Marcial Gala: Die Kathedrale der Schwarzen (Nagel & Kimche)

„Kuba von unten“ zeigt der kubanische Autor Marcial Gala in seinem Roman Die Kathedrale der Schwarzen.

Ausgerechnet in Punta Gotica, einem Viertel Cienfuegos, in dem nur vergessene Schwarze und arme Weiße wohnen, wird eine neue Kirche errichtet. Das Gotteshaus soll ein Symbol sein, über die Stadt und Kuba hinaus, etwas Aufstrebendes in Zeiten, in denen alles verfällt. Geld und freiwillige Mitarbeiter fließen den Erbauern nur so zu, beständig wird die Kirche erweitert – und gerade deshalb nie fertiggestellt.

Marcial Gala lässt die Menschen zu Wort kommen, die im Schatten des von Tag zu Tag wachsenden Monumentalbaus leben, er zeigt uns Kuba von unten und ein Land, das der US-Luxuskapitalismus vor eine Zerreißprobe stellt – existenziell, roh und mit vielen Zwischentönen. Prall und roh und ungeschönt ist das Bild, das er zeichnet, nichts für zarte Nerven. Die Zeichnung der Figuren im Buch ist extrem. Doch erfüllt Gala damit genau den Zweck, die Monstrosität der deprimierenden sozialen Situation zu verbildlichen. Dadurch erhält die Geschichte Authentizität. Es ist nicht das Kuba von puderweißen Stränden, karibischem Türkis oder romantisierender Revolution und Fidels Gesellschaftsordnung.

Marcial Gala, 1965 in Havana geboren, ist Autor und Architekt. 1999 wurden seine Kurzgeschichten mit dem Pinos Nuevos Award ausgezeichnet, sein Roman Die Kathedrale der Schwarzen mit dem Alejo Carpentier Award 2012 und dem Critics‘ Award für das beste kubanische Buch 2012. Gala lebt in Buenos Aires (Argentinien) und Cienfuegos.

Die Kathedrale der Schwarzen von Marcial Gala ist bei Nagel & Kimche erschienen.
(JK 12/20)

Arno Strobel: Die App (Fischer Taschenbuch)

Die App
, der neue Psycho-Thriller von Arno Strobel

Du hast die App auf deinem Handy. Sie macht dein Zuhause sicherer. Doch nicht nur die App weiß, wo du wohnst.

Es klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Hamburg-Winterhude, ein Haus mit Smart Home, alles ganz einfach per App steuerbar, jederzeit, von überall. Und dazu absolut sicher. Hendrik und Linda sind begeistert, als sie einziehen. So haben sie sich ihr gemeinsames Zuhause immer vorgestellt. Aber dann verschwindet Linda eines Nachts. Es gibt keine Nachricht, keinen Hinweis, nicht die geringste Spur. Die Polizei ist ratlos, Hendrik kurz vor dem Durchdrehen. Konnte sich in jener Nacht jemand Zutritt zum Haus verschaffen? Und wenn ja, warum hat die App nicht sofort den Alarm ausgelöst? Hendrik fühlt sich mehr und mehr beobachtet. Zu recht, denn nicht nur die App weiß, wo er wohnt…

Das Thema berührt uns alle. Immer mehr wird automatisiert und digitalisiert und auch vor unserem Zuhause macht diese Entwicklung nicht halt. Man gibt die Kontrolle aus der Hand in der Überzeugung, es kann nicht schieflaufen. Das ist die Urangst, mit der Arno Strobel spielt und die verfängt. Er legt Fährten, die ins Leere laufen und hält die Spannung hoch. Mehr sei hier nicht verraten.

Arno Strobel liebt Grenzerfahrungen und teilt sie gern mit seinen Lesern. Deshalb sind seine Thriller wie spannende Entdeckungsreisen zu den dunklen Winkeln der menschlichen Seele und machen auch vor den größten Urängsten nicht Halt. Seine Themen spürt er dabei meist im Alltag auf und erst, wenn ihn eine Idee nicht mehr loslässt und er den Hintergründen sofort mit Hilfe seines Netzwerks aus Experten auf den Grund gehen will, weiß er, dass der Grundstein für seinen nächsten Roman gelegt ist. Alle seine bisherigen Thriller waren Bestseller. Arno Strobel lebt als freier Autor in der Nähe von Trier.

Die App von Arno Strobel ist bei Fischer Taschenbuch erschienen.
(JK 12/20)

Martin Maurer: Die Krieger (DuMont)

In Martin Maurers Krimi Der Krieger macht sich ein Berliner Ermittler im München der Achtziger auf die Suche nach einem Attentäter.

Das Jahr 1984 hat gerade begonnen, die Proteste gegen die Stationierung der Pershing-II-Raketen hören nicht auf, im Radio läuft Joy Division. Nick Marzek, 43, gebürtiger Berliner, ist seit Kurzem Kriminalkommissar bei der Münchner Polizei. Nach dem Tod seiner Frau versucht er sich im Reich von Franz Josef Strauß und dessen CSU ein neues Leben aufzubauen. Mit bescheidenem Erfolg. Da ereignet sich ein verheerender Brandanschlag auf die Diskothek Liverpool im Bahnhofsviertel. Es gibt zahlreiche Verletzte, und der Druck auf die ermittelnden Beamten ist groß. Alles deutet auf Revierkämpfe im Rotlichtmilieu hin. Doch der Fall nimmt eine unerwartete Wendung: Von der italienischen Polizei wird den Ermittlern ein Bekennerschreiben zugeschickt, und Nick bleibt nichts anderes übrig, als dem Hinweis nachzugehen. Er muss nach Italien. Hilfe bekommt er dabei von Graziella Altieri, die bei der Mordkommission eigentlich als Reinigungskraft arbeitet, nun aber als Übersetzerin einspringt. Nick und Graziella beginnen in Mailand mit ihren Nachforschungen – und müssen erkennen, dass der Fall eine politische Dimension hat…

Martin Maurer hat einen packenden Thriller geschrieben mit einer komplexen Geschichte. Dabei nimmt er die wahre Begebenheit um den Brandanschlag auf die Münchner Disko und die Gruppe Ludwig als Grundlage. Erstaunlich, dass von dieser grauenhaften Tat so wenig im kollektiven Gedächtnis geblieben ist. Das Buch entwickelt sich im Verlauf zu einem Politthriller und man erahnt, dass das Thema auch heute noch hoch aktuell ist. Dies erhöht die Dramatik ungemein. Bleibt zu hoffen, dass Martin Maurer seinen Helden Nick Marzek mit weiteren Fällen literarisch am Leben hält.

Martin Maurer wurde 1968 in Konstanz am Bodensee geboren. Er studierte Dramaturgie und Drehbuch an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg und arbeitet als Drehbuchautor. 2011 erschien sein Thriller Terror. Er lebt in Berlin und Italien.

Die Krieger von Martin Maurer ist bei DuMont erschienen.
(JK 12/20)

T.C. Boyle: Das Licht (dtv)

Der Bestseller Das Licht von T.C. Boyle ist jetzt bei dtv als Taschenbuch erhältlich.

