Mario Vargas Llosas beliebtester Roman Tante Julia und der Schreibkünstler
wurde vom Suhrkamp Verlag in einer Neuübersetzung von Thomas Brovot aufgelegt.
Sie beweist erneut seinen ganzen Witz, seine Lebendigkeit und seine unerhörte
sprachliche Spielfreude.
Tante Julia, eine so attraktive wie kapriziöse
32jährige, taucht nach ihrer Scheidung in Lima auf, wo sie einen standesgemäßen
neuen Ehemann zu finden hofft. Doch es kommt anders. Ihr eigener Neffe Mario
verliebt sich in sie, ein gerade 18jähriger Student, der mit einem Job bei
einem Radiosender etwas Geld verdient und von seinem zukünftigen Leben als
Schriftsteller über den Dächern von Paris träumt. Aus der anfänglichen
Verliebtheit der beiden wird die große Liebe, die zum Skandal führt: Der
Familienclan versucht, eine Heirat um jeden Preis zu verhindern. Mario und
Tante Julia fliehen, und auf einer irrwitzigen Fahrt durchs Land suchen sie
einen bestechlichen Bürgermeister, der den Minderjährigen mit seiner Tante
traut.
Eine turbulente Liebesgeschichte voller
Verwicklungen – und nach dem Zeugnis des Autors bis in Einzelheiten
autobiographisch. Und das Komische: Sie verwebt sich in grotesker Weise mit den
Radiohörspielen, die Marios Kollege beim Rundfunk, der phänomenale Pedro
Camacho, pausenlos und im strengen Dienst an der Kunst in die Schreibmaschine
hämmert. In seinen von ganz Peru begeistert verschlungenen Serien sind Inzest,
Familientragödien, keuscheste Liebe und Verführungskünste von Nymphchen der
Stoff, aus dem das Leben ist. Fasziniert lauscht ihm Mario, der Adept der
Schreibkunst, der sich an eigenen Erzählungen versucht und sie unter den
vernichtend wohlwollenden Kommentaren seiner Kollegen eine nach der anderen in
den Papierkorb befördert. Und wir, die Leser, lauschen den von Vargas Llosa
nacherzählten Serien des Pedro Camacho mit offenem Mund: ihre böse Perfektion und
die unverschämte Gerissenheit ihrer Erfindungen sind unwiderstehlich.
Mario Vargas Llosa, geboren 1936 in Arequipa/Peru,
studierte Geistes- und Rechtswissenschaften in Lima und Madrid. Bereits während
seines Studiums schrieb er für verschiedene Zeitschriften und Zeitungen und
veröffentlichte erste Erzählungen, ehe 1963 sein erster Roman Die Stadt und die Hunde erschien. Der
peruanische Romanautor und Essayist ist stets als politischer Autor aufgetreten
und ist damit auch weit über die Grenzen Perus hinaus sehr erfolgreich. Zu
seinen wichtigsten Werken zählen Das
grüne Haus, Das Fest des Ziegenbocks,
Tante Julia und der Kunstschreiber
und Das böse Mädchen. Vargas Llosa
ist Ehrendoktor verschiedener amerikanischer und europäischer Universitäten und
hielt Gastprofessuren unter anderem in Harvard, Princeton und Oxford. 1990
bewarb er sich als Kandidat der oppositionellen Frente Democrático (FREDEMO)
bei den peruanischen Präsidentschaftswahlen und unterlag in der Stichwahl.
Daraufhin zog er sich aus der aktiven Politik zurück. Neben zahlreichen anderen
Auszeichnungen erhielt er 1996 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und
2010 den Nobelpreis für Literatur. Heute lebt Mario Vargas Llosa in Madrid und
Lima.
Tante Julia und der Schreibkünstler von Mario Vargas Llosa ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 12/11)

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