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Ece Temelkuran liest im Lesesaal Buchhandlung & Café am Mittwoch, 13. November

Lesesaal Buchhandlung & Café
Mittwoch, 13.11.2019  19.30 Uhr
Stadthausbrücke 6, Hamburg  
Eintritt: 14 Euro

Ece Temelkuran liest aus ihrer Analyse der weltweiten Entdemokratisierung Wenn dein Land nicht mehr dein Land ist, die bei Hoffmann und Campe erschienen ist, Jan Ehlert moderiert.

„Ein essenzielles Buch“, schreibt Margaret Atwood auf Twitter. Ein engagierter Aufruf zur Verteidigung der Demokratie. Ob Erdoğans Türkei, die Brexit-Entscheidung oder eine weitere europäische Wahl, die Rechtspopulisten neue Rekordwerte eingebracht hat: Populismus ist zur globalen Krankheit geworden. Mit seismographischem Gespür fahndet Ece Temelkuran nach seinen Ursachen und macht sieben wiederkehrende Schritte aus, zu denen Möchtegern-Diktatoren in aller Welt greifen, um an die Macht zu gelangen. Nachdrücklich schärft sie uns den Blick und lässt uns antidemokratische Tendenzen beizeiten erkennen. Ihr Buch ist eine eindringliche Aufforderung, ins Gespräch zu kommen über das, was notwendig ist, wenn wir weiterhin friedlich zusammenleben wollen.

Ece Temelkuran, geboren 1973 in Izmir, ist Juristin, Schriftstellerin und Journalistin. Aufgrund ihrer oppositionellen Haltung und Kritik an der Regierungspartei verlor sie ihre Stelle bei einer der großen türkischen Tageszeitungen. Ihr Roman Was nützt mir die Revolution, wenn ich nicht tanzen kann wurde in zweiundzwanzig Sprachen übersetzt. Zuletzt erschienen ihr Sachbuch Euphorie und Wehmut. Die Türkei auf der Suche nach sich selbst (2015) und der Roman Stumme Schwäne (2017).

Wenn dein Land nicht mehr dein Land ist oder Sieben Schritte in die Diktatur von Ece Temelkuran ist bei Hoffmann und Campe erschienen.
(JK 111/19)

Deniz Yüzel liest im Uebel & Gefährlich am Dienstag, 5. November

Uebel & Gefährlich
Dienstag, 5.11.2019  20.00 Uhr
Ballsaal, Feldstraße 66, Hamburg  
Eintritt: 17.20 Euro

Deniz Yüzel stellt sein Buch Agentterrorist vor, das bei Kiepenheuer & Witsch  erschienen ist. Es liest sich auch dann noch spannend, wenn man weiß, dass es ein Happy End mit Petersilienstrauß gibt.

Er ist begeistert, als er Anfang 2015 das Angebot bekommt, für Die Welt als Korrespondent nach Istanbul zu gehen. Für ihn ist die Stadt „ein Sehnsuchtsort“ und „die Türkei journalistisch hochinteressant“. Doch auch damals gilt die Situation für Journalisten schon als höchst bedrohlich. Deniz Yüzel, der 1973 im hessischen Flörsheim am Main geboren wurde und eine Doppelstaatsbürgerschaft besitzt, wird nahelegt, seine türkische Staatsbürgerschaft zur Sicherheit abzugeben. Er entscheidet sich dagegen, im schlimmsten Fall fürchtet er eine „Diffamierungskampagne der Regierung“, wie sie anderen Korrespondenten großer westlicher Medien zuvor widerfuhr. Am 27. Februar 2017 wird er dann wegen angeblicher „Terrorpropaganda“ verhaftet. In seinem neuen Buch Agentterrorist erzählt er nun aus seinem „Jahr Hochsicherheitsgefängnis Silivri Nr. 9“.

Die Verhaftung von Deniz Yüzel löst eine schwere diplomatische Krise zwischen Deutschland und der Türkei aus und eine beispiellose Solidaritätsbewegung. In seinem Buch erzählt Deniz Yücel, wie er das Jahr in Einzelhaft verbrachte, welchen Schikanen er ausgesetzt war und wie es ihm gelang, immer wieder die Überwachung zu überlisten. Er schildert, was ihm die Unterstützung seiner Frau Dilek Mayatürk und die „Free Deniz“-Kampagne bedeutete und warum der Kühlschrank das sicherste Versteck in seiner Gefängniszelle ist. Gleichzeitig zeichnet er die Entwicklung der Türkei in den vergangenen Jahren nach – vom hoffnungsvollen Aufbruch der Gezi-Revolte über den Kurdenkonflikt, die Flüchtlingskrise und den Putschversuch bis zum vorläufigen Ende: Erdogans Festigung der Macht mit den Wahlen vom Frühjahr 2018.

Deniz Yücel wurde 1973 als Kind türkischer Einwanderer in Flörsheim am Main geboren und studierte an der Freien Universität Berlin Politikwissenschaften. Er arbeitete als Redakteur bei der Wochenzeitung Jungle World und der tageszeitung (taz). 2015 ging er als Korrespondent der Welt in die Türkei. Für seine Arbeit wurde Yücel mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Theodor-Wolff-Preis. Agentterrorist ist sein drittes Buch.

Agentterrorist von Deniz Yüzel ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.
(JK 11/19)

Elif Shafak liest im Magazin-Filmkunsttheater am Montag, 3. Juni

Magazin-Filmkunsttheater
Montag,  03.06.2019  19.30 Uhr
Fiefstücken 8a, Hamburg
Eintritt: 10 / 14 Euro

Elif Shafak stellt ihren Roman Unerhörte Stimmen vor, der bei Kein & Aber erschienen ist. Marta Dittrich liest die deutschen Texte, Jan Ehlert moderiert.

Wie konnte das passieren? Leila, eine Prostituierte, wird in Istanbul ermordet. In den letzten Augenblicken ihres Lebens erinnert sie sich an Erlebnisse, Momente und Schicksalsschläge, die sie persönlich geprägt haben. Der Geschmack von gewürztem Ziegeneintopf aus ihrer Kindheit oder der Geruch von Kardamom-Kaffee, den sie mit ihrer großen Liebe in Verbindung bringt. Tragischerweise wird sie auf dem Friedhof der Geächteten begraben werden.

Im Mittelpunkt des neuen Romans von Elif Shafak steht eine starke Frau, deren Glück flüchtig ist und die Menschen eine Stimme gibt, die bisher ungehört blieben. Auf emotionale und zugleich provokante Art und Weise schildert Shafak das Leben von Leila, sodass man sich einmal mehr fragt, wie Menschlichkeit, Freundschaft und Liebe ihren Platz in der Gesellschaft finden. Ihr neuer Roman Unerhörte Stimmen ist ein Meisterwerk der Empathie, der Scharfsicht und der literarischen Courage

Elif Shafak, 1971 in Straßburg geboren, wuchs in Madrid und Amman auf und lebt in London. Sie schreibt auf Englisch und Türkisch. Die vierzig Geheimnisse der Liebe, Ehre und Der Geruch des Paradieses zählen zu ihrem preisgekrönten Werk. Zu Recht gilt sie als „bedeutendste weibliche literarische Stimme der Türkei“ (New York Times).

Unerhörte Stimmen von Elif Shafak ist bei Kein & Aber erschienen.

Eine gemeinsame Veranstaltung von NDR Kultur und Literaturhaus Hamburg
(JK 05/19)

Aslı Erdoğan beim 10. Harbour Front Literaturfestival in der St. Katharinen Kirche am Montag, 17. September

10. Harbour Front Literaturfestival
St. Katharinen Kirche
Montag, 17.09.2018  20.00 Uhr
Katharinenkirchhof 1, Hamburg
Eintritt: 14 Euro

"Schweigen ist für sie Leugnen und schlimmer als das Verbrechen selbst":  Aslı Erdoğan stellt ihren Essayband Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch vor, der bei Knaus erschienen ist. Katharina Schütz liest die deutschen Texte und Regula Venske moderiert.

Im vergangenen Jahr konnte Aslı Erdoğan der Einladung des Harbour Front Literaturfestivals nicht folgen. Nach monatelanger Inhaftierung durfte sie die Türkei nicht verlassen. Aber sie führte das Gespräch mit Regula Venske, Präsidentin des deutschen PEN, via Skype-Schaltung. Aslı Erdoğan berichtete damals von der Situation in ihrer Heimat. Davon, dass es wichtig ist, diesem Land, in dem die Wahrheit nur noch geflüstert wird, einen Spiegel vorzuhalten. Dieses Jahr darf sie reisen. Wir freuen uns auf eine Autorin, die äußerst präzise betrachtet, die in ihren Romanen genau seziert und beschreibt. Das Schreiben fällt ihr schwer, immer schon, aber nach der Haft und der Gerichtsverhandlung noch schwerer. Bei dem diesjährigen Gespräch wird das Augenmerk auf ihre Romane gerichtet, in denen sie versucht, Erfahrungen wie Leid, Einsamkeit und Gewalt etwas entgegen zu setzen. Im Mittelpunkt stehen die Bücher einer Frau, die nicht schweigt. "Aslı Erdoğan ist eine Ingeneurin der menschlichen Seele"(Emin Karaca).

Aslı Erdoğan, geboren 1967 in Istanbul, studierte Informatik und Physik und arbeitete einige Jahre als Physikerin am CERN bei Genf, ehe sie sich auf das Schreiben konzentrierte. 2010 wurde sie mit dem bedeutendsten Literaturpreis der Türkei ausgezeichnet. Als Kolumnistin schrieb sie zunächst für die Zeitung „Radikal“, ab 2011 für die kurdisch-türkische Zeitung „Özgür Gündem“. Im August 2016 wurde Aslı Erdoğan nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei zusammen mit 22 anderen Journalisten der Zeitung verhaftet und Ende Dezember 2016 für die Dauer des laufenden Prozesses unter Auflagen entlassen.

Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch. Essays von Aslı Erdoğan ist bei Knaus erschienen.
(JK 09/18)

Doğan Akhanlı beim 10. Harbour Front Literaturfestival am Sonntag, 16. September

10. Harbour Front Literaturfestival
St. Pauli Kirche
Sonntag, 16.09.2018  20.00 Uhr
Pinnasberg 80, Hamburg
Eintritt: 12 / 15 Euro

Journalismus ist ein Verbrechen geworden: Doğan Akhanlı stellt sein Buch Verhaftung in Granada oder Treibt die Türkei in die Diktatur? vor, das bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist. Hasnain Kazim moderiert.

Der in der Türkei geborene deutsche Staatsbürger ist am Morgen des 19. August 2017 in einem Hotel in Granada, als spanische Polizisten das Zimmer stürmen und den Schriftsteller verhaften. Doğan Akhanlı vergleicht in einem offenen Dankesbrief an seine Freunde nach seiner Rückkehr nach Deutschland seine "Rettungsaktion" mit einem Blockbusterfilm. In "Verhaftung in Granada oder Treibt die Türkei in die Diktatur?" erzählt Dogan Akhanlı die Geschichte seiner Verfolgung, berichtet über seine Sicht der Entwicklungen in der Türkei, über sein Zufluchtsland Deutschland und von seinen Schicksalsgenossen, die wie er in der Türkei inhaftiert waren oder es noch sind.

"Der türkische Verfolgungswahn ist nicht erfolgreich gewesen. Es ist ihnen nicht gelungen, mich in die Angst zu vertreiben. Ich bin nämlich mit einem Manuskript zurückgekehrt." Im Gespräch mit dem Journalisten Hasnain Kazim berichtet der Autor zahlreicher Romane von Flucht, Gefängnis und Widerstand.

DDoğan Akhanlı wurde 1957 in der Türkei geboren und lebt seit 1992 als Autor in Köln. Er hat zahlreiche Romane und ein Theaterstück verfasst. In seinem Roman Die Richter des jüngsten Gerichts (dt. 2007) thematisiert er den Völkermord an den Armeniern 1915. Weitere Werke: Die Tage ohne Vater (dt. 2016), Der letzte Traum der Madonna (türk. 2005), Fasilistan (türk. 2010), Sag ihr, dass ich sie liebe (türk. 2016). 2013 erhielt er in Köln den Pfarrer-Georg- Fritze-Preis.

Verhaftung in Granada oder Treibt die Türkei in die Diktatur? von Doğan Akhanlı ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.
(JK 09/18) 

Can Dündar beim 10. Harbour Front Literaturfestival am Sonntag, 16. September

10. Harbour Front Literaturfestival
Hamburger Kammerspiele
Sonntag, 16.09.2018  11.00 Uhr
Hartungstr. 9, Hamburg
Eintritt: 12 / 15 Euro

Ich gehöre nirgends mehr hin: Can Dündar stellt sein Buch Tut was! vor, das bei Hoffmann und Campe erschienen ist. Sebastian Dunkelberg und Recai Hallaç lesen die Texte. Alex Rühle moderiert.

Der ehemalige Chefredakteur der türkischen Tageszeitung Cumhuriyet, die 2016 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde, saß wegen seiner mutigen Berichterstattung über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes nach Syrien drei Monate in türkischer Einzelhaft. Er wurde zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt und ist nur knapp einem Mordanschlag entkommen. Can Dündar ging nach Deutschland ins Exil und setzt seinen Kampf für die Pressefreiheit in seinem Land und gegen Erdoğan von hier aus fort. In TUT WAS! plädiert Can Dündar leidenschaftlich für eine aktive Demokratie. Seit Populismus zur globalen Krankheit geworden ist, braucht es Bürger, die sich aktiv an der Politik beteiligen und ihre Stimme lautstark zu Gehör bringen. Can Dündar ist sich sicher: Wenn wir uns jetzt nicht einmischen, ist alles verloren...

Can Dündar, geboren 1961, studierte Journalismus in Ankara und London und promovierte 1996 in Politikwissenschaften. Er schrieb für diverse Zeitungen, publizierte über zwei Dutzend Bücher und produzierte zahlreiche Fernsehdokumentationen. Er war Chefredakteur der renommierten Tageszeitung Cumhuriyet und schreibt die Kolumne Meine Türkei in der Wochenzeitung Die Zeit. Er ist Gründer und Chefredakteur der journalistischen Plattform #Özgürüz. Dündar lebt und arbeitet zurzeit in Berlin im Exil.

Tut was! von Can Dündar ist bei Hoffmann und Campe erschienen.
(JK 09/18)

Lessingtage 2018 mit Can Dündar

Thalia Theater
Sonntag   21.01.2018  11.00 Uhr 
Alstertor 1, Hamburg
Eintritt: 5 / 8 Euro

Lessingtage 2018: „Kein Mensch muss müssen!“ So politisch und kämpferisch wie selten zuvor präsentieren sich die Lessingtage 2018, das kündigt sich schon mit der Eröffnungsrede von Can Dündar an diesem Sonntag zum Thema „Die Bedrohung der Demokratie in Europa“ an.

Der „Europäische Journalist des Jahres“ war Chefredakteur der regierungskritischen türkischen Tageszeitung „Cumhuriyet“ und lebt heute in Deutschland im Exil. In der Türkei wird ihm Landesverrat vorgeworfen.

Das bei Hoffmann und Campe neu erschienene Buch Verräter mit seinen „Aufzeichnungen im Exil“ zeigt ein Porträt des engagierten Journalisten auf dem Cover, über seinem Mund steht in Großbuchstaben der Titel: Verräter. Wie schwer ihm die Entscheidung gefallen ist, ins Exil zu gehen, kann man in seinem Buch nachlesen. Heute würde er mit Sicherheit im Gefängnis sitzen, wenn er 2016, als der Putschversuch in der Türkei stattfand, nicht zufällig in Barcelona gewesen wäre. Die türkische Regierung scheut keine Mühen, ihn mundtot zu machen. Kurz nach dem Putschversuch wurden 900 000 Schulbücher in der Türkei eingestampft, nur weil sie einen Text von Dündar enthielten, der heute die wichtigste Stimme der oppositionellen Türkei in Europa ist und ungebrochen für eine demokratische Türkei wirbt.

Can Dündar, geboren 1961, studierte Journalismus in Ankara und London und promovierte 1996 in Politikwissenschaften. Dündar schrieb für diverse Zeitungen, publizierte über zwei Dutzend Bücher und produzierte 16 Fernsehdokumentationen. Dündar erhielt den Menschenrechtspreis 2015 der Organisation Reporter ohne Grenzen und wurde 2016 ausgezeichnet mit dem Leuchtturm-Preis des Netzwerks Recherche, dem Hermann-Kesten-Preis des PEN-Zentrums Deutschland, der Goldenen Victoria für Pressefreiheit des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger, dem Preis für Freiheit und Zukunft der Medien von der Medienstiftung Leipzig sowie zuletzt dem Gustav-Heinemann-Bürgerpreis der SPD. Dündar lebt und arbeitet zurzeit in Berlin, seine Frau weiterhin in Istanbul. Ihr wurde die Ausreise verweigert.

Verräter von Can Dündar ist bei Hoffmann und Campe erschienen.
(JK 01/18)

Ahmet Ümit bei 9. Harbour Front Literaturfestival am Montag, 18. September

9. Harbour Front Literaturfestival
Zentralbibliothek Hamburger Bücherhallen
Montag  18.09.2017  20.00 Uhr 
Hühnerposten 1 (Eingang: Arno-Schmidt-Platz), Hamburg
Eintritt: 12 Euro

Ahmet Ümit stellt seinen Krimi Die Gärten von Istanbul vor, der bei btb erschienen ist. Sebastian Dunkelberg liest die deutschen Texte und Sabine Adatepe moderiert den Abend.

Istanbul, die unbezähmbare Stadt zwischen zwei Kontinenten. Ein magischer Ort, wo Geschichte geschrieben wurde und sich noch heute unzählige Geschichten ineinander verweben. Kaum einer kennt ihn so gut wie Nevzat, Oberinspektor des Morddezernats. Und kaum einer leidet an ihm wie er, dessen Frau und Tochter dort Opfer eines Verbrechens wurden. Und doch wird er hinzugezogen, als an der Atatürk-Statue eine Leiche gefunden wird. Das Opfer, Professor für Kunstgeschichte, war anerkannt in Istanbuls intellektuellen Kreisen. Ebenso wie seine Exfrau Leyla, Museumsdirektorin im legendären Topkapı Palast. Kurz darauf wird eine zweite Leiche gefunden. Wieder an einem von Istanbuls Wahrzeichen. Und die Serie reißt nicht ab. Sieben Leichen an sieben historischen Stätten – und nur ein einziger Faden scheint die Fälle miteinander zu verbinden: die jahrtausendealte Geschichte einer der geheimnisvollsten und faszinierendsten Städte der Welt...

Ahmet Ümit wurde 1960 in Gaziantep im Südosten der Türkei geboren. Von 1974 bis 1989 war er aktives Mitglied der Türkischen Kommunistischen Partei. In den Achtzigerjahren schrieb er nicht nur seine ersten literarischen Texte, sondern studierte auch an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften in Moskau, was zu jener Zeit nach türkischem Recht illegal war. Während der Militärdiktatur von 1980–1990 war Ahmet Ümit im Untergrund aktiv und musste zeitweise selbst untertauchen. Zwar blieb er seinen linken Überzeugungen treu, doch die autoritären Züge der Kommunistischen Partei sah er kritisch. Er zog sich aus der aktiven Politik zurück und konzentrierte sich aufs Schreiben. Ahmet Ümit gilt als einer der Wegbereiter des Kriminalromans in der Türkei. Nebenbei schreibt er Drehbücher für TV-Krimiserien. Ahmet Ümit ist einer der meistgelesenen Autoren in der Türkei, einige seiner Bücher wurden erfolgreich verfilmt.

