Roberto Alajmo: Es war der Sohn (Hanser)

Mit grimmiger Komik zeichnet der sizilianische Autor Roberto Alajmo in seinem bei Hanser erschienenen Buch Es war der Sohn ein Bild der Ärmsten der Gesellschaft in Palermo.

Ein Familienmord im ärmsten Viertel Palermos in Italien gibt der Polizei Rätsel auf. Die ganze Familie gibt Tancredi die Schuld am Tod seines Vaters Nicola, und nach einer Weile sturen Schweigens gesteht der Sohn auch. Doch es gibt zu viele Ungereimtheiten. In Wahrheit war alles ganz anders: Im Streit um einen Kratzer im Auto des Vaters mischt sich ein Cousin ein, es löst sich ein Schuss. Nur ist der Cousin mit Job und Verdienst ein ungleich nützlicheres Familienmitglied als der Taugenichts Tancredi. Und so beschließt der Familienrat, der Polizei einen ganz anderen Tathergang zu erzählen.

Roberto Alajmo führt in seiner Geschichte drei Stränge zusammen. Zum einen der Mord in der Familie und die zunächst unverständliche Reaktion ein unschuldiges Familienmitglied zu opfern. Dann das Leid der Familie, ihre kleine Tochter in einer Auseinandersetzung zweier Mafiaclans verloren zu haben. Und schließlich die Charakterisierung der Menschen aus dem Teil der Gesellschaft, der oftmals ohne Selbstverschulden chancenlos bleibt, sei es aus Mangel an Bildung oder Antrieb. Dieser Teil hat es sich in der sozialen Hängematte bequem gemacht und klammert sich mit Zähnen und Klauen daran. Gerade den letzten Strang der Geschichte erzählt der Autor mit bissigem Humor und Sarkasmus. Überhaupt präsentiert uns Alajmo einen überaus unterhaltsamen Roman. Er führt uns ein schier unglaubliches Familienverständnis vor Augen. Die Familie gerät hier mehr zu einem Monster als zu einem Schoß der Geborgenheit, in der die verhängnisvollen Mechanismen von einer Generation zur nächsten durchgereicht werden.

Roberto Alajmo wurde 1959 in Palermo geboren. Seit 1988 ist er Redakteur beim sizilianischen Sitz der Rai und Theaterkritiker beim Giornale di Sicilia. Er ist Honorarprofessor für das Fach Geschichte des Journalismus an der erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität von Palermo. Roberto Alajmo  ist Autor mehrerer Romane, für die er Preise wie den Premio Mondello und den Premio Super Vittorini erhielt und die in die Endauswahl für den Premio Strega und den Premio Viareggio kamen. Er schrieb außerdem Theaterstücke und ein Libretto. Roberto Alajmo lebt als Autor und Journalist in seiner Heimatstadt Palermo.

Es war der Sohn von Roberto Alajmo ist bei Hanser erschienen.
(JK 06/11)

Keine Kommentare: