(JK 07/20)

Jean-Marie Gustave Le Clézio: Alma (Kiepenheuer & Witsch)

Der neue Roman Alma von Jean-Marie Gustave Le Clézio ist eine Liebeserklärung an die Insel Mauritius.

In seinem neuen Roman erzählt Nobelpreisträger Jean-Marie Gustave Le Clézio die Geschichte eines Wissenschaftlers, der nach Mauritius kommt, um nach Spuren des ausgestorbenen Dodos zu suchen und der stattdessen die Geschichte seiner Familie und seinen eigenen Platz in dieser Geschichte findet. Mauritius – eine Perle im Indischen Ozean. Als Jéremy Felsen dort ankommt, weiß er nur, dass seine Familie dort jahrhundertelang auf der Plantage Alma erst Tabak, dann Zuckerrohr angebaut hat. Doch all das ist lange her, die Plantage existiert nicht mehr. Die Moderne hat Einzug gehalten, mit Flugverkehr, Touristen, Supermärkten. Zwar findet Jéremy, der zuvor noch nie auf der Insel war, nicht das, was er eigentlich suchen wollte, nämlich Spuren des ausgestorbenen Vogels Dodo, dafür aber gibt es überall Spuren seiner Familie, auf die er in vielen Gesprächen mit Inselbewohnern und bei ausgedehnten Streifzügen stößt. Und es gibt Dominique – genannt Dodo – Felsen, der auf der Insel geboren wurde und der parallel zu Jéremy seine Geschichte erzählt. Eine Geschichte von Krankheit und Kolonialismus, aber auch von Neugier und Lebensfreude. Für Jéremy führt der Aufenthalt auf Mauritius zu der Erkenntnis, dass, auch wenn er nicht dort lebt, seine Herkunft immer ein Teil von ihm sein wird, dass er Alma und die Insel in seiner Seele und seinem Herzen trägt.

Geschickt verwebt Le Clézio die Geschichten seiner beiden Figuren zu einem eindringlichen Roman über Kolonialismus und Moderne, über Natur und Kultur und zu einer Hommage an die Schönheit und Einzigartigkeit der Insel Mauritius. Le Clézios Roman ist Literatur höchster Klasse, die Sprache im Roman ist aber nicht frei von romantisierendem Kitsch, der bisweilen geschrieben scheint von einem alten Herrn aus der Distanz. Es wird viel von den Mythen der Tropeninsel transportiert, weniger gibt es ein klares Bild, wie es in der maurizischen Gesellschaft aussieht. Daran mögen sich manche Geister scheiden. Eins steht aber auch in diesem Roman fest, Le Clézo bleibt sich treu, er besitzt die hohe Kunst des Erzählens und das begeistert immer wieder aufs Neue.

Jean-Marie Gustave Le Clézio, 1940 in Nizza geboren, studierte in Frankreich und England Literatur. Die Wurzeln seiner Familie liegen in der Bretagne und auf Mauritius. Er veröffentlichte über 40 Bücher – Romane, Erzählungen, Essays – und erhielt für sein Werk zahlreiche Preise. 2008 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Le Clézio lebt hauptsächlich in Frankreich und New Mexico.

Alma von Jean-Marie Gustave Le Clézio ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.
(JK 06/20)

Jean-Luc Bannalec beim 12. Harbour Front Literaturfestival in der Laeiszhalle (Kleiner Saal) am Montag, 21. September

12. Harbour Front Literaturfestival 
Laeiszhalle (Kleiner Saal) 
Montag, 21.09.2020 20.00 Uhr 
Gorch-Fock-Wall 29 (Eingang Kleiner Saal), Hamburg 
Eintritt: 25 Euro

Ein neuer „Dupin“ und eine handfeste Sensation: Der wahre Jean-Luc Bannalec bei Harbour Front! Seit 2012 und acht Bände lang wurde gerätselt, wer sich hinter dem Pseudonym Jean-Luc Bannalec, bretonischer Meister der Kriminalliteratur, verbirgt. Mit dem neuen Roman der so beliebten Krimireihe kommt der Autor nun nach Hamburg – höchstpersönlich und enttarnt als Jörg Bong, bis 2019 Verlegerischer Geschäftsführer der S. Fischer Verlage. Ulrich Noethen liest die Texte, Nikolaus Hansen moderiert.

