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Nordische Literaturtage 2019: Miika Nousiainen liest im Literaturhaus Mittwoch, 27. November

Literaturhaus
Mittwoch, 27.11.2019  18.30 Uhr
Schwanenwik 38, Hamburg  
Eintritt: 8 / 12 Euro

Nordische Literaturtage 2019: Miika Nousiainen stellt seinen Roman Verrückt nach Schweden vor, der bei Nagel & Kimche erschienen ist. Anne Mäkelä moderiert, den deutschen Text liest Julian Greis.

„Wie viele es von uns gibt, weiß ich leider nicht, wir sind weder organisiert noch statistisch erfasst. Wir leiden nur heimlich, still und leise vor uns hin.“ In Verrückt nach Schweden geht es um Mikko. Mikko Virtanen ist Finne, auf dem Papier. Er selbst bezeichnet sich als „Nationalitätstransvestit“, der sich – gefangen im finnischen Körper – der schwedischen Nationalität zugehörig fühlt. Er beherrscht die schwedische Sprache und denkt auf Schwedisch. Er lässt sich schwedische Zeitungen liefern und trägt Klamotten von schwedischen Designern. Doch all das reicht ihm nicht: Er will ein »geborener Schwede« sein. Denn alle wissen es: Schweden ist eine fröhliche, moderne, offene und empathische Nation – ganz im Gegensatz zu Finnland! Als Mikko auf den lebensmüden Schweden Mikael trifft, scheint er seinem sehnlichsten Wunsch so nah zu sein – wäre da nicht der Mord, den er dafür begehen müsste…

Miika Nousiainen, 1973 in Finnland geboren, ist Romanautor, TV-Journalist und Drehbuchautor. 2007 wurde Verrückt nach Schweden in Finnland als populärster Debütroman ausgezeichnet. 2017 erschien mit Die Wurzel alles Guten Nousiainens vierter Roman und der erste, der ins Deutsche übersetzt worden ist. Seine Romane und Figuren eint: Es wird schwarzhumorig, skurril und vergnüglich.

Verrückt nach Schweden von Miika Nousiainen ist bei Nagel & Kimche erschienen.
(JK 11/19)

Finnisches Doppel mit Antti Tuomainen und Leena Lehtolainen beim 12. Hamburger Krimifestival am Freitag, 9. November

12. Hamburger Krimifestival
Kampnagel K1
Freitag, 09.11.2018  18.30 Uhr
Jarrestraße 20, Hamburg
Eintritt: 14.50 Euro

Finnisches Doppel – Morden im hohen Norden: Die finnische Krimilandschaft ist Heimat auch des dezent schwarzen Humors. Zu Gast beim Hamburger Krimifestival sind der preisgekrönte Antti Tuomainen und die Starautorin Leena Lehtolainen. Miriam Semrau moderiert und Stephan Benson liest die deutschen Texte

Die letzten Meter bis zum Friedhof heißt Tuomainens dritter auf Deutsch erschienener Kriminalroman. Und allein dieser Titel lässt auf die schwarzhumorige Ader des Autors spekulieren. Die skurrile Geschichte um einen jungen Mann, der nur noch kurze Zeit zu leben hat, um vertrackte Liebesbeziehungen und den Kampf um die besten Matsutake-Pilze ist brillant erzählt, ist böse und strotzt vor aberwitzigen Ideen. Man wähnt sich beim Lesen ein wenig wie in einem Film des Regisseurs Aki Kaurismäki, der Tuomainens herausragenden Roman schlicht mit dem Wort „großartig“ geadelt hat.

Jaako ist 37, als sein Arzt ihm eröffnet, dass er keine Grippe hat, sondern sterben wird, und zwar sehr bald: Jemand hat ihn über längere Zeit hinweg vergiftet. Das an sich ist schon geeignet, einem Mann so richtig den Tag zu verderben. Leider wird Jaako bei der Rückkehr nach Hause außerdem noch Zeuge, wie ihn seine Frau mit Petri betrügt, dem jungen, knackigen Angestellten ihrer gemeinsamen Firma. Der Firma, die in jüngster Zeit gefährlich Konkurrenz bekommen hat. Jaako beschließt herauszufinden, wer ihn um die Ecke bringen will. Und er wird sein Unternehmen für die Zeit nach seinem Tod fit machen. Der Handel mit den in Japan zu Höchstpreisen gehandelten Matsutake-Pilzen läuft nämlich ausgezeichnet, und in Finnlands Wäldern wachsen nun einmal die besten. Doch das neue Konkurrenzunternehmen kämpft wirklich mit harten Bandagen. Ist es da Jaakos Schuld, wenn es zu Toten kommt? Und hat er überhaupt Zeit für anderer Leute Sorgen? Denn so viel ist klar: Mit dem Tod vor Augen geht alles leichter, gilt es doch jede Minute zu genießen.