Endlich wird der aufstrebende wissenschaftliche Assistent Fitz in Harvard auf eine der LSD-Partys seines Professors Leary eingeladen. Doch bald merkt er, dass Learys Ziele weniger medizinischer Natur sind: Es geht ihm um eine Revolution des Bewusstseins und eine von sozialen Zwängen befreite Lebensform. Fitz wird mitgerissen von dieser Vision, mit Frau und Sohn zieht er in eine Kommune. Er experimentiert mit Rauschmitteln und sexuellen Ausschweifungen jeglicher Art. Doch ist LSD wirklich mehr als eine Droge?

T.C. Boyle beschreibt den Ideengeber der späteren Hippiebewegung und kommt damit auf eine seiner Kernaussagen seines Schaffens zurück. Die richtigen Ideale zu haben, falsch umzusetzen und letztendlich zu scheitern. Das setzt T.C. Boyle meisterlich um.

T. Coraghessan Boyle, geboren 1948 in Peekskill, New York, unterrichtet an der University of Southern California in Los Angeles. Für seinen Roman World's End erhielt er 1988 den PEN/Faulkner-Preis. Als Enfant terrible der amerikanischen Gegenwartskultur wurde T. C. Boyle zum Pop- und Literaturstar seiner Generation.

Das Licht von T.C. Boyle ist bei dtv erschienen.
(JK 12/20)

Alex Lépic: Lacroix und die Toten vom Pont Neuf (Droemer)

Alex Lépic hat mit dem Krimi Lacroix und die Toten vom Pont Neuf den ersten Fall für den Kommissar Lacroix aus Paris geschrieben. Eine liebevolle Hommage an seinen berühmtesten Vorgänger, Kommissar Maigret.

Wer hat es auf die Pariser Clochards abgesehen? In drei aufeinanderfolgenden Nächten werden am Ufer der Seine Stadtstreicher ermordet, die Leichen findet man jeweils unter einer Brücke. Obwohl Kommissar Lacroix und seine Kollegen nach dem ersten Mord rund um die Uhr Wache an den Ufern der Seine halten, können sie weder die weiteren Taten verhindern noch Zeugen finden. Die Presse stürzt sich auf den Fall – und auf Kommissar Lacroix: Seit ein junger Kollege eine scherzhafte Bemerkung über seinen altmodischen Hut und Mantel gemacht hat, hängt dem Kommissar ein berühmter Spitzname an: „der neue Maigret“. So viel Aufmerksamkeit ist Lacroix gar nicht recht, schließlich gilt es, einen Mörder zu fassen, der womöglich vor 30 Jahren schon einmal Clochards in Paris ermordet hat.

Kommissar Lacroix ist ein wunderbar nostalgischer Ermittler mit einer Abneigung gegen Handys und einer Vorliebe für gutes Essen und noch besseren Wein. Mit augenzwinkerndem Charme verbeugt sich Krimi-Autor Alex Lépic vor seinem großen Vorbild, George Simenons berühmtem Kommissar Maigret.

Mit der Figur Lacrois reiht sich Alex Lépic in die Reihe deutschstämmiger Autoren ein, die ihren Krimihelden in Frankreich leben lassen. Die Atmosphäre von Savoir Vivre, die französische Art, das Leben etwas leichter zu nehmen, vor allen Dingen die gastronomischen Künste zu feiern, das romantisierende Image Frankreichs und Paris, der Stadt der Liebe. Das alles wird wunderbar bedient, das wollen die Leser von Frankreich-Krimis spüren und erleben. In diesem Sinne tadellos erfüllt, sehr unterhaltsam und gut geschrieben.

Alex Lépic, alias Alexander Oetker geboren 1980 in Paris, ist in Deutschland aufgewachsen, setzt sich aber so oft wie nur möglich in den Zug, um in sein heiß geliebtes Paris zurückzukehren, wo er ein kleines Mansardenzimmer bewohnt, leider nicht im feinen siebten Arrondissement und auch nicht mit Blick auf den Pont Neuf. Lacroix und die Toten vom Pont Neuf ist sein Debüt – und wurde vor allem auf den Terrassen der Pariser Bistros geschrieben, wo zur Zeit auch schon der zweite Fall für Kommissar Lacroix entsteht.

Lacroix und die Toten vom Pont Neuf  von Alex Lépic ist bei Droemer erschienen.
(JK 12/20)

Rydahl & Kazinski: Die tote Meerjungfrau (Droemer)

Thomas Rydahl und das Autorenduo A.J. Kazinski haben gemeinsam den Krimi Die tote Meerjungfrau geschrieben und das berühmte Andersen-Märchen der kleinen Meerjungfrau neu erzählt. Eine dunkle Zeit – ein begnadeter junger Dichter – eine wahre Geschichte?

Folgen Sie Hans Christian Andersen in diesem atmosphärisch-fesselnden historischen Krimi bei den Ermittlungen zu einem Mord-Fall, der ihn zu seinem Märchen Die kleine Meerjungfrau inspiriert haben könnte.

Kopenhagen 1834: Hans Christian Andersen träumt davon, als Dichter zu Ruhm zu gelangen – stattdessen verhaftet man ihn wegen Mord-Verdachts. Eine junge Prostituierte, bei der er am Vorabend gesehen worden war, wird tot aus dem dreckigen Wasser des Kanals gezogen. Zwar wird der Dichter auf Bitten eines Mäzens wieder auf freien Fuß gesetzt, doch ihm bleiben nur drei Tage, seine Unschuld zu beweisen. Mit der Hilfe von Molly, der Schwester der Ermordeten, macht Andersen sich auf die Suche nach dem wahren Mörder und findet heraus, dass es offenbar ein weiteres Opfer gibt. Gemeinsam sind Andersen und Molly einer ungeheuerlichen Geschichte auf der Spur…

Thomas Rydahl und A. J. Kazinski haben mit Die tote Meerjungfrau einen historischen Krimi geschrieben, der die Leser tief in die Zeit Hans Christian Andersens eintauchen lässt, als Kopenhagen und ganz Dänemark schwer unter den Folgen der Napoleonischen Kriege zu leiden hatten. Der Mord an einer Prostituierten könnte Andersen zu Die kleine Meerjungfrau inspiriert haben. Für alle Fans der Märchen von Hans Christian Andersen finden sich viele weitere Anspielungen in diesem mitreißenden historischen Krimi. Die Märchen von Hans-Christian Andersen sind in der Regel düster undsie umgibt eine traurige Atmosphäre. Die Autoren versuchen herauszufinden, wo vielleicht die Ursache dahintersteckt. Dafür erdenken sie sich einen brutalen und verstörenden Mordfall. Die Adaption des Märchens hierzu gelingt gut. Spannender Plot und sehr unterhaltend.

Thomas Rydahl, 1974 geboren, ist ein preisgekrönter dänischer Autor. Sein erster Roman, der Bestseller Der Einsiedler, wurde in 15 Länder verkauft. 2015 gewann er den Glasnøglen (Glasschlüssel), den Preis für den besten Skandinavischen Spannungsroman des Jahres.