Und was hat uns Jean-Luc Bannalec/Jörg Bong nicht schon alles zugemutet! Leichen an Traumstränden, Gewalttaten im wunderschönen bretonischen Ort Concarneau, der blauen Stadt am Meer. Acht Fälle für den manchmal etwas wirr ermittelnden Kommissar Dupin, die stets mehr sind als bloße Tätersuche. Mit jedem neuen Band erkunden die Leser*innen andere Ecken der Bretagne. Werden in Traumlandschaften geführt, begegnen den Eigenarten der Bretonen und schmecken sie förmlich durch die Zeilen hindurch: die bretonische Küche. Im neuen Buch muss der inzwischen legendäre Kommissar Dupin in die Nord-Bretagne – in das hochherrschaftliche Seebad Dinard, in die Austernstadt Cancale und in die einzigartige Restaurantszene von Saint-Malo. Im Zentrum der Ermittlungen: zwei Schwestern, Küchenchefinnen aus dem Sterne-Milieu. Es geht, wie nicht anders zu erwarten, um „Bretonische Spezialitäten“; aber auch um haarsträubende Familiengeheimnisse, tragische Verwerfungen und unglaubliche Geschichten.

Alle Dupin-Romane wurden für das Fernsehen verfilmt und in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Bretonische Spezialitäten von Jean-Luc Bannalec ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.

Sophie Bonnet, Alexander Oetker und Cay Rademacher beim 13. Hamburger Krimifestival auf Kampnagel K2 am Samstag, 9. November

Kampnagel K2
Samstag, 9.11.2019  20.00 Uhr
Jarrestr. 20, Hamburg  
Eintritt: 16 Euro

13. Hamburger Krimifestival. Sterben wie Gott in Frankreich: Frankreich ist das neue Sehnsuchtsland bei deutschen Krimiautorinnen und Krimiautoren. Sophie Bonnet, Alexander Oetker und Cay Rademacher leben diese Sehnsucht in ihren spannenden und auf vielfältige Weise anregenden Romanen. Und sie tun das ungemein erfolgreich. Volker Albers moderiert.

Sophie Bonnet entführt in Provenzalischer Rosenkrieg, erschienen bei Blanvalet, in die geheimnisvolle Welt des Parfüms. In der Hochburg der Parfümherstellung, dem provenzalischen Grasse, wird ein berühmter Parfümeur ermordet. Verdächtigt wird ausgerechnet eine enge Freundin von Charlotte, der Geliebten von Kommissar Pierre Durand. Zwar ist Grasse nicht sein Bezirk, aber Durand ermittelt auf eigene Faust. Mit fatalen Folgen.

Sophie Bonnet ist das Pseudonym einer erfolgreichen deutschen Autorin. Mit ihrem Frankreich-Krimi Provenzalische Verwicklungen begann sie eine Reihe, in die sie sowohl ihre Liebe zur Provence als auch ihre Leidenschaft für die französische Küche einbezieht. Mit Erfolg: Der Roman begeisterte Leser wie Presse auf Anhieb und stand monatelang auf der Bestsellerliste, ebenso wie die darauffolgenden Romane um den liebenswerten provenzalischen Ermittler Pierre Durand. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Hamburg.

Provenzalischer Rosenkrieg von Sophie Bonnet ist bei Blanvalet erschienen.

Winter auf dem Bassin d’Arcachon: Hochkonjunktur bei den Austernzüchtern – und bei den berüchtigten Austerndieben. Commissaire Luc Verein ist in Alexander Oetkers Winteraustern, erschienen bei Hoffmann und Campe, ebenfalls auf dem Bassin unterwegs, weil er mit seinem kranken Vater, dem ehemaligen Austernzüchter, noch einmal dessen alte Wirkungsstätte besuchen will. Doch ihre Bootstour endet jäh, als die beiden plötzlich auf die an Pfählen festgebundenen Leichen zweier junger Männer stoßen.

Alexander Oetker, geboren 1982, war langjähriger Frankreichkorrespondent für RTL und n-tv und ist profunder Kenner von Politik und Gesellschaft der Grande Nation. Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen in Berlin. Die ersten Bände um Luc Verlain, Retour und Chateau Mort, standen wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Winteraustern von Alexander Oetker ist bei Hoffmann und Campe erschienen.