Die letzten Meter bis zum Friedhof ist nicht einfach ein Kriminalroman, sondern ein besonderes Buch: lustig und tragisch, berührend und skurril, lebensklug und nachdenklich, ein Roman, der trotz seines makabren Themas die Lebensgeister weckt.

Antti Tuomainen, Jahrgang 1971, ist einer der angesehensten und erfolgreichsten finnischen Schriftsteller. Er wurde u.a. mit dem Clue Award, dem finnischen Krimipreis, ausgezeichnet, seine Romane erscheinen in über 25 Ländern. Antti Tuomainen lebt mit seiner Frau in Helsinki.

Die letzten Meter bis zum Friedhof von Antti Tuomainen ist bei Rowohlt Hundert Augen erschienen.

Weniger dem schwarzen Humor verpflichtet, gleichwohl aber nicht minder hochklassig sind die Kriminalromane von Leena Lehtolainen. In Das Ende des Spiels“, dem bereits 14. Fall für ihre Ermittlerin Maria Kallio, erzählt Lehtolainen die unter die Haut gehende Geschichte einer Sexualstraftäterin. Die Sexualstraftäterin Tuula Lahti-Haapala wird nach Verbüßung ihrer Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen – und noch am selben Abend auf einem Kinderspielplatz ermordet. Ist eines ihrer früheren Opfer der Täter? Spuren gibt es erst einmal keine. Unter Tuulas Hinterlassenschaften entdeckt Ermittlerin Maria Kallio mehrere Zeitungsauschnitte über den bekannten Sänger Tarmo Mättö. Zuerst deutet nichts auf einen Zusammenhang hin, bis sich herausstellt, dass eines von Tuulas Opfern gleichzeitig Pflegekind von Mättös Ex-Frau Hannele war. Als Hanneles Leiche in ihrem Haus aufgefunden wird, beginnt Kallio nach Verbindungen zwischen den rätselhaften Toden zu suchen. Die Spur führt zu einem Verbrechen, mit dessen Ausmaßen niemand gerechnet hätte…

Leena Lehtolainen, 1964 geboren, lebt und arbeitet als Kritikerin und Autorin in Degerby, westlich von Helsinki. Sie ist eine der auch international erfolgreichsten finnischen Schriftstellerinnen. 1994 erschien in Deutschland der erste Roman mit der Anwältin und Kommissarin Mario Kallio, 2012 der erste Teil der Leibwächterinnen-Serie.

Das Ende des Spiels  von Leena Lehtolainen ist bei rororo erschienen.
(JK 11/18)

J. M. Ilves: Bordertown – Der Puppenmeister (Suhrkamp)

Der Auftakt zu einer neuen finnischen Kultkrimiserie bei Suhrkamp bildet der Krimi Bordertown – Der Puppenmeister  von J. M. Ilves.

Kommissar Sorjonen – ein brillanter Ermittler, der jedoch nicht nur mit den Toten, sondern auch mit den Lebenden so seine Schwierigkeiten hat – lässt sich ins beschauliche Lappeenranta an der russischen Grenze versetzen. Mehr Zeit für seine Familie, hofft er, und weniger Morde, die sich von Mal zu Mal tiefer in ihn einbrennen. Doch schon kurz nach seiner Ankunft wird ein russisches Mädchen leblos aufgefunden; wie eine Puppe liegt sie da, nackt und bleich. Und für Sorjonen ist schnell klar: Wo sie herkommt, sind noch weitere in Gefahr.

Gerade erst hat er seine neuen Kollegen kennengelernt, schon starrt Sorjonen am idyllisch gelegenen Saimaa-See auf ein totes Mädchen, das ans Ufer gespült wurde. Die Todesursache: eine Überdosis Betäubungsmittel. Was zunächst nach einem Unfall aussieht, wird zu einem Fall, der weitere Tote bringt und immer größere Kreise zieht. Die Spuren deuten auf einen Verbrecherring, der Handel mit Nacktfotos von betäubten Mädchen, sogenannten „Puppen“, betreibt. Doch auf der Suche nach den Hintermännern versinkt Sorjonen immer tiefer im Kleinstadtsumpf aus Korruption und Klüngelei. Und dann taucht auch noch eine russische FSB-Agentin auf – auf der Suche nach ihrer verschwundenen Tochter…

Präzise und gelungen bringen die Autoren die Szenen in Stellung, wenn Gefahr heraufzieht. Ein wenig nebulös bleibt die Darstellung der Charaktere und die Verflechtungen aller in der überschaubaren Stadt. Doch die vermeintliche Harmlosigkeit ist die Stärke des Krimis und hebt ihn von der Masse ab, bleibt überraschend anders.

J. M. Ilves ist das Pseudonym zweier finnischer Autoren, die sich zusammengetan haben, um eine neue Krimiserie im Stil des Nordic Noir zu schreiben. Zum Vorbild haben sie sich skandinavische Krimierfolge wie The Killing und Die Brücke genommen. Und so wurde auch Bordertown fürs Fernsehen verfilmt. Die TV-Serie begeisterte in Finnland ein Millionenpublikum und wurde in über 40 Länder verkauft.

Bordertown – Der Puppenmeister  von J. M. Ilves ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 01/18)

Miika Nousiainen: Die Wurzel alles Guten (Argon)

Pekka Kirnuvaaras Leben verläuft nicht gerade auf der Überholspur. Seine Ehe ist gescheitert, seine Kinder sieht er zu selten, in der Werbeagentur läuft es mäßig, und die Zähne machen wieder mal Probleme. Der neue Zahnarzt trägt denselben ungewöhnlichen Nachnahmen wie er. Und hat praktisch die gleiche Nase. Doch erst kurz vor Ende der Wurzelbehandlung gibt der verbohrte Esko endlich zu, dass sie Halbbrüder sein müssen. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach ihrem Vater und finden weitere Halbgeschwister; ihr Erzeuger hat eine Spur von Nachkommen durch die halbe Welt gelegt.

Die Geschichte führt von Finnland über Schweden und Thailand bis nach Australien. Herkunft, Identität und Vorurteile sind die Themen, die der Autor hierbei anreißt. Die kuriose Familiengeschichte bringt einen zum Schmunzeln, insbesondere durch die hervorragende Präsentation durch den Sprecher Christoph Maria Herbst. Doch ist den finnischen Komödienautoren eines gemeinsam, ihre Geschichten sind arg an den Haaren herbeigezogen. Doch die Klasse des Finnen Aarto Paasinlinna, dessen anarchischer Humor auch in Deutschland seine Leserschaft hat, erreicht Miika Nousiainen noch nicht. Es ist manches Mal dann doch zu gewollt und zu banal und das kann der Sprecher auch nicht immer wett machen. So bleibt ein gemischter Eindruck zur Geschichte zurück, aber es lohnt insgesamt doch allein wegen der Stimme von Christoph Maria Herbst.

Miika Nousiainen, 1973 in Jyväskylä, Finnland geboren, ist Schriftsteller, TV-Journalist und Drehbuchautor. Die Wurzel alles Guten ist sein erster Roman auf Deutsch. 2009 erhielt er den in Finnland renommierten Kalevi-Jäntti-Preis.

Christoph Maria Herbst ist als Hörbuchsprecher ein Garant für allerbeste Unterhaltung. „Ich dachte, ein Buch, das berührt und belustigt, das spannend ist, ohne Krimi zu sein, und unterhaltsam, gäbe es nicht. Hier ist es. Es schrie danach, eingelesen zu werden. Zum Glück schrie es nach mir“ , sagte Christoph Maria Herbst zum Buch. Er verkörpert u.a. die Titelfigur in der Serie Stromberg, für die er den Deutschen Fernsehpreis, den Grimme-Preis, den Bayerischen Fernsehpreis und siebenmal den Deutschen Comedypreis erhielt. Als Hörbuchsprecher ist er eine Klasse für sich. 

Die Wurzel alles Guten von Miika Nousiainen, das Hörbuch gelesen von  Christoph Maria Herbst, ist bei Argon erschienen. 
(JK 09/17)

Leena Lehtolainen: Schüsse im Schnee (Kindler)

Der vierte Fall der Leibwächterin Hilja Ilveskero entführt ins tief verschneite Finnland, das nicht so idyllisch ist, wie man denken könnte und dreht sich um das Geld einer alten Dame. Tief im Wald liegt das verwunschene Anwesen Loberga Gård. Im Winter, wenn große Schneemassen fallen, ist das Herrenhaus gelegentlich von der Außenwelt abgeschnitten. Das Gerücht, es würde dort spuken, passt zu diesem Ort. Niemand wundert sich, als die zweiundneunzigjährige Besitzerin des Hauses, Lovisa Johnson, sich bedroht fühlt. Sie heuert Hilja Ilverskero als Bodyguard an, die ihre Berichte von angeblichen Anschlägen auf ihr Leben nicht ganz ernst nimmt. Doch als sie auf Loberga Gård eintrifft und der illustren Schar von Lovisas Erben begegnet, weiß sie, dass sie einen Job zu erledigen hat.