A.J. Kazinski ist das Pseudonym des Autorenduos Anders Rønnow Klarlund und Jacob Weinreich, die seit 2010 bereits sieben Romane veröffentlicht haben, die sich zusammen über 450.000 mal in Dänemark allein verkauft haben. Außerdem wurden sie weltweit in über 20 Länder verkauft.

Die tote Meerjungfrau von Rydahl & Kazinski ist bei Droemer erschienen.
(JK 12/20)

Håkan Nesser: Barbarotti und der schwermütige Busfahrer (btb)

In Håkan Nessers neuen Krimi Barbarotti und der schwermütige Busfahrer ermittelt Inspektor Barbarotti ermittelt auf Gotland.

Gegen Inspektor Barbarottis Polizeikollegin – und neue Lebensgefährtin – Eva  Backman wird in Stockholm intern ermittelt. Sie musste bei einem Einsatz zur Schusswaffe greifen, um Schlimmeres zu verhindern, was für einen der Beteiligten allerdings böse endete. Um Abstand zu gewinnen, beschließen Barbarotti und Backman, sich in die herbstliche Abgeschiedenheit Gotlands zurückzuziehen. Doch die Ruhe ist trügerisch. Barbarottis kriminalistische Instinkte werden geweckt, als er in einem Fahrradfahrer jenen rätselhaften Busfahrer zu erkennen glaubt, der vor sechs Jahren Opfer eines Verbrechens wurde, ohne dass man seine Leiche je gefunden hätte...

Es sind keine blutigen, actiongetriebene Verbrechen, die Håkan Nesser seinen Krimis zugrunde legt. Es ist die ruhige, bedächtige Atmosphäre und der Rahmen, in den ein Verbrechen eingebettet ist, die seine Krimis ausmachen und natürlich allem voran die Ermittler als Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten. Schwedischer Krimi at its best. Auch im neusten Fall in der Barbarotti-Reihe erzählt Håkan Nesser auf hohem Niveau mit intelligenten Dialogen und schwarzem Humor. Er erzählt auf zwei Zeitebenen, was dem Krimi Abwechslung beschert. Der neue Fall für Barbarotti reiht sich als Nummer 6 ein in die Reihe, und es können gerne noch viele mehr sein.

Håkan Nesser, geboren 1950, ist einer der beliebtesten Schriftsteller Schwedens. Für seine Kriminalromane erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, sie sind in über zwanzig Sprachen übersetzt und mehrmals erfolgreich verfilmt worden. Håkan Nesser lebt abwechselnd in Stockholm und auf Gotland.

Barbarotti und der schwermütige Busfahrer von Håkan Nesser ist bei btb erschienen.
(JK 12/20)

Aravind Adiga: Amnestie (C.H. Beck)

Ein illegaler Einwanderer aus Sri Lanka in Australien steht im Mittelpunkt von Aravind Adigas neuen Roman Amnestie.

Danny, eigentlich Dhananjaya Rajaratnam und ursprünglich aus Sri Lanka, ist der Status als Flüchtling in Australien verwehrt worden. Nun wohnt er als Illegaler im Lagerraum eines Supermarkts in Sydney und schlägt sich seit drei Jahren als Putzkraft durch. Er ist nahe dran, ein beinahe normales Leben führen zu können. Aber dann erfährt er, dass eine seiner Kundinnen ermordet wurde. Details vom Tatort lassen ihn vermuten, der Liebhaber der Frau, ebenfalls ein Kunde, könnte in den Mord verstrickt sein. Die beiden hatten die Angewohnheit, Danny bei ihren Rendezvous wie ein Maskottchen in der Nähe haben zu wollen. Er zögert, die Polizei zu informieren, denn als entdeckter illegaler Einwanderer würde Danny auf eine abgelegene Insel vor Australien deportiert. Dann bestellt der verdächtige Arzt Danny wieder zu sich...

Amnestie ist ein typischer, vom Schauplatz her aber ungewöhnlicher Adiga-Roman: die spannende, heftige Erzählung von besonderer heutiger Dringlichkeit über ein moralisches Dilemma und Machtverhältnisse, Liebe und Gewalt. Adiga kann sich nicht recht entscheiden, ob er die Geschichte als Krimi oder doch Roman zu Ende bringt, doch egal welche Kategorie, das Buch überzeugt. Geht es im ersten Teil um das Verbrechen, streicht Adiga im zweiten Teil Gesellschaftskritik hervor, in dem er ganz politisch das Migrationsproblem thematisiert, das die Globalisierung mit sich bringt. Aravind Adiga kann auch mit seinem neuen Roman erneut überzeugen.

Aravind Adiga, geboren 1974 in Madras, wuchs zeitweise in Sydney, Australien, auf, studierte Englische Literatur an der Columbia University und am Magdalen College in Oxford. Er arbeitete als Korrespondent für die Zeitschrift Time und für die Financial Times. Er lebt in Mumbai, Indien.

Amnestie von Aravind Adiga ist bei C.H. Beck erschienen.
(JK 12/20)

Pilar Quintana: Hündin (Aufbau)

Der Roman
Hündin der kolumbianischen Autorin Pilar Quintana ist ein literarisches Meisterwerk über die ungestillte Sehnsucht einer Frau nach Mutterglück und ihrem Platz in der Gesellschaft.

In einem kleinen Dorf in Südamerika, zwischen Dschungel und Pazifischem Ozean, leben Reiche und Arme, Weiße und Schwarze getrennt voneinander. Das Leben ist bestimmt von heftigen Naturgewalten und rauer Einsamkeit. Hier spielt die Geschichte von Damaris, einer schwarzen Frau in den Vierzigern, die seit vielen Jahren mit Rogelio zusammenlebt. Ihre Beziehung wird beherrscht von dem Wunsch nach einem gemeinsamen Kind. Als das Paar die Hoffnung längst aufgegeben hat, erhält Damaris die Chance, einen Hundewelpen zu adoptieren. Diese neue Bindung wird zu einer existenziellen Erfahrung, die alles andere in Damaris Leben in den Schatten stellt.

Pilar Quintanas Roman wühlt auf, er ist verstörend und bewegend, tief traurig. Auf Spanisch ist Hündin ein Schimpfwort für Frauen, in dem Sinne ist die Metapher vielsagend und vielschichtig. Als Aussenseiterin ist Damaris Gewalt ausgesetzt und die sozialen Schranken sind für sie unüberwindbar. Mit Recht wird Pilar Quintana als eine der kraftvollsten der neuen Stimmen Lateinamerikas gefeiert.

Pilar Quintana, Jahrgang 1972, ist eine der bekanntesten und meistgelesenen Autorinnen Lateinamerikas. Ihr Roman Hündin markiert einen großen Meilenstein: Er ist der erfolgreichste und meistverkaufte literarische Roman der letzten Jahre in Kolumbien und wurde 2018 mit dem begehrten Premio Biblioteca de Narrativa Colombiana ausgezeichnet.

Hündin von Pilar Quintana ist bei Aufbau erschienen.
(JK 12/20)

Jo Nesbø: Ihr Königreich (Ullstein)

In seinem neuen Krimi
Ihr Königreich fragt Jo Nesbø, wie weit würdest du für deine Familie gehen?