Auch in der Provence ist Winter, klar und eiskalt sind die Tage. Capitaine Roger Blanc wird in die Grotten von Calès gerufen: ein düsteres, verstecktes Tal in den Alpilles mit Dutzenden Höhlen, in denen vor Jahrhunderten Menschen lebten. Eine Archäologin ist in Cay Rademachers Verhängnisvolles Calès, erschienen bei Dumont, dort auf ein Skelett gestoßen. Doch es ist keine uralte Leiche – denn im Stirnknochen gähnt das Einschussloch einer Pistolenkugel.

Cay Rademacher, geboren 1965, ist freier Journalist und Autor. Bekannt geworden ist er durch seine Kriminalromane aus dem Hamburg der Nachkriegszeit. Seit 2014 schreibt er seine Provence-Krimiserie. Cay Rademacher lebt mit seiner Familie in der Nähe von Salon-de-Provence in Frankreich.

Verhängnisvolles Calès von Cay Rademacher ist bei Dumont erschienen.
(JK 11/19)

Véronique Olmi liest im stories! im Falkenriedquartier am Dienstag, 15. Oktober

stories! im Falkenriedquartier
Dienstag, 15.10.2019  19.30 Uhr
Straßenbahnring 17, Hamburg  
Eintritt: 5 Euro

La Madre Moretta erinnert sich: Véronique Olmi stellt ihren Roman Bakhita vor, der bei Zsolnay erschienen ist.

Sie hat immer wieder von ihren Erlebnissen erzählt, und Josefina Bakhita wurde mit einem Buch über ihre „Storia mervagliosa“, ihre „wunderbare Geschichte“, die zuerst als Artikelserie erschien, auch schon zu ihren Lebzeiten in Italien berühmt. Véronique Olmi hat die Fakten in ihren Roman Bakhita einfließen lassen, deutet immer wieder aber auch an, wo sie diese Erzählungen für die Handlung ergänzte, damit ein Roman daraus werden konnte. Es ist die Passionsgeschichte eines misshandelten Mädchens und die Geschichte einer Nonne, die als Heilige verehrt wird.

Seliggesprochen wird Josefa Margarita Fortunata Maria Bakhita 1992 von Papst Johannes Paul II., der sie im Jahr 2000 dann auch heiligspricht. Es gibt einen Gedenktag, den 9. Februar, der an sie erinnert, er wurde von Papst Franziskus 2015 eingeführt und zum Tag des Gebets für die Opfer des Menschenhandels erklärt. Ihr Name „Bakhita“ heißt übersetzt „Die Glückliche“, sie bekommt ihn von Sklavenhändlern, nachdem sie sich an ihren eigenen Namen nicht erinnern kann. Verschleppt wird sie etwa 1876 im Sudan als Kind mit sieben Jahren. Die französische Schriftstellerin Véronique Olmi erzählt in ihrem Roman Bakhita die Geschichte des Leidensweges, der sich daran anschließt, und die Geschichte der späteren Ordensschwester, die als „Madre Moretta. Mutter und Schwarze“ in Italien berühmt wird. Noch als junge Frau kommt sie in Italien aus der Sklaverei frei, lässt sich taufen und tritt dem Orden der Canossianerinnen bei. Vor allem den Kindern erzählt sie in Schio in Venetien, wo sie im Kloster lebt, Geschichten aus ihrer Kindheit in Afrika und von ihren Erlebnissen in der Sklaverei. Und im Orden erkennt man bald das große Potenzial, das die Geschichten zusammen mit dem Befremden haben, das „Bakhita“ durch ihr Anderssein hervorruft und die große Offenheit, mit der sie den Menschen begegnet. Nach Stationen als Küchenchefin, in der Sakristei und im Krankenzimmer wird sie Pförtnerin und damit zum Aushängeschild des Klosters. Die Geschichten ihrer „Storia mervagliosa“ werden veröffentlicht und in immer neuen Buchausgaben verkauft, man fotografiert sie mit einem Buch und „mit gefalteten Händen“. Und man schickt sie auf eine Lesereise durch Italien. „Bakhita“ stirbt 1947 in Schio mit 78 Jahren. Bis zu ihrer Heiligsprechung über 50 Jahre später wird sie noch so manches Wunder wirken. Gelungen ist „Madre Moretta“ das auch deshalb ganz mühelos, weil sie durch ihr eigenes Schicksal für uns alle eine Tugend fassbar macht: Hoffnung.