Die Figur der Leibwächterin Hilja ist sehr ausgefallen und spannend. Sie hat eine tragische Vergangenheit hinter sich, ist auf der Suche nach Liebe und Zuneigung und zieht den Leser auf ihre Seite. Leena Lehtolainen erschafft in dem Krimi eine Stimmung, die sich mit Ruhe und Tempo abwechselt. Die Autorin lässt hierbei den Leser nicht allzu sehr in die Karten schauen und man kann die Auflösung dieser verzwickten Geschichte nicht absehen.

Leena Lehtolainen, 1964 geboren, lebt und arbeitet als Kritikerin und Autorin in Degerby, westlich von Helsinki. Sie ist eine der auch international erfolgreichsten finnischen Schriftstellerinnen. 1994 erschien in Deutschland der erste Roman mit der Anwältin und Kommissarin Mario Kallio, 2012 der erste Roman der Serie um Leibwächterin Hilja Ilveskero.

Schüsse im Schnee von Leena Lehtolainen ist bei Kindler erschienen. 
(JK 08/17)

Finnischer Abend mit Selja Ahava und Sofi Oksanen bei den Nordischen Literaturtagen am Mittwoch, 29. November

Nordische Literaturtage 2017
Literaturhaus
Mittwoch  29.11.2017  18.30 Uhr 
Schwanenwik 38
Eintritt:  12 / 8 Euro ; Tagesticket 20 / 15 Euro

Nordische Literaturtage: Finnischer Abend mit Selja Ahava und Sofi Oksanen. Selja Ahava stellt ihr Buch Dinge, die vom Himmel fallen vor, das bei mare erschienen ist, und Sofi Oksanen ihr Buch Die Sache mit Norma, das bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist. Melina von Gagern liest die deutschen Texte und Stefan Moster moderiert den Abend.
                                      
Was passiert, wenn von einem Moment auf den anderen nichts mehr ist, wie es war? Wenn ein kleiner Zufall die Welt ins Wanken bringt? Selja Ahava erzählt von den unwahrscheinlichen Launen des Schicksals: einem Eisbrocken etwa, der vom Himmel stürzt und der kleinen Saara auf tragische Weise die Mutter nimmt. Auch die Geschichte des Fischers, der wiederholt vom Blitz getroffen wird und trotzdem überlebt, klingt märchenhaft. Leicht und poetisch, schmerzhaft und ehrlich erzählt Selja Ahava diese Geschichte. Für Dinge, die vom Himmel fallen erhielt die Autorin den Literaturpreis der Europäischen Union.

Selja Ahava, 1974 geboren, studierte Dramaturgie an der Theaterhochschule Helsinki und schrieb Drehbücher für Filme und Fernsehserien sowie Hörbücher, bevor sie mit Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm ihren ersten Roman veröffentlichte. Sie hat fünf Jahre in London verbracht und lebt seit ihrer Rückkehr nach Finnland mit ihrer Familie in Porvoo.

Dinge, die vom Himmel fallen von Selja Ahava ist bei mare erscheinen.

Sofi Oksanen, die 2008 mit ihrem Roman Fegefeuer international für Furore gesorgt hat, thematisiert in Die Sache mit Norma die emotionale und wirtschaftliche Ausbeutung von Frauen – sei es durch Leihmutterschaft oder den Verkauf ihrer Haare. Normas Mutter soll sich das Leben genommen haben, doch die Tochter zweifelt daran und sucht nach Hinweisen darauf, was tatsächlich geschehen ist. Dabei stößt sie auf die Spur heikler Familiengeheimnisse und auf eine kriminelle Bande, mit der ihre Mutter zu tun hatte…

Sofi Oksanen wurde 1977 in Jyväskylä, Finnland, geboren. Die Tochter einer estnischen Mutter und eines finnischen Vaters studierte Literaturwissenschaft und Dramaturgie an den Universitäten von Jyväskylä und Helsinki. 2003 debütierte die damals 25-Jährige in Finnland mit ihrem ersten Roman Stalins Kühe. Oksanens zweiter auf Deutsch publizierter Roman Fegefeuer basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück, das 2007 am Finnischen Nationaltheater seine Uraufführung feierte. Mit Fegefeuer, das in über vierzig Ländern erschienen ist, avancierte Sofi Oksanen zu einer international gefeierten Literaturgröße.

Die Sache mit Norma von Sofi Oksanen ist bei Kiepenheuer & Witsch erscheinen.
(JK 11/17)

Skandinavische Kriminacht beim 8. Harbour Front Literaturfestival am Montag,19. September

8. Harbour Front Literaturfestival
Imperial Theater
Montag  19.09.2016   20.00 Uhr 
Reeperbahn 5,  20359 Hamburg
Eintritt: 16  Euro

Skandinavische Kriminacht mit Leena Lehtolainen aus Finnland und Steinar Bragi aus Island. Lisa Grosche liest die deutschen Texte. Margarete von Schwarzkopf moderiert en Abend.

Mit ihren Romanen um Kommissarin Maria Kallio aus Espoo brachte Leena Lehtolainen eine explizit weibliche Perspektive in die von Männern dominierte Kriminalliteratur ihres Landes. Lehtolainens Themen sind weit gestreut: von Fällen familiärer Gewalt bis zu den mörderischen Machenschaften kommunaler Politiker.

Ein eiskalter Mord in gesegneten Räumen: Mit etlichen Messerstichen traktiert wird der Juwelenhändler Jaakko Pulma tot in der Kirche von Tapiola aufgefunden. Ist es nur Zufall, dass Maria Kallio im Präsidium zur selben Zeit Pulmas schärfsten Konkurrenten vor sich sitzen hat? Hat sich dieser Henri Aalto für einen Deal auf dem Juwelenmarkt gerächt, bei dem er den Kürzeren zog? Welche Rolle spielt die junge Praktikantin des Ermordeten, die gerade wegen des Verdachts auf Edelstein-Diebstahl entlassen worden ist? Möglicherweise geht es gar nicht um die schillernden Steine. Denn Pulma war auch der Mann einer aufstrebenden Politikerin – spielt der Täter ein ganz anderes Spiel? Fragen über Fragen für Maria Kallio und ihr Team, die überdies mit erheblichen Unruhen auf dem Präsidium zu kämpfen haben: Ihre bewährte Einheit soll im Zuge von Umstrukturierungen aufgelöst werden.

Leena Lehtolainen, 1964 geboren, lebt und arbeitet als Kritikerin und Autorin in Degerby, westlich von Helsinki. Sie ist eine der auch international erfolgreichsten finnischen Schriftstellerinnen. 1994 erschien in Deutschland der erste Roman mit der Anwältin und Kommissarin Mario Kallio. Das Echo deiner Taten ist der 12. Fall für Maria Kallio.

Das Echo deiner Taten  von Leena Lehtolainen ist bei Kindler erschienen.

Der isländische Autor Steinar Bragi stellt seinen Roman Hochland vor, der vor der einzigartigen Kulisse des isländischen Hochlands spielt.

Sie hatten das Gefühl, dass jemand draußen auf sie wartete, in der Dunkelheit ihre Namen flüsterte...  Zwei junge Paare aus Reykjavík machen mit ihrem Jeep einen Ausflug in die raue, menschenfeindliche Bergwelt des isländischen Hochlands. Dichter Nebel zieht auf, sie kommen vom Weg ab und rammen ein Haus, das in der Einöde plötzlich wie aus dem Nichts vor ihnen aufragt. Notgedrungen müssen sie die Nacht dort verbringen. Ihr Amüsement über das ungeplante Abenteuer verwandelt sich schon bald in Unbehagen, denn ihre Gastgeber, ein verschrobenes altes Paar, benehmen sich sehr merkwürdig: Warum verbarrikadieren sie das Haus bei Einbruch der Dunkelheit wie eine Festung? Was lauert dort draußen in der Sandwüste? Und wieso haben sie so wenig Interesse daran, ihren Gästen zu helfen? Zunehmend panisch geraten die Städter miteinander in Streit, und ihre Versuche, den Weg zurück in die Zivilisation zu finden, werden immer verzweifelter. Gibt es ein Entrinnen?

Hochland ist ein unglaublich faszinierender Roman voller Schrecken, der sich aus unserer Realität speist und auf sie zurückverweist. Steinar Bragi schafft es mit seiner schlichten Sprache, eine enorme Beklemmung zu erzeugen. Hochspannend!, urteilt der in Hmaburg kebende isländische Autor Kristof Magnusson.

Steinar Bragi, geboren 1975, studierte Komparatistik und Philosophie an der Universität Island. Mit 23 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband Svarthol und seinen ersten Roman Turnin. Sein Roman Frauen wurde von der Kritik hoch gelobt und für den Nordic Council Literature Prize nominiert.

Hochland  von Steinar Bragi ist bei DVA erschienen.
(JK 09/16)

Sprechende Bilder: 5. Hamburger Graphic Novel Tage: 9. - 12. Mai 2016

Literaturhaus
Montag, 09.05.2016, bis Donnerstag, 12.05.2016  jeweils 19.30 Uhr
Schwanenwik 38, Hamburg
Eintritt: 6 / 12 Euro , Kombiticket für 4 Abende: 20 / 32 Euro            

Sprechende Bilder: 5. Hamburger Graphic Novel Tage von Montag, 9. Mai, bis Donnerstag, 12. Mai 2016, im Literaturhaus Hamburg.

