Aus der Sicht eines Mannes, eines Architekten hat
die argentinische Autorin Claudia Piñeiro ihr neues Buch Der Riss geschrieben, das im Unionsverlag erschienen ist.
Was kostet es, das Ruder noch einmal herumzureißen
und die eigenen Träume leben zu wollen? Seit zwanzig Jahren sitzt Pablo Simó im
selben Architekturbüro und schafft den Absprung nicht. Ebenfalls zwanzig Jahre
dauert seine Ehe mit Laura, mit der ihn nur noch die Gewohnheit und die
gemeinsame, pubertierende Tochter verbindet. Als unerwartet eine junge Frau ins
Büro kommt und nach Nelson Jara fragt, enthüllt sich allmählich ein Geheimnis,
in das Simó ebenso verwickelt ist wie sein Chef und eine Arbeitskollegin. Das
aufgetauchte Mädchen bringt das prekäre Gleichgewicht von Simós Leben ins
Schwanken. Und eine nach der anderen entgleiten ihm die Gewissheiten, die ihn
bis zu diesem Augenblick getragen haben.
Claudia Piñeiros Bücher sind nur schwer einem Genre
zuzuordnen. Gerne wird sie als Krimiautorin bezeichnet, ihre Bücher sind jedoch
eigentlich keine Krimis. Es kommt zwar zu einem Mord in ihren Büchern, aber der
hat meistens eine ganz bestimmte Wirkung und die Aufklärung steht nicht in
erster Linie im Vordergrund. In ihrem neuen Buch geht es um eine Midlife-Crisis
und sie geht mit der argentinischen Mittelschicht hart ins Gericht. Als
Projektionsfläche hat sie die windige Immobilienbranche gewählt. Der Riss ist
zwar auch an den Gebäuden zu erkennen, markiert aber vor allem den Einschnitt
in das Leben des Helden. Je länger das Buch voranschreitet desto mehr kommt
aber auch eine unterschwellige Spannung auf, die den Leser nicht mehr loslässt.
Man will wissen, was denn tatsächlich geschah und so ist sie dann doch wieder
eine Krimiautorin, die aber dann am Ende mit einem humorvollen Ende wieder
schwer einzuordnen ist. Aber das ist gerade der Reiz der Bücher von Claudia
Piñeiro.
Claudia Piñeiro, Shootingstar der argentinischen
Literatur, wurde 1960 in Buenos Aires geboren. Nach dem Wirtschaftsstudium
wandte sie sich dem Schreiben zu, arbeitete als Journalistin, schrieb
Theaterstücke, Kinder- und Jugendbücher und führte Regie fürs Fernsehen. Ihr
Debütroman Ganz die Deine kam 2003 in
die Endauswahl für den Premio Planeta, und für ihren zweiten Roman Die Donnerstagswitwen erhielt sie 2005
den Premio Clarín. Für ihren dritten Roman Elena
weiß Bescheid wurde sie mit dem LiBeraturpreis 2010 ausgezeichnet. Ihre
Romane sind auf den Bestsellerlisten zu finden und werden in mehrere Sprachen
übersetzt und verfilmt.
Der Riss von Claudia Piñeiro ist im Unionsverlag erschienen.
(JK 12/11)

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