Véronique Olmi wurde 1962 in Nizza geboren und lebt heute in Paris. Die ausgebildete Schauspielerin hat zahlreiche Theaterstücke verfasst und ist eine der bekanntesten Dramatikerinnen Frankreichs. Ihre Romane sind internationale Bestseller, so z. B. Das Glück, wie es hätte sein können. Bakhita wurde in Frankreich von der Presse hochgelobt und war ein großer Verkaufserfolg.

Bakhita von Véronique Olmi ist bei Hoffmann und Campe erschienen.
(JK 10/19)

Literarische Hafenrundfahrt: Martin Walker liest auf der MS Commodore am Montag, 6. Mai

MS Commodore
Montag,  06.05.2019  19.00 Uhr
Überseebrücke, Hamburg
Eintritt: 28.50 Euro

Martin Walker stellt seinen Krimi Menu surprise, der bei Diogenes erschienen ist, bei einer Hafenrundfahrt vor. Den deutschen Text liest Sebastian Dunkelberg, Volker Albers moderiert.

Kein anderer Schriftsteller hat sich so sehr um das geschichtsträchtige französische Périgord verdient gemacht wie Martin Walker, der die herrlichen Landschaften und trutzigen Burgen zum Schauplatz ungewöhnlicher Kriminalfälle sowie ausgedehnter Gaumenfreuden machte. In seinem elften Fall steht Bruno Courrèges, Chef de police, vor einer ungewohnten Herausforderung: Er soll in Pamelas Kochschule Feriengästen lokale Geheimrezepte beibringen, doch dann fehlt die prominenteste Kursteilnehmerin, die junge Frau eines britischen Geheimdienstoffiziers, die sich auf Empfehlung ihrer Familie im Périgord erholen wollte. Bruno spürt sie auf – in einem vermeintlichen Liebesnest, das bald zum Schauplatz eines Doppelmords wird.

Martin Walker, geboren 1947 in Schottland, ist Schriftsteller, Historiker und politischer Journalist. Er lebt in Washington und im Périgord und war 25 Jahre lang bei der britischen Tageszeitung The Guardian. Er ist im Vorstand eines Think Tanks für Topmanager in Washington. Seine Bruno-Romane erscheinen in 18 Sprachen.

Menu surprise von Martin Walker ist bei Diogenes erschienen.

Eine Veranstaltung der Buchhandlung Heymann.
(JK 05/19)

P.B. Vauvillé: Dunkle Nächte auf Montmartre (Hoffmann und Campe)

Paris im August: die Stadt glüht, die Einwohner fliehen, Touristen drängen sich auf dem Montmartre. Da wird im Cabaret von Moulin, genannt der Rote, die Leiche einer jungen Frau gefunden. Auf den ersten Blick scheint es sich um Daphné zu handeln, die kapriziöse Sängerin und einzige Frau in Moulins Transvestiten-Cabaret. Doch die Tote hat sich nur als Daphné verkleidet. Moulin gerät unter Verdacht und beauftragt seinen Freund Quentin, der eigentlich Gitarrist ist, aber das Viertel kennt wie seine Hosentasche, mit den Ermittlungen. Quentin stößt auf ein Geflecht aus Lügen und Eifersucht: Im Cabaret hat jeder etwas zu verbergen.

Der Krimi lebt von seiner bunt zusammengewürfelten Schar verschiedenster Charaktere, was anfangs etwas unübersichtlich daherkommt und dem Leser etwas Konzentration abverlangt. Doch ist es nicht so, dass hier absolute Hochspannung von einem Effekt zum nächsten sprintet. Es handelt sich um einen Krimi im britischen Stil à la Agatha Christie mit einem gemütlichen aber hartnäckigen Ermittler, der nicht als solcher eigentlich tätig ist und dennoch von allen Seiten bereitwillig mit Informationen versorgt wird. Alles in allem ein atmosphärischer Krimi mit viel Charme.

P.B. Vauvillé ist das gemeinsame Pseudonym von Bertina Henrichs und Philippe Vauvillé. Bertina Henrichs wurde 1966 in Frankfurt am Main geboren. Sie studierte Literatur- und Filmwissenschaft und lebt seit langem in Paris, wo sie als Schriftstellerin und Filmemacherin arbeitet. Philippe Vauvillé ist Musiker, Drehbuchautor, Regisseur und Dokumentarfilmer.