Die Gärten von Istanbul  von Ahmet Ümit ist bei btb erschienen.
(JK 09/17)

Gaye Boralıoğlu beim 9. Harbour Front Literaturfestival am Sontag, 17. September

9. Harbour Front Literaturfestival
Zentralbibliothek Hamburger Bücherhallen
Sonntag  17.09.2017  17.00 Uhr 
Hühnerposten 1 (Eingang: Arno-Schmidt-Platz), Hamburg
Eintritt: 12 Euro

Eingeklemmt zwischen Wahrheit und Lüge: Gaye Boralıoğlu liest aus ihrem Roman Der Fall Ibrahim, der bei binooki erschienen ist. Safiye Can liest die deutschen Texte und Sabine Adatepe moderiert den Abend. 

„Wir versuchen, eine Sprache zu finden: eingeklemmt zwischen Wahrheit und Lüge, mit einer Zukunftshoffnung, die hinter den Wolken verschwindet, besorgt über unseren morgigen Tag“, schreibt die Autorin Gaye Boralıoglu in der taz, kurze Zeit nach dem Putsch, der Erdogan in die Hände spielte. Ihr neuestes Buch Der Fall Ibrahim ist in deutscher Übersetzung im Berliner binooki Verlag erschienen. Ibrahim ist spurlos verschwunden. Eine Journalistin und ein Pressefotograf begeben sich auf die Suche nach dem jungen Mann – sie verfolgen seinen Weg vom Heimatdorf über Antalya und Izmir bis nach Istanbul. Die Wahrheit bleibt verborgen. Was die beiden finden, ist ein 24 Reportagen und Fotografien umfassendes Dossier mit der Aufschrift Der Fall Ibrahim, das zwar keinen Aufschluss über den Vermissten gibt, dafür aber ganz nebenbei eine von paternalistischen Ideologien, Gewalt und Missbrauch geprägte Gesellschaft porträtiert.

Gaye Boralıoğlu, 1963 in Istanbul geboren, studierte Philosophie und arbeitete lange Zeit als Journalistin, Werbetexterin und Drehbuchautorin. Unter dem Titel Hepsi Hikâye erschien 2001 ihr erster Erzählband gefolgt von ihrem Romandebüt Meçhul (2004). Für ihren 2009 veröffentlichten Roman Aksak Ritim wurde sie mit dem Literaturpreis Notre Dame de Sion ausgezeichnet, 2013 erschien das Werk unter dem Titel Der hinkende Rhythmus im binooki Verlag auf Deutsch. Für den Band Mübarek Kadınlar erhielt sie 2015 den Yunus Nadi Preis für Kurzgeschichten, der Band erschien auf Deutsch unter dem Titel Die Frauen von Istanbul im Größenwahn Verlag, 2015.

Der Fall Ibrahim  von Gaye Boralıoğlu ist bei binooki erschienen.
(JK 09/17)

Petros Markaris und Esmahan Aykol beim 9. Harbour Front Literaturfestival am Sonntag, 17. September

9. Harbour Front Literaturfestival
Zentralbibliothek der Hamburger Bücherhallen
Sonntag  17.09.2017  14.30 Uhr  

Hühnerposten 1 (Eingang: Arno-Schmidt-Platz), Hamburg
Eintritt: 10 Euro
Petros Markaris und Esmahan Aykol im Gespräch über Kriminalromane und Istanbul – Heimat und Exil.  Annalena Schmidt liest die deutschen Texte und Birgit Hasselbusch moderiert den Abend.

Esmahan Aykol, geboren 1970 in Edirne in der Türkei, ist Schöpferin der sympathischen Kati-Hirschel-Romane. Die Romanfigur ist eine frühe literarische Referenz der Autorin an die Geschichte deutscher Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die zwischen 1933 und 1945 Exil in der Türkei gefunden haben. Kati Hirschel wird als Istanbuler Krimibuchhändlerin mit deutschen Wurzeln eingeführt. Diese Wurzeln weisen deutliche Bezüge zu dem Juristen und Rechtssoziologen Ernst Eduard Hirsch auf, der im März 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft aus seinem Amt als Richter entlassen worden war. 

