Der neue bei S. Fischer
erschienene Roman Nackt schwimmen der chilenischen Bestseller-Autorin
Carla Guelfenbein erzählt von einer kompromisslose Liebe, die an den Abgrund der
chilenischen Geschichte gerät.
Morgana und Sophie
verbindet eine innige Freundschaft, bis Sophie von der Liebe zwischen ihrem
Vater Diego und Morgana erfährt. Diese Liebe ihrerseits wird von dem Putsch des
Militärs auf die Probe gestellt, und die Ereignisse überstürzen sich:
Begegnungen an ständig wechselnden Verstecken, eine Schwangerschaft, ein
geplatzter Fluchtversuch. Jahrzehnte später folgt Sophie einer leisen Ahnung
auf Versöhnung und versucht, das Schweigen über die damaligen Geschehnisse zu
brechen.
Nackt schwimmen ist
eine Geschichte, die die Zeitumstände und die Figuren perfekt einfängt. Mit
ihrem zarten Stil, der vielseitig und sehr persönlich ist, webt die Autorin
eine Geschichte, die den Leser bis zum Ende hin verzaubert, an dem Sophie wird
zu entscheiden haben, was sie mit ihren Erinnerungen und ihrer Geschichte
anfängt. Carla Guelfenbeins Melodrama zeigt die fehlende Kommunikation zwischen
Vergangenheit und Gegenwart, da sie beide Zeitebenen als autonom hinstellt. Sie
bedient sich dabei Stereotypen, insbesondere bei den Frauen, die aus einer
männlichen Perspektive gezeichnet sind. Sie sind in der Regel zerbrechlich,
schwach, charakterschwach, unterliegen regelmäßig männlicher Macht und sind
bereit ihr Leben einem Mann zuliebe zu opfern.
Carla Guelfenbein wurde
1959 in Santiago de Chile geboren. Mit siebzehn Jahren verließ sie Chile
zusammen mit ihrer Familie, weil diese in Opposition zum Regime Pinochets
zunehmend unter Druck geriet. Im englischen Exil studierte Carla Guelfenbein
Biologie und Design. Heute lebt sie als Schriftstellerin und Drehbuchautorin
wieder in ihrer Heimat. Ihr Roman Die Frau unseres Lebens war weltweit
ein Bestseller.
Nackt schwimmen von Carla
Guelfenbein ist bei S. Fischer erschienen.
(JK 11/12)

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