Dunkle Nächte auf Montmartre von P.B. Vauvillé ist bei Hoffmann und Campe erschienen.
(JK 08/18)

Sabri Louatah: Die Wilden. Brüder und Feinde (Heyne Encore)

Sabri Louatahs zweiter Teil der Romantrilogie Die Wilden – Brüder und Feinde, erschienen bei Heyne Encore, ist modern, politisch und knallhart – ein Roman für unsere Zeit.

Nach dem Anschlag auf Präsidentschaftskandidat Idder Chaouch steht Frankreich Kopf. Der Kandidat hat knapp überlebt, doch es ist nicht sicher, ob er sein Amt jemals ausüben wird. Währenddessen erklären die Behörden Nazir Nerrouche zum Staatsfeind Nr. 1, wohl wissend, dass er nicht allein hinter dem Attentat stecken kann. Die Familie Nerrouche steht vor einer Zerreißprobe und wird von allen Seiten angefeindet. Bis Nazir, der seinen Häschern stets einen Schritt voraus ist, unvermittelt anbietet, sich zu stellen und die Hintermänner zu benennen. Er hat nur eine einzige Bedingung: ein persönliches Treffen mit Idder Chaouch.

Louatah hat ein großes, fesselndes Familienepos geschrieben, das darüber hinaus ein überaus rasanter Politthriller ist. Obwohl fiktiv so ist die Geschichte einer Migrantenfamilie dennoch von realen Ereignissen geprägt. Es geht hier ebenso um eine Nation, die sich zwar weltoffen gibt, aber in der die Vorurteile und Diskriminierung, speziell der Einwanderer aus dem Maghreb, tagtäglich zu beobachten sind. Louatahs Figuren sind dabei außerordentlich lebendig gezeichnet. Der zweite Band setzt nach dem Attentat an, das der zum Präsident gewählte sozialistische Kandidat Idder Chaouch schwer verletzt überlebte. Um in den zweiten Band richtig eintauchen zu können und wegen der sich anknüpfenden Handlung, ist es dringend anzuraten, vorher den ersten Band zu lesen. Auch mit etwas Background-Wissen über die politische Situation in Frankreich lassen sich die Zusammenhänge besser einordnen.

Sabri Louatah, 1983 in Saint-Étienne als Sohn eines Holzfällers und einer Hausfrau geboren, lebt heute mit seiner Frau in den USA. Die Unruhen in der Pariser Banlieu Anfang der 2000er Jahre inspirierten ihn zu seinem Roman-Zyklus Die Wilden, der in Frankreich von Publikum und Kritik gefeiert wurde. Zurzeit arbeitet Louatah an der TV-Adaption der Serie.

Die Wilden – Brüder und Feinde von Sabri Louatah ist bei Heyne Encore erschienen.
(JK 10/18)

Christine Féret-Fleury: Das Mädchen, das in der Metro las (DuMont)

Jeden Morgen sitzt Juliette in der Metro auf dem Weg zu ihrer eintönigen Arbeit in einem Maklerbüro und taucht ein in die Welten ihrer Romane. Mal begibt sie sich mit Marcel Proust auf die Suche nach der verlorenen Zeit, mal begleitet sie Hercule Poirot im Orientexpress Richtung Istanbul – manchmal beobachtet sie auch einfach die Menschen um sich herum, die in ihre Lektüre vertieft sind. Es sind die Bücher, die Juliettes Leben Farbe verleihen. Als sie eines Tages beschließt, zwei Stationen früher auszusteigen, begegnet sie dem schrulligen Soliman, der mit seiner Tochter Zaïde inmitten seiner Bücherstapel lebt. Soliman glaubt, dass jedes Buch, wenn es an die richtige Person übermittelt wird, die Macht hat, ein Leben zu verändern. Auserwählte Boten liefern für ihn diese kostbare Fracht aus, an die, die sie nötig haben. Bald wird Juliette zu einer Botin, und zum ersten Mal haben die Bücher einen wirklichen Einfluss, auch auf ihr Schicksal.

Der Roman versprüht romantisch-verträumten französischen Charme, er ist sehr poetisch mit malerisch formulierten Bildern. Die Autorin versteht es, geschickt Bücher und Autoren einfließen zu lassen und bringt etwas Geheimnisvolles in die Geschichte hinein. Es ist zwar keine tiefgreifende Geschichte aber eine gelungene Ode an die Bücher.

Christine Féret-Fleury arbeitete viele Jahre als Lektorin in einem französischen Verlagshaus, bevor sie sich dem Schreiben widmete. Sie hat mehrere Jugendbücher und Erwachsenenromane geschrieben, die prämiert und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden.

Das Mädchen, das in der Metro las von Christine Féret-Fleury ist bei DuMont erschienen.
(JK 09/18)

Delphine de Vigan kommt ins Literaturhaus am Donnerstag, 22. November

Literaturhaus
Donnerstag, 22.11.2018  19.30 Uhr
Schwanenwik 38, Hamburg
Eintritt: 8 / 12 Euro

Delphine de Vigan stellt ihren Roman Loyalitäten vor, der bei DuMont erschienen ist. Marta Dittrich liest die deutschen Texte, Judith Heitkamp moderiert.

Seine Haut ist frei von blauen Flecken. Doch auch wenn die Schulkrankenschwester keine offenen Wunden ausmachen kann, ist sich Hélène sicher, dass der 12-jährige Théo Gewalt erleidet. Viel zu vertraut sind ihr die kleinen Verhaltensänderungen, die Verpanzerung, das unauffällige Verstummen. So beobachtet sie ihn genau während ihres Unterrichts. Mit Mathis, seinem besten Freund, kriecht Théo auf dem Schulhof in eine uneinsehbare Nische und macht vergessen, wie kaputt alles ist. Mit jedem Schluck Alkohol wird das hohe Surren in seinem Kopf ein wenig gedämpft. Mit einer ganzen Flasche dieser scharf brennenden Flüssigkeit, so hofft er, lässt sich alles vollständig taub machen… Théo ist ein Grenzgänger. Alle sieben Tage packt er seine Sachen, um zwischen den Wohnungen seiner getrennt lebenden Eltern zu pendeln. Für seine Mutter schürt er als Feindesabbild den Hass, bei seinem Vater versucht er verzweifelt der verdreckten Wohnung beizukommen. Er spricht darüber nicht. Mit niemandem.

Delphine de Vigan reißt das vordergründig rein positiv besetzte Netz aus zugewandten Verbindungen auf. Sie legt Loyalität als Falle frei, als Zusage von Deckung und Hilfe über die eigenen Kräfte hinaus. Nach Tage ohne Hunger und Nach einer wahren Geschichte weiß die vielfach prämierte Autorin in Loyalitäten  erneut durch Wörter zu erschüttern.

Delphine de Vigan, geboren 1966, erreichte ihren endgültigen Durchbruch als Schriftstellerin mit dem Roman No & ich (2007), für den sie mit dem Prix des Libraires und dem Prix Rotary International 2008 ausgezeichnet wurde. Ihr Roman Nach einer wahren Geschichte (2016) stand wochenlang auf der Bestsellerliste in Frankreich und erhielt 2015 den Prix Renaudot. Die Autorin lebt mit ihren Kindern in Paris.

Loyalitäten von Delphine de Vigan ist bei DuMont erschienen.
(JK 11/18)


Der französische Schriftsteller Hugo Boris liest im Lesesaal Buchhandlung und Café am Donnerstag, 8. November

Lesesaal Buchhandlung und Café
Donnerstag, 08.11.2018  20.00 Uhr
Stadthausbrücke 6, Hamburg
Eintritt: 12 Euro (Um Anmeldung wird gebeten: kontakt@lesesaal-hamburg.de)

Hugo Boris stellt seinen Roman Die Polizisten vor, der bei Ullstein erschienen ist. Stephanie Krawehl führt das Gespräch mit dem Autor.

Der französische Schriftsteller Hugo Boris hat es sich nicht einfach gemacht und monatelang den Berufsalltag mit Polizisten geteilt, bevor er einen Roman darüber geschrieben hat, der drei Polizisten in einer Grenzsituation darstellt, die in Europa alltäglich ist. An einem heißen Sommertag holen Virgine, Aristide und Èrik nach Dienstschluss einen Flüchtling in einem Lager ab. In einem Sondereinsatz sollen sie den Tadschiken, gegen dessen Abschiebung eine Flüchtlingsorganisation protestierte, nach Roissy zum Flughafen Charles de Gaulles bringen. Virgine begreift schnell, dass den Mann in seiner Heimat der sichere Tod erwartet. Sie und ihre Kollegen geraten in einen Gewissenskonflikt: Sollen sie Gehorsam leisten oder den eigenen moralischen Instinkten folgen?