Sie tanzt Tango, wohnt in einer schicken Wohnung mitten in Istanbul, die Liebhaber kommen und gehen – doch seit kurzem schwebt die Modejournalistin Nil in Lebensgefahr. Kati Hirschel begleitet in dem Krimi Istanbul Tango, erschienen bei Diogenes, ihren liebeskranken Angestellten Fofo zu einer Wahrsagerin – und kriegt gleich selbst eine Weissagung: Eine Leiche tauche bald in ihrer nahen Umgebung auf. Das ist für eine Krimibuchhändlerin und leidenschaftliche Leserin nichts Ungewöhnliches. Doch als sie hört, dass eine Bekannte von ihr in kritischem Zustand auf der Intensivstation liegt, wird Kati klar, dass die Wirklichkeit ihr mehr abverlangt, als mit einem Buch in der Hand auf dem Sofa zu sitzen: Hier sind ihre detektivischen Fähigkeiten gefragt. Bald findet Kati heraus, dass Nil, bevor sie eingeliefert wurde, an einem Roman arbeitete. Und der ist, obwohl er im fernen Argentinien spielt, gewissen Leuten ein Dorn im Auge.

Istanbul Tango von Esmahan Aykol ist bei Diogenes erschienen.

Petros Markaris, Sohn eines armenischen Kaufmannes und einer griechischen Mutter, verlebte seine Jugend in Istanbul, der Stadt, zu der er immer noch den größten Bezug hat. „Jeder, der mich als Menschen oder Schriftsteller kennt, weiß, dass ich keine Heimat habe, sondern nur eine Heimatstadt: Istanbul. Jetzt, in meinem 80. Lebensjahr, verliere ich auch meine Heimatstadt. Einerseits ist das ein sehr bitteres Gefühl. Andererseits kann ich mich von meiner Heimatstadt nicht trennen.“

Sieben Geschichten über Irrfahrer und Glückssucher in Griechenland, Deutschland und in der Türkei sind in dem Buch Der Tod des Odysseus, erschienen bei Diogenes, zusammengestellt worden. Über Verbrechen aus Hass, Neid und Angst gegenüber Rivalen und Fremden. Auch Kommissar Charitos tritt auf und beweist einmal mehr, dass finstere Zeiten nur mit Humor und Zusammenhalt zu überstehen sind. Der große griechische Krimiautor Petros Markaris – selbst ein Grenzgänger zwischen den Kulturen – gibt sich hier sehr persönlich.

Der alte Bettwarenhändler Odysseus hat niemanden mehr außer seinen Katzen. Als eine von ihnen stirbt, beschließt er, die übrigen ins Tierheim zu geben, Athen den Rücken zu kehren und seine letzten Lebensjahre in seiner geliebten Heimatstadt Istanbul zu verbringen. Doch als er dort ankommt, ist er nicht erwünscht. Petros Markaris versetzt den Mythos von der Irrfahrt des Odysseus in unsere Zeit. Die vorliegenden Geschichten handeln von Menschen, die wie der antike Held in der Fremde unterwegs sind, viele Prüfungen zu bestehen haben, dem Sirenengesang der Hoffnung lauschen und brutalen Widersachern ausgesetzt sind. Doch nicht nur unterwegs, sondern auch in der Heimat lauert Gefahr. In zwei Fällen ermittelt Kostas Charitos in Athen und stellt erstaunt fest, dass die griechische Kulturszene von Neidern und Verbrechern durchdrungen ist.

Der Tod des Odysseus von Petros Markaris ist bei Diogenes erschienen.
(JK 09/17)

Aslı Erdoğan beim 9. Harbour Front Literaturfestival am Sonntag, 17. September

9. Harbour Front Literaturfestival
Zentralbibliothek der Hamburger Bücherhallen
Sonntag  17.09.2017  12.00 Uhr 
Hühnerposten 1 (Eingang: Arno-Schmidt-Platz), Hamburg
Eintritt: 10 Euro

Eine der wichtigsten Stimmen der türkischen Opposition – Aslı Erdoğans politische Essays sind erstmals auf Deutsch bei Knaus erschienen unter dem Titel Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch.

„Ich werde weiterschreiben, damit ich nicht alles verliere. Man kann nicht schreiben, ohne sich die Hand zu verbrennen. Und im Moment brennen auch die Arme, der Kopf, die Haare. Aber ich bin nicht allein. Es gibt viele Menschen in der Türkei, die sich wie ich für die Demokratie einsetzen“, sagte Aslı Erdogan in einem Skype-Interview während der Leipziger Buchmesse. 

Aslı Erdoğan, die große türkische Romanautorin und Oppositionelle, ist zur Symbolfigur für die Meinungsfreiheit und das Ausmaß der türkischen Willkürherrschaft geworden. Für ihre Publikationen wurde sie viereinhalb Monate inhaftiert und ist momentan unter Auflagen für die Dauer des Gerichtsprozesses frei. Erstmals liegt nun eine Auswahl ihrer politischen Essays, die derzeit nicht in der Türkei erscheinen können, auf Deutsch vor. „Ihr Buch macht deutlich, wie unverzichtbar die Stimme und das Engagement einer Frau in jedwedem Freiheitskampf ist […] Seite für Seite wird man aufgerüttelt und Zeuge ihres unermüdlichen Widerstands“, schreibt die französische Zeitung Libération. Martin Behr von den Salzburger Nachrichten urteilt: „Ein wichtiges, erhellendes Buch in einer sich verdunkelnden Zeit.“

Die Freiheit des Wortes ist in der Türkei abgeschafft. Wie damit umgehen, und welche Rolle können Schriftstellerinnen und Schriftsteller in einer solchen Situation einnehmen? Der deutsche PEN und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels setzen sich sehr für die Freiheit des Wortes ein. Aslı Erdogan ist zu diesem Gespräch eingeladen. Sollte sie nicht kommen können, werden ihre Texte stellvertretend für alle Inhaftierten vorgelesen. 