Als die Polizei nach Jahren erneut in dem Fall ihres verschwundenen Chefs ermittelt, ist Automechaniker Roy alarmiert. Die Rückkehr seines Bruders Carl in die kleine Stadt Os in den Bergen Norwegens wirbelt zu viel Staub auf. Auch dass Carls Frau Shannon genau sein Typ ist macht Roy nervös. Carl hingegen ist voll großer Pläne und verspricht, ganz Os reich zu machen. Doch plötzlich kursieren im Ort Gerüchte und Verdächtigungen auch zum Unfalltod ihrer Eltern. Roy hat seinen kleinen Bruder immer beschützt, aber jetzt stehen sie sich als Rivalen gegenüber.

Kein neuer Fall für Harry Hole. Doch Jo Nesbø läuft auch in diesem „standalone“-Krimi zu Hochform auf. Spannend und intelligent entwirft er das Psychogramm zweier Brüder. Eine trügerische Landidylle entpuppt sich als ein Ort mit Abgründen. Der Krimi ist ganz anders als die Harry Hole-Romane. Kein kaputter Kommissar, der als Markenzeichen von einer persönlichen Krise zur nächsten laviert, sondern ein Familiendrama mit einem dunklen Geheimnis. Ob Nesbø damit die Harry Hole-Fangemeinde mitnehmen kann, ist schwer einzuschätzen, doch überzeugt er auch mit diesem für ihn ungewohnten Krimi.

Jo Nesbø, 1960 geboren, ist Ökonom, Schriftsteller und Musiker. Er gehört zu den renommiertesten und erfolgreichsten Krimiautoren weltweit. Jo Nesbø lebt in Oslo.

Ihr Königreich von Jo Nesbø ist bei Ullstein erschienen.
(JK 11/20)

Parker Bilal: London Burning (rororo)

Auf der einen Seite Salafisten, auf der anderen rechte „Bürgerwehren“ – und die Presse peitscht sie auf. Das ist der Rahmen für Parker Bilals Kriminalroman
London Burning.

Als Kommissar Calil Drake frühmorgens zu einer Baustelle im südlichen London gerufen wird, erwartet ihn ein makabrer Tatort: Zwei Leichen, brutal zerquetscht unter Gesteinsbrocken. Drake wittert die Chance, endlich seinen beschädigten Ruf wiederherzustellen. Woher kannten sich die Toten? Um die entscheidende Verbindung zwischen den beiden aufzudecken, nimmt er sogar die Hilfe der forensischen Psychiaterin Dr. Rayhana Crane in Kauf. Doch während das Ermittlerteam in der Vergangenheit der Opfer nach Spuren sucht, beginnt die Presse, von einer Steinigung nach Scharia-Recht zu schreiben – und die Spannungen in dem prekären Viertel drohen zu eskalieren...

Parker Bilal setzt mit seinem Krimi die kulturelle und soziale Zerrissenheit der Metropole London in den Fokus. Profitgier, Rassismus, kollektive Paranoia und Brexit gehen eine explosive Mischung ein. Die beiden Hauptfiguren im Serienauftakt lassen auf interessante Folgefälle hoffen. Mit gut psychologisch ausgeleuchteten Figuren kann Parker Bilal einen komplexen Krimi schreiben, der aktuell und spannend ist und dabei die Zutaten eines Krimis geschickt einsetzt. Der Showdown lässt nichts zu wünschen übrig.

Parker Bilal ist das Pseudonym, unter dem der britisch-sudanesische Autor Jamal Mahjoub als Kriminalautor schreibt. Geboren 1960 in London, wuchs Mahjoub in Khartum im Sudan auf, der Heimat seines Vaters. Für seine literarischen Werke hat er zahlreiche internationale Auszeichnungen und Preise erhalten. Nach vielen Jahren im dänischen Aarhus lebt Mahjoub nun in Barcelona.

London Burning von Parker Bilal ist bei rororo erschienen.
(JK 11/20)

Margaret Atwood: Die Zeuginnen / Der Report der Magd (Piper)

Für ihren Roman Die Zeuginnen erhielt Margaret Atwood den Booker Prize 2019. Er ist die Fortsetzung ihres 1985 erschienenen und vor Kurzem in einer aufsehenerregenden Serie verfilmten Kultromans Der Report der Magd. Beide sind nun als Taschenbuch erhältlich.

„Und so steige ich hinauf, in die Dunkelheit dort drinnen oder ins Licht.“ – Als am Ende vom Report der Magd die Tür des Lieferwagens und damit auch die Tür von Desfreds „Report“ zuschlug, blieb ihr Schicksal für uns Leser ungewiss. Was erwartete sie: Freiheit? Gefängnis? Der Tod? Das Warten hat ein Ende! Mit Die Zeuginnen nimmt Margaret Atwood den Faden der Erzählung fünfzehn Jahre später wieder auf, in Form dreier explosiver Zeugenaussagen von drei Erzählerinnen aus dem totalitären Schreckensstaat Gilead. „Liebe Leserinnen und Leser, die Inspiration zu diesem Buch war all das, was Sie mich zum Staat Gilead und seine Beschaffenheit gefragt haben. Naja, fast jedenfalls. Die andere Inspirationsquelle ist die Welt, in der wir leben.“

Der Roman Der Report der Magd, erschienen bereits 1985, war provokant, erschreckend und geradezu prophetisch, wenn man die Entwicklungen in den USA während der letzten zehn Jahre betrachtet. Der Roman ist die provozierende Vision eines totalitären Staats: Nach einer atomaren Verseuchung ist ein großer Teil der weiblichen Bevölkerung unfruchtbar. Die Frauen werden entmündigt und in drei Gruppen eingeteilt: Ehefrauen von Führungskräften, Dienerinnen und Mägde. Letztere werden zur Fortpflanzung rekrutiert und sollen für unfruchtbare Ehefrauen Kinder empfangen. Auch die Magd Desfred wird Opfer dieses entwürdigenden Programms. Doch sie besitzt etwas, was ihr alle Machthaber, Wächter und Spione nicht nehmen können, nämlich ihre Hoffnung auf ein Entkommen, auf Liebe, auf Leben...

Im Fortsetzungsroman Die Zeuginnen schließt Margaret Atwood die Lücken, die beim Report der Magd bewusst offen gelassen wurden. Anders als der erste Band, ist Die Zeuginnen ein Pageturner, liest sich wie ein Abenteuerroman. Das Ende ist sogar so gestaltet, dass es Raum für eine Fortsetzung bietet. Sprachlich vielleicht nicht so wuchtig wie in 1985, so schafft es Margaret Atwood allerdings den Finger in der Wunde zu halten und uns bewusst zu machen, dass unsere Wirklichkeit nicht so weit entfernt ist von ihrer Fiktion. Beängstigend.