Hugo Boris erzählt „in einer ganz nüchternen, unaufgeregten Sprache“ (NDR) von der beklemmenden Situation. „Große Kunst“, hieß es in einer euphorischen Besprechung auf SPIEGEL Online. Die Kinoverfilmung des Romans mit Omar Sy in der Hauptrolle ist in Vorbereitung.

Hugo Boris, Jahrgang 1979, lebt in Paris. Er lehrt an einer Filmhochschule und ist Autor mehrerer preisgekrönter Romane, die bisher nicht ins Deutsche übersetzt wurden.

Die Polizisten von Hugo Boris ist bei Ullstein erschienen.
(JK 11/18)

Marie Richeux, die Gewinnerin der Hamburger Jury zum Prix du premier roman, liest im Institut français de Hambourg am Freitag, 26. Oktober

Institut français de Hambourg
Freitag, 26.10.2018  19.00 Uhr
Heimhuder Straße 55, Hamburg
Eintritt: frei

Marie Richeux, die Gewinnerin der Hamburger Jury zum Prix du premier roman stellt ihren Debütroman Climats de France vor, der bei Sabine Wespieser Editeur erschienen ist. Julie Müller moderiert. Die Veranstaltung findet in französischer Sprache statt.

Jedes Jahr im Mai findet das Festival du premier roman de Chambéry-Savoie statt. Leserjurys wählen dafür den besten Debütroman eines Jahres und entscheiden, welche Autorinnen und Autoren zum dreitägigen Festival nach Chambéry eingeladen werden. Die Hamburger Jury, die eine Auswahl an französischsprachigen Debüts gelesen hat, wählte Marie Richeuxs Roman zu ihrem Favoriten.

„Fernand Pouillon will den Bewohnern mehr als ein Dach überm Kopf geben, er möchte Empfindungen transportieren.“

Der Debütroman von Marie Richeux dreht sich um den Architekten Fernand Pouillon und seine zwei emblematischen Gebäudekomplexe, die er entworfen hat, einer in Meudon-la-Forêt, in der Pariser Banlieue, und der andere in Algier. In 2009 spürte die Autorin auf einer Reise in die algerische Hauptstadt eine Nähe zwischen einem Gebäude in Algier und dem Komplex Climat de France, in dem sie selber aufgewachsen ist. Ihr wurde bewusst, dass sie in einem Haus aufgewachsen ist, das auf Grundlage der gleichen Ideen, Wünsche und Steine, wie der Komplex in Algier erbaut wurde.

Die Autorin hat in ihrem Roman den Einfluss untersucht, den der Ort und das Gebäude sowie seine Bewohner auf die Personen ausübt, die in ihm leben und vor allem ihre Kindheit zubringen – ähnlich wie familiäre und soziale Einflüsse. Erinnerungen und Bruchstücke, die uns im Gedächtnis bleiben, und auch Mauern und Gebäude betreffen formen den Text. Der Roman rückt den Architekten ins Zentrum, sowie seinen Nachbarn, Malek, der aus Oran kommt und in Paris Taxifahrer wird. Auch der Algerienkrieg spielt im Roman eine Rolle, aber nicht vordergründig, da Malek vor Ausbruch des Kriegs in Paris eintrifft, doch die Narben, die der Krieg hinterlassen wird, sind unübersehbar. Architektenträume, Realisierung, Verkauf, Einzug, erste Nachbarn, Kinder die zur Schule gehen, Besuche von Freunden, Panorama-Ausblick, Pizza vorm Fernseher, Todesfälle, Trauer – all das errichtet ein inneres Gebäude, ebenso wie die Steine ein Haus. Lassen Sie sich vom dichten, musikalischen und sensiblen Text dieses Romans, der wie ein Puzzle beim Lesen zusammengesetzt wird, durch die Geschichte tragen.

Climats de France von Marie Richeux ist bei Sabine Wespieser Editeur erschienen.
(JK 10/18)