Der Comic hat die Kinderstube hinter sich gelassen – und das nicht nur, weil er ins Literaturhaus einzieht. Dort war er schon des Öfteren, aber noch nie so erwachsen, so stark, mit so viel Qualität und in dieser Form: An vier aufeinander folgenden Abenden im Frühling bringen die Hamburger Graphic Novel Tage seit 2012 jeweils einen internationalen und einen deutschen Comic-Star miteinander ins Gespräch. Andreas Platthaus und Christian Gasser, zwei der renommiertesten Comic-Kenner im deutschen Sprachraum, kuratieren und moderieren das Festival. Die Hamburger Graphic Novel Tage garantieren frische Anregungen, neue Einsichten, große grafische Literatur.

Den Auftakt des Festivals Sprechende Bilder: 5. Hamburger Graphic Novel Tage machen der britische Karikaturist Steve Bell und der deutsche Comiczeichner Volker Reiche. Ihre tagespolitisch aktuellen Comicstrips If… im Guardian und Strizz in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurden mehrfach ausgezeichnet und genießen Kultstatus. Seit 1981 zeichnet Steve Bell täglich seine kritischen und scharfzüngigen Karikaturen für die britische Zeitung. Volker Reiches Strizz erschien 2002 bis 2010 und wird seit März 2015 fortgesetzt. 2013 wendete er sich auch persönlichen historischen Themen zu. Seine autobiografische Graphic Novel Kiesgrubennacht, erschienen bei Suhrkamp. erzählt von seiner Kindheit in der Nachkriegszeit.

Am zweiten Abend des Festivals sprechen die Belgierin Dominique Goblet und die Schweizerin Anna Sommer über alternative Comictechniken. Eine Gemeinsamkeit der Künstlerinnen zeigt sich in der unkonventionellen Wahl ihrer Gestaltungsmittel. Dominique Goblet verbindet in ihren Arbeiten Stilelemente des Comics und der bildenden Kunst. Anna Sommer widmete sich anfangs vor allem schwarz-weißen Tuschezeichnungen, heute gestaltet sie Papierschnitte mit Japanmesser und Sprühleim oder Kaltnadelradierungen.

Mit dem Belgier Olivier Schrauwen und dem Deutschen Arne Bellstorf treffen am dritten Abend zwei Zeichner aufeinander, deren Werke sich an berühmten Vorbildern und Stoffen orientieren und durch klare Linienführung sowie reduzierte Farbgebung bestechen. Während Schrauwens Zeichnungen an die klassischen amerikanischen Comicstrips erinnern, ist Bellstorfs Stil an der Linienführung Hergés und Chris Wares geschult. 

Zum Abschluss treffen sich der Finne Tommi Musturi und der Deutsche ATAK, zwei vielseitige und experimentierfreudige Künstler, die sich besonders durch ihre fantasievollen, teilweise philosophischen Werke in kräftigen, leuchtenden Farben auszeichnen. Während ATAKs Bilder Ruhe ausstrahlen, erscheinen Musturis Bilder unruhiger, geradezu bizarr, jedoch nicht weniger bunt. Ihre ausdrucksstarken Bilderzählungen kommen oftmals nahezu ohne Text und Sprechblasen aus. 

Taavi Soininvaara: Finnische Kälte (Aufbau Taschenbuch Verlag)

Als „Meister des finnischen Krimis“ beschreibt die Süddeutsche Zeitung den finnischen Autor Taavi Soininvaara, von dem im Aufbau Taschenbuch Verlag sein neuster Krimi Finnische Kälte erschienen ist.

Die Welt am Abgrund: 1799 gelingt es einem Kardinal in höchster Not, geheime Unterlagen des Vatikans zu verstecken. Gut zweihundert Jahre später werden sie von Archäologen ausgegraben, und sie sind brisant wie nie zuvor: bezeugen sie doch die Absicht des Papstes und der christlichen Herrscher, den Islam zu vernichten. Salman, der Leiter der Ausgrabungen und Brite pakistanischer Abstammung, stößt auf weitere explosive Dokumente und will seine Funde öffentlich machen. Doch schon bald gerät er ins Visier derer, die das um jeden Preis verhindern wollen. Salman wird ermordet, ebenso alle anderen, die Kenntnis von den Papieren hatten. Aber es gibt noch eine Mitwisserin: Elina, Salmans Frau, die auf der Flucht vor ihren Verfolgern in Helsinki Hilfe beim bärbeißigen Oberinspektor Ratamo findet.