Margaret Atwood, geboren 1939 in Ottawa, gehört zu den bedeutendsten Erzählerinnen unserer Zeit. Ihr Report der Magd wurde zum Kultbuch einer ganzen Generation. Bis heute stellt sie immer wieder ihr waches politisches Gespür unter Beweis, ihre Hellhörigkeit für gefährliche Entwicklungen und Strömungen. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Man Booker Prize, dem Nelly-Sachs-Preis, dem Pen-Pinter-Preis und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Margaret Atwood lebt in Toronto.

Die Zeuginnen und Der Report der Magd von Margaret Atwood sind bei Piper erschienen.
(JK 11/20)

Christoph Peters: Dorfroman (Luchterhand)

Im Schatten des Reaktors – Christoph Peters neuer Roman
Dorfroman ist ein fulminanter Rückblick auf die idyllische Weltfremdheit der 70er Jahre.

Alles scheint noch vertraut in Hülkendonck, einem Dorf am Niederrhein. Als wären die dreißig Jahre, in denen der Erzähler hier nicht mehr lebt, nie gewesen. Sein Besuch bei den Eltern beschwört die Vergangenheit wieder herauf: die idyllische Weltfremdheit der 70er Jahre, den Beginn einer industriellen Landwirtschaft, die das bäuerliche Milieu verdrängt. Und den geplanten Bau des „Schnellen Brüters“, eines neuartigen Atomkraftwerks, das die Menschen im Ort genauso tief spaltet wie im ganzen Land. Es ist jene Zeit, in der der Erzähler zu ahnen beginnt, dass das Leben seiner Eltern nicht das einzig mögliche ist – und in der er Juliane kennenlernt, eine Anti-Atomkraft-Aktivistin, die ihn in die linke Gegenkultur einführt...

Einfühlsam und packend erzählt Christoph Peters von den inneren Zerreißproben eines jungen Mannes und eines ganzen Dorfes. Es ist der große Roman über den turbulenten Aufbruch in jene Bundesrepublik, in der wir heute leben. In ruhigem, nicht belehrendem und nicht überheblichen Ton erzählt Peters seine Geschichte. Mal aus der Perspektive als Junge und mal als der Erwachsene, der er heute ist. Das verleiht der Geschichte Authentizität, zumal es eine Perspektive aus der Innensicht zutage fördert. Literarisch wie immer bei ihm auf hohem Niveau, ist der Roman ein wichtiges und großartiges Zeitzeugnis insbesondere für die Generation, die unmittelbar damals betroffen und involviert war.

Christoph Peters wurde 1966 in Kalkar geboren. Er ist Autor zahlreicher Romane und Erzählungsbände und wurde für seine Bücher mehrfach ausgezeichnet, unlängst z. B. mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg (2016) und dem Wolfgang-Koeppen-Preis (2018). Christoph Peters lebt heute in Berlin.

Dorfroman von Christoph Peters ist bei Luchterhand erschienen.
(JK 11/20)

Kevin Kwan: Sex & Vanity (Kein & Aber)

Eine schillernd-verrückte Geschichte von Liebe und Reichtum. Kevin Kwan gewährt in seinem Roman
Sex & Vanity Einblick in die turbulente Gefühlswelt der Superreichen und ihre geheimen Inseln der Eitelkeit: Capri und New York.

Es ist Abneigung auf den ersten Blick: Als Lucie bei einer prachtvollen Hochzeit auf Capri auf George trifft, kann sie ihn auf Anhieb nicht ausstehen. Niemand sollte in einer Speedo-Badehose so gut aussehen! Fünf Jahre später führt sie mit ihrem neuen Verlobten ein Luxusleben in New York. Doch da taucht George wieder auf, und Lucie sträubt sich mit aller Kraft gegen seinen Zutritt in ihre Welt – und in ihr Herz.

Wieder ein schräger Roman à la Crazy Rich, dieses Mal nicht in Singapur sondern in der schönen, reichen, schillernden weiten Welt. Ach, was haben es die Superreichen schwer, immer auf der Hut, ihre Eitelkeit angekratzt zu sehen. Schöne seichte Unterhaltung mit bösen Seitenhieben.

Kevin Kwan wurde 1973 in Singapur geboren und zog als Kind mit seiner Familie in die USA. Von der TIME wurde er auf die Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten gesetzt. Die Bände seiner Crazy-Rich-Trilogie waren Spiegel-Bestseller und wurden in 35 Sprachen übersetzt. Kevin Kwan lebt in Los Angeles.

Sex & Vanity von Kevin Kwan ist bei Kein & Aber erschienen.
(JK 11/20)

Roman Ehrlich: Malé (S. Fischer)

Roman Ehrlichs Roman Malé ist auf der Longlist nominiert für den Deutschen Buchpreis 2020.

Alle Versuche, die Malediven vor dem steigenden Meeresspiegel zu retten, sind gescheitert, Pauschaltouristen haben sich neue Ziele gesucht, und der Großteil der Bevölkerung musste die Inseln verlassen. Gleichzeitig ist die heruntergekommene Hauptstadt Malé zum Ziel all jener geworden, die nach einer Alternative zum Leben in den gentrifizierten Städten des Westens suchen. Und so wird die Insel für die kurze Zeit bis zu ihrem Untergang zur Projektionsfläche für Aussteigerinnen, Abenteurer und Utopistinnen, zu einem Ort zwischen Euphorie und Albtraum, in dem neue Formen der Solidarität erprobt werden und Menschen unauffindbar verschwinden.

Mit Malé fängt Roman Ehrlich die komplexe Stimmungslage unserer Zeit ein und verwebt die Geschichten rund um die Sehnsüchte und das Scheitern seiner Figuren zu einem Abbild all der Widersprüche, die das Leben zu Beginn des 21. Jahrhunderts ausmachen.

Ein buntes Sammelsurium an Aussteigern versammelt Roman Ehrlich auf den Malediven. Konsumkritik und Tourismuskritik kommen in der postapokalyptischen Szenerie der ehemals Trauminseln auf. Dabei wahrt der Autor in seiner Sprache eine kühle Distanz zum Versinken der Inseln. Roman Ehrlich betreibt experimentelle Literatur, sperrig und schwer fassbar. Er baut damit eine Distanz zum Thema Klimakatastrophe, das in der Regel zu viel Pathos verleitet. Es verlangt vom Leser, dass er sich auf das Buch einlassen muss. Es ist nicht die leichte Freizeitlektüre, die der Titel suggeriert.

Roman Ehrlich, geboren 1983 in Aichach, aufgewachsen in Neuburg an der Donau, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und an der Freien Universität Berlin.

Malé von Roman Ehrlich ist bei S. Fischer erschienen.
(JK 11/20)

Yvonne Adhiambo Owuor: Das Meer der Libellen (DuMont)

Yvonne Adhiambo Owuor zählt zu den wichtigsten literarischen Stimmen des afrikanischen Kontinents.

Nach ihrem gefeierten Debütroman Der Ort, an dem die Reise endet legt Yvonne Adhiambo Owuor mit Das Meer der Libellen einen kraftvoll erzählten Roman über eine junge Frau vor, die darum kämpft, ihren Platz in der Welt zu finden – eine ergreifende Geschichte über Schicksal, Tod, Liebe und Verlust.