Am Podiumsgespräch nehmen teil Regula Venske, Präsidentin des PEN Zentrum Deutschland, Semra Uzun-Önder, Literatürk Festivalleitung, und Sabine Adatepe, Übersetzerin.

Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch von Aslı Erdoğan ist bei Knaus erschienen.
(JK 09/17)

Barbaros Altug beim 9. Harbour Front Literaturfestival am Samstag, 16. September

9. Harbour Front Literaturfestival
Zentralbibliothek Hamburger Bücherhallen
Samstag  16.09.2017  19.00 Uhr 
Hühnerposten 1 (Eingang: Arno-Schmidt-Platz), Hamburg
Eintritt: 12 Euro

Brücken zwischen Istanbul und Berlin: Barbaros Altug liest aus seiner Novelle Es geht uns hier gut, die bei Orlanda erschienen ist. Sabine Adatepe moderiert den Abend.

Winter 2013/14. Eren, Ali und Yasemin sind in Berlin gestrandet, die Euphorie der Istanbuler Gezi-Proteste ist verflogen, die Wunden sind noch nicht verheilt. Umso größer sind die Erwartungen an ein neues Leben nach eigenen Vorstellungen. Das Leben geht weiter, oder doch nicht? Wie schmerzhafte Erinnerungen verarbeiten und neue Wege finden? Nach Wochen der Ungewissheit und quälenden Sinnfragen verändern zwei Nachrichten alles: Yasemins Baby und Erens Romanmanuskript…

Es geht uns hier gut baut Brücken im Geist von Gezi zwischen Gestern und Heute, zwischen Istanbul und Berlin und beweist die Macht von Liebe und Büchern. Aber es beschreibt auch ein Leben im Exil in Berlin mit all seinen Widersprüchen, Ängsten, Chancen und Neuanfängen.

Barbaros Altug ist Gründer der ersten türkischen Literaturagentur in Istanbul. Er schrieb jahrelang als Kritiker für verschiedene türkische Zeitungen. Seine Geschichten sind in verschiedenen Anthologien erschienen.

Es geht uns hier gut von Barbaros Altug ist bei Orlanda erschienen.
(JK 09/17)

Hakan Günday beim 9. Harbour Front Literaturfestival am Freitag, 15. September

9. Harbour Front Literaturfestival
Zentralbibliothek der Hamburger Bücherhallen
Freitag  15.09.2017   19.30 Uhr 
Hühnerposten 1 (Eingang: Arno-Schmidt-Platz), Hamburg
Eintritt: 12 Euro

Die Stimme der zornigen, jungen Türkei: Hakan Günday liest aus seinem Roman Flucht, der bei btb erschienen ist. Susanne Winkler liest die deutschen Texte und Sabine Adatepe moderiert den Abend.

Radikal und obszön, wahrhaftig und poetisch: Seine provozierenden Romane haben Hakan Günday in der Türkei zum Kultautor gemacht. Die türkische Miliyet hält ihn für „eine der größten literarischen Überraschungen“. „Ein Buch wie ein Faustschlag!“, schreibt die französische Libération über sein neues Buch Flucht.

Gazâ ist neun Jahre alt, als er vom Beruf seines Vaters erfährt: Ahad ist Schleuser und Menschenhändler. Und Gazâ ihm ein eifriger Schüler. Gemeinsam nehmen sie die "Ware" entgegen, lagern sie im "Depot" im Garten zwischen und transportieren sie dann weiter zur Ägäisküste. Je älter Gazâ wird, umso professioneller geht er vor. Er führt Statistiken, dokumentiert akribisch das Verhalten der Flüchtlinge und stellt anthropologische Studien an. Gazâs Schicksal scheint sich erst zu wenden, als es zu einem Unfall kommt, bei dem sein Vater stirbt. Er will Anthropologie studieren. Doch auf einmal bricht das Trauma auf. Gazâ ist außerstande, Menschen zu berühren. Gelingt ein Leben ohne die Begegnung von Mensch zu Mensch?

Hakan Günday, geboren 1976, studierte Französisch in der Türkei und in Brüssel, anschließend Politikwissenschaften in Ankara. Diplomatensohn, Bestsellerautor, Drehbuchautor, Provokateur, Enfant terrible der jungen türkischen Literatur. Seine Romane sind gleichermaßen Bestseller wie Kultbücher. Seine vielen Fans feiern ihn für seine politischen Kolumnen, seine öffentlichen Debatten und dafür, dass alles, was er tut, aus dem Rahmen fällt.

Flucht von Hakan Günday ist bei btb erschienen.
(JK 09/17)

Der 1. Debütantensalon am 9. Harbour Front Literaturfestival mit Fatma Aydemir und Felix Lobrecht am Donnerstag, 14. September

9. Harbour Front Literaturfestival
Nochtspeicher
Donnerstag  14.09.2017   19.00 Uhr 
Bernhard-Nocht-Str. 69,  Hamburg
Eintritt: 10  Euro
                                   
Debütantensalon – der 1. Abend mit Fatma Aydemir und Felix Lobrecht. Felix Lobrecht stellt seinen Roman Sonne und Beton vor, der bei Ullstein fünf erschienen ist. Fatma Aydemir stellt ihren Roman Ellbogen vor, der bei Hanser erschienen ist. Hans-Juergen Fink moderiert.

In den insgesamt vier Debütantensalons lesen jeweils zwei Autorinnen und Autoren um den mit 10.000 Euro dotierten Klaus-Michael Kühne-Preis, der am 22. September im Rahmen einer Lesung mit Kat Kaufmann verliehen wird. Im ersten Debütantensalon stellen Fatma Aydemir und Felix Lobrecht ihre Werke dem Hamburger Publikum vor.

Zwischen Deutschland und Türkei – eine junge Frau auf der Suche nach Heimat. Ellbogen von Fatma Aydemir ist ein warmherziger und wilder Debütroman.

Sie ist siebzehn. Sie ist in Berlin geboren. Sie heißt Hazal Akgündüz. Eigentlich könnte aus ihr eine gewöhnliche Erwachsene werden. Nur dass ihre aus der Türkei eingewanderten Eltern sich in Deutschland fremd fühlen. Und dass Hazal auf ihrer Suche nach Heimat fatale Fehler begeht. Erst ist es nur ein geklauter Lippenstift. Dann stumpfe Gewalt. Als die Polizei hinter ihr her ist, flieht Hazal nach Istanbul, wo sie noch nie zuvor war. Warmherzig und wild erzählt Fatma Aydemir von den vielen Menschen, die zwischen den Kulturen und Nationen leben, und von ihrer Suche nach einem Platz in der Welt. Man will Hazal helfen, man will mit ihr durch die Nacht rennen, man will wissen, wie es mit ihr und mit uns allen weitergeht.

Fatma Aydemir wurde 1986 in Karlsruhe geboren. 2007 bis 2012 studierte sie Germanistik und Amerikanistik in Frankfurt am Main. Seit 2012 lebt sie in Berlin und ist Redakteurin bei der taz. Als freie Autorin schreibt sie daneben für zahlreiche Zeitschriften, unter anderem Spex und das Missy Magazine. 

Ellbogen von Fatma Aydemir ist bei Hanser erschienen.

„Könn’ wa die Scheiße vielleicht ma leiser machen? Mann ey ...“, motzt ein Typ vor uns im Bus. Julius macht die Musik auf seinem Handy noch lauter und starrt den Typen an. Gino und ich fangen an zu lachen. „Ihr sollt die Scheiße ausmachen, hab ick jesagt!“, sagt der Typ und guckt böse. Sanchez steht grinsend auf. „Sie haben nicht das Recht, mich ‚Neger‘ zu nennen, Sir!“, ruft er plötzlich. Wir sind mitten in Neukölln, außer Julius und mir sitzen nur Ausländer im Bus. Alle drehen sich um und glotzen den Mann an. „Ick habe nicht ...“, stammelt er. „Iiieh, richtiger Nazi!“, ruft Gino. „Der Einzige, der hier ‚Neger‘ sagt, bin ick, Nigga!“, brüllt Sanchez. Er nimmt einen großen Schluck organgefarbene Mische und verzieht das Gesicht. Julius macht dasselbe Lied nochmal an. Der Mann steigt an der nächsten Haltestelle kopfschüttelnd aus. „Heil Hiter!“, brüllt Julius und nimmt Sanchez die Flasche aus der Hand. Ein heißer Sommer. Vier Jungs in den Hochhausschluchten der Großstadt. Eine folgenschwere Entscheidung. Hart und schnell erzählt Felix Lobrecht in Sonne und Beton vom Alltag in einer von Armut und Perspektivlosigkeit geprägten Welt, in der Streetsmartness und Humor mehr zählen als eine Schulausbildung.

Felix Lobrecht, geboren 1988, wuchs mit zwei Geschwistern bei seinem alleinerziehenden Vater in Berlin-Neukölln auf. Er ist Autor, Stand-Up-Comedian und einer der erfolgreichsten Slampoeten.

Sonne und Beton von Felix Lobrecht ist bei Ullstein fünf erschienen.
(JK 09/17)