In seinem Thriller Finnische Kälte nimmt Taavi Soininvaara das Thema Islam im christlichen Europa auf und macht daraus ein hoch spannendes „was wäre wenn“-Szenario. Anhand der moslemischen Familie von Malik und seiner beiden Söhne zeigt er die unterschiedlichen Strömungen in der islamischen Gesellschaft auf. Doch Soininvaara geht es in erster Linie um den Krimi-Plot und so bleiben die  weltpolitischen Konsequenzen der Ereignisse eher skizzenhaft. Zugleich räumt Soininvaara dem Privatleben des Kommissars viel Platz ein, nur um den Leser am Ende mit einem schön schrecklichen Cliffhanger stehen zu lassen.

Taavi Soininvaara, geboren 1966, „zählt zu den derzeit politischsten und internationalsten Krimiautoren“ laut der österreichischen Zeitschrift ECHO. Er studierte Jura und arbeitete als Chefanwalt für bedeutende finnische Unternehmen. Mit Finnisches Requiem – als bester finnischer Kriminalroman ausgezeichnet – erschien 2004 erstmals eines seiner Bücher um Kommissar Arto Ratamo auf Deutsch.

Finnische Kälte von Taavi Soininvaara ist im Aufbau Taschenbuch Verlag erschienen. 
(JK 12/15)

Satu Taskinen liest am Mittwoch, 25.November, bei den Nordischen Literaturtagen

Nordische Literaturtage 2015
Literaturhaus Hamburg
Mittwoch, 25.11.2015   18.30 Uhr 
Schwanenwik 38, Hamburg
Eintritt: 8 / 12  Euro  

Die finnische Autorin Satu Taskinen liest aus ihrem Roman Die Kathedrale, der bei Residenz erschienen ist. Tina Schraml moderiert.

„Die Menschen fühlen sich im Allgemeinen nicht im mindesten von ihren schlechten Eigenschaften gestört, solange diese verborgen bleiben. Erst wenn sich die Blicke anderer darauf richten, beginnen sie sich dafür zu schämen“: Tea lebt allein und zurückgezogen, doch wie wurde eine Tochter aus gutem Hause, eine Arztgattin und Mutter, zur Erbauerin schwankender Joghurtbechertürme – zum Messie? Auf der Beerdigung ihrer Schwester Kerstin trifft sich die ganze Familie. Wenn einem jedoch auf der Trauerfeier der eigenen Schwester deutlich wird, welche Menschen und Handlungen dazu beigetragen haben, in Bergen von fein sortiertem Müll zu leben, scheint das Konstrukt Familie eine neue Form anzunehmen.

Der 1970 in Helsinki geborenen Satu Taskinen gelingt es mit unterkühltem Humor und feinem Sinn für das Absurde, dem Familienleben den Spiegel vorzuhalten und den Leser dennoch mit jeglichen Abscheulichkeiten zu versöhnen. Mit ihrem Titel Die Kathedrale liefert die Finnin den zweiten Teil ihrer Trilogie. Den Anfang machte Der perfekte Schweinsbraten, der bei Transit erschien. Für den Roman wurde Satu Taskinen im Jahr 2011 mit dem finnischen Literaturpreis für das beste belletristische Erstlingswerk ausgezeichnet. 2012 stand der Roman auf der Short List für den European Book Prize.

Satu Taskinen studierte Philosophie und Germanistik in Helsinki. Für ihren Roman Die Kathedrale wurde sie mit dem Toisinkonien-Preis der Universität Helsinki ausgezeichnet. Seit 1999 lebt die Autorin und Journalistin in Wien.

Die Kathedrale von Satu Taskinen ist bei Residenz erschienen.
(JK 11/15)

Stefan Moster liest am Mittwoch, 15. Oktober, im Kulturforum Serrahn

Kulturforum Serrahn
Mittwoch, 15.10.2014  19.30 Uhr
Serrahnstr. 1, Hamburg-Bergedorf
Eintritt: 8 Euro

Stefan Moster liest im Kulturforum Serrahn aus seinem Roman Die Frau des Botschafters, der bei mare erschienen ist.   

„Kühl und klar wie das Nordlicht im finnischen Winter“, so hieß es im Magazin „Bücher“, das sei der neue Roman Die Frau des Botschafters von Stefan Moster. Erzählt wird die Geschichte einer Freundschaft. Eines Tages findet Oda, die Frau des deutschen Botschafters in Helsinki, einen großen Fisch auf dem Steg der Botschaft in Helsinki, deren Garten an die Ostsee grenzt. Es ist ein Geschenk von Klaus, einem Fischer, der in einem Holzhaus am Meer lebt und die Diplomatenwelt lieber von ferne beobachtet. Für Oda öffnet sich mit der Freundschaft zu dem Fischer eine Gegenwelt zum Diplomaten-leben, in der ihr die Tage oft lang werden. Und vor allem sehnt sie sich nach ihrem Sohn, der in Deutschland lebt. Eines Tages fasst Oda einen Plan: Sie will ihrem Sohn das einzigartige Licht auf den zugefrorenen Buchten vor der Küste Helsinkis zeigen. Mit Klaus als Komplizen macht sie sich auf den Weg, ohne dass irgendjemand anderes von ihrem Vorhaben weiß.