Auf der Insel Pate, vor der Küste Kenias, lebt die eigensinnige Ayaana mit ihrer Mutter Munira. Als ein Matrose namens Muhidin in ihr Leben tritt, findet Ayaana etwas, wonach sie sich immer gesehnt hat: einen Vater. Doch als Ayaana erwachsen wird, muss sie mit einschneidenden Ereignissen zurechtkommen, die nicht nur sie selbst, sondern auch das Leben auf Pate tiefgreifend verändern: Fremde mit zweifelhafter Vergangenheit tauchen auf, religiöse Extremisten suchen Zuflucht auf der Insel, China streckt seine Fühler nach Afrika aus und mit einem Tsunami fordert die Natur ihren Tribut. So beschließt Ayaana, in der Ferne ihr Glück zu suchen und ein Studium in China zu beginnen. Sie begibt sich auf eine gefährliche Schiffsreise, die letztlich vor allem eines ist – eine Reise zu sich selbst.

Eine märchenhafte Geschichte breitet die Autorin in poetischer Sprache aus. Atmosphärisch dicht und überaus farbenprächtig ist das Leben der Ayaana in dem Roman. Vielschichtig ist die Suche Ayaanas zu sich selbst. Sehr gut beobachtend und detailliert hat die Autorin einen ozeanumspannenden Roman geschrieben, wobei der Ozean Sinnbild ist für die Vielschichtigkeit unserer globalisierten Welt.

Yvonne Adhiambo Owuor wurde 1968 in Kenia geboren. Ihre Kurzgeschichten erschienen in internationalen Literaturmagazinen. 2003 wurde sie mit dem Caine Prize for African Writing ausgezeichnet. Ihr Debütroman Der Ort, an dem die Reise endet (2016) stand auf der Shortlist für den Folio Prize, außerdem erhielt sie dafür den Jomo Kenyatta Prize for Literature. Das Meer der Libellen ist ihr zweiter Roman. Yvonne Adhiambo Owuor lebt in Nairobi.

Das Meer der Libellen von Yvonne Adhiambo Owuor ist bei DuMont erschienen.
(JK 11/20)

André Aciman: Find me, finde mich (dtv)

André Aciman hat in seinem Roman Find me, finde mich die Geschichte von Call me by your name weiter geschrieben.

Samuel ist auf dem Weg nach Rom, um seinen Sohn Elio zu besuchen, der dort als Pianist lebt. Seit der Trennung von seiner großen Jugendliebe Oliver ist Elio keine längere und ernsthafte Beziehung eingegangen. Oliver hingegen hat in New York geheiratet, ein bürgerliches Leben als Collegeprofessor begonnen, eine Familie gegründet. Doch insgeheim wartet er auf die Begegnung mit einem Menschen, die ihn so erschüttert und bewegt wie einst die mit Elio. Und Samuel begegnet auf seiner Reise einem Menschen, der ihm nach dem Ende seiner Ehe zeigt, was es bedeutet zu lieben.

Die Fortsetzung der Geschichte über eine alles verändernde Sommerliebe ist anders als erwartet. War bei Call me by your name die Amour Fou zwischen Elio und Oliver das tragende Element, so verfolgt der Autor hier ein weiteres Ziel. Er bleibt sich treu, dass die Liebe nicht steuerbar ist. So erhält der Vater mit seiner Verliebtheit grossen Raum. Ist Liebe wahrhaft, wenn beide altersmässig Generationen auseinanderliegen? Elio und Oliver kommen nach langen Jahren wieder zusammen. Für viele Fans genau die Fortsetzung, die die Amour Fou brauchte, die so traurig und schmerzhaft in Call me by your name zerbrach. Ich frage mich jedoch, würde die Geschichte nicht viel stärker wirken, wäre sie hier nicht im Klischee gelandet? Es wäre ein Versuch wert gewesen.

André Aciman, geboren 1951 in Alexandria, studierte Komparatistik in Harvard. Er ist Romancier, Essayist und Dozent für Vergleichende Literaturwissenschaft, zudem schreibt er für verschiedene New Yorker Zeitungen. Sein Roman Call Me By Your Name war ein internationaler Bestseller und wurde in einer OSCAR-prämierten Verfilmung adaptiert.

Find me, finde mich von André Aciman ist bei dtv erschienen.
(JK 11/20)

Lauren Wilkinson: American Spy (Tropen)

Lauren Wilkinson erzählt in ihrem Thriller American Spy den Spionageroman neu: mutig, zeitgemäß und hochspannend.

Ein Geräusch. Der Schatten eines Mannes. Ein Schuss. Als Marie Mitchell eines Nachts in ihrem Haus von einem bewaffneten Mann angegriffen wird und ihm nur knapp entkommt, weiß sie, dass ihre Vergangenheit als amerikanische Spionin sie eingeholt hat. Und dass sie in den USA nicht länger sicher ist.

1986: Der Kalte Krieg ist noch nicht vorbei. Marie Mitchell arbeitet als Geheimagentin beim FBI. Sie ist außerordentlich gut in ihrem Job, und sie ist die einzige schwarze Frau in einem Club weißer Männer. Statt endlich ins Feld geschickt zu werden, muss sie sich Tag für Tag mit Papierkram herumschlagen. Dann wird ihr plötzlich doch die Teilnahme an einer Geheimoperation angeboten. Sie soll Thomas Sankara ausspionieren, den charismatischen sozialistischen Präsidenten von Burkina Faso. Was Marie nicht ahnt: Dieser Einsatz wird nicht nur alles ändern, was sie über Spione, die Liebe und ihr Land zu wissen glaubte, er wird sie auch direkt ins Fadenkreuz des Geheimdienstes führen.

Von diesem Roman alleine nur als Thriller zu sprechen, wird ihm nicht gerecht. Die Autorin zeigt das Spannungsfeld der Afroamerikaner in den USA auf, die hin und hergerissen sind zwischen rassischer Identität und Kampf nach Gleichberechtigung und dem Bekenntnis zu den USA, die weitgehend einem weißen Weltbild folgen. Auch wenn sich die Geschichte um die Vorgänge um den Putsch in Burkina Faso von vor mehr als 30 Jahren dreht, so ist sie im Kern nach wie vor hoch aktuell. Und das ist, was am Ende dann auch nachhallt: der Kampf für Gleichberechtigung und gegen Sexismus und eine große Portion Familiengeschichte.

Lauren Wilkinson, aufgewachsen in New York City, lebt in der Lower East Side. Sie lehrte Schreiben an der Columbia University und am Fashion Institute of Technology. Ihre Texte sind im Granta Magazine erschienen. American Spy ist ihr erstes Buch.

American Spy von Lauren Wilkinson ist bei Tropen erschienen.
(JK 10/20)

Mi-Ae Seo: Der rote Apfel (Heyne)

In ihrem Roman
Der rote Apfel erzählt die koreanische Autorin Mi-Ae Seo, wie ein unschuldiges Kind zu einem erbarmungslosen Serienkiller wird.

