Baha Taher: Die Oase (Unionsverlag)


In Baha Tahers preisgekrönten Roman Die Oase, der im Unionsverlag erschienen ist, begibt sich der Autor auf die Spuren der wechselhaften Geschichte Ägyptens.

Das 19. Jahrhundert neigt sich dem Ende zu, als der politisch in Ungnade gefallene Machmud Abdel Sahir von Kairo in die abgelegene und gefährliche Oase Siwa nahe der libyschen Grenze versetzt wird. Er weiß, dass zwei seiner Vorgänger ermordet wurden. Aber weiß er auch wirklich, was ihn erwartet?

Siwa ist eine eigene Welt mit ureigenen Gesetzen. Auf Schritt und Tritt erwacht die Geschichte: Das Orakel von Alexander dem Großen, das Bad der Kleopatra, der hartnäckige Widerstand der berberischen Einwohner gegen alle Eindringlinge. In Siwa gerät Machmud zwischen die Fronten der sich untereinander bekriegenden Einwohner. Catherine, seine irische Frau, bringt mit ihrer Art die ganze Gemeinschaft gegen sich auf. Als die Kluft zwischen Besetzer und Besetzten, Frau und Mann, Traum und Realität immer weiter wird, erreichen die Spannungen ihren Höhepunkt.

Bahar Taher sagte in einem Interview zu seinem 2007 erschienenen Werk, dass sein Held auch für die Zeit der Niederlagen der arabischen Völker steht, die sich zwar von ihren Besatzern befreiten, dafür aber Diktatoren bekamen. Insgesamt ist Tahars Roman nicht leicht zu lesen. Es gibt mehrere Ich-Erzähler in verschiedenen Zeitebenen. Taher beschwört das reiche kulturelle Erbe Ägyptens mit den zahllosen Bereicherungen von außen. Dabei waren die Zeiten immer geprägt von menschlichen Schwächen.

Baha Taher, geboren 1935 in Karnak, veröffentlichte 1964 seine erste Kurzgeschichte. Sechs Romane, weitere Kurzgeschichten und nichtfiktionale Arbeiten folgten. Nach vielen Jahren des Exils in der Schweiz, wo er als Übersetzer der UN in Genf tätig war, ist Baha Taher wieder nach Ägypten zurückgekehrt. Für seinen Roman Die Oase erhielt Baha Taher 2008 den International Prize for Arabic Fiction.

Die Oase von Baha Taher ist im Unionsverlag erschienen.
(JK 12/11)

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