Stefan Moster, geboren 1964 in Mainz, lebt als Autor, Übersetzer, Lektor und Herausgeber mit seiner Familie in Espoo, Finnland. Er unterrichtete an den Universitäten München und Helsinki. 1997 erhielt er das Münchner Literaturstipendium für Übersetzung, 2001 den Staatlichen finnischen Übersetzerpreis.  

Die Frau des Botschafters von Stefan Moster ist bei mare erschienen.

Veranstalter der Lesung ist die Sachsentor Buchhandlung.
(JK 10/14)

Selja Ahava liest in der Zentralbibliothek am Dienstag, 14. Oktober

Zentralbibliothek der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen
Dienstag, 14.10.2014  19.30 Uhr
Hühnerposten 1, Hamburg
Eintritt: 4 – 6 Euro

„Stein, Birke, Gras, Stuhl: Selja Ahava liest aus ihrem Buch Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm, das im mare Verlag erschienen ist. Theresa Berlage liest den deutschen Text, Paula Jääsalmi-Krüger moderiert den Abend. 

Das Erinnern und Vergessen ist Thema des neu erschienenen Romans Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm von Selja Ahava. Die finnische Schriftstellerin erzählt von einer Frau, die versucht, das Leben und die Welt festzuhalten, nachdem ihr Gedächtnis immer unzuverlässiger wird. Sie klammert sich an Wortlisten wie „Stein, Birke, Gras, Stuhl“ und erfindet Wörter für Dinge, deren Namen ihr entfallen sind. Im Laufe der Jahre trotzt sie den Zumutungen des Alltags mehr und mehr durch ihre überbordende Vorstellungskraft. Und durch die Erinnerungen, die ihr bleiben, ob an ihr Häuschen mit den blauen Vorhängen auf einer Schäreninsel, inmitten von Möwen, Schilf und krummen Kiefern, wo sie die Sommer mit ihrer großen Liebe Antti verbrachte - oder an den Tag, an dem ein Wal durch London schwamm.


(JK 10/14)

Leo Ågren: Leo Nilheims Geschichte (Osburg)

Finnland – Ehrengast 2014 der Frankfurter Buchmesse

1971 erschien Leo Ågrens letzter Roman Krigshistoria, der nunmehr unter dem Titel Leo Nilheims Geschichte in deutscher Sprache im Osburg Verlag anlässlich des Auftritt Finnlands als Gastland bei der Frankfurter Buchmesse 2014 vorgelegt wird.

Im April 1958 lernt der Erzähler in Leningrad einen geheimnisvollen Mann kennen, der sich Leo Nilheim nennt und als Dolmetscher arbeitet. Eine Nacht lang erzählt der Russe die tragikomische Geschichte seines Lebens: von der jüdischen Mutter, die er nie gekannt hat, und vom revolutionären Vater, der so früh starb, von einem senilen Lehrer, den er durch spontanes Intonieren der Internationale rettet, und dem wilden Eber Rasputin, der nach Sibirien deportiert wird, von einer viel zu kurzen Kindheit und der ersten unerfüllten Liebe. Er erzählt von der Absurdität des Krieges an der russisch-finnischen Front und dem Überleben in einem Gefangenenlager, von Bibeln, Heldenkreuzen, von einer neuen Heimat im Feindesland und dem Mann, der ihn erst erschießen will und ihm später das Leben rettet. Und er beschreibt den Punkt im Leben eines Menschen, an dem er entscheiden muss, wer er sein will.

Leo Ågren, geboren 1928 in der vorwiegend schwedischsprachigen finnischen Provinz Österbotten, erlernte den Beruf eines Schriftsetzers und debütierte 1954 mit dem Roman Hunger i skördetid. Für sein Werk wurde er mit mehreren Literaturpreisen und Stipendien ausgezeichnet. Anfang der 1960er übersiedelte er nach Stockholm. 1971 erschien sein letzter Roman Krigshistoria, der nunmehr unter dem Titel Leo Nilheims Geschichte in deutscher Sprache vorgelegt wird. Leo Ågren starb 1984 in Stockholm.

Leo Nilheims Geschichte von Leo Ågren ist bei Osburg erschienen.
(JK 10/14)