Seoul in der Gegenwart: Ein perfider Serienmörder hat die Stadt monatelang in Atem gehalten. Jetzt ist Lee Byongdo, der Killer mit dem zarten Gesicht, gefasst worden und wird in einer Psychiatrie verwahrt. Doch Lee schweigt. Es gibt nur einen Menschen, mit dem er bereit ist zu reden: mit der jungen Psychologin Sonkyong. Allerdings nur unter der Bedingung, dass sie ihm bei jedem Besuch einen saftigen roten Apfel mitbringt. Niemand weiß, warum er Sonkyong gewählt hat, denn beide sind sich nie begegnet. Die junge Frau willigt in das Treffen ein – ohne zu ahnen, dass sie damit einen Weg beschreitet, der sie in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele führt...

Mi-Ae Seo hat einen Thriller geschrieben, der wenig vorhersehbar ist und dessen Spannung unter die Haut geht. Die Geschichte zeigt schonungslos auf, wie Menschen missbraucht werden. Der Thriller setzt nicht auf blutige Action sondern spielt mit psychischen Ausnahmesituationen, was am Ende für den Leser umso bedrohlicher erscheint.

Mi-Ae Seo wurde in Korea geboren und lebt in Seoul. Ihre Thriller sind in Korea regelmäßig auf der Bestsellerliste, sie ist außerdem erfolgreiche Drehbuchautorin. Der rote Apfel wurde in mehrere Länder verkauft, eine Verfilmung ist bereits in Planung.

Der rote Apfel von Mi-Ae Seo ist bei Heyne erschienen.
(JK 10/20)

Nicolas Mathieu: Rose Royal (Hanser Berlin)

Nach seinem Roman Wie später ihre Kinder erzählt der Prix-Goncourt-Preisträger Nicolas Mathieu in seinem neuen Roman Rose Royal die Geschichte einer Frau, die beschließt, kein Opfer mehr zu sein.

Rose ist fast fünfzig, als sie Luc kennenlernt. Sie hat eine Ehe überstanden und zwei Kinder zur Welt gebracht, hat Liebschaften erlebt, Jobwechsel, Schicksalsschläge und Trauerfälle. Das Leben hat sie stark gemacht. In ihrer Handtasche steckt ein Revolver, der sie gegen die vielen Dreckskerle dieser Welt beschützen soll. Doch Luc ist anders, das spürt sie sofort. So charmant und zurückhaltend. Seit sie ihn kennt, liegt in ihren Augen ein neuer Glanz. Bis er sich eines Tages in seinem männlichen Stolz gekränkt fühlt und zuschlägt. In seinem neuen Roman erzählt Nicolas Mathieu von einer Frau, die sich eine Waffe beschafft, damit die Angst endlich die Seiten wechselt.

In seiner Novelle erzählt Nicolas Mathieu die Geschichte atmosphärisch dicht und sehr präzise. Das Thema allein hätte hunderte Seiten gefüllt und gerne würde man weiterlesen. Dem Autor ist auf jeden Fall zuzutrauen, dass er das mit grossem Erfolg weiter hätte ausbreiten können, ohne Brisanz zu verlieren. So bleiben knapp über 90 Seiten, aber die haben es in sich. Mit messerscharfer Kühlheit und psychologischer Klarheit wird Roses Situation vorgetragen. Die Bilder hallen nach dem Lesen nach.

Nicolas Mathieu wurde 1978 in Épinal geboren und lebt in Nancy. Sein erster Roman erschien 2014 und wurde für das Fernsehen adaptiert. Wie später ihre Kinder wurde 2018 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet.

Rose Royal von Nicolas Mathieu ist bei Hanser Berlin erschienen.
(JK 10/20)

James Baldwin: Giovannis Zimmer (dtv)

James Baldwins berühmtester Roman Giovannis Zimmer, jetzt in neuer Übersetzung erhältlich.

Im Paris der Fünfzigerjahre lernt David, amerikanischer Expat, in einer Bar den reizend überheblichen, löwenhaften Giovanni kennen. Die beiden beginnen eine Affäre – und Verlangen und auch Scham brechen in David los wie ein Sturm. Dann kehrt plötzlich seine Verlobte zurück. David bringt nicht den Mut auf, sich zu outen. Im Glauben, sich selbst retten zu können, stürzt er Giovanni in ein Unglück, das tödlich endet.

Baldwin brach mit Giovannis Zimmer 1956 gleich zwei Tabus: Als schwarzer Schriftsteller schrieb er über die Liebe zwischen zwei weißen Männern. Sein amerikanischer Verlag trennte sich daraufhin von ihm, seine Agentin riet ihm, er solle das Manuskript verbrennen. Heute gilt Giovannis Zimmer als Baldwins berühmtester Roman.

Dem dtv gebührt grosser Dank, dass er für die deutsche Leserschaft das grossartige Gesamtwerk dieses aussergewöhnlichen Schriftstellers neu übersetzen und überarbeiten lässt. Mit Miriam Mandelkow hat der Verlag eine kongeniale Übersetzerin ausgewählt. Man entdeckt das Werk neu und wie unverändert aktuell seine Romanstoffe sind.

James Baldwin, 1924 in New York geboren, war und ist vieles: ein verehrter, vielfach ausgezeichneter Schriftsteller und eine Ikone der Gleichberechtigung aller Menschen, ungeachtet ihrer Hautfarbe, ihrer sexuellen Orientierung oder ihres Herkunftsmilieus. Er war der erste schwarze Künstler auf einem Cover des Time Magazine. Baldwin starb 1987 in Südfrankreich.

Giovannis Zimmer von James Baldwin ist bei dtv erschienen.
(JK 10/20)

Thomas Engström: East of Inferno (C. Bertelsmann)

Mit East of Inferno ist der finale vierte Band der Ludwig-Licht-Serie von Thomas Engström erschienen.

Ludwig Licht arbeitet für einen Sicherheitsdienst in Tiflis, wird täglich mit der explosiven Lage des Landes konfrontiert und muss sich schließlich seinem schlimmsten Feind aus Stasi-Zeiten stellen. Lichts Kontakte zum amerikanischen Geheimdienst sorgen dafür, dass er in Georgien in kürzester Zeit zwischen alle politischen, nationalen und auch religiösen Fronten gerät. Dann bringt eine Serie von Terroranschlägen das Land in den Ausnahmezustand. Bekennerschreiben von der IS verbreiten überall Panik. Doch Ludwig Licht ahnt, dass die wahren Strippenzieher ganz woanders sitzen. In seinem letzten, härtesten Kampf erkennt Ludwig Licht außerdem, dass es nicht nur um sein eigenes Überleben geht, sondern dass er jemanden beschützen muss, um den er sich bislang viel zu wenig gekümmert hat: Es ist sein Sohn Walter...

Gekonnt führt Thomas Engström die Ludwig-Licht-Reihe zu Ende. Spannung und Action sind in dem Agententhriller garantiert. Ludwig Licht ist ein Serienheld, wie man ihn sich in einem Agententhriller wünscht. Eine vielschichtige, kaputte Figur, die ihr Metier jedoch absolut beherrscht und glaubhaft agiert. Wer allerdings die Buchreihe liest und gleichzeitig die Verfilmung sieht, kommt zwangsläufig in einen Konflikt. Denn die Figur im Roman ist so viel interessanter und überzeugender als sie Wotan Wilke Möhring in der Verfilmung darstellt. Ein weiteres Mal ein Beispiel, dass es sich lohnt, die Romanvorlage zu lesen.

