Der zweite Roman des jungen Südafrikaners K. Sello
Duiker Die
stille Gewalt der Träume, erschienen
bei Wunderhorn, wirft ein Schlaglicht auf die aktuelle südafrikanische
städtische Kultur.
In kraftvollen Bildern schildert er die Erfahrungen
und Bewältigungsstrategien eines jungen Einwohners von Cape Town, der früh mit
Gewalt, auch sexueller Gewalt, konfrontiert wird. Der Student Tschepo wird nach
einer drogenbedingten Psychose in eine psychiatrische Klinik gebracht. Nach
einem gescheiterten Fluchtversuch begibt er sich in Behandlung und wird gesund.
Nun kann er sein Studium beenden, teilt seine Wohnung mit einem ehemaligen
Kriminellen und gerät in weitere Turbulenzen. Sein Job als Callboy in einem
Massagesalon mit zumeist weißen Kunden führt ihn zur Reflexion über seine
eigene Sexualität und über schwarze Homosexualität in der
Post-Apartheid-Gesellschaft. Parallel zu Tschepos Leben erzählt Duiker die
Erfahrungen von Tschepos Studienfreundin und einziger Vertrauten Mmabatho, die
von ihrem deutschen Freund ungewollt schwanger wird.
In unserer Novemberausgabe hatten wir bereits den
Verlag Wunderhorn für sein Bemühen südafrikanische Autoren ins Deutsche zu
übersetzen gelobt. Mit K. Sello Duikers Roman Die stille Gewalt der Träume ist erneut ein grandioser Roman im Repertoire des
Verlags. Wer das Buch liest, muss allerdings gewappnet sein für das, was ihn
erwartet. Es ist ein düsteres Buch, das schonungslos die südafrikanische
Realität der Townships aufgreift, wo Brutalität und Gewalt an der Tagesordnung
sind. Bestürzend ist die Art wie K. Sello Duiker die sexuelle Gewalt
beschreibt. Seine Beschreibung einer orientierungslosen Jugend, die sich dem
Sex und der Gewalt hingibt, geht unter die Haut. Der Roman schlägt in Bann,
gerade weil er auf nahezu perfekte Art stimmig ist. Umso härter trifft es den
Leser, wenn man weiß, dass der Autor selber am Leben zerbrochen ist und wir nichts
Neues mehr von ihm lesen werden. Gerne hätte wir mit seinen Augen die
Entwicklung in Südafrika weiter verfolgt.
K. Sello Duiker (eigentlich Kabelo Duiker) wurde
1974 in Soweto, Südafrika geboren. Er studierte Journalistik und
Kunstgeschichte in Grahamstown. Sein Debütroman Thirteen Cents wurde im Jahr 2001 mit dem Commenwealth Writers
Prize in der Kategorie ‚Bester Erstlingsroman – Afrika‘ ausgezeichnet. Auch
seinen zweiten Roman The Quiet Violence
of Dreams, erschienen 2002, nahm die internationale Literaturkritik sehr
positiv auf. Der Autor erhielt für ihn den Herman Charles Bosman Preis. 2003
bekam er ein Literaturstipendium der Stiftung kunstraum:sylt quelle. Im Januar
2005 nahm sich K. Sello Duiker das Leben.
Die stille Gewalt der Träume von K. Sello Duiker ist bei Wunderhorn erschienen.
(JK 12/11)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen