Zu einem Ereignis in der kommunistischen
Weltgeschichte führt der neue Roman Der
Mann, der Hunde liebte des kubanischen Schriftstellers Leonardo Padura, der
im Unionsverlag erschienen ist.
„Tötet ihn nicht! Dieser Mann muss reden“, rief der
schwer verwundete Trotzki seinen Leibwächtern zu, als sie sich auf den Mann
stürzten, der ihn mit einem Eispickel niedergeschlagen hatte. Leonardo Padura
bringt ihn zum Sprechen. Ein rätselhafter Mann, der mit seinen beiden
Windhunden am Strand spazieren geht, erzählt dem kubanischen Schriftsteller
Iván die Geschichte des Trotzki-Mörders Ramón Mercader. Doch woher kennt dieser
Unbekannte all die Facetten aus Mercaders Leben?
Leonardo Paduras vielschichtiger Roman führt uns an
verschiedenste Schauplätze der Weltrevolution: ins Bürgerkriegsspanien, nach
Moskau während der stalinistischen Schauprozesse, ins Mexiko Frida Kahlos und
Diego Riveras, ins Prag von 1968, nach Kuba. In atemberaubender Prosa erweckt
er die Protagonisten zu neuem Leben, zeigt sie in ihrer Bereitschaft zur
völligen Selbstaufgabe zugunsten einer Ideologie – und zieht die Bilanz der
gescheiterten Utopien eines Jahrhunderts.
Die Idee für seinen Roman bekam Padura, als er
zufällig herausfand, dass der Trotzkij-Attentäter Ramón Mercader bis zu seinem
Tod 1978 unerkannt in Kuba lebte. In seinem Roman erzählt Padura parallel die
Lebenswege Trotzkis und die seines Mörders bis sie am Ende aufeinanderstoßen.
Interessant ist der dritte Erzählstrang, wo Padura nämlich ungeschminkt über
die kubanische Realität schreibt, in der der Täter Unterschlupf fand.
In der Biographie des Ramón Mercader gibt es viele
ungeklärte, dunkle Punkte, die Padura zum Anlass nimmt, sie romanhaft
auszuschmücken. Das ist auch das Erfolgsrezept für dieses Buch, dass Padura es
meisterhaft versteht historische Fakten und Fiktion zu einem spannenden Roman
zu mischen. Das führte denn auch dazu, dass das Buch in Kuba selbst
veröffentlicht wurde und dort Erfolg hat.
Leonardo Padura, geboren 1955 in Havanna, schloss
1980 ein Lateinamerikanistik-Studium in Havanna ab und schrieb zunächst für
verschiedene kubanische Zeitschriften. Bald gehörten seine Reportagen zu den
meistgelesenen in Kuba. Zu seinen Buchveröffentlichungen zählen Romane,
Erzählbände, literatur-wissenschaftliche Studien sowie Reportagen und
Interviews. International bekannt wurde er mit seinem Kriminalromanzyklus Das Havanna-Quartett. Neben vielen
anderen Auszeichnungen erhielt er den Premio Café de Gijón sowie dreimal den
spanischen Premio Hammett. 2009 wurde er für sein Gesamtwerk mit dem Premio
Raymond Chandler, dem wichtigsten italienischen Noir-Preis, geehrt. Leonardo
Padura lebt in Havanna.
Der Mann, der Hunde liebte von Leonardo Padura ist im Unionsverlag erschienen.
(JK 05/11)

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