Thomas Engström, 1975 geboren, ist Jurist und arbeitet seit vielen Jahren als Journalist, Übersetzer und Autor. West of Liberty, der erste Band seiner viel beachteten 4-teiligen Ludwig-Licht-Serie, erhielt den Schwedischen Krimipreis in der Kategorie „Krimidebüt“; der zweite Band South of Hell erhielt ebenfalls den Schwedischen Krimipreis. Die Serie wurde vom ZDF verfilmt mit Wotan Wilke Möhring als Ludwig Licht.

East of Inferno von Thomas Engström ist bei C. Bertelsmann erschienen.
(JK 10/20)

Guillaume Musso: Ein Wort, um dich zu retten (Pendo)

Eine tragische Liebe, ein grausames Verbrechen und eine Wahrheit, die Erlösung oder Verderben sein kann – Guillaume Musso, seit neun Jahren der meistverkaufte Autor in Frankreich, meldet sich mit seinem neuen Roman Ein Wort, um dich zu retten zurück.

Seit er vor zwanzig Jahren von einem Tag auf den anderen aufhörte zu schreiben, lebt der einst gefeierte Schriftsteller Nathan Fawles abgeschieden auf der kleinen Île Beaumont. Doch die Journalistin Mathilde Monney ist fest entschlossen herauszufinden, warum der Schriftsteller sich damals aus der Öffentlichkeit zurückzog. Kurz nach ihrer Ankunft erschüttert ein grausamer Mord die Insel, die daraufhin abgeriegelt wird. Während eine fieberhafte Jagd nach dem Täter beginnt, entspinnt sich zwischen Mathilde und Nathan eine hitzige Unterredung, in der Stück für Stück die ganze Wahrheit über seine Vergangenheit ans Licht kommt und Mathilde entdeckt, dass ein grausames Geheimnis sie beide verbindet

Guillaume Musso hat auch in Deutschland seine feste Fangemeinde. Wäre der Strandurlaub dieses Jahr nicht ausgefallen, wäre dies die Empfehlung als Strandlektüre. Eine spannende Geschichte, bei der der Autor falsche Fährten und Finten legt. Vielleicht nicht ganz so sorgfältig wie seine vorangegangene Romane, doch die Fans sehen es ihm nach.

Guillaume Musso, geboren 1974 in Antibes, arbeitete als Dozent und Gymnasiallehrer. Musso ist einer der erfolgreichsten Gegenwartsautoren Frankreichs, seine Romane wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt und haben sich als internationale Bestseller durchgesetzt.

Ein Wort, um dich zu retten von Guillaume Musso ist bei Pendo erschienen.
(JK 09/20)

Laura van den Berg: Das dritte Hotel (Penguin)

Havanna, die Liebe und der Tod – von einer traumwandlerischen Reise einer außergewöhnlichen Frau handelt der Roman Das dritte Hotel von Laura van den Berg.

Mit einem Flug ins sommerliche Kuba beginnt für Clare eine flirrende Reise in die Vergangenheit. Erst wenige Wochen zuvor hat sie ihren Mann Richard bei einem Unfall verloren. Nun besucht sie auf seinen Spuren ein Filmfestival in Havanna, als Richard plötzlich überraschend vor ihr steht. Kann sie ihren Sinnen trauen oder will jemand sie täuschen? Clare folgt der geheimnisvollen Gestalt durch die Gassen der Stadt und gedanklich bis in die Grauzonen ihrer Ehe und Kindheit.

Van den Bergs traumwandlerischer Roman spielt mit den Grenzen unserer Wahrnehmung, lässt Fantasie und Wirklichkeit auf wunderbare Weise verschmelzen. Eine poetische Geschichte über das Reisen und das Trauern, mit Fragen, auf die es keine Antworten gibt. Der fehlende Halt in der Trauer um seinen Nächsten, die Unsicherheit, die über einen hereinbricht, wird eindringlich seziert. Nicht immer eine leichte Lektüre, die jedoch zum Nachdenken anregt.

Laura van den Berg, 1983 geboren, ist in Florida aufgewachsen und lebt heute in der Nähe von Boston. Sie hat bisher zwei Erzählsammlungen veröffentlicht, die u.a. mit dem Rosenthal Award for Fiction ausgezeichnet wurden. Ihr Debütroman Find Me (2015) war für den renommierten International Dylan Thomas Prize nominiert. Das dritte Hotel wurde hymnisch besprochen und 2019 für den NYPL Young Lions Fiction Award nominiert.

Das dritte Hotel von Laura van den Berg ist bei Penguin erschienen.
(JK 09/20)

Isabella Hammad: Der Fremde aus Paris (Luchterhand)

Virtuos erzählt Isabella Hammad in ihrem Roman Der Fremde aus Paris vom Leben eines Grenzgängers und Wurzellosen.

Montpellier, zu Beginn des Ersten Weltkriegs: Als der junge Palästinenser Midhat von Bord eines Dampfers aus Alexandria geht, ist das für ihn der Aufbruch in eine strahlende Zukunft. Begierig wirft er sich in sein Medizinstudium, saugt die französische Kultur auf, verliebt sich in die emanzipierte Jeannette. Doch in den vom Krieg aufgeschreckten bürgerlichen Salons bleibt Midhat ein Fremder – und muss lernen, wie zerbrechlich alles ist: aus Freunden werden Feinde, aus Liebe wird Verrat. Er flüchtet sich in das exzessive Treiben in Paris und von dort zurück in die strenge väterliche Obhut nach Palästina. Doch auch aus seiner Heimat ist im Streben um Unabhängigkeit mittlerweile ein Pulverfass geworden...

Isabella Hammad hat einen bewegenden Roman einer Liebe zwischen den Kulturen geschrieben. Auf literarisch hohem Niveau geschrieben, reibt man sich ein wenig verwundert die Augen, dass dies ihr Debütroman ist. Sie legt die Messlatte für ihre nachfolgenden Werke damit sehr hoch. Sie fordert den Leser allerdings mit diesem mehr als 700 Seiten starke Epos heraus. Mit dem sympathisch dargestellten Midhat erzählt sie detailreich über das Schicksal der Palästinenser, eine aufwühlende Geschichte. Zur Orientierung hält das Buch im Anhang einen Abriss der palästinensischen Geschichte für den Leser bereit.

Isabella Hammad wuchs in London auf, lebt in London und New York. Ihre Erzählungen erschienen u.a. in The Paris Review und wurden mit dem Plimpton Prize for Fiction ausgezeichnet. Ihr Debütroman Der Fremde aus Paris ist angelehnt an die Geschichte ihres eigenen Urgroßvaters. Er wurde weltweit in 16 Länder verkauft und ist für den Observer eines der wichtigsten Debüts sowie für die New York Times einer der wichtigsten Romane 2019.

Der Fremde aus Paris von Isabella Hammad ist bei Luchterhand erschienen.
(JK 09/20)