Ron Leshem: Der geheime Basar (Rowohlt Berlin)

Teheran im Jahr 2008: Voll heimlichem Lebenshunger beginnt der junge Kami aus der iranischen Provinz sein Studium in der riesigen Stadt – und ahnt nicht, welch wildes Leben unter dem streng muslimischen Alltag brodelt. Schon seine Tante Zahra, bei der er wohnt, ist eine Überraschung: Die einst gefeierte Filmdiva bildet mit zwei Nachbarn, der skurrilen Frau Safureh und dem schwulen Beamten Babak, einen verschworenen Kreis, dem sich nun dank Kamis Notebook die scheinbar grenzenlose Welt des Internets eröffnet. Dann entdeckt Kami die echten Abenteuer des Teheraner Untergrunds mit seinen geheimen Partys, mit Schwarzmärkten für Drogen, Sex und Schweinefleisch. Und er verliebt sich in die umwerfende Nilufar, eine Ministertochter, die den Luxus, ihren meerblauen Ferrari und bald auch Kami liebt – und ein extravagantes Hobby pflegt: Nilufar ist eine begeisterte Autorennfahrerin. Eine waghalsige und für eine Frau verbotene Leidenschaft, die zur Folge hat, dass schließlich der brutale Arm der Diktatur in die blühende Subkultur hineinfährt.

Die Konstellation des Buches macht einen aufmerksam. Ein Israeli, dessen Biographie erst einmal keine Verbindungen zum Iran aufweist, schreibt einen Roman über das Leben in Irans Hauptstadt Teheran, insbesondere über die urbane Subkultur. Da Israelis nicht in den Iran reisen dürfen, ist das Ergebnis umso interessanter. Leshems Roman liefert eine Menge Schlaglichter aus dem Leben in Teheran, das er über Kontakte zu Iranern in seinem Buch rekonstruiert. Interessante Charaktere hat Leshem gezeichnet und zeigt die Vielfältigkeit der Menschen und dass der Islam nicht als ein monolithisches Gebilde zu sehen ist. Aus dieser Sicht ist Leshems Buch ein wichtiger politischer Beitrag, wird der Iran von den Israelis als Feind Nummer Eins angesehen. Gerade weil Leshems Buch so voller menschlicher Schicksale und überbordender bewegender Eindrücke ist und der Autor sich mit den Gegebenheiten auch philosophisch auseinandersetzt, wird dem Leser besondere Aufmerksamkeit abverlangt. Dadurch ist Leshems Buch keine einfache Urlaubslektüre sondern ist es wert, sich mit Bedacht auseinander zu setzen

Ein so bewegender wie schillernder Roman über eine erste, gefährliche Liebe – und über ein Land, von dem wir nur wenig wissen.

Ron Leshem, 1976 in der Nähe von Tel Aviv geboren, war stellvertretender Chefredakteur der Tageszeitung Maariv und gehört seit 2006 zur Programmdirektion von Channel Two. Der geheime Basar stand wie schon Leshems Debütroman Wenn es ein Paradies gibt in Israel monatelang auf der Bestsellerliste. Für Wenn es ein Paradies gibt erhielt Ron Leshem 2006 den Sapir-Preis, den bedeutendsten Literaturpreis des Landes. Die Verfilmung des Buches unter dem Titel Beaufort wurde auf der Berlinale 2007 mit dem Silbernen Bären prämiert.

Der geheime Basar von Ron Leshem ist bei Rowohlt Berlin erschienen.
(JK